Der fesselnde Politthriller nach dem Buch „Der Nazi und der Psychiater“ von Jack El-Hai überzeugt mit einem internationalen Top-Cast und hat viel über das Hier und Heute zu sagen. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wird Reichsmarschall Hermann Göring verhaftet.
Aufgrund der Größe des Verbrechens des Nazi-Regimes sollen die inhaftierten Parteigrößen aber nicht einfach exekutiert werden. Richter Robert Jackson setzt vielmehr alle Hebel in Bewegung, ein internationales Tribunal zu etablieren, das klarstellen wird, dass Staatenlenker für Verbrechen belangt werden können, für die es bis dahin keinen Tatbestand gab. Der Psychologe Douglas Kelley erhält den Befehl, die inhaftierten Nazis psychologisch zu evaluieren. Er entwickelt dabei eine besondere Beziehung zu Göring, einem Mann, den er als Narzissten einschätzt, der aber auch eine immense Menge Charme besitzt... Die Besetzung von Russell Crowe als Göring ist exzellent. Er füllt die Rolle mit Gravitas aus, vor allem aber verleiht er dem Mann Charme, so dass man die Sympathie, die Kelley für ihn empfindet, mehr als nur verstehen kann. Aber umso wirkungsvoller ist, als Kelley erkennt, dass Göring mit ihm gespielt hat. Es ist die Szene, als der Welt erstmals die durch die Befreier gemachten Aufnahmen aus den Konzentrationslagern gezeigt werden. In diesem Moment erkennt Kelley, dass Göring ihn angelogen hat, dass es ein System war, von dem der Reichsmarschall nicht nichts wissen konnte. Das gipfelt in einer Konfrontation in Görings Zelle, die schauspielerisch zum Besten gehört, was man dieses Jahr im Kino sehen kann. Bemerkenswert sind auch die Gerichtspassagen, bei denen Crowe und Michael Shannon als Ankläger Jackson glänzen. Michael Shannon, Russell Crowe und Richard E. Grant als britischer Ankläger spielten ihre Gerichtsszenen in vollständigen Einstellungen ohne Unterbrechung, die bis zu 25 Minuten dauerten. Im Schnitt des Films wird mit Gegenschnitten gearbeitet. Der in Ungarn gedrehte Film ist eine historisch sehr akkurate Darstellung. Ein wirkmächtiger Film, dessen Aussage in einer Zeit, in der das Völkerrecht mit Füßen getreten wird, wichtiger denn je ist. Beide sind, jeweils auf ihre Art, eine Warnung der Vergangenheit an die Gegenwart. Quelle: programmkino.de / Peter Osteried