Eine Familienaufstellung gerät außer Kontrolle: Pauline Roennebergs schwarze Tragikomödie legt die Abgründe einer bürgerlichen Vorzeigefamilie frei.
Eine wohlhabende Familie lädt zu einem Anlass, bei dem alles nach Fassade, Ordnung und gesellschaftlicher Anerkennung aussehen soll. Doch vorher soll eine Familienaufstellung helfen, alte Blockaden und Verstrickungen zu lösen. Was als therapeutische Methode gedacht ist, entwickelt sich zum emotionalen Sprengsatz. Fremde Menschen übernehmen stellvertretend Rollen von Familienmitgliedern, und plötzlich treten Wahrheiten zutage, die niemand hören will. Machtansprüche, verdrängte Konflikte, Erbschaften, Abhängigkeiten und alte Kränkungen drängen an die Oberfläche. Statt Klärung entsteht Chaos. Die Familie versucht, die bröckelnde Fassade aufrechtzuerhalten, doch je mehr sie spielt, desto deutlicher wird, wie kalt es hinter der bürgerlichen Oberfläche geworden ist.
„Kalter Hund“ klingt nach einem bösen Kammerspiel, das seine Komik aus der kontrollierten Eskalation gewinnt. Pauline Roenneberg nutzt die Familienaufstellung als brillante Versuchsanordnung: Menschen, die glauben, ihre Beziehungen im Griff zu haben, werden mit einer Spiegelung konfrontiert, die sie nicht mehr kontrollieren können. Das therapeutische Setting wird zur Bühne, auf der verdrängte Machtverhältnisse sichtbar werden. Der Reiz liegt in der Mischung aus schwarzem Humor und sozialer Präzision. Wenn eine Familie alles daran setzt, nach außen korrekt, gebildet und überlegen zu wirken, wird jede Rissbildung doppelt komisch und doppelt schmerzhaft. Das Ensemble um Corinna Harfouch, Lea Drinda, Victoria Mayer und Karoline Eichhorn verspricht genügend Reibung für ein vielstimmiges Figurenpanorama. Besonders interessant ist, dass der Film offenbar nicht bei privater Neurose stehen bleibt, sondern auch Geld, Status und Besitz als Motoren familiärer Gewalt sichtbar macht. Überzeichnung gehört dabei zur schwarzen Komödie. „Kalter Hund“ dürfte dort am stärksten sein, wo Lachen und Unbehagen ununterscheidbar werden – als bitteres Porträt brüchiger Familienordnung.