Jemand, der einmal ich war - Sandra Hüller wird zu Ingeborg Bachmann: Ein hybrides, funkelndes Biopic, das Archivmaterial, Briefe und Spielszenen zu einem sinnlichen Mosaik verwebt. 

Wie nähert man sich filmisch einer außergewöhnlichen Künstlerin? Am besten mit einer nicht minder außergewöhnlichen Schauspielerin. Sandra Hüller schlüpft in die Rolle der Ingeborg Bachmann, einen Tag lang verbringt sie dazu in einer Wohnung in Rom, in der die Schriftstellerin einst gelebt haben könnte. Gleich zum Auftakt legt Regisseurin Regina Schilling die Karten auf den Tisch. Sie erzählt, wie es zur Zusammenarbeit mit dem Schauspiel-Star kam. Sie zeigt, wie die Hüller in der Maske zur Bachmann wird. Später wird die Regisseurin einen Monolog kritisieren, der von der lächelnden Schauspielerin erneut in anderer, jetzt selbstbewussterer Tonalität gesprochen wird. Eine Wiederholung, die den Schlüsselsatz „Ich existiere nur, wenn ich schreibe!“ mit unaufdringlicher Raffinesse verstärkt. Work in progress, und das Publikum ist mittendrin. Ein Handy auf dem römischen Balkon gerät gleichfalls noch zum verspielten Verfremdungsmittel. 

„Das harte Klatschen einer harten Hand ins Gesicht. Die erste Erkenntnis des Schmerzes“, werden bittere Jugenderfahrungen aus dem Roman „Malina“ zitiert. Das literarische Mosaik entsteht aus Originaltönen der Autorin, aus Audio- und TV-Aufnahmen aus dem Archiv. Die genreüblich üppige Verwendung von Zeitzeugen als Talking-Heads wird hier zum Glück sparsam dosiert. Für ihre kluge Showmaster-Doku „Kulenkampffs Schuhe“ bekam Regisseurin Regina Schilling beste Kritiken sowie den Grimme- und den Deutschen Fernsehpreis. 

Poster für den Film Ingeborg Bachmann - Jemand, der einmal ich war
Regie Regina Schilling Darsteller Sandra Hüller, Ingeborg Bachmann, Max Frisch