Eine unerschütterlich optimistische Studentin trifft auf einen verbitterten Einzelgänger. Zwischen Schreibtherapie, Poesie und verdrängten Dämonen entsteht eine fragile Verbindung, die beide zwingt, an das Unmögliche zu glauben.
Die optimistische, lebensfrohe Studentin Lena (Luna Wedler), eingeschrieben für Germanistik und Puppenspiel, übernimmt im Auftrag des „Amtes für Ruhe und Ordnung“ einen Job als Schreibtherapeutin. Bei ihrem Kurs gibt es allerdings nur einen einzigen Teilnehmer: Hugo Drowak (Karl Markovics), ein einsamer, alter Misanthrop voller Hass, ein Alkoholiker, der sich zwischen seinen leeren Flaschen eingeigelt hat - und der wenig zugänglich scheint. Doch Lena lässt sich davon nicht abschrecken. Ihr temperamentvoller Ehrgeiz weckt in Drowak völlig unerwartet sein literarisches Talent. Lena ist verzaubert von seiner Poesie über Liebe und Magie. Und je tiefer Drowak in seine Erinnerungen eintaucht, umso stärker erwachen verdrängte Dämonen in ihm. Lena kämpft darum, Drowak vor sich selbst zu schützen und ihm zu helfen, wieder an das Gute im Leben zu glauben.
Der Schweizer Regisseur Nicolas Steiner, der bislang vorwiegend in dokumentarischen Formaten arbeitete, hat mit seinem ersten Spielfilm eine Tragikomödie inszeniert, in der die Schatten der Vergangenheit bis in die Gegenwart reichen - und zu Literatur werden. Steiner gelingt es, in schwarzweißen Bildern eine fast surreale Gegenwartswelt zu schaffen, mit brutalistisch anmutenden Bauten und kantigen Wohnklötzen, während er die Szenen in der Vergangenheit in warmen Farben wiederaufleben lässt. Mit einer hochkarätigen Besetzung verfilmte der Regisseur das Original-Drehbuch der deutschen Schriftstellerin Bettina Gundermann, das sie gemeinsam mit Pascal Nothdurft erarbeitete, mit vielen skurrilen Einfällen und Anspielungen (nicht umsonst taucht Dominique Pinon aus „Delicatessen“ in einer Nebenrolle auf). „Sie glauben an Engel, Herr Drowak?“ hatte im Juni beim Internationalen Festival von Shanghai Weltpremiere, wo der Film den Preis für die beste Kameraarbeit gewann.