Zwei Menschen wandern 2.000 Kilometer in drei Monaten: Yann Samuells Film verbindet körperliche Herausforderung mit Selbstfindung – ein französischer Film über Aufbruch, Heilung und die Kraft des Gehens. Fred ist eine Lehrerin, die suspendiert wird, sich dann aber entscheidet, sich bei einem Verein zu engagieren, der straffällige Jugendliche auf den rechten Weg zurückbringen will. Sie haben dann die Wahl: Gefängnis oder drei Monate Übergangswanderung. Soll heißen: 2.000 Kilometer Jakobsweg oder Knast. Auch Adam entscheidet sich für die Wanderung. Der junge Mann ist ein Problemfall, schnell aufbrausend, auch gewalttätig, was es Fred nicht leicht macht. Aber der Weg ist das Ziel und nach und nach beginnt sich eine Veränderung einzustellen. Die Übergangswanderungen hat sich Autor und Regisseur Yann Samuell nicht ausgedacht, sondern ein Sachbuch als Basis genommen. Ebenso sprach er mit Jugendlichen, die diesen Weg beschritten haben und ließ das in die Narrative einfließen. Er erfindet das Rad nicht neu, formal aber greift er auf ein interessantes Stilmittel zurück. Die Szenen auf dem Jakobsweg sind alle im Format 2,35:1, während er für alle anderen Szenen ein 4:3-Bild nutzt. Alleine das illustriert die Freiheit, die die Wanderung bietet, während das fast quadratische Bild der restlichen Handlung beengend wirkt. So, wie die Figuren sich fühlen müssen, insbesondere Adam, der eine harte Schale hat, unter der jedoch ein sensibler Junge versteckt ist. Wie es Fred gelingt, diese Sensibilität herauszukitzeln, ist eines der Highlights des Films. Es hebt ihn auch etwas von anderen Wanderfilmen ab, weil die Hauptfigur hier gar keine Lust hat, sich auf Wanderschaft zu begeben. Die Pilgerreise wird oktroyiert, aber sie wirkt, sie verändert, sie verleiht einen neuen Blick auf das Leben. Letzteres ist allen Filmen dieses Subgenres eigen. Sie kitzeln letztendlich nichts Neues heraus, weder bei der Geschichte, noch beim Publikum, aber sie sind Wohlfühlkino mit tollen Bildern. Quelle: programmkino.de / Peter Osteried
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