Rémi lebt lieber mit einer Puppe als mit der Wirklichkeit. Sophie Beaulieus französische Komödie erzählt verspielt von Einsamkeit, Wunschbildern und neuer Liebe.

 

Rémi verkauft Kunstrasen und hat sich nach einer schmerzhaften Trennung in ein merkwürdiges Arrangement geflüchtet. Seit ihn seine große Liebe aus Schulzeiten verlassen hat, ersetzt er Nähe durch die Puppe Audrey. Er spricht mit ihr, richtet seinen Alltag nach ihr aus und hält an einer Fantasie fest, die ihm Kontrolle und Trost gibt. Doch dann begegnet er seiner neuen Kollegin Patricia, die ihn mit ihrer Offenheit und Wärme aus dem Konzept bringt. Gleichzeitig beginnt Audrey auf rätselhafte Weise lebendig zu werden – oder zumindest in Rémis Wahrnehmung mehr Raum einzunehmen, als einer Puppe zusteht. Aus dieser schrägen Ausgangslage entwickelt sich eine romantische Komödie über Einsamkeit, Angst vor Verletzung und die Frage, ob man sich dem echten Leben noch einmal aussetzen kann.

 

„Frühstück bei Audrey“ lebt von einer Idee, die leicht ins Groteske kippen könnte, aber als melancholisch-verspielte Liebeskomödie funktioniert. Sophie Beaulieu interessiert sich weniger für den reinen Gag einer Puppe als Ersatzpartnerin, sondern für den emotionalen Zustand dahinter. Rémi ist kein bloßer Sonderling, sondern ein Mann, der sich vor der Unberechenbarkeit echter Beziehungen schützt. Vincent Macaigne bringt genau die richtige Mischung aus Kauzigkeit, Traurigkeit und komischem Timing mit. Neben ihm sorgt Cécile de France als Patricia für Bodenhaftung: Sie steht für die Möglichkeit einer Beziehung, die nicht aus Projektion, sondern aus Begegnung entsteht. Zoé Marchal gibt Audrey eine Präsenz, die das Spiel zwischen Fantasie und Wirklichkeit offenhält. Der Film erzählt mit französischer Leichtigkeit, aber nicht ohne Blick für die Bitterkeit von Einsamkeit. Seine Komik entsteht aus Verschiebungen: Was absurd wirkt, ist psychologisch oft erstaunlich nachvollziehbar. Am schönsten ist „Frühstück bei Audrey“, wenn er zeigt, dass Liebe nicht die Erfüllung eines Wunschbildes ist, sondern die Bereitschaft, eine andere Person als wirkliches Gegenüber zu sehen.

Poster für den Film Frühstück bei Audrey
Regie Sophie Beaulieu Darsteller Vincent Macaigne, Cécile de France, Zoé Marchal