Ein alternder Taschendieb passt nicht mehr in das digitale New York. John Turturro gerät in Noah Segans Krimidrama wegen eines USB-Sticks in Lebensgefahr.
Harry Lehman ist ein Taschendieb aus einer anderen Zeit. In New York hat er früher Geldbörsen gestohlen, doch die Stadt hat sich verändert. Bargeld ist selten geworden, Kreditkarten lassen sich sperren, und sein altes Handwerk bringt kaum noch etwas ein. Zugleich kümmert sich Harry um seine beeinträchtigte Frau Rosie und versucht, irgendwie über die Runden zu kommen. Dann stiehlt und verkauft er unwissentlich einen wertvollen USB-Stick. Plötzlich hat er es mit einer rachsüchtigen Gangsterfamilie zu tun und muss quer durch New York versuchen, die Beute zurückzuholen. Aus einem kleinen Diebstahl wird eine gefährliche Mission durch eine Stadt, die Harry kaum wiedererkennt.
„The Only Living Pickpocket in New York“ klingt nach einem klassischen New-York-Film, der seine Melancholie aus dem Verschwinden alter Lebensformen gewinnt. Noah Segan erzählt von einem Mann, dessen Talent von der Gegenwart überholt wurde. Das ist eine schöne Grundidee: Der Taschendieb, einst Meister körperlicher Nähe und schneller Hände, ist plötzlich ein Relikt in einer Welt digitaler Spuren und sofort sperrbarer Karten. John Turturro ist dafür die ideale Besetzung. Er kann Harrys Würde, Verschlagenheit und Erschöpfung gleichzeitig sichtbar machen. Dass Steve Buscemi und Giancarlo Esposito zum Ensemble gehören, verstärkt den Eindruck eines Films, der tief im New Yorker Schauspielkino verwurzelt ist. Der Plot um den USB-Stick gibt der Geschichte Thriller-Energie, doch vermutlich liegt der Reiz weniger im MacGuffin als in der Figur. Harry bewegt sich durch eine Stadt, die nicht mehr für ihn gemacht ist, und muss ausgerechnet mit einem aussterbenden Handwerk überleben. Daraus kann ein lakonischer, warmherziger Krimi entstehen: ein Film über Alter, Ehe, Loyalität und die Kunst, im falschen Jahrzehnt nicht unterzugehen.