Ein zerfallenes Europa, eine neue Regierung und ein Mann, der nicht in den Krieg ziehen will. Nicolas Ehrets Drama entwirft ein beklemmend nahes Zukunftsszenario.
Die EU ist zerbrochen, in Deutschland haben rechtspopulistische Kräfte die Regierung übernommen, und ein Krieg steht bevor. Jonas, 33 Jahre alt, kennt bisher vor allem Frieden, Wohlstand und Sicherheit. Nun soll er eingezogen werden. Doch Jonas verweigert sich. Er desertiert, weil er seine Überzeugungen und seinen Glauben an den Frieden nicht aufgeben will, und sucht Zuflucht bei seinem Vater Stuber. Zu ihm hatte er seit seiner Kindheit kaum Kontakt. Das Versteck bringt beide Männer in eine Nähe, die keiner gewohnt ist. Während draußen die Lage eskaliert und Feldjäger nach Jonas suchen, brechen alte Familienkonflikte auf. Als Jonas einem weiteren Flüchtenden helfen will, wird die private Entscheidung endgültig politisch.
„Morgen war Krieg“ entwirft eine Dystopie, die ihre Wirkung aus beunruhigender Nähe gewinnt. Nicolas Ehret zeigt keine ferne Zukunft, sondern eine mögliche Zuspitzung gegenwärtiger Ängste: demokratischer Zerfall, Militarisierung, Misstrauen und die Frage, wie schnell ein Leben in Sicherheit enden kann. Der Film konzentriert sich dabei nicht auf große Schlachten oder spektakuläre Bilder, sondern auf eine familiäre Konstellation. Das ist klug, denn im Verhältnis zwischen Jonas und Stuber verdichten sich größere Konflikte: Idealismus gegen Selbstschutz, Pazifismus gegen Angst, alte Verletzungen gegen neue Bedrohungen. Enno Trebs bringt für Jonas die Mischung aus Überzeugung und Verunsicherung mit, Ulrich Matthes dürfte als Vater jene Härte und Verletzlichkeit verkörpern, die aus einem Leben mit eigenen Kriegs- und Nachkriegsschatten stammen. Die Stärke des Stoffes liegt darin, dass Desertion nicht einfach als Heldengeste erscheint, sondern als Entscheidung mit Folgen für andere. „Morgen war Krieg“ fragt, was Gewissen wert ist, wenn die Ordnung zerbricht. Das macht den Film zu einem politischen Drama, das weniger warnen muss, als eine beklemmende Möglichkeit durchzuspielen: Was gestern undenkbar schien, kann morgen schon Wirklichkeit sein.