NEU in der Schauburg
THE BIKERIDERS

in englischer Originalfassung mit/ohne deutsche Untertiteln


Loyalität und Respekt werden groß geschrieben in Jeff Nichols neustem Drama, das zeigt, was passieren kann, wenn zwischenmenschliche Beziehungen auf die Probe gestellt werden und Treue alles bedeutet.

Den Furchtlosen gehört die Freiheit. Bennys (Austin Butler) Leben dreht sich Mitte der 1960er-Jahre um genau zwei Dinge: die Leidenschaft für den Motorrad-Club der Vandals unter Anführer Johnny (Tom Hardy) und die Liebe zu seiner Frau Kathy (Jodie Comer), die ihn vom ersten Moment an als den unzähmbaren Rebellen akzeptiert, in den sie sich Hals über Kopf verliebt hat. Doch ihre hingebungsvolle Beziehung wird im Laufe der Jahre zunehmend auf die Probe gestellt, denn Benny hat sowohl dem charismatischen Johnny als auch seiner Frau die Treue geschworen. Schon bald werden die Vandals nicht nur immer größer, sondern auch gefährlicher. Benny muss sich entscheiden zwischen seiner Loyalität zu Johnny und seiner Liebe zu Kathy.

Inspiriert von Danny Lyons gleichnamigem Kult-Fotobuch erweckt Regisseur und Drehbuchautor Jeff Nichols (“Midnight Special”) mit “The Bikeriders” die sagenumwobene Subkultur der amerikanischen Motorradclubs zu neuem Leben. Produziert wurde das rasante Actiondrama von Sarah Green (“Knight of Cups”), Brian Kavanaugh-Jones (“Midnight Special”) und p.g.a. Arnon Milchan (“The Revenant”). Mit Jodie Comer (“The Last Duel”, “Killing Eve”) und Austin Butler (“Elvis”, “Dune: Part Two”) konnte Regisseur Jeff Nichols zwei der angesagtesten Jungstars für seinen Ausflug in die legendäre Easy-Rider-Ära der 1960er-Jahre gewinnen. An ihrer Seite spielt Tom Hardy (“Mad Max: Fury Road”, “Venom”) den unbeugsamen Vandals-Anführer, und in weiteren Rollen sind Michael Shannon (“Midnight Special”), Mike Faist (“West Side Story”) und Norman Reedus (“The Walking Dead”) zu sehen.

THE BIKERIDERS
Land/Jahr: Land/Jahr: USA 2023
Regie: Jeff Nichols
Darsteller: Jodie Comer, Austin Butler, Tom Hardy, Michael Shannon
Laufzeit: 116 Minuten
FSK: k.A.




 

 

NEU in der Schauburg
WAS UNS HÄLT



Daniele Luchettis Film erzählt davon, wie eine Beziehung fast scheitert, ein Paar trotz Untreue zusammenbleibt – und welche Folgen das hat. Drama, das vor allem dank der Schauspieler sehenswert ist.

Anfang der 80er Jahre leben Aldo (Luigi Lo Cascio) und Vanda (Alba Rohrwacher) in Neapel, eine oberflächlich betrachtet glückliche Beziehung mit den beiden Kindern Anna und Sandro. Aldo arbeitet beim Radio und hat eine Affäre mit seiner jungen, sehr hübschen Kollegin Lidia (Linda Caridi), eine Affäre, die er seiner Frau bald gesteht. Für eine Zeit lebt Aldo nun in Rom bei Lidia, doch ganz kann und will er nicht von seiner Familie lassen. Besuche bei Vanda und den Kindern sind wichtig aber schmerzhaft und dann springt die Erzählung in die Gegenwart. Ein älteres Ehepaar sind Vanda und Aldo (jetzt gespielt von Laura Morante und Silvio Orlando) nun, die Kinder Anna (Giovanna Mezzogiorno) und Sandro (Adriano Giannini) sind erwachsen und haben mit eigenen Problemen zu kämpfen. Hat das Paar die Affäre Aldos überwunden? Oder nur durchgestanden, ertragen, hingenommen, ohne über ihre Konsequenzen, gerade auch für die nächste Generation nachgedacht zu haben?

Die Vorlage ist ein Roman des italienischen Autors Domenico Starnone, der auch am Drehbuch mitschrieb. In Deutschland erschien er unter dem Titel „Auf immer verbunden“, was auch ein guter Titel für einen Film gewesen wäre, der sich eine schwierige Aufgabe stellt. Denn nicht um konkrete Ereignisse geht es, nicht ums Verlieben oder Verlassen, sondern um das Zusammenbleiben, trotz allem. Viel psychologischer, viel unterschwelliger ist dieser Ansatz eines Beziehungsfilms, viel weniger konkret, dadurch flüchtiger und schwieriger in einer nur 100 Minuten kurzen Erzählung zu fassen. Aber viele Momentaufnahmen überzeugen durch ihre Authentizität, gerade Szenen in den frühen 80ern, wenn das von Luigi Lo Cascio und Vanda Alba Rohrwacher gespielte Paar mit seiner Untreue umzugehen versucht und begreifen muss, dass das Leben nicht so einfach zu fassen ist, wie die Bücher, die Aldo in seiner Radiosendung analysiert.


WAS UNS HÄLT
Land/Jahr: Italien 2020
Regie: Daniele Luchetti
Darsteller: Alba Rohrwacher, Luigi Lo Cascio, Laura Morante
100 Minuten




NEU in der Schauburg
IVO



Täglich mit dem Tod konfrontiert sein macht etwas mit einem Menschen, nur was? Um diese Frage kreist Eva Trobischs Drama „Ivo“, der seine Hauptfigur, eine Palliativpflegerin 100 Minuten beobachtet.

Zwischen Krankenzimmern und Auto spielt sich das Leben der Palliativpflegerin Ivo (Minna Wündrich) ab, zur Ruhe findet sie selten und der Tod ist ständiger Begleiter. Bei ihren Patienten schaut sie nach dem Rechten, stellt die Dosierung der Medikamente neu ein, versucht, ein offenes Ohr zu haben, beobachtet auch das oft schwierige Verhältnis zwischen den Sterbenskranken und deren Angehörigen. Zu einer Patientin hat sie ein besonders enges Verhältnis, denn sie waren schon befreundet, bevor Solveigh (Pia Hierzegger) krank wurde. Zusätzlich verkompliziert wird das Verhältnis dadurch, dass Ivo gelegentlich Solveighs Mann Franz (Lukas Turtur) zum Sex trifft, kurze Momente der Flucht für Beide. Immer mehr kommt die Frage der Sterbehilfe auf, die von Ivos Chef (gespielt von einem echten Palliativarzt) aus offensichtlichen Gründen quasi unter der Hand angeboten wird. Für Ivo stellt sich die Frage, wie sehr sie ihrer Freundin zu helfen bereit ist.

In ihrem ersten Spielfilm „Alles ist gut“ erzählte Eva Trobisch von einer Frau, die schweigend mit dem Trauma einer Vergewaltigung umzugehen versucht. Auch „Ivo“ erzählt von einer Frau in einer extremen Situation und beschreibt den Versuch damit umzugehen, einerseits ständig vom Tod umgeben zu sein, ihn andererseits aber nicht zu nah an sich heranlassen zu dürfen. Doch wie soll das gehen, einerseits empathisch mit den sterbenden, zum Teil leidenden Patienten umzugehen, andererseits auch keine allzu große Nähe entstehen zu lassen? Mit dieser Versuchsanordnung arbeitet Eva Trobisch und hat ihren Film auch wie ein formales Experiment aufgebaut: Fast dokumentarisch muten viele Szenen an, wenn die Handkamera beobachtet, wie Ivo von einem Patienten zum nächsten fährt, kaum Pausen zwischen den Terminen, am Abend zu Hause bei der Tochter, die mehr mit dem Handy beschäftigt ist, als in der Realität zu leben. Betont distanziert umkreist Trobisch ihre Hauptfigur, bleibt wage, was die Verhältnisse der Figuren angeht, legt Spuren, macht Verweise und Andeutungen.

IVO
Land/Jahr: Deutschland 2024
Regie & Buch: Eva Trobisch
Darsteller: Minna Wündrich, Pia Hierzegger, Lukas Turtur, Lilli Lacher, Johann Campean, Lea Gerstenkorn
Laufzeit: 103 Minuten
FSK: 12





NEU in der Schauburg
ETERNAL YOU - VOM ENDE DER ENDLICHKEIT


 


Mithilfe Künstlicher Intelligenz schaffen Start-Ups digitale Avatare, die es Trauernden ermöglichen, mit ihren verstorbenen Liebsten in Kontakt zu treten. Eine filmische Erkundung eines tiefen menschlichen Wunsches.

Menschen aus aller Welt nutzen Services, die mit Künstlicher Intelligenz Tote "zum Leben erwecken". Der Film begleitet die Pioniere und ersten User einer Technologie, die den Tod obsolet machen will. Joshua chattet Tag und Nacht mit dem digitalen Klon seiner verstorbenen ersten Liebe und lässt sie an seinem Alltag teilhaben. Christi möchte nur die Bestätigung, dass es ihrem verstorbenen besten Freund im Himmel gut geht, hat aber eine erschütternde Erfahrung mit seinem KI-Konterfei. Jang Ji-Sung trifft den VR-Klon ihrer verstorbenen 7-jährigen Tochter. Die Erfinder der Dienste lehnen jede Verantwortung für die tiefgreifenden psychologischen Folgen dieser Erfahrungen ab. Zahlreiche Wettbewerber hoffen auf einen lukrativen Markt, da religiöse und kollektive Trauerformen an Relevanz verlieren. Ist das der Anfang vom Ende der Endlichkeit?

Zitat Hans Block und Moritz Riesewieck, Regie: “Menschen wenden sich von Religionen ab und sehnen sich nach neuen, weltlichen Heilserzählungen gegen die Erbarmungslosigkeit des Todes. In diese Lücke stoßen Tech-Unternehmen vor und verwickeln Trauernde in ein Experiment am offenen Herzen. Wir wollen mit unserem Film eine Debatte eröffnen darüber, wie weit KI vordringen soll in unser aller Leben – vor und nach dem Tod.“ Blocks und Riesewiecks Debütfilm “The Cleaners” über die Schattenindustrie der digitalen Zensur in Manila feierte 2018 beim Sundance Film Festival seine Weltpremiere und wurde seither auf mehr als 70 internationalen Filmfestivals und weltweit in Kinos und im Fernsehen gezeigt. Er wurde für einen Emmy und den Deutschen Fernsehpreis nominiert und erhielt zahlreiche internationale Auszeichnungen, darunter den Prix Europa für den besten europäischen TV-Dokumentarfilm.

ETERNAL YOU - VOM ENDE DER ENDLICHKEIT
Land/Jahr: Deutschland/USA 2024
Regie: Moritz Riesewieck, Hans Block
Dokumentation
Laufzeit: 87 Minuten
FSK: 12







QUEERFILMNACHT in der Schauburg
MUTT
am Mittwoch, 26. Juni um 19 Uhr in englischer Originalfassung mit deutschen Untertiteln

 


An einem Sommertag in New York scheint für den jungen trans Latino Feña alles auf einmal zu passieren: Papa Pablo kommt aus Chile zu Besuch und sucht plötzlich Kontakt, sein heterosexueller Ex-Boyfriend John meldet sich nach monatelanger Funkstille wieder und dann steht auch noch seine 13-jährige Halbschwester Zoe mit ihren ganz eigenen Problemen vor der Tür. Doch seit Feñas Transition haben sich die Dynamiken zu allen dreien verändert. Er stellt sich die Frage, wieviel Nähe sich zu den Menschen seines alten Lebens richtig anfühlt.


Authentisch und mitreißend schildert Vuk Lungulov-Klotz in seinem Debütfilm 24 Stunden im Leben eines jungen Transmannes. Lío Mehiel, selbst non-binär und mit Wurzeln in Puerto Rico und Griechenland, verkörpert Feñas vielschichtiges Dazwischensein facettenreich und ausdrucksstark – und wurde für diese Leistung in Sundance mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet. Kaum ein Film vor „Mutt“ hat die Komplexität des Alltags als trans Person derart wahrhaftig gezeigt.


MUTT
Land/Jahr: US 2023
Regie: Vuk Lungulov-Klotz
87 Minuten
ab 12 Jahren