Ein Foto bringt eine Universität zum Beben: Eine gefeierte Professorin hat ihre Herkunft erfunden. Randa Chahoud macht aus Mithu Sanyals Roman eine furiose Campus-Komödie.
An der Universität Düsseldorf verehren viele Studierende Professorin Saraswati als Stimme postkolonialer Theorie. Auch Nivedita, Podcasterin unter dem Namen „Identitti“, orientiert sich an ihr. Dann entdeckt sie Hinweise, dass Saraswati gar keine Person of Colour ist, sondern sich ihre Identität konstruiert hat. Ein Foto aus der Vergangenheit gelangt ins Netz, der Skandal eskaliert unter dem Hashtag Saraswatgate. Während Medien, Campus und soziale Netzwerke nach schnellen Urteilen verlangen, versucht Nivedita herauszufinden, warum Saraswati so lange lügen konnte. Dabei gerät sie selbst in eine Identitätskrise, in der ihr ausgerechnet ihr Alter Ego Kaali zur Seite springt.
„Identitti“ ist ein Stoff, der nach Kino schreit, weil er theoretische Debatten in grelle Bilder, Streitgespräche und komische Überforderung übersetzen kann. Randa Chahoud und Drehbuchautorin Friederike Jehn greifen Mithu Sanyals Bestseller nicht als trockenes Diskursstück auf, sondern als Campus-Komödie mit Zündstoff. Die Themen sind groß: kulturelle Aneignung, Zugehörigkeit, Cancel Culture, akademische Macht, die Sehnsucht nach eindeutiger Identität. Der Film muss dafür einen Ton finden, der weder belehrt noch verharmlost. Gerade die Figur Nivedita ist dafür entscheidend: Sie ist nicht nur Beobachterin eines Skandals, sondern selbst verunsichert, verletzt und verstrickt. Amanda Babaei Vieira dürfte dieser inneren Bewegung ein Gesicht geben, während Stephanie Eidt als Saraswati eine Figur spielt, die zugleich Täterin, Projektionsfläche und Produkt eines akademischen Systems ist. Sabrina Setlur als Kaali bringt eine bewusst überhöhte, popkulturelle Ebene hinein. Wenn diese Mischung gelingt, kann „Identitti“ ein seltenes deutsches Kinoereignis werden: klug, frech, widersprüchlich und gerade deshalb zeitgemäß.