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3. Widescreen-Festival in der Schauburg
am 5. und 6. Juni 2010
Thema: "in Sensurround" - "KinoMuseum Schauburg - die 70er Jahre"
Auf unserer Original Bildwand
Seit 2005 haben wir mit unseren kino- und
filmtechnischen Festivals
europaweit uns einen Namen gemacht. Neben dem dreitägigen 70mm Todd-AO
Festival im Oktober, das dieses Jahr bereits zum sechsten Mal
stattfinden
wird und sich der Wiedergabe, Erforschung und historischer Bewertung
des
70mm Formates widmet, führen wir seit zwei Jahren ein zweitägiges
Widescreen-Weekend durch, das sich in loser Folge besondernen
kinospezifischen Themen widmet. Bei diesem Festivals stellen wir die
arteigene Präsentation der Filme im Erlebnisraum Kino in den
Vordergrund und
möchten Ihnen damit auch anschaulich vermitteln, dass der Werbeslogan
...
" im Kino hat man mehr vom Film"
... durchaus seine Berechtigung hat.
Dieses Jahr, am 5. und 6. Juni 2010, huldigen wir zwei Tage lang einem
Filmformat, das nur die wenigsten von uns in Original-Kinokopien zu
sehen
bekommen haben.
SENSURROUND - oder die Entdeckung der tiefen
Töne
von Clemens Scherer
Die
Music Corportion of America (MCA) war ursprünglich eine
Vermittlungsagentur für Musiker, Bands und später auch Schauspieler.
1958 erwirbt die MCA das Studiogelände der Universal Pictures, um
schließlich 1962 mit Übernahme der Decca Records dieses ebenfalls in
deren Besitz befindliche Filmstudio komplett zu kontrollieren.
Anfang der 1970er Jahre beschließt die MCA, eine geplante Produktion
der
Universal Pictures mit einem firmeneigenen Tonsystem zu unterstützen,
welches die neueste technische Entwicklung im Audiobereich, speziell
die
deutlich gesteigerten Leistungen bei der Schallwiedergabe nutzen soll.
Dementsprechend startet 1974 der Film "ERDBEBEN" mit einem
Paukenschlag. Der Titel lässt schon ahnen, was die Zuschauer da mit
SENSURROUND erwartet. Die Tonanlagen ausgewählter Kinos sind mit
Batterien von horngetriebenen 18 Zoll Subwoofern aufgerüstet worden.
Wenn im Film das Erdbeben einsetzt, sollen die Zuschauer das Gefühl
bekommen, dass nun der Weltuntergang bevorsteht. Um dies zu erreichen
und die maximale Dynamik der Anlage nutzen zu können, kommen die
extrem
niederfrequenten Töne nicht etwa von einer Tonspur auf der Filmkopie,
sondern aus einem speziell entwickelten Generator des
Sensurround-Prozessors, welcher das Frequenzspektrum eines
tatsächlichen
Erdbebens von 1971 nachbildet. Tonsignale auf der Filmkopie steuern,
wann dies einsetzt und mit welcher Intensität.
Die MCA schätzt ursprünglich, dass nur etwa 30 Kinos eine
Sensurroundanlage installieren würden. Zur Premiere von Erdbeben sind
bereits 17 Kinos ausgestattet, bis zum Ende der Laufzeit dann über 400
Kinos aufgerüstet. Allerdings häufen sich damit auch Berichte der
zerstörerischen Auswirkung von extrem leistungsstarker,
niederfrequenter
Schalleinwirkung, besonders auf alte Gebäude, bei denen es nicht mehr
viel benötigt, um den Putz von der Decke fallen zu lassen.
Aufgrund des unerwartet großen Erfolgs mit Erdbeben beschließt die MCA
weitere derartige Filme folgen zu lassen. Da die Erdbebenfrequenzen
sich
nur bedingt für andere Themen eignen, wird Sensurround zu einem mehr
allgemein nutzbaren Tonverfahren weiterentwickelt. Die Aufzeichnung
tiefer Frequenzen auf der Filmtonspur wird verbessert, so dass die
Subwoofer nun direkt davon betrieben werden können. Dazu kommt noch
eine
Rauschunterdrückung von dbx und etabliert damit im Kinobereich ein
konkurrierendes System zu Dolby A. 1976 startet "MIDWAY", ein
Film über den Krieg der USA gegen Japan im Pazifik anno 1942, nun im
Sensurround Special Effects System. 1977 folgt "ROLLERCOASTER"
und lässt die Zuschauer einen Thriller in diversen Vergnügungsparks
und
speziell auf Achterbahnen erleben. 1978 bringt "BATTLESTAR
GALACTICA"
die Zuschauer mit einem weiter verbesserten Sensurroundsystem in den
Weltraum, wo eine kleine Schar Menschen auf einem Superraumschiff ums
Überleben kämpft. Umgehend gefolgt von "MISSION GALACTICA: THE
CYLON
ATTACK", die Bestätigung, dass der Kampf weitergeht.
Es hätten sich sicher noch weitere Themen gefunden, um die Zuschauer
mit
Subwoofereffekten zu terrorisieren. Der Neubau von Kinocentern und das
Aussterben von Kinos mit nur einem Saal schränken den Einsatz von
Sensurround jedoch zunehmend ein, die durchdringenden Frequenzen sind
den Besuchern der Nachbarkinos einfach nicht zuzumuten. Zuletzt nutzt
"ZOOT SUIT" 1981 nur noch die dbx-Rauschunterdrückung, die
Subwoofer
werden nicht mehr eingesetzt. Gleichzeitig kämpfen die Dolby
Laboratories um die Vorherrschaft in den Kinos und können sich dank
der
überzeugenderen Stereolösung auch letztendlich durchsetzen. Ein
kleines
bisschen Sensurround bleibt allerdings erhalten. Um auf dem Gebiet der
tiefen Töne etwas entgegensetzen zu können, führt Dolby den
sogenannten
Baby Boom auf den Magnettonspuren von 70mm Kopien ein. Der Name
bewusst
defensiv, kein Theaterbetreiber sollte sich davor fürchten. Aber
fortan
klingen Flugzeugmotoren realistischer und ein orchestraler
Paukenschlag
ist als solcher auch etwas mit dem Bauch zu vernehmen.
Das aktuelle Programm und weitere Informationen erhalten Sie über die nebendstehende Menüauswahl.
Änderungen sind nicht beabsichtigt, müssen wir uns jedoch ausdrücklich vorbehalten
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