Der Verlust eines Kindes ist kaum zu ertragen. Schauspieler Mathias Mlekuz verarbeitet den Suizid seines Sohnes auf ungewöhnliche Weise: mit einem beschwingten Roadmovie  – einer Trauerreise per Fahrrad und mit reichlich Alkohol.

Seit Ende der 90er Jahre steht der fast 60jährige Mathias Mlekuz vor der Kamera, ist meist in Nebenrollen zu sehen, oft in Komödien, in Filmen, die nur in den seltensten Fällen den Weg in die deutschen Kinos fanden. Vor einigen Jahren drehte Mlekuz dann seinen ersten eigenen Film, dem nun mit „Auf zwei Rädern“ ein zweiter folgte. Anlass war ein schreckliches Ereignis, der Tod seines Sohnes Youri, der im September 2022 starb, der sich im Alter von 28 Jahren das Leben nahm. Einige Jahre zuvor hatte sich Youri auf eine große Fahrradtour begeben, die ihn von der französischen Atlantikküste bei La Rochelle über Deutschland, Ungarn und Rumänien bis in die Türkei, zum Zielort Istanbul führte. Dort hatte er eine Freundin, die nun, nach Youris Tod, Ziel einer Wiederholung der Reise ist.

Die Reiseroute bilden Fotos, die Youri auf seinem Weg gemacht hat und in einem kleinen Bildband abdruckte. Dieses Buch haben Mathias Mlekuz und sein Freund Philippe Rebbot – ebenfalls ein französischer Schauspieler, geboren in Marokko – im Gepäck, als sie sich auf den Weg machen. Besonders fit sind die beiden Herren im nur scheinbar besten Alter zwar nicht, unter dem Hemd wölbt sich gerade bei Mlekuz ein gut genährter Bauch, auch auf einem Rad haben sie lange nicht gesessen, schon gar nicht stunden- tagelang. Und dass die Nächte in einem Zelt verbracht werden, sorgt erst recht für ächzende Knochen. Aber es soll ja auch nicht um Spaß gehen, sondern um ein Nachspüren der Wege Youris, um eine lange Reise, ja, eine Art Pilgerfahrt, bei der man im besten Fall kleine Antworten auf Fragen bekommen wird, vor allem natürlich auf die Frage des „Warum?“ So lebt „Auf zwei Rädern“ weniger von bemerkenswerten Erkenntnissen oder Einblicken, als vom Charme seiner beiden unkonventionellen Hauptfiguren, die auf dem Weg nach Istanbul lachen und streiten, interessanten Menschen begegnen und im Zweifelsfall lieber ein Glas zu viel als zu wenig trinken. Am Ende haben sie dann vor allem Antworten über sich selbst gefunden, aber das ist ja auch nicht das Schlechteste.Quelle: programmkino.de / Michael Meyns

Regie Mathias Mlekuz Darsteller Mathias Mlekuz, Philippe Rebbot, Josef Mlekuz