Helen Mirren als Patricia Highsmith: Ein junger Literaturagent will die Autorin zu einem letzten Ripley-Roman bewegen. Anton Corbijn macht daraus ein psychologisches Kammerspiel.
Schweiz, 1995. Patricia Highsmith lebt zurückgezogen in ihrem selbst entworfenen Haus in den Alpen. Sie trinkt, raucht, meidet Gesellschaft und hat wenig Lust, noch einmal den Erwartungen ihres Verlags zu folgen. Dann erscheint Edward Ridgeway, ein junger Literaturagent, der sie überreden soll, einen letzten Ripley-Roman zu schreiben. Highsmith betrachtet den Besuch als Zumutung und versucht, Edward mit ihrer makabren Fantasie zu vertreiben. Doch der kennt ihr Werk besser als erwartet. Aus Wortgefechten wird ein Spiel, aus dem Spiel eine gemeinsame Erfindung. Die Grenzen zwischen Highsmiths Fantasie, Edwards Ehrgeiz und einer neuen Ripley-Geschichte beginnen zu verschwimmen.
Anton Corbijns Film besitzt alle Zutaten für ein elegantes literarisches Psychoduell: eine legendäre Autorin, einen ehrgeizigen jungen Besucher, eine abgeschlossene Umgebung und eine Figur namens Ripley, deren Geist jede moralische Grenze unterwandert. „Ein Talent fürs Morden“ ist weniger Biopic als raffinierte Versuchsanordnung. Helen Mirren muss Highsmith nicht sympathisch machen; interessanter ist, wie sie deren Schärfe, Misstrauen und boshafte Intelligenz sichtbar macht. Alden Ehrenreich spielt den Agenten als Eindringling, Bewunderer und möglichen Manipulator. Gerade daraus entsteht Spannung: Wer benutzt hier wen? Wer schreibt die Geschichte, und wer spielt nur eine Rolle darin? Corbijns kühle Bildsprache dürfte diesem Stoff sehr entgegenkommen. Nach „Control“ und „A Most Wanted Man“ kennt er Figuren, die von inneren Geheimnissen bestimmt werden. Die Vorlage von Joanna Murray-Smith stammt vom Theater, was dem Film eine dialogstarke, konzentrierte Form gibt. Wenn aus Gesprächen Fallen werden, braucht es keine äußere Action. Der Thriller liegt hier in Blicken, Pausen, Machtverschiebungen und der dunklen Lust am Erzählen selbst.
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