Thomas Mann kehrt 1949 mit Tochter Erika in ein zerstörtes Deutschland zurück. Paweł Pawlikowski erzählt in strengen Bildern von Exil, Schuld und familiärer Kälte.
1949 bereitet Thomas Mann im kalifornischen Exil seine Rückkehr nach Deutschland vor. Zur Verleihung des Goethe-Preises reist der Nobelpreisträger zunächst nach Frankfurt, begleitet von seiner Tochter Erika, die als Sekretärin, Dolmetscherin und emotionale Vermittlerin an seiner Seite bleibt. Deutschland liegt in Trümmern, politisch geteilt und moralisch erschüttert. Auf beiden Seiten der entstehenden Grenze wird Mann hofiert, verehrt, aber auch angefeindet. Während Politiker, Besatzungsoffiziere und Kulturbetrieb auf versöhnliche Worte hoffen, brechen im Hintergrund familiäre Spannungen auf. Besonders das Verhältnis zu Erika, aber auch der Schatten des abwesenden Klaus, machen die Reise zu mehr als einem offiziellen Besuch.
Michael Meyns hebt auf programmkino.de hervor, dass Paweł Pawlikowski „Vaterland“ als stilistisch markantes Porträt der deutschen Nachkriegszeit anlegt. Wie schon in „Ida“ und „Cold War“ arbeitet der Regisseur mit streng komponierten Schwarz-Weiß-Bildern, die weniger psychologische Nähe als historische Distanz erzeugen. Diese Form passt zunächst sehr gut zu Thomas Mann, der als Repräsentationsfigur erscheint: höflich, kontrolliert, gefeiert und doch fremd im Land seiner Herkunft. Der Film interessiert sich für ein schwieriges Verhältnis zwischen Deutschland und seinen Exilierten. Wer darf nach 1945 sprechen, wer darf vergeben, wer hat Schuld, wer hat überlebt? Gleichzeitig bleibt Pawlikowski seinen Figuren oft bewusst fern. Die großen Themen – Kultur, Schuld, Familie, Exil – werden in Vignetten angerissen, ohne immer dramatisch zugespitzt zu werden. Gerade Erika Mann erhält einzelne starke Momente, doch vieles bleibt angedeutet. Das kann kühl wirken, besitzt aber auch eine spröde Konsequenz: „Vaterland“ verweigert einfache Versöhnung. Der Film zeigt ein Land, das Trost erwartet, und einen Künstler, der selbst kaum Zugang zu seinen eigenen Wunden findet.
Quelle: programmkino.de / Michael Meyns
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