Jane Austen neu für 2026: Georgia Oakley erzählt von den Dashwood-Schwestern zwischen Gefühl und Vernunft, gesellschaftlichem Druck und der Suche nach einem selbstbestimmten Glück.
Nach dem Tod ihres Vaters verlieren Elinor und Marianne Dashwood ihr Zuhause. Das Anwesen fällt an den Halbbruder, und die Schwestern müssen gemeinsam mit ihrer Mutter in deutlich bescheidenere Verhältnisse umziehen. Elinor begegnet Edward Ferrars und entwickelt eine tiefe, aber zurückhaltende Zuneigung zu ihm. Doch familiäre Erwartungen und Standesgrenzen machen eine gemeinsame Zukunft unsicher. Marianne hingegen folgt offen ihren Gefühlen und verliebt sich in den charmanten John Willoughby. Zwischen Erbe, Ansehen, enttäuschter Liebe und gesellschaftlichen Zwängen müssen beide Schwestern lernen, was Vernunft leisten kann – und wo ohne Gefühl kein Glück möglich ist.
Die neue „Sinn und Sinnlichkeit“-Verfilmung ist kein Rückgriff auf Ang Lees Klassiker von 1995, sondern Georgia Oakleys eigene Annäherung an Jane Austens Roman. Interessant ist der Versuch, einen Stoff aus dem frühen 19. Jahrhundert für ein heutiges Publikum emotional unmittelbar zu erzählen, ohne seine historischen Bedingungen zu glätten. Die Dashwood-Schwestern leben in einer Welt, in der Liebe nie nur Herzenssache ist. Besitz, Erbrecht, Geld und gesellschaftliche Erwartungen bestimmen, wer frei entscheiden darf und wer vorsichtig sein muss. Daraus entsteht die zeitlose Spannung zwischen Elinors Selbstbeherrschung und Mariannes Leidenschaft. Daisy Edgar-Jones und Esmé Creed-Miles verkörpern diese gegensätzlichen Temperamente als Schwestern, die einander brauchen, obwohl sie die Welt verschieden lesen. Georgia Oakley, die mit „Blue Jean“ ein starkes Gespür für gesellschaftlichen Druck und weibliche Selbstbehauptung zeigte, dürfte Jane Austen weniger museal als lebendig betrachten. Der Reiz liegt nicht im Kostüm allein, sondern in den Fragen: Wie viel Vernunft verlangt die Liebe? Wie viel Gefühl verträgt eine Gesellschaft, die Frauen nur begrenzte Spielräume lässt? So kann aus dem bekannten Stoff eine frische, elegante Austen-Adaption für eine neue Generation werden.
Die Schauburg bietet sonntags wieder ihr bekanntes Frühstück an. Ab 10 Uhr können Sie sich an Mehr Infos...