Eine Pianistin zieht mit ihrer Familie aufs Land, bis ein Polizeieinsatz alles erschüttert. Marie Kreutzers Drama fragt nach Vertrauen, Täuschung und Wahrheit in nahen Beziehungen.
Lucy ist Konzertpianistin und hat ihr Leben mit Mann Philip und dem gemeinsamen Sohn aufs Land verlegt, damit Philip sich von einem Burnout erholen kann. Die neue Umgebung soll Ruhe bringen, vielleicht auch einen Neuanfang. Doch eines Tages steht die Polizei vor der Tür. Eine Sonderermittlerin erhebt schwere Vorwürfe gegen Philip, und Lucys Gewissheiten brechen zusammen. Wer ist der Mann, mit dem sie lebt? Was wusste sie, was wollte sie nicht sehen? Während Elsa, die Ermittlerin, auf beruflicher Ebene nach Wahrheit sucht, wird sie zugleich mit eigenen familiären Belastungen konfrontiert. Der Film folgt zwei Frauen, deren Leben durch das Verhalten von Männern erschüttert wird, die ihnen nahe sind.
Nach „Corsage“ richtet Marie Kreutzer den Blick erneut auf eine Frau, deren Identität unter Druck gerät. „Gentle Monster“ beginnt mit einer scheinbar stabilen Familienkonstellation, doch der Polizeieinsatz verschiebt alles. Das Drama interessiert sich weniger für kriminalistische Spannung als für die seelischen Folgen eines Verdachts. Lucy muss sich fragen, ob Vertrauen blind gemacht hat und wie gut man einen Menschen kennen kann, mit dem man den Alltag teilt. Léa Seydoux spielt diese Erschütterung als kontrollierte, nach innen gerichtete Krise. Jella Haase bildet als Ermittlerin Elsa einen Gegenpol: Auch sie sucht Wahrheit, ist aber nicht unberührt von den moralischen Fragen, die der Fall aufwirft. Die prominente Besetzung mit Laurence Rupp und Catherine Deneuve verleiht dem Film zusätzliche Erwartung, doch Kreutzers Stärke liegt vor allem in der Beobachtung von Macht und Selbsttäuschung. Der Titel deutet bereits die Ambivalenz an: Das Monster ist nicht immer dort, wo man es sehen möchte. „Gentle Monster“ verspricht ein kühles, konzentriertes Drama über Nähe, Schuld und die Zumutung, eine liebgewonnene Wirklichkeit neu bewerten zu müssen.