Eine ziemlich beste Freundschaft der etwas ungewöhnlichen Art. Was „Fifty Shades of Grey” gerne gewesen wäre, das liefert diese lässige, queere RomCom im SM-Milieu. So frech und freizügig wie von Ralf König ausgedacht!

 

„Pillion“ nennen die Briten den Beifahrer auf dem Motorrad. Als Sozius in einer SM-Beziehung übernimmt diese Rolle der schüchterne Strafzettel-Schreiber Colin (Harry Melling aus „Harry Potter“). Bei einem Musikauftritt in einem Pub entdeckt der schmächtige Held den gutaussehenden Biker Ray (Alexander Skarsgård) im übercoolen Leder-Outfit. Colin ist begeistert, aber weiß natürlich zu gut, dass solche Typen in einer ganz anderen Liga spielen und unerreichbar für ihn sind. Doch weit gefehlt! Er bekommt nicht nur die Telefonnummer des Machos, sondern alsbald auch ein Date. Mehr noch: Er soll bei ihm einziehen und die Sklaven-Rolle übernehmen. Dass er fortan nur auf dem Fußboden schlafen darf, stört den schwer verknallten Colin keineswegs. An anderen Erniedrigungen findet er gleichfalls großen Gefallen. Mit neuer Frisur samt neuem Outfit ist er in der Motorrad-Gang seines Meisters schnell aufgenommen. Nur die Mutter reagiert etwas skeptisch auf die BDSM-Beziehung, die den Sohn zum devoten Untertanen degradiert. Colin scheint seine neue Partnerschaft in vollen Zügen zu genießen. Doch dann probt der Sklave plötzlich den Aufstand...

 

Basierend auf dem preisgekrönten Roman „Box Hill“ von Adam Mars-Jones, gelingt dem 33-jährigen Briten Harry Lighton ein erfrischend lässiges Kinodebüt der unkonventionellen Art. Nicht umsonst gab es dafür in Cannes in „Un Certain Regard“ den Preis für das beste Drehbuch. Im Unterschied zum lustlosen Hollywood-Plunder, dem fünffachen „Goldene-Himbeere“-Gewinner „Fifty Shades of Grey”, präsentiert diese kleine Indie-Produktion einen ebenso unverkrampften wie amüsanten Blick in die Sado-Maso-Welten. Mit „Harry Potter“-Mime Harry Melling und „Legend of Tarzan“-Darsteller Alexander Skarsgård ist die ziemlich perfekte Besetzung für ein ungleiches Liebespaar gefunden. Zwischen diesen beiden stimmt die Chemie spürbar gut. Den Namen des talentierten Regisseurs sollte man sich merken. Das ist keine allzu schwere Übung: Harry Lighton klingt schließlich wie eine Figur aus James Bond. 

 

Quelle: programmkino.de / Dieter Oßwald

Poster für den Film Pillion
Regie Harry Lighton Darsteller Alexander Skarsgård, Harry Melling, Lesley Sharp