Die Geschichte einer Frau, die sich als Mann ausgibt, basierend auf Erzählungen aus dem 17. Jahrhundert, in denen sich der Wunsch nach Selbstbestimmung und Freiheit zeigt. Eines der Highlights der diesjährigen Berlinale. 

Unter einem breiten Hut versteckt Rose (Sandra Hüller) ihr Gesicht, die kurzen Haare, die Narbe auf der Wange, die es, zusammen mit der tiefen Stimme nicht schwer macht, sie für einen Mann zu halten. Allein der fehlende Bartwuchs unterscheidet sie von den Männern in der abgelegenen Gegend deutscher Lande, in der Rose eine Erbschaft antritt. Es ist nicht ihre, das weiß man dank der elegischen Erzählerstimme, die von Anfang an keinen Zweifel daran lässt, dass Rose eine Betrügerin ist, die sich als Mann ausgibt und ein schlimmes Ende erwartet. Aber noch ist es nicht so weit. Auf dem benachbarten Stück Land fließt ein Bach, doch den Zugriff will der Besitzer nur unter einer Bedingung erteilen: Eine seiner zahlreichen Töchter will er an den Mann bringen, nach kurzem Überlegen willigt Rose ein... Unweigerlich mag man bei der im 17. Jahrhundert, in der Zeit nach dem Ende des 30jährigen Krieg angesiedelten „Rose“ an die beiden Versionen der Geschichte von „Martin Guerre“ denken. 

In „Rose“ erzählt Markus Schleinzer nun quasi die weibliche Version dieser Geschichte. Im Gegensatz zu „Martin Guerre“ basiert „Rose“ nicht auf einer konkreten Person, sondern auf den offenbar erstaunlich zahlreichen Berichten über Frauen jener Zeit, die sich als Männer ausgaben. Zusammen mit seinem Co-Autor Alexander Brom hat Schleinzer eine Biografie geformt, die konkret aber auch allgemeingültig wirkt, die sich wie eine Fabel entfaltet. Größtenteils im Harz gedreht, gefilmt in markantem, kontrastreichen Schwarz-weiß, schildert Schleinzer das Schicksal Roses in klaren, fast dokumentarischen Bildern. Kaum eine Mine verzieht die Frau, kaum eine emotionale Regung ist auf dem vom Leid der Existenz gezeichneten Gesicht zu erkennen, auch, aber nicht nur durch den ständigen Zwang, eine Rolle auszufüllen. Konsequent führt Schleinzer seine allegorische Fabel zu ihrem unausweichlichen Ende, das die Grenzen der Freiheit aufzeigt, die im 17. Jahrhundert für eine Frau wie Rose existierten, die auf andere Weise auch heute noch nicht ganz verschwunden sind. Quelle: programmkino.de / Michael Meyns

Poster für den Film Rose
Regie Markus Schleinzer Darsteller Sandra Hüller, Caro Braun, Robert Gwisdek