Überlastete Ärzte, volle Kliniken, immer höhere Kosten. So geht es nicht nur in Deutschland, sondern auch in Dänemark, wie Zinnini Elkingtons Spielfilmdebüt zeigt, das ähnlich wie „Heldin“ die Folgen von Überlastung und Überstunden zeigt.
Ein neuer Arbeitstag beginnt für Alex (Özlem Saglanmak), Ärztin in der Neurologie eines Krankenhauses in Dänemark. Einmal mehr ist die Station unterbesetzt. Alex übernimmt die Aufsicht über die Station, damit auch über die Assistenzärztin Emilie (Mathilde Arcel F.), die nervös und übervorsichtig agiert. Ein junger Patient namens Oliver klagt über Kopfschmerzen, Emilie ist unsicher, ruft Alex hinzu, die den 18jährigen genau untersucht und in die Obhut seiner Mutter Camilla (Trine Dyrholm) entlässt. Doch noch bevor sie die Klinik verlassen haben, liegt Oliver auf dem Boden und fällt in ein Koma... „Det andet opfer“, das andere Opfer, lautet der Originaltitel des mitreißenden Dramas, das bei den dänischen Filmpreisen vielfach ausgezeichnet wurde. Kein Wunder, gelingt es Autorin und Regisseurin Zinnini Elkington doch, den Alltag in einem Krankenhaus intensiv und authentisch zu schildern. Gleich zu beginnt deutet Elkington ihre stilistischen Ambitionen in einer über 15 Minuten langen, ungeschnittenen Plansequenz an, die Alex beim Springen zwischen diversen Patienten folgt, während sie nebenbei Telefonate führt, von allen Seiten mit Informationen und Nachfragen bedrängt wird, dabei immer freundlich, aber auch distanziert zu wirken versucht und am Ende mit einem im Koma liegenden Patienten dasteht. Physisch spürbar wird in dieser Sequenz die systembedingte Überforderung von Ärzten, die in einem System funktionieren sollen, dessen Möglichkeiten durch Sparzwänge beschnitten werden, das zunehmend wie ein technokratisches Unternehmen funktionieren soll, obwohl am Ende immer noch Menschen mit Menschen interagieren. Ähnlich wie der vergleichbare „Heldin“ zeigt auch Zinnini Elkington in „Nachbeben“ auf authentische, emotionale Weise, wie das System Krankenhaus an seine Grenzen kommt, wie Ärzte und Pfleger versuchen, zu retten, was zu retten ist und dabei oft zwangsläufig scheitern. Ein mitreißender Film, hervorragend gefilmt und gespielt. Quelle: programmkino.de / Michael Meyns