Schauspielerin Nora stellt ihr Verhältnis zum lange abwesenden Vater auf den Prüfstand. Ein exzellent besetztes Drama über schwierige Familienverhältnisse. 

Für die 30jährige unter Lampenfieber leidende Schauspielerin Nora läuft es auch im Privaten eher durchwachsen, eine Familie hat sie nicht, nur eine Affäre mit einem verheirateten Bühnenarbeiter. Vor allem ihre etwas jüngere Schwester Agnes ist ihr Halt, so wie sie selbst einst Agnes unterstütze, als der Vater Gustav (Stellan Skarsgård) die Familie verließ. Das ist Jahre her, viel Kontakt haben die Schwestern mit ihrem Vater nicht gehabt, der einst ein erfolgreicher Regisseur war, nun aber von den Erinnerungen an den Ruhm lebt. Zur Trauerfeier von Nora und Agnes Mutter taucht Gustav überraschend auf, nicht ganz uneigennützig: Er hat ein Drehbuch geschrieben, in dem er auch den überraschenden Selbstmord seiner eigenen Mutter thematisiert... Gleich in der ersten Sequenz etabliert Joachim Trier einen weiteren Hauptdarsteller, das Haus der Familie. In einer rasanten Montagesequenz wird die Geschichte des Hauses erzählt, von Freud und Leid berichtet, das die Wände gehört haben, davon was sich bei Parties auf den Dielen abgespielt hat. In losen Szenen umkreist Trier seine beiden Hauptfiguren, deutet die Ursachen für die Antipathie an, die seit langem zwischen Nora und Gustav besteht. Im Gegensatz dazu steht Agnes, die vor vielen Jahren einmal in einem Film des Vaters eine Rolle spielte, so wie es nun Nora tun soll. Eine Szene aus diesem alten Film Gustavs deutet an, dass es sich auch damals um eine Variation von Gustavs Mutter handelte, die im Krieg gegen die deutsche Besatzung kämpfte. Ob sie an den Erinnerungen an diese Vergangenheit verzweifelte bleibt wie vieles offen, im Gegensatz etwa zu den Filmen von Ingmar Bergman, verzichtet Trier auf kathartische Szenen oder dramatische Konfrontationen. Es sind vor allem die beiden Hauptdarsteller Renate Reinsve und besonders Stellan Skarsgård die überzeugen und aus einem im Ansatz konventionellen Familiendrama einen gelungenen Film über ein schwieriges Tochter-Vater-Verhältnis werden lässt. Quelle: programmkino.de / Michael Meyns

Poster für den Film Sentimental Value
Regie Joachim Trier Darsteller Renate Reinsve, Inga Ibsdotter Lilleaas, Stellan Skarsgård
Frühstückskino - Büfett ab 10 Uhr - Film ab 11 Uhr
Sentimental Value
So | 07. Dez | 10:00 uhr

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