Französischer Animationsfilm, inszeniert vom Debütfilmregisseur Ugo Bienvenu, der sich zum Ende seines eindrucksvollen Films in spektakuläre, philosophisch komplexe Höhen aufschwingt.
In der fernen Zukunft beginnt „Arco“, die verbleibenden Menschen leben zwar in Einfamilienhäusern wie man sie auch aus unserer Gegenwart kennt, bestellen kleine Felder, füttern Tiere, doch etwas muss passiert sein: Denn die Häuser befinden sich in der Luft, fern vom Erdboden, auf runden Plattformen, die von einzelnen Familien bewohnt werden. So wie die des zehnjährigen Arco, der einen großen Traum hat: Er will endlich auch wie seine Eltern und seine größere Schwester durch die Zeit fliegen. Eines Nachts wacht Arco auf und schnappt sich einen der Diamanten, der für den Flug durch Raum und Zeit nötig ist... Meist folgen Zeitreisegeschichten einem von zwei Mustern: Entweder gerät eine Person aus der Gegenwart in eine Zukunft, die er, stellvertretend für die Zuschauer, neugierig entdeckt. Oder eine Figur aus der Zukunft gerät in unsere Gegenwart. So oder so besteht ein erheblicher Teil des Vergnügens an Gegensätzen, die kollidieren. Ugo Bienvenu, der bislang einige Comics gezeichnet und Kurzfilme gedreht hat, wählt in seinem Debütfilm einen anderen, ebenso ungewöhnlichen wie originellen Ansatz: Aus einer Zukunft verschlägt es Arco in eine andere Zukunft. Zwei Versionen, in die sich unsere Welt also möglicherweise entwickeln könnte, werden zum Schauplatz einer nachdenklichen Geschichte mit ökologischem Touch.
Über lange Zeit erzählt „Arco“ nun eine schlichte, sehr kindliche Geschichte, die liebevoll animiert wirkt, von leuchtenden Farben geprägt. Erst als man sich schon fast damit angefreundet hat, dass Bienvenus Ambitionen eher klein sind, schwingt sich die Geschichte doch noch zu einer Reflexion über den Wert von Familie auf, streift für anspruchsvolle Science-Fiction typische Fragen nach Zugehörigkeit von menschlichen und künstlichen Wesen und führt am Ende die beiden Zeitebenen zu einem bemerkenswerten, rührenden Finale zusammen. Angesichts des visuellen Exzesses der Hollywood-Konkurrenz, wirkt „Arco“ im besten Sinne wie ein Film aus einer anderen Zeit. Quelle: programmkino.de / Michael Meyns