Eine Archäologin findet im Moor einen Körper aus der Vergangenheit, während der Tod ihrer Mutter alte Schuldgefühle weckt. Jutta Brückners Drama verbindet Erinnerung, Familie und Identität.

Die Hochschulprofessorin Ursula Scheuner steht nach dem Tod ihrer Mutter Hildegard unter Druck. Während sie den Nachlass ordnen muss, belasten sie Schuldgefühle, alte Verletzungen und das Gefühl, der Mutter nie wirklich entkommen zu sein. Zugleich herrscht an ihrem Institut Chaos, und im Keller wartet ein Fund, der wissenschaftlich bedeutsam sein könnte: eine Moorleiche. Gemeinsam mit der rätselhaften Mitarbeiterin Melanie beginnt Ursula, den Körper zu untersuchen. Doch Melanie scheint mehr über Ursulas Familie, ihre Mutter und ihre Vergangenheit zu wissen, als möglich sein dürfte. Gegenwart, Erinnerung und Imagination geraten zunehmend ineinander, bis Ursulas Forschung an der Toten auch zur Untersuchung ihres eigenen Lebens wird.

Michael Meyns beschreibt „Im Spiegel meiner Mutter“ als persönlichen, vielschichtigen Film, in dem die Moorleiche zum Auslöser einer inneren Spurensuche wird. Jutta Brückner knüpft damit spät an ihre früheren Filme über Mutter-Tochter-Beziehungen an und erzählt assoziativ statt streng linear. Gerade diese offene Form macht den Reiz aus: Erinnerungsfragmente, Schuldgefühle und Projektionen schieben sich übereinander, bis nicht mehr eindeutig ist, was äußere Handlung und was innere Verarbeitung ist. Der archäologische Fund funktioniert dabei als präzises Bild. Wie im Moor wird auch in Ursulas Biografie etwas konserviert, das längst vergangen scheint und doch seine Macht behalten hat. Corinna Harfouch hält den Film mit kontrollierter Intensität zusammen; kleine Irritationen und Blicke genügen, um die Brüchigkeit der Figur sichtbar zu machen. Carla Juri bringt als Melanie eine geheimnisvolle Spiegel-Funktion ein. Nicht jede Andeutung löst sich restlos auf, doch das passt zu einem Drama, das weniger Antworten geben als Verdrängtes freilegen will. Ein konzentrierter, anspruchsvoller Film über Herkunft, Verlust und familiäre Prägung.

Quelle: programmkino.de / Michael Meyns

Poster für den Film Im Spiegel meiner Mutter
Regie Jutta Brückner Darsteller Corinna Harfouch, Carla Juri, Hildegard Schmahl