Jean-Pierre Amerys berührende Tragikomödie überzeugt weniger durch seine Originalität, als durch seine beiden Hauptdarsteller, die zwei völlig unterschiedliche Figuren spielen, die überraschende Gemeinsamkeiten finden.
In Le Havre an der Atlantikküste fristet die 25jährige Marie-Line (Louane Emera) ein tristes Dasein. Mit ihrem seit einem Unfall am Bein amputierten Vater lebt sie in ärmlichen Verhältnissen und finanziert sich mit wechselnden Jobs. Aktuell bedeutet das Kellnern in einem Bistro, wo ihr eines Tages der Student Alexandre (Victor Belmondo) über den Weg läuft. Eine Affäre beginnt, die schnell ihr Ende findet. Iin ihrer Wut stößt Marie-Line Alexandre gegen ein Auto. Während Alexandre im Krankenhaus landet, findet sich Marie-Line vor Gericht wieder. Flehend wendet sie sich an den Richter (Michel Blanc) ihr zu helfen und der hat zufällig eine Idee: Da er gerade keinen Führerschein besitzt, engagiert er Marie-Line als Fahrerin, auch wenn deren baufälliges Auto wenig Verlässlichkeit ausstrahlt... Dass sich Gegensätze anziehen, ist ein filmischer Allgemeinplatz: Zwei völlig unterschiedliche Menschen werden durch Umstände zusammengeführt, raufen sich zusammen und entdecken überraschende Gemeinsamkeiten. Dieses Muster ist so bekannt, dass Autoren oft überzeichnen - die Unterschiede wirken dann übertrieben und die Annäherung unglaubwürdig. Auch Jean-Pierre Amery folgt diesem Schema in “Wie das Leben manchmal spielt” und entwirft zwei Figuren aus völlig verschiedenen Welten, die äußerlich und intellektuell nichts verbindet. Dennoch werden sie zu Vertrauenspersonen. Wer die konstruierten Unglaubwürdigkeiten akzeptiert, wird mit einer berührenden Tragikomödie belohnt. Nach holprigem Start konzentriert sich der Film ganz auf seine Hauptfiguren: Michel Blanc als lebensmüder Anwalt, der die Grenzen seines Tuns erkennt, und Louane Emera als junge Frau, die sich mit ihrer gesellschaftlichen Rolle abgefunden hat. In pointierten Szenen nähern sie sich an, lernen voneinander und wachsen am Ende emotional zusammen. Quelle: programmkino.de / Michael Meyns