Doku, die sich der Geschichte des Kinos widmet und der deutschen Arthouse-Kinoszene in ihrer Gesamtheit. Spannender, leidenschaftlich umgesetzter Film mit hoher Informationsdichte, nicht nur für Cineasten empfehlenswert.
Lange Zeit prägte das Arsenal das kulturelle Leben Tübingens. Das legendäre Programmkino schloss nach 50 Jahren im Februar 2024 seine Tore. Nachdem der letzte Film gezeigt wurde („Die letzte Vorstellung“ von Peter Bogdanovich), begleitet Filmemacher Goggo Gensch den Arsenal-Gründer Stefan Paul auf eine bewegende Reise. Gemeinsam besuchen sie die Orte, an denen in Deutschland Programmkino-Geschichte geschrieben wurde.
Den ganzen Film über erweist sich der Regisseur als interessierter, einfühlsamer Interviewer und Gesprächspartner. Ein Dokufilmer, der vor unangenehmen Fragen nicht zurückschreckt. So konfrontiert er Tübingens OB Boris Palmer mit der Frage, ob die Stadt vielleicht zu wenig unternommen habe, um das Kino zu retten. Daneben lasst Gensch Ikonen der Indie- und Arthouse-Szene (Wim Wenders, John Waters) ebenso zu Wort kommen wie Schauspieler (Ulrich Tukur), Wissenschaftler, Filmkritiker und Drehbuchautoren. Sie alle geben ihre kundigen Einschätzungen zur Lage der Programmkinokultur in Deutschland ab. Gensch erweist sich als akribischer, bewanderter Chronist – der weit in der Zeit zurückreist. Denn um die Bedeutung der lokalen Programmkinos zu verstehen, muss man einen Blick auf die späten 60er- und frühen 70er-Jahre werfen. Gerade bei jungen Leuten und Studenten verfestigte sich der Wunsch, dem Establishment in kultureller Hinsicht etwas entgegenzusetzen. Die Faktenfülle des Films ist beachtlich, dennoch bekommt der Zuschauer all diese Inhalte unaufgeregt präsentiert und in schlüssigen, angenehm konsumierbaren Informations-Häppchen serviert. Und ganz am Schluss kehrt Gensch dann wieder zum Ausgangsort zurück. Die Schilder im Arsenal werden abgehängt, die Sessel abmontiert und das Gebäude geräumt. Die Mitarbeiter machen letzte Fotos vom Vorführraum und Kinosaal. Es ist das Ende einer Kult-Spielstätte, von denen es in Deutschland aktuell noch einige Hundert gibt. Liebevoll geführte Kinos mit kuratiertem Programm, die sich gegenüber Streaming, IMAX & Co. wacker behaupten.
Quelle: programmkino.de / Björn Schneider