DDR, 1982: Ein Mann träumt von einer Reise nach Sizilien. Lars Jessen erzählt nach Motiven von Friedrich Christian Delius von Sehnsucht, Mut und Heimat.
Paul Gompitz lebt in der DDR und träumt davon, nach Syrakus zu reisen, auf den Spuren des Dichters Johann Gottfried Seume. Was anderswo eine persönliche Reiseidee wäre, wird für ihn zum kaum lösbaren Problem: Offizielle Ausreiseanträge scheitern, die Grenzen bleiben geschlossen. Doch der Wunsch, die Welt zu sehen, lässt Paul nicht los. Gemeinsam mit seiner Frau muss er abwägen, wie weit er gehen darf, ohne alles aufs Spiel zu setzen. Aus einer Sehnsucht wird ein Plan, der Mut, Loyalität und Vertrauen herausfordert. Dabei geht es nicht nur um eine Reise nach Sizilien, sondern um das Bedürfnis, ein selbstbestimmtes Leben wenigstens einmal auszuprobieren.
„Spaziergang nach Syrakus“ erzählt von Freiheit nicht als Parole, sondern als konkretem Wunsch, sich bewegen zu dürfen. Lars Jessen interessiert sich weniger für große politische Gesten als für einen Menschen, der den engen Rahmen seines Lebens nicht mehr akzeptieren will. Charly Hübner bringt Pauls Sturheit, Witz und Verletzlichkeit zusammen, Lina Beckmann gibt der Geschichte emotionale Erdung. Die Motive nach Friedrich Christian Delius verbinden Alltagsnähe mit literarischem Nachhall. Der Film zeigt die DDR-Grenze nicht abstrakt, sondern in Anträgen, Gesprächen, Ängsten und kleinen Entscheidungen. Gerade dadurch wird verständlich, warum eine Reise nach Sizilien zur existenziellen Frage werden kann. Der Wunsch nach Syrakus steht für etwas Größeres: für Bildungshunger, Abenteuerlust und das Recht, sich selbst ein Bild von der Welt zu machen. Gleichzeitig bleibt die Bindung an die Heimat spürbar, was die Geschichte menschlich komplex macht. Ein warmes, zugängliches Drama über Sehnsucht, Ehe, Mut und den inneren Kompass. Dass der Film dabei nicht nur von Flucht, sondern auch von Bindung erzählt, macht ihn besonders menschlich: Paul will hinaus in die Welt, aber er will nicht einfach alles hinter sich lassen.
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