Geplante Erstaufführungen in den nächsten Wochen:

voraussichtlich ab Donnerstag 3.2.
Wunderschön
Ballade von der weissen Kuh
voraussichtlich ab Donnerstag 10.2.
Was geschah mit Bus 670?
Kimi
Tod auf dem Nil
voraussichtlich ab Donnerstag 17.2.
Der Alpinist
Das Mädchen mit den goldenen Händen
Noch einmal, June
voraussichtlich ab Donnerstag 24.2.
Belfast
King Richard
voraussichtlich ab Donnerstag 14.4.
Alles ist gut gegangen

Voraussichtlich ab Donnerstag 3.2.

Wunderschön

Wieviel Zeit verschwenden wir damit, Idealen hinterher zu rennen, die gar nicht unsere eigenen sind? Was würde passieren, wenn wir uns mit anderen Augen sehen und erkennen, was wirklich wichtig ist? Ein Film nah am Leben, ehrlich und hoffnungsvoll.

Einem Idealbild nachzueifern kennt fast jeder von uns. Mütter, Töchter, Männer, Alt und Jung stecken im permanenten Optimierungswahn. “Wunderschön” erzählt ihre Geschichten: Da ist Frauke (Martina Gedeck), die sich „kurz vor der 60“ nicht mehr begehrenswert findet, während ihr pensionierter Mann Wolfi (Joachim Król) ohne Arbeit nicht weiß, wohin mit sich. Ihre Tochter Julie (Emilia Schüle) will als Model endlich den Durchbruch schaffen und versucht verbissen, ihren Körper in das Schönheitsideal der Branche zu pressen. Das verfolgt wiederum Schülerin Leyla (Dilara Aylin Ziem), die überzeugt ist, mit Julies Aussehen ein besseres Leben führen zu können, und selbst keinen Bezug zu sich findet. Auch Julies Schwägerin Sonja (Karoline Herfurth) hat mit ihrem Körper zu kämpfen, der nach zwei Schwangerschaften zum Ausdruck einer Lebenskrise wird...

Nach „SMS für dich“ und „Sweethearts“ beweist Autorin, Regisseurin und Hauptdarstellerin Karoline Herfurth mit “Wunderschön” erneut, dass sie sowohl vor als auch hinter der Kamera die Herzen der Zuschauer erobern kann. Zu ihrem starken Ensemble gehören Neuentdeckung Dilara Aylin Ziem, Emilia Schüle („High Society“, „Hello Again – Ein Tag für immer“), Nora Tschirner („Embrace – Du bist schön“) und Martina Gedeck („Ich bin dann mal weg“, „Die Wand“). Sie stellen zusammen mit Karoline Herfurth („Das perfekte Geheimnis“, „SMS für dich“) das Frausein an sich auf den Prüfstand. In den nicht weniger wichtigen Männerrollen stehen Friedrich Mücke („SMS für dich“, „Ballon“), Maximilian Brückner („Das schönste Paar“) und Joachim Król („Berlin Alexanderplatz“) vor der Kamera von Daniel Gottschalk („Sweethearts“, „Vier gegen die Bank“). Das Drehbuch schrieben Lena Stahl („Mein Sohn“), Monika Fäßler („Sweethearts“) und Karoline Herfurth.

Deutschland 2020
Regie: Karoline Herfurth
Darsteller: Nora Tschirner, Martina Gedeck, Emilia Schüle
132 Minuten
ab 6 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 3.2.

Ballade von der weissen Kuh



Die iranisch-französische Ko-Produktion erzählt in intensiven Bildern von den Folgen eines Fehlurteils und stellt damit nicht nur dieses, sondern das ganze System in Frage. Es geht um die Todesstrafe, ihre Konsequenzen sowie das moralische Gewicht dieser Strafe.

„Man darf den Menschen nicht ihre Rechte verweigern. Die Todesstrafe ist ein Menschenrecht“, wird zu einem der Richter gesagt, der die Todesstrafe an einem Unschuldigen verhängte und darüber am Verzweifeln ist. Er ist Sinnbild für ein System, an dem die Witwe Mina verzweifelt. Ihr Mann wurde vor einem Jahr hingerichtet, dann stellte sich heraus, dass er unschuldig war. Man will sie mit Blutgeld entschädigen, Mina will jedoch mehr. Sie will die Verantwortlichen zur Rede stellen, während sie ein Leben lebt, in dem man sie meidet, weil eine alleinerziehende Mutter in diesem Land Paria-Status genießt. Eines Tages lernt sie einen Mann kennen, der sich als Freund ihres Mannes ausgibt und seine Schulden begleichen möchte.

Maryam Moghaddam hat zusammen mit Behtash Sanaeeha inszeniert, aber auch die Hauptrolle übernommen. Die Doppelbelastung merkt man ihr nicht an. Der Film ist exakt inszeniert und lebt von eindrucksvollen Bildkompositionen. Schon die erste Einstellung mit der weißen Kuh im Gefängnishof ist sehr faszinierend. Dieses Bild, aber auch der Titel, spielen auf eine Sure im Koran an, in dem die weiße Kuh als Sinnbild für einen Unschuldigen steht. „Die Ballade von der weißen Kuh“ stellt die Frage nach Schuld und Sühne, nach Recht und Gesetz, und wie dieses in den Händen von Menschen zerfasern kann. Der Film funktioniert auf mehreren Ebenen. Als ein Werk, das zeigt, wie jemand versucht, das Nichtwiedergutzumachende irgendwie doch gutzumachen, aber auch als eine Produktion, die das Drama dieses Versuchs schmerzhaft gewiss werden lässt. Denn wie der Richter sich seinen Weg ins Leben von Mina und ihrer Tochter bahnt, ist vom Wunsch nach Sühne getrieben, aber im Grunde natürlich auch ein ungewollt perfides Spiel. Die Wechselwirkung dieser beiden Lesarten ist es auch, die den Film so intensiv geraten lässt. „Die Ballade von der weißen Kuh“ ist ein starker, zur Diskussion anregender Film, der lange nachwirkt.

Iran, Frankreich 2020
Regie: Behtash Sanaeeha, Maryam Moghadam
Darsteller: Maryam Moghadam, Alireza Sani Far, Pouria Rahimi
105 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 10.2.

Was geschah mit Bus 670?

Eine starke Handlung, die von Minute zu Minute mehr an Kraft gewinnt – bis zum schockierenden Ende. Eine Mutter reist ihrem vermissten Sohn hinterher. Er verschwand auf dem Weg von Mexiko in die USA, und sie folgt seinen Spuren, hin- und hergerissen zwischen der Hoffnung, ein Lebenszeichen von ihm zu finden, und der Befürchtung, mit seinem Tod konfrontiert zu werden. Der Debütfilm von Fernanda Valadez ist eine intensive Erfahrung, die erst nach und nach ihre volle Wirkung entfaltet: ein Drama mit Thrillerqualität, inhaltlich und visuell sehr beeindruckend – allerfeinste Filmkunst mit einem hochpolitischen Hintergrund.
Viele junge Leute sind verschwunden – auch Jésus, Magdalenas Sohn, eigentlich noch ein Kind. Vor einiger Zeit verließ er mit seinem besten Freund Rigo das Dörfchen in Zentral-Mexiko, um in die USA zu gehen, in ein besseres Leben. Rigos Leiche wird gefunden, doch von Jésus fehlt jede Spur. Er stieg mit Rigo in den Bus 670, von dort kam das letzte Lebenszeichen der beiden. So beschließt Magdalena, Jésus zu suchen. Sie macht sich auf die beschwerliche Reise in den Norden Mexikos, der Todeszone genannt wird. Sie trifft eine andere Mutter, die ihr Schicksal teilt. Von ihr bekommt sie wertvolle Tipps. Magdalena gibt eine Blutprobe ab, mit der die Identifikation von Toten erleichtert wird. Während sich Magdalena dem gespenstischen Grenzzaun nähert, der die USA und Mexiko trennt, findet sie immer mehr Indizien für das, was mit dem Bus 670 passiert sein könnte.

Fernanda Valadez legt ihren Film formal als Road Movie an – von Station zu Station steigert sie die Spannung, die in einer schockierenden Auflösung gipfelt. Die Dialoge sind ebenso sparsam wie schlüssig, die Bilder zeigen ein Mexiko, das absolut nichts mit den sonnigen Sombrero-Klischees früherer Zeiten zu tun hat. Dafür arbeitet die Regisseurin mit ungewohnten Kameraperspektiven. So gibt es bei Dialogen kaum Gegenschnitte, oft werden die Sprecher von hinten gefilmt, gelegentlich vor einem unscharfen Hintergrund. In dokumentarischer Schärfe werden dagegen, immer aus Magdalenas Sicht, die Zustände an der mexikanischen Grenze gezeigt: eingepackte Leichen werden in Kühlhäuser getragen, Rucksäcke und Taschen, die niemandem gehören, füllen ganze Lagerhäuser.


Quelle: Gaby Sikorski / programmkino.de

Mexiko, Spanien 2020
Regie : Fernanda Valadez
Darsteller: Mercedes Hernández, David Illescas, Juan Jesús Varela
99 Minuten
ab 16 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 10.2.

Kimi


Steven Soderbergh wandelt in diesem beklemmenden Thriller aus einer nahen Zukunft auf den Spuren von Coppolas „Der Dialog”

Während der COVID-19 Pandemie in Seattle entdeckt eine unter Agoraphobie leidene Technikerin während der Analyse eines Datenstroms Hinweise auf ein Gewaltverbrechen. Als sie ihre Entdeckung melden möchte, stößt sie in ihrer Firma jedoch auf Widerstand und Bürokratie. Als sie sich schließlich dazu entschließt, selbst nachzuforschen, muss sie sich ihrer größten Angst stellen: sie muss ihr Apartment verlassen und sich auf die Straßen ihrer Stadt begeben, auf der es nur so von Menschen wimmelt, die gegen ein Gesetz protestieren, das die Bewegungsfreiheit der obdachlosen Bevölkerung einschränkt...

Filmfans in aller Welt dürfen sich glücklich schätzen, dass Steven Soderbergh seine Ankündigung, das Filmemachen an den Nagel zu hängen, schon nach kurzer Zeit wieder aufgegeben hat. Denn sonst wäre die Filmwelt um kleine Meisterwerke wie „Logan Lucky" oder „Unsane: Ausgeliefert” ärmer! Sein neuester Film ist nach der Tragikomödie „Let Them Talk" sowie dem Mystery-Drama „No Sudden Moves" bereits Soderberghs dritte Zusammenarbeit mit dem US-Streaming-Anbieter HBO Max. In „Kimi” treffen Thrillerelemente auf einen Touch Science-Fiction. Die stimmgesteuerte digitale Assistentin KIMI ist in naher Zukunft eine Art Weiterführung von Amazons Alexa. Abgesehen von diversen Hilfsdiensten zeichnet diese technische Innovation auch jeden Ton und jedes Bild ihrer unmittelbaren Umgebung auf und verschafft somit ihrer Entwickler-Firma Zugriff auf intime Bereiche der KIMI-AnwenderInnen. Zoë Kravitz spielt eine Angestellte, die solche Audio-Aufnahmen auswertet. Dabei glaubt sie, Ohrenzeugin eines Mordes geworden zu sein. Obwohl die junge Frau unter Agoraphobie leidet, überwindet sie sich dazu, ihre Wohnung zu verlassen, doch in der KIMI-Zentrale will von ihrer Meldung niemand etwas wissen, da man bestrebt ist, die wahren Auswirkungen der neuen Technologie zu verbergen. Stattdessen soll die Frau mundtot gemacht werden und wird selber zur Gejagten. Ebenfalls mit dabei sind in dem Thriller Byron Bowers, Jaime Camil, Erika Christensen, Jacob Vargas und Rita Wilson.

USA 2022
Regie: Steven Soderbergh
Darsteller: Devin Ratray, Zoë Kravitz, Rita Wilson
149 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 10.2.

Tod auf dem Nil

Ein heimtückischer Mord und viele Verdächtige – ein klarer Fall für Meisterdetektiv Hercule Poirot!

Die Ferien des belgischen Detektivs Hercule Poirot an Bord eines glamourösen Schaufelraddampfers in Ägypten wandeln sich zur erschreckenden Suche nach einem Mörder, als die Flitterwochen eines bildhübschen Ehepaars ein tragisches, schnelles Ende nehmen. Diese dramatische Geschichte einer unglücklichen Liebe zeigt, vor der epischen Kulisse der weitläufigen Wüsten und den majestätischen Pyramiden von Gizeh, eine internationale Gruppe tadellos gekleideter Reisende und bietet genügend boshafte Wendungen, die das Publikum bis zur schockierenden, finalen Auflösung im Dunkeln lassen.

Die Verfilmung auf der Basis von Agatha Christies Roman „Tod auf dem Nil“ aus dem Jahr 1937 ist ein spannender Mystery-Thriller über emotionales Chaos und dessen tödliche Konsequenzen, ausgelöst durch obsessive Liebe. Kenneth Branagh ist zurück als ikonischer Detektiv Hercule Poirot und hat an seiner Seite Tom Bateman, die viermalige Oscar®-nominierte Annette Bening, Russel Brand, Ali Fazal, Dawn French, Gal Gadot, Armie Hammer, Rose Leslie, Emma Mackey, Sophie Okonedo, Jennifer Saunders und Letitia Wright. “Tod auf dem Nil” bringt die Crew hinter „Mord im Orient Express“, dem weltweiten Erfolg von 2017, wieder zusammen und wurde von Michael Green für die Leinwand adaptiert, produziert von Ridley Scott, Kenneth Branagh, p.g.a., Judy Hofflund, p.g.a und Kevin J. Walsh, mit Mark Gordon, Simon Kinberg, Matthew Jenkins, James Prichard und Mathew Prichard als ausführende Produzenten. Der Film wurde 2019 mit 65mm Panavision-Kameras gefilmt und nimmt die Zuschauer mit auf eine Reise in die 1930-Jahre, an viele der nun nachgebauten Schauplätze, die als Inspiration für Christies glamourösen High-Society-Krimi dienten.

USA 2021
Regie: Sir Kenneth Branagh
Darsteller: Sir Kenneth Branagh, Gal Gadot, Armie Hammer
127 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 17.2.

Der Alpinist

Der Film widmet sich dem hochtalentierten Solo-Kletterer Marc-André Leclerc und zeigt ihn bei einer seiner gewagtesten Besteigungen in Patagonien. Sport-Doku mit atemberaubenden Schauwerten

Seine Kletter-Touren sind der Inbegriff des Solo-Abenteuers und absoluter Freiheit, aber auch lebensgefährlicher Bergbesteigungen, die ihresgleichen suchen. Die Rede ist vom kanadischen Alpinisten Marc-André Leclerc, der sich, bis zu seinem tragischen Tod im Jahre 2018 im Alter von 25 Jahren, auf abgelegene Steilwände spezialisiert hatte. Seine erste große Solo-Begehung gelang Leclerc an einer der schwersten Routen der Welt: am über 3000 Meter hohen Granitberg Cerro Torre an der argentinisch-chilenischen Grenze. Zu jener Zeit war Leclerc gerade einmal 23 Jahre alt. Für seine Doku „Der Alpinist“ begleitete Regisseur Peter Mortimer Leclerc bei einem spektakulären Alleingang an den Bergwänden Patagoniens.

Einige der bildgewaltigsten, besten Szenen der Doku spielen sich an den Steilwänden des Torre Egger ab, der manchen als der gefährlichste Gipfel des amerikanischen Kontinents gilt. Er befindet sich im größten Gletschergebiet Patagoniens und beeindruckt schon von weitem. Mit solchen Panorama-Einstellungen und atemberaubenden Totalen arbeitet auch Mortimer häufiger, nur um wenig später in unmittelbarer Nähe von Leclerc zu filmen, an dessen Helm und Ausrüstung die Kameras befestigt sind. Dessen Fähigkeiten, Filigranität und Unerschrockenheit zeigen sich vor allem im Eis und Schnee. Der Solo-Free-Kletterer liebt die erschwerten Bedingungen hoch oben in Gipfelnähe, wenn Stürme, Eiszapfen und Glätte dem Extremsportler alles abverlangen. Wichtig bei einer Sport-Doku aber ist immer auch, die Menschen hinter ihren Leistungen und Großtaten sicht- sowie greifbar zu machen. Es geht darum, ein Gefühl und Verständnis für ihren Antrieb und die Motivation zu schaffen. Gelungen sind die erhellenden, einordnenden Äußerungen und Kommentare von Leclercs Kollegen, darunter Alpinsten, Eiskletterer und Profi-Bergsteiger aller Generationen. Sie berichten über die größten Gefahren, was Bergsteiger antreibt und wieso sie trotz der ständigen Lebensgefahr nicht von ihrer Leidenschaft loskommen.

Quelle: programmkino.de / Björn Schneider

Dokumentarfilm
USA 2021
Regie Peter Mortimer, Nick Rosen
Darsteller: Marc-André Leclerc
92 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 17.2.

Das Mädchen mit den goldenen Händen



Stilles Drama zur Jahrtausendwende in der ehemaligen DDR, in der ein altes Kinderheim verkauft werden soll, die dort aufgewachsene Gudrun es aber bewahren will.

Ein kleines Provinzstädtchen im Osten des Landes im Jahr 1999. Es war eine Zeit der Umbrüche, die die einen mehr, die anderen weniger gut überstanden haben. Gudrun feiert ihren 60. Geburtstag, als sie erfährt, dass das alte verfallene Herrenhaus, das zu DDR-Zeiten als Kinderheim gedient hat, in dem auch sie aufgewachsen ist, verkauft werden soll. Gudrun möchte das Anwesen retten und einem neuen Zweck zuführen. Derweil sucht auch ihre Tochter nach einem Stück Vergangenheit. Sie will endlich wissen, wer ihr leiblicher Vater ist, aber ihre Mutter schweigt eisern.

Katharina Marie Schuberts Film ist in grauen Farben gehalten. Der Film wirkt kalt, ein wenig trist, ein wenig verloren, so wie sich mancher wohl auch in den Gebieten der ehemaligen DDR damals gefühlt haben mag. Es ist eine schwierige Geschichte, die Schubert erzählt. Eine, die nie so genau weiß, ob es nun Wehmut oder Nostalgie ist, mit der auf die Vergangenheit geblickt wird. Die Erinnerung ist gülden, aber ihr inhärent ist der Umstand, dass alles längst vergangen ist. Man kann sich an diese Erinnerungen klammern, man kann sich dem Gefühl der Nostalgie ganz und gar hingeben, aber damit einher geht immer auch etwas Bittersüßes. Weil sich auch nichts mehr ändern lässt. Vielleicht auch deswegen sind die Erinnerungen an frühere Erlebnisse umso süßer, weil wir sie verfälschen und verändern, weil wir die rosarote Brille aufsetzen und die Dinge, die unschön und vielleicht sogar beängstigend waren, einfach ausblenden. So ergeht es auch Gudrun, die an die Zeit im Kinderheim mit einem wohligen Gefühl zurückdenkt. Darum will sie dieses Haus retten, aber ergibt es wirklich noch Sinn, diesem alten Gemäuer neues Leben einhauchen zu wollen? Dennoch kann man sie verstehen. Das Festhalten an dem, was war, ist nur menschlich. Es zeichnet uns alle aus. Darum fühlt man sich in diesem Film auch verstanden, denn jeder hat im Leben etwas, das dem entspricht, was dieses alte Haus für Gudrun ist.

Quelle: programmkino.de / Peter Osteried


Voraussichtlich ab Donnerstag 17.2.

Noch einmal, June



Eine demente Mutter ist plötzlich wieder bei klarem Verstand und hält ihr Umfeld auf Trab. Ergreifende Familiengeschichte mit einem präzisen Blick auf das, was Familie ausmacht.

Als June Wilton (Noni Hazlehurst) zu sich kommt, sieht sie sich einem Arzt gegenüber, der sie allen Ernstes fragt, was das für ein Ding sei, das er in der Hand hält? Ein Kugelschreiber natürlich, blöde Frage, meint June. Und warum, fragt sie entrüstet, ist sie nicht zuhause? June muss daraufhin erfahren, dass sie nach einem Schlaganfall dement wurde und seit fünf Jahren in einem Pflegeheim lebt - bis nun völlig überraschend - ein Zustand vollständiger geistiger Klarheit eingetreten ist. Allerdings droht jederzeit ein Rückfall, warnt der Arzt, wenn sie sich zu sehr aufregt. Das hält die willensstarke June allerdings nicht davon ab, bei erstbester Gelegenheit aus dem Heim zu flüchten und in ihr Haus zurückzukehren. Doch dort wohnt inzwischen eine ihr völlig unbekannte Familie. Und das ist erst der Anfang des Schlamassels. June versucht alles, um ihre völlig aus den Fugen geratene Familie wieder auf Vordermann zu bringen - und stößt zufällig auf die Spur ihres früheren Geliebten. Doch Junes Zeit läuft...

„June Again”, so der Originaltitel des Films, erzählt eine ergreifende Familiengeschichte, mit einem präzisen Blick auf das, was Familie ausmacht. Ohne jegliche Sentimentalität, dafür mit sehr viel Humor und einem untrüglichen Gespür für die kleinen und großen Absurditäten des Alltags. In der Titeltrolle der June Wilton ist Noni Hazlehurst („Little Fish“, „Truth“) zu sehen, die in ihrer Heimat Australien seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Gesichtern im Fernsehen und auf der Kinoleinwand gehört. Mit dem Part als Demenzpatientin, die es plötzlich wieder ins volle Leben verschlägt, zeigt Noni Hazlehurst eindrucksvoll ihre schauspielerische Bandbreite. In den Rollen ihrer erwachsenen Kinder glänzen Claudia Karvan („Daybreakers“, „Infidel“) und Stephen Curry („The King: The Story of Graham Kennedy“). Der australische Filmemacher JJ Winlove, der sich in seiner Heimat und bei internationalen Festivals vor allem mit seiner Kurzfilm-Reihe "12:12" einen Namen gemacht hat, gibt mit „Noch einmal, June” sein Debüt als Autor und Regisseur eines abendfüllenden Spielfilms.


Voraussichtlich ab Donnerstag 24.2.

Belfast



Ende der 60er Jahre kehren seine Eltern ihrer Heimat den Rücken, was für den jungen Kenneth Branagh nicht einfach ist, dem älteren nun aber den Stoff zu seinem autobiographischen Film liefert, der mit viel Humor und mancher Sentimentalität eine Ode an die irische Seele ist.

Im August 1969 wurde der Nordirlandkonflikt blutig. Die katholische Mehrheit hatte genug davon, seit Jahrzehnten von der protestantischen Minderheit unterdrückt zu werden und ging auf die Barrikaden. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Hauptstadt Belfast wurde fortan von anfangs behelfsmäßigen, bald ausgebauten Trennwänden geteilt, die bis Ende der 90er Jahre die verfeindeten Bevölkerungsblöcke trennte. Wie aus heiterem Himmel endete mit diesen Ereignissen die Kindheit des damals neunjährigen Kenneth Branagh, der im Film nur Buddy (Jude Hill) genannt wird. Auch Eltern und Großeltern heißen nur Ma (Caitríona Balfe) und Pa (Jamie Dornan) bzw. Granny (Judi Dench) und Pop (Ciarán Hinds), was andeutet, dass man es bei „Belfast“ weniger mit einem wirklich authentischen Blick auf eine Kindheit zu tun hat, als mit einem stilisierten Blick zurück in ferne, manchmal auch verklärte Vergangenheit.

Lose Episoden seiner Kindheit beschreibt Branagh, zeigt wie Buddy die sich verändernde Situation wahrnimmt, wie seine Eltern unabsichtlich zwischen die Fronten des Konflikts geraten. Zwar sind die Eltern Protestanten, doch sie sind unpolitisch und wollen am liebsten nichts mit der zunehmenden Gewalt zu tun haben. Doch der Anführer der Protestanten des Viertels verlangt Loyalität und wer nicht bereit ist, sie zu geben, der hat es zunehmend schwer. Schnell kristallisiert sich heraus, dass die Familie in Belfast keine Zukunft hat und so trifft Pa den Entschluss, nach England zu ziehen. Dass Buddy wenig begeistert ist, den Orten seiner Kindheit den Rücken zu kehren ist klar, aber vor allem sind es seine geliebten Großeltern, die zu verlassen ihm widerstrebt. Nicht nur, dass „Belfast“ in schwarz-weiß gedreht wurde, lässt ihn wie eine irische Version von Alfonso Cuarons „Roma“ wirken, zumal inzwischen auch Kenneth Branaghs Film als heißer Kandidat für die nächste Oscar-Verleihung gilt. Kein Wunder, denn Branagh erzählt mit leichter Hand eine Coming-of-Age-Geschichte voller skurriler Momente, herzergreifender Trennung von den Großeltern und sanft verpackten Lebenslektionen.

Quelle: programmkino.de / Michael Meyns

Großbritannien 2021
Regie: Sir Kenneth Branagh
Darsteller: Jamie Dornan, Caitriona Balfe, Ciarán Hinds
99 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 24.2.

King Richard



Biopic über den Vater der Tennis-Profis Venus und Serena Williams. Wunderbar gespielte Charakterstudie mit gelegentlich ziemlich witzigen Passagen, viel Emotion und spannendem Zeitkolorit. Spiel, Satz und Sieg für Will Smith!

Richard Williams hat eine Vision: Seine Kinder sollen einmal erfolgreiche Tennisprofis werden. Schon im Vorschulalter werden die kleinen Mädchen Venus und Serena von ihm und Brandy, ihrer Mutter, trainiert. Doch es gibt eine weitere Vision, die beinahe noch wichtiger ist: Richard und Brandy wollen raus aus Compton, einem Vorort von Los Angeles, der von Gewalt, Bandenkriegen und Drogenkriminalität geprägt wird. Zunächst versuchen die Eltern, ihren Mädchen – insgesamt fünf an der Zahl – ein gutes Leben und eine vernünftige Schulbildung zu ermöglichen, gleichzeitig planen sie den Auf- und Ausstieg. Buchstäblich Tag und Nacht arbeiten sie für ihren Traum...

Diesen Vater, der gleichzeitig autoritär und liebevoll ist, der über einen hinreißenden Charme verfügt, so viele Fehler macht und bei aller humorvoller Gelassenheit auch mal mächtig auf die Pauke hauen kann, spielt Will Smith. Dabei übertrifft er sich selbst. Zu Beginn erscheint er in seiner Rolle als Patriarch sehr energisch, geradezu autokratisch und nicht allzu sympathisch. Doch das ändert sich bald. Dank seines differenzierten Spiels wird Richard als Persönlichkeit immer klarer und dadurch liebenswerter, in seiner Verletzlichkeit und Sensualität ebenso wie in der unterschwelligen Aggressivität und Wut, die er fast vollständig zu beherrschen gelernt hat. Das Biopic über Richard Williams macht Venus und Serena aber keineswegs zu unwichtigen Nebendarstellerinnen. Vielmehr wird ihre Sportgeschichte zusätzlich veredelt, der Fokus wird verlegt und zum Drama eines Mannes und seiner gesamten Familie erhoben: eine schwarze Familie, die an den American Dream glaubt, vielleicht sogar mehr als an die Realisierung sportlicher Ziele. Wider besseren Wissens verfolgen sie gemeinsam ihren Traum … und das ist – mal abgesehen vom Sport – auch ein sehr schönes, romantisches Märchen, das hier tatsächlich in Erfüllung geht.

Quelle: programmkino.de / Gaby Sikorski

USA 2021
Regie: Reinaldo Marcus Green
Darsteller: Will Smith, Saniyya Sidney, Demi Singleton
145 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 14.4.

Alles ist gut gegangen

Der Vater der bekannten Schriftstellerin Emmanuèle wird nach einem Schlaganfall ins Krankenhaus eingeliefert. Hatte der 85-Jährige André zuvor voller Energie und Neugierde gestrotzt, ist er nach seiner Erkrankung halbseitig gelähmt und auf die Hilfe anderer angewiesen. Daraufhin bittet er seine Tochter um Sterbehilfe. Emmanuèle entscheidet sich dafür, ihren Vater bei seinem Vorhaben zu unterstützen.
(Quelle: Wikipedia)

Frankreich 2021
Regie: François Ozon
Darsteller: Sophie Marceau, André Dussollier, Géraldine Pailhas