Die Leica veränderte die Fotografie. Reiner Holzemers Dokumentarfilm folgt dem Mythos einer Kamera und den Bildern, die das 20. Jahrhundert geprägt haben.
Vor gut hundert Jahren entwickelte Oskar Barnack in Wetzlar eine kleine, bewegliche Kamera, die den Blick auf die Welt veränderte. Die Leica machte spontane Fotografie möglich und wurde zum Werkzeug von Reportern, Künstlern und Chronisten. Reiner Holzemers Dokumentarfilm blickt auf diese Geschichte und auf die Menschen, die mit Leica-Kameras ikonische Bilder geschaffen haben. Namen wie Henri Cartier-Bresson, Sebastião Salgado, Steve McCurry, Jane Evelyn Atwood, Ralph Gibson, Alex Webb oder Ragnar Axelsson stehen für sehr unterschiedliche Formen dokumentarischer Fotografie. Der Film führt in Archive, Werkstätten und an Orte, an denen Bilder entstehen, die mehr sind als technische Aufnahmen.
„Leica – Ein Jahrhundert in Bildern“ ist ein Film über eine Kamera, aber noch stärker über die Haltung, mit der Menschen fotografieren. Die Leica steht für Beweglichkeit, Nähe und den Versuch, Weltgeschehen nicht aus der Distanz, sondern mitten im Leben festzuhalten. Das verleiht Holzemers Dokumentarfilm seine Stärke, auch wenn der Mythos der Marke bisweilen sehr präsent ist. Interessant wird es immer dann, wenn die Technik in den Hintergrund tritt und die Fotografierenden erzählen: von Geduld, Instinkt, Risiko und der Verantwortung gegenüber dem Motiv. Die berühmten Bilder des 20. Jahrhunderts erinnern daran, dass Fotografie Geschichte nicht nur dokumentiert, sondern unser Bild von Geschichte überhaupt erst formt. Zugleich zeigt der Film, wie sehr dieser Mythos gepflegt wird – in Museen, Werkstätten und Erzählungen über Handarbeit, Präzision und Tradition. Das kann gelegentlich werblich wirken, wird aber durch die Vielfalt der Bildwelten aufgefangen. Am Ende bleibt weniger die Frage, warum gerade eine Leica verwendet wurde, sondern warum bestimmte Fotos unser Gedächtnis nicht mehr verlassen. Darin liegt der eigentliche Reiz dieses zugänglichen Dokumentarfilms.