Marcus O. Rosenmüller erzählt von medizinischen Experimenten an jüdischen Frauen in Auschwitz. Ein konzentriertes Drama über Schuld, Überleben und moralische Erpressung
Im Stammlager Auschwitz werden Anfang 1943 jüdische Frauen in Block 10 interniert. Dort erproben NS-Mediziner grausame Methoden der Zwangssterilisation. Häftlingsärzte werden gezwungen, an den Versuchen mitzuwirken. Der jüdische Gynäkologe Dr. Maximilian Samuel gerät in ein kaum erträgliches Dilemma: Wenn er sich verweigert, droht man mit der Ermordung seiner Tochter. Wenn er kollaboriert, wird er Teil eines verbrecherischen Systems. Marcus O. Rosenmüller erzählt diesen Stoff bewusst an einem engen, abgeschlossenen Ort. Opfer, Täter und Funktionshäftlinge befinden sich in einem gemeinsamen Raum, aus dem es keinen einfachen Ausweg gibt. Grundlage sind Zeitzeugendokumente, Zeugenaussagen und Gerichtsprotokolle.
„Block 10“ ist kein Film, der dem Publikum einen sicheren Abstand zu seinem Thema lässt. Die Konzentration auf einen Ort zwingt zur Auseinandersetzung mit Macht, Angst, Abhängigkeit und moralischer Erpressung. Der Film interessiert sich dabei weniger für äußere Handlung als für die Frage, wie Menschen unter extremem Druck Entscheidungen treffen, für die es keine entlastende Lösung geben kann. Christian Berkel steht als Dr. Samuel im Zentrum eines Dramas, das nicht beschönigen will und seine Figuren in einem Raum hält, in dem jedes Wort und jede Geste Gewicht bekommt. Gerade diese Verdichtung kann den Film stark machen: Die Verbrechen erscheinen nicht als historische Abstraktion, sondern als konkreter Alltag in einem System organisierter Entmenschlichung. Axel Prahl und Bibiana Beglau ergänzen ein Ensemble, das dem Stoff die nötige Schwere geben muss. Die Gefahr eines solchen Projekts liegt immer in der Überwältigung; seine Aufgabe besteht darin, den Opfern Würde zu lassen, ohne das Leiden ästhetisch auszubeuten. Rosenmüllers konfrontativer Ansatz verspricht ein unbequemes, ernsthaftes Kino, das Erinnerung nicht als Pflichtübung versteht, sondern als Zumutung.