Die Geschichte des Mittzwanzigers Souleyman, einem Migranten aus Guinea, der in Paris sein Glück sucht. In Cannes und bei den Césars vielfach ausgezeichnetes, bemerkenswertes Sozialdrama.
Schon von Berufs wegen kommt Souleyman (Abou Sangare) kaum zur Ruhe: Als Fahrradkurier rast er durch die Straßen von Paris, hetzt von Restaurants zu Empfängern, unerbittlich überwacht von der App seines Auftragsgebers. Jede Minute zählt, Zeit ist Geld, allzu viel bleibt am Ende der Woche ohnehin nicht übrig, denn Souleyman ist ein sans-papier, ein Migrant ohne Papiere, der deswegen keiner regulären Arbeit nachgehen kann. So mietet er quasi das legale Konto eines Kameruners, der schon länger in Frankreich ist, der legal vor Ort ist und deswegen auch schon mal über „diese Afrikaner“ motzt, die immer wieder ihren Ruf als unzuverlässig zu bestätigen scheinen. Nur die Hälfte seines Verdienstes kann Souleyman behalten, zumindest ist das die Abmachung, aber dass daraus nichts wird, ahnt man schnell...
In einem früheren Film hatte der französische Autor und Regisseur Boris Lojkine den langen Weg von Westafrika nach Europa beschrieben, in „Souleymans Geschichte“ geht es nun um das Schicksal, das viele Migranten im Herzen Frankreichs erleben. In jeder Szene ist Souleyman zu sehen, ganz nah bleibt die Kamera an ihm dran, folgt ihm, wenn er durch die Straßen fährt, Autos ausweicht, möglichst schnell seine Lieferungen erledigen will. Kontakt mit Kunden, mit weißen Franzosen, gibt es kaum, auch in den Restaurants werden Lieferanten wie Souleyman meist nicht gerne gesehen, müssen oft draußen warten, trotz der Kälte. Unerbittlich schildert Lojkine dieses Leben, das exemplarisch für das vieler Migranten steht, die irgendwie im Westen bleiben wollen. Wer Lieferando oder Flink benutzt, wer seine Pakete von Amazon bekommt, mag nach diesem Film beim nächsten Mal vielleicht ein bisschen genauer hinschauen, wer denn da das Essen oder Anderes liefert. Meist sind das auch in Deutschland Menschen mit Migrationshintergrund, denn andere haben auf diese Jobs meist keine Lust. Ihr Schicksal stellt „Souleymans Geschichte“ in den Mittelpunkt, ihnen verleiht Boris Lojkines eindringlicher Film eine Stimme. Quelle: programmkino.de / Michael Meyns