Wie sähe es aus, wenn man in die Abgründe einer Gesellschaft blickt, in der selbst Geister ihren Nutzen beweisen müssen? Diese Frage steht im Mittelpunkt von Ratchapoom Boonbunchachokes skurril melancholischer Fantasy-Dramödie.
Die Story beginnt mit einem Todesfall: March, der Sohn eines Fabrikbesitzers, trauert um seine Frau Nat, die an einer Atemwegserkrankung aufgrund von Feinstaubbelastung gestorben ist. Doch Nat kehrt in klassischer Geistermanier zurück – allerdings nicht als spukhafte Erscheinung, sondern in einem Haushaltsgegenstand, der paradoxerweise mit Staub ebenso kämpft wie gegen das Vergessen: in einem Staubsauger. Doch selbst als Staubsauger muss Nat noch ihre Nützlichkeit für Gesellschaft und Wirtschaft unter Beweis stellen, um mit ihrem Mann zusammen sein zu dürfen...
Boonbunchachoke versteht es, mit visueller Präzision und erzählerischer Raffinesse Bilder zu schaffen, die – bei aller Überzeichnung – den Kern einer Gesellschaft treffen, die Widerspruch nicht duldet und Nützlichkeit zum höchsten Gut erhebt. Hinter der Fassade der wohlhabenden Familie tobt der Kampf um Anerkennung und Akzeptanz: Marchs Angehörige verweigern die Annahme der Geisterbeziehung, während Nat, der Geist in einer neuen Gestalt, alles versucht, um sich nützlich zu machen – nicht zuletzt, um die Fabrik, ihre Familie und ihre Liebe zu retten. Formal überzeugt der Film durch seine Bildgestaltung (Kamera: Pasit Tandaechanurat), die zwischen surrealer Absurdität und poetischer Präzision pendelt. Jedes Bild scheint hier durchkomponiert und aufgestylt zu sein, was eine enorme Wirkung hat – immer wieder konterkariert Boonbunchachoke die Erwartungshaltung des Publikums und trifft mit unerwarteten Blicken, kleinen Gesten, Kameraschwenks oder messerscharfer Montage ins Schwarze. „A Useful Ghost“ ist eine wilde, sozialkritische, traurige und sehr komische Geistergeschichte, die in ihrer Eigenwilligkeit und Vielschichtigkeit lange nachwirkt und das Publikum gleichermaßen fordern wie begeistern könnte: ein Film, der Genres, Erwartungen und Herzen durcheinanderwirbelt – und damit sogar selbst ein bisschen zum nützlichen Geist wird.
Quelle: programmkino.de / Gaby Sikorski