In Eva Trobischs stillem Familiendrama ringen Angehörige um ihren Platz im Leben – zwischen Scheidung, Streit, Sehnsucht und Hoffnung. Ein leiser Film voller Subtexte, der im Berlinale‑Wettbewerb seine Weltpremiere feierte.

Greiz, eine Kleinstadt im Süden Thüringens gelegen, 20.000 Einwohner, nur ein paar Kilometer sind es nach Bayern, in den ehemaligen Westen, der einst ebenso nah wie fern war. Auch lange nach dem Mauerfall, der vor allem auf dem Papier vollzogenen Deutschen Einheit, bestimmen die Unterschiede zwischen Ost und West noch das Leben, vor allem aber das Denken und Fühlen der Menschen. Matze (Max Riemelt) hat lange im Westen gearbeitet, nun versucht er, sich in seiner Heimat etwas aufzubauen. Matze war lange mit Rieke (Gina Henkel) verheiratet, vor einiger Zeit hat das Paar sich getrennt. Ihre 17jährige Tochter Lea (Frida Hornemann) agiert ihrem Alter entsprechend, fremdelt mit sich und der Welt und hat es bei einer Castingshow im Stile von Deutschland sucht den Superstar in die zweite Runde geschafft…

Als episodisches Familiendrama ließe sich die Geschichte beschreiben, verzweigte Figurenverhältnisse werden angedeutet, oft so vage, dass manches nur zu erahnen bleibt. Was in den Zwischentönen passiert hat dabei größere Substanz, als das, was an der Oberfläche zu sehen oder zumindest zu ahnen ist. Als kleiner Ort an der ehemaligen innerdeutschen Grenze symbolisiert Greiz ein Land, dass immer noch nicht recht zusammengewachsen ist, in dem Konflikte unter der Oberfläche brodeln, ohne dass sie – zumindest in „Etwas ganz Besonderes“ – an die Oberfläche gelassen werden. Wenn die Tante von Katis Mutter bei der Eröffnung der kleinen Ausstellung nach einem Sekt zu viel etwas zu insistierend die Frage stellt, warum denn so viel EU-Förderung in das Projekt geflossen ist, hat man schon den emotionalsten Ausbruch einer Figur erlebt. Ein Film voller leiser Töne, genau beobachtet, der sich gut einfügt in die Reihe deutscher Filme, die sich mit den emotionalen Folgen und Konsequenzen der deutschen Einheit auseinandersetzen. Quelle: programmkino.de / Michael Meyns

 

Poster für den Film Etwas ganz Besonderes
Regie Eva Trobisch Darsteller Frida Hornemann, Max Riemelt, Eva Löbau