Dieter Thomas Kuhn und Band als Kinoereignis: Die Dokumentation feiert Fönwelle, Schlagerglück und Fan-Euphorie, schaut aber auch hinter die Kulissen eines Kultphänomens.
Anfang der 1990er Jahre beginnt Dieter Thomas Kuhn mit seiner Band, alte Schlager nicht einfach zu covern, sondern sie mit Glitzer, Selbstironie und kollektiver Euphorie neu aufzuladen. Was als Spaßprojekt unter Freunden startet, wird zu einem dauerhaften Kultphänomen. „Und es war Sommer“ begleitet die Band auf Tour, zeigt Konzerte, Fans, Backstage-Momente und Archivmaterial aus mehr als drei Jahrzehnten. Dabei geht es um die großen Auftritte ebenso wie um Pausen, Krisen, Neustarts und die besondere Männerfreundschaft zwischen Kuhn und seinem musikalischen Weggefährten Philipp Feldtkeller. Aus buntem Schlagerrausch wird ein Porträt über Zusammenhalt, Ironie und die Sehnsucht nach Unbeschwertheit.
Dieter Oßwald beschreibt auf programmkino.de, dass die Dokumentation kein klassisches Biopic sein will, sondern eine teilnehmende Beobachtung eines kulturellen Phänomens. Juliane Sauter setzt auf Nähe, Tempo und eine Fülle von Material: Konzertbilder, alte Fernsehauftritte, Fanbegegnungen und Backstage-Situationen fügen sich zu einem Kaleidoskop. Der Film nimmt die grelle Oberfläche ernst, ohne den Spaß zu erklären, bis nichts mehr von ihm übrig ist. Genau das ist wichtig, denn Dieter Thomas Kuhn funktioniert als Parodie und als echte Gefühlsmaschine zugleich. Seine Auftritte leben vom ironischen Spiel mit dem Schlager, aber auch von einer erstaunlich aufrichtigen Gemeinschaftsenergie. Sonnenblumen, Kostüme und Brusthaar-Toupets sind dabei keine bloßen Gags, sondern Erkennungszeichen einer Fangemeinde, die kollektive Leichtigkeit sucht. Der Film spart Brüche nicht aus: Karriereknicks, Krankheit und Erschöpfung gehören ebenso dazu wie Zugaben und Euphorie. Trotzdem überwiegt die Lust am gemeinsamen Feiern. „Und es war Sommer“ wird so zu einem vergnüglichen, warmherzigen Dokumentarfilm über Popkultur, Freundschaft und die Frage, warum gerade das scheinbar Alberne manchmal besonders ernsthaft glücklich macht.
Quelle: programmkino.de / Dieter Oßwald