Drei Freundinnen, ein Anschlag und eine Öffentlichkeit, die schnelle Antworten verlangt. Milena Aboyans Romanverfilmung fragt, wem Wahrheit gehört und wer sie erzählen darf.

Kasih, Saya und Hani sind seit ihrer Kindheit eng verbunden. Jahre später treffen sie sich in ihrer früheren Siedlung wieder, weil eine gemeinsame Freundin heiratet. Am Abend der Feier brennt ein Mehrfamilienhaus. Es gibt Tote und Verletzte, Saya wird als Hauptverdächtige festgenommen. Sofort stehen Schlagworte im Raum: linksextrem, islamistisch, radikalisiert. Die Akte ist dünn, aber die öffentliche Erzählung entsteht schneller als die Wahrheit. Kasih versucht, ihrer Freundin zu helfen. In Gesprächen mit einer TV-Reporterin rekonstruiert sie gemeinsame Erinnerungen, Verletzungen, Widersprüche und die Frage, wie aus den drei Mädchen die Frauen wurden, die sie heute sind.

Milena Aboyan verfilmt Shida Bazyars Roman nicht als geradliniges Kriminaldrama, sondern als vielstimmige Auseinandersetzung mit Erinnerung, Rassismus, Verdacht und Deutungshoheit. Der Brandanschlag ist der Auslöser, aber der eigentliche Gegenstand ist eine Gesellschaft, die Menschen vorsortiert, bevor sie ihnen zuhört. Kasihs Versuch, eine Geschichte zu erzählen, wird zur Gegenwehr gegen fertige Zuschreibungen. Was ist Erinnerung, was Selbstschutz, was Wut, was Beweis? Der Film dürfte gerade aus diesen Unsicherheiten seine Kraft ziehen. Aboyan, die schon in „Elaha“ präzise von weiblicher Selbstbestimmung erzählte, interessiert sich für Figuren, die nicht repräsentativ sein wollen und doch ständig dazu gemacht werden. Die Freundschaft der drei Frauen ist dabei keine romantisierte Schutzburg, sondern ein kompliziertes Bündnis im Ausnahmezustand. Bayan Layla, Manal Raga a Sabit und Brikena Ray tragen eine Geschichte, die von Nähe und Misstrauen, Solidarität und Erschöpfung erzählt. „Drei Kameradinnen“ klingt nach einem wütenden, fordernden Film, der nicht beruhigt, sondern fragt, wer in Deutschland erzählen darf, was wahr ist.

Regie Milena Aboyan Darsteller Bayan Layla, Meret Becker, Eugene Boateng