Nach einem rassistischen Anschlag kämpft eine Staatsanwältin gegen rechte Gewalt und institutionelles Wegsehen. Faraz Shariats Justizthriller ist wütend und kontrovers.

Seyo Kim arbeitet als Staatsanwältin und glaubt an den Rechtsstaat. Als sie selbst Opfer eines rassistischen Angriffs wird, erwartet sie entschlossene Ermittlungen. Stattdessen erlebt sie Abwehr, Verharmlosung und eine Behörde, die ihr eigenes Versagen nicht sehen will. Gegen die Anweisung ihrer Vorgesetzten beginnt Seyo auf eigene Faust zu recherchieren. In alten Akten stößt sie auf Fälle rechter Gewalt, die auffallend schnell eingestellt wurden. Der Versuch, einen Täter vor Gericht zu bringen, entwickelt sich zu einem Kampf um Wahrheit, Anerkennung und die Grenzen staatlicher Loyalität. Seyo muss erfahren, dass Recht nicht nur in Gesetzen existiert, sondern auch davon abhängt, wer gesehen, gehört und geschützt wird.

Michael Meyns beschreibt „Staatsschutz“ auf programmkino.de als agitatorischen Film, der seine Wut über institutionellen Rassismus offen zeigt, sich dabei aber auch erzählerische Vereinfachungen leistet. Faraz Shariat erzählt aus der Perspektive einer Frau, die den Rechtsstaat beruflich vertritt und zugleich erfahren muss, wie wenig er sie schützt. Daraus gewinnt der Film Dringlichkeit und Energie. Gleichzeitig wirkt die Gegenüberstellung von engagierter Staatsanwältin und pauschal blockierender Behörde sehr zugespitzt. Gerade darin liegt die Ambivalenz: „Staatsschutz“ stellt wichtige Fragen nach rechtem Terror, Akten, Zuständigkeiten und blindem Vertrauen in Institutionen, beantwortet sie aber mitunter eher emotional als differenziert. Als politischer Thriller ist der Film kraftvoll und unbequem, aber nicht frei von Vereinfachung. Seine Stärke liegt weniger in juristischer Genauigkeit als im Zorn über strukturelles Wegsehen. Die Inszenierung will nicht beruhigen, sondern zuspitzen und sichtbar machen, wie aus bürokratischer Sprache und interner Loyalität eine zweite Verletzung entstehen kann. Ein streitbarer Film, der Diskussionen provozieren dürfte.

Quelle: programmkino.de / Michael Meyns

Poster für den Film Staatsschutz
Regie Faraz Shariat Darsteller Chen Emilie Yan, Julia Jentsch, Alev Irmak