Eine alte Frau, ihre überforderte Tochter und ein Pflegeroboter: Doris Dörrie erzählt eine leise Zukunftsgeschichte über Einsamkeit, Fürsorge und Würde im Alter.

 

Frau Winkler ist eine achtzigjährige Witwe und lebt im Jahr 2030 weitgehend allein. Ihre Tochter Emi ist der wichtigste Mensch in ihrem Leben, doch als Emi ein Theaterengagement annimmt, kann sie sich nicht mehr wie gewohnt kümmern. Als Ersatz zieht ein Pflegeroboter ein, der im Alltag helfen soll. Frau Winkler begegnet der Maschine zunächst mit Skepsis und Kränkung: Was sagt es über eine Familie aus, wenn Fürsorge ausgelagert wird? Doch nach und nach entsteht eine merkwürdige Beziehung zu dem künstlichen Mitbewohner, den sie Pawlowitsch nennt. Während Tochter und Mutter mit Schuldgefühlen, Erwartungen und Abhängigkeiten ringen, wird der Roboter zum Auslöser einer größeren Frage: Was bedeutet Nähe, wenn Menschen einander lieben, aber nicht ständig füreinander verfügbar sein können?

 

Doris Dörrie nähert sich in „Frau Winkler verlässt das Haus“ einem hochaktuellen Thema mit der für sie typischen Verbindung aus Alltagsbeobachtung, Humor und Melancholie. Pflege, Alter und Einsamkeit werden hier nicht als abstraktes Sozialproblem verhandelt, sondern in einer Mutter-Tochter-Beziehung konkret. Angela Winkler ist für diese Rolle eine ideale Besetzung: Sie kann Würde, Trotz, Verletzlichkeit und komische Eigenwilligkeit gleichzeitig sichtbar machen. Laura Tonke dürfte als Tochter Emi eine Gegenfigur verkörpern, die nicht lieblos ist, sondern überfordert von den Ansprüchen an moderne Fürsorge. Der Roboter wird dabei zum Spiegel: Er macht sichtbar, was Menschen einander nicht sagen können. Die nahe Zukunft ist dadurch kein Science-Fiction-Spektakel, sondern eine kaum verschobene Gegenwart. Der Film fragt, ob technische Hilfe menschliche Nähe ersetzt oder neue Formen von Beziehung ermöglicht. Seine Stärke dürfte in den Grauzonen liegen: zwischen Verantwortung und Selbstbestimmung, Liebe und Überforderung, Abhängigkeit und dem Wunsch, das eigene Haus – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn – noch einmal zu verlassen.

Poster für den Film Frau Winkler verlässt das Haus
Regie Doris Dörrie Darsteller Angela Winkler, Laura Tonke, Klara Lange
Seniorenkino, 6€ inklusive einem Glas Sekt
Frau Winkler verlässt das Haus
Mi | 30. Sep | 14:30 uhr

Eine alte Frau, ihre überforderte Tochter und ein Pflegeroboter: Doris Dörrie erzählt eine Mehr Infos...

Tickets