Ein Mann ist in einem endlosen U-Bahn-Korridor gefangen. Nur wer kleinste Abweichungen erkennt, findet den Ausgang. Japanischer Mystery-Thriller nach dem Kult-Videospiel.

Ein namenloser Mann bewegt sich durch die Gänge der Tokioter U-Bahn. Routine, Menschenmassen und Gleichförmigkeit bestimmen seinen Alltag, bis er plötzlich in einem Korridor gefangen ist, der sich endlos zu wiederholen scheint. An den Wänden steht die Regel: Wer eine Anomalie entdeckt, muss umkehren; wer keine entdeckt, darf weitergehen. Jede Kleinigkeit kann entscheidend sein – ein Plakat, eine Tür, ein Geräusch, eine Bewegung. Je länger der Mann in der Schleife bleibt, desto stärker gerät seine Wahrnehmung ins Wanken. Aus einem banalen Transitraum wird ein psychologisches Labyrinth, in dem Orientierung, Erinnerung und Schuldgefühle untrennbar miteinander verbunden sind.

Michael Meyns betont auf programmkino.de, wie riskant eine Verfilmung des extrem reduzierten Computerspiels eigentlich ist – und wie geschickt Genki Kawamura daraus ein filmisches Konzept gewinnt. „Exit 8“ lebt von Wiederholung, minimalen Veränderungen und der besonderen Unheimlichkeit sogenannter Liminal Spaces: vertraute Orte, die plötzlich leer, falsch und bedrohlich wirken. Der Film verzichtet weitgehend auf grobe Schocks und erzeugt Spannung aus Aufmerksamkeit. Das Publikum beginnt selbst, den Korridor abzusuchen und jede Abweichung zu prüfen. Gerade dieses Mitsehen macht den Reiz aus: Jede Einstellung wird zur Aufgabe, jedes Detail kann die Rettung oder den nächsten Irrtum bedeuten. Zugleich gibt Kawamura der Versuchsanordnung eine psychologische Dimension, weil die U-Bahn-Schleife auch als Bild für innere Blockaden gelesen werden kann. Die formale Strenge sorgt für Sog, auch wenn nicht jede narrative Erklärung die geheimnisvolle Kraft der Grundidee verstärkt. Über weite Strecken bleibt „Exit 8“ jedoch ein origineller, kompakter Mystery-Thriller, der aus wenigen Elementen erstaunlich viel Unruhe gewinnt und seine Videospiel-Herkunft klug in Kino übersetzt.

Quelle: programmkino.de / Michael Meyns

Poster für den Film Exit 8
Regie Genki Kawamura Darsteller Kazunari Ninomiya, Yamato Kochi