Ulrike Ottinger, Elfriede Jelinek und Isabelle Huppert lassen die Blutgräfin durch Wien ziehen: ein opulenter, schräger Vampirreigen voller Schmäh und Schauwerte.
Die legendäre Erzsébet Báthory, gespielt von Isabelle Huppert, taucht im heutigen Wien auf. Gemeinsam mit ihrer treuen Begleiterin Hermine sucht sie nach einem Buch, das angeblich die Macht besitzt, alles Böse zu vernichten. Der melancholische Vampir-Neffe Baron Rudi Bubi von Strudl zur Buchtelau wird in die Suche hineingezogen, ebenso ein Psychotherapeut, Vampirologen und die Staatsmacht. Die Jagd führt durch prächtige Wiener Schauplätze: Nationalbibliothek, Narrenturm, Café Hawelka, Riesenrad und andere Orte werden zur Bühne einer exzentrischen Horrorfarce. Historische Vampirlegende, Wiener Schmäh, Operettenlust und literarischer Aberwitz verbinden sich zu einem eigenwilligen Bilderrausch.
Ulrike Ottinger erdet den Vampirstoff nicht psychologisch, sondern treibt ihn lustvoll ins Artifizielle, Opulente und Komische. „Die Blutgräfin“ will kein klassischer Horrorfilm sein. Der Film feiert Kulissen, Kostüme, Namen, Dialoge und die Lust an der Übertreibung. Dass Elfriede Jelinek die Dialoge schrieb und Isabelle Huppert die Báthory spielt, verleiht dem Projekt zusätzlichen Kunstanspruch, doch Ottinger nimmt diesen nie brav oder museal. Sie inszeniert eine Schnitzeljagd durch Wien, bei der Dramaturgie weniger zählt als Rausch, Farbe, Rhythmus und ironische Geste. Manches wirkt bewusst blutleer, anderes grandios überbordend. Gerade darin liegt der Reiz: Der Film ist Farce, Kunstkino, Vampirburleske und Stadtfilm zugleich. Lars Eidinger, Birgit Minichmayr, Karl Markovics und Conchita Wurst fügen sich in eine Welt, die keine Naturalistik behauptet, sondern ihre Künstlichkeit ausstellt. Wer stringente Handlung erwartet, wird sich schwer tun; wer Ottingers Sinn für Exzess, grotesken Humor und visuelle Pracht mag, bekommt ein Fest. Ein schillernder Tanz der Vampire mit Wiener Blut, morbider Eleganz und reichlich Wow-Effekten.