NEU in der Schauburg
EL OLIVO - DER OLIVENBAUM
auch in spanischer Originalfassung mit deutschen Untertiteln



Eine junge Frau macht sich auf den Weg, einen vor vielen Jahren verkauften Olivenbaum wieder in die Heimat zurückzuholen. Emotionales Märchen, das vom materiellen und vor allem emotionalen Ausverkauf, den Spanien durch die Wirtschaftskrise seit Jahren erleidet, erzählt.

Neben ihrem alternden Großvater Ramón liebt Alma nichts so sehr wie einen der alten, knorrigen Olivenbäume, der sich seit ewigen Zeiten im Besitz der Familie befand. Als Kind kletterte sie in seinen Ästen, versteckte sich in einem Loch im Stamm und ließ sich vom Großvater erklären, wie man mit Hilfe eines kleinen Zweiges einen Ableger zieht. Doch der Baum ist längst verschwunden, im Zuge der Wirtschaftskrise zu Geld gemacht, das aber längst in einem Projekt verbrannt ist. Der Großvater lebt immer noch mit seiner Familie auf der Farm, mit seinen Kindern und Enkeln, doch zunehmend macht das Alter ihm zu schaffen. Immer häufiger wandert er ziellos durch die Gegend, auf der Suche nach dem Olivenbaum, wie allein Alma spürt. Schnell macht sie per Internet den aktuellen Standort des Baums ausfindig: Eine Bank in Düsseldorf, die den Baum sogar als Signet benutzt. Kurzentschlossen überredet Alma ihren Onkel und ihren Verehrer, sich auf die Reise nach Deutschland zu machen. Wie genau sie den Baum zurückbekommen will, weiß sie zwar noch nicht, aber wo ein Wille ist, scheint auch ein Weg zu sein.

Es überrascht nicht zu lesen, dass der englische Autor Paul Laverty das Drehbuch zum Film seiner Lebensgefährtin Icíar Bollaín geschrieben hat, ist Laverty doch vor allem für seine Drehbücher zu sozial engagierten Filmen von Ken Loach bekannt. Auch wenn die Darstellung der spanischen Region Castellon, ihrer Wirtschaftsprobleme und zunehmend industrialisierten landwirtschaftlicher Betriebe Anzeichen von Sozialrealismus trägt, ist die Geschichte vom ersten Moment an von märchenhaften Zügen geprägt. Wie eine weibliche Version von Don Quijote wirkt die ebenso burschikose wie rechtschaffene Alma, wenn sie mit einem riesigen Lastzug durch Europa fährt, eine symbolische Freiheitsstatue im Gepäck, um das Unmögliche möglich zu machen. Der symbolische Feldzug gegen die europäische Austeritätspolitik, die auch Spanien dazu genötigt hat, seine Vergangenheit, seine Traditionen zu verkaufen, nimmt in Icíar Bollaíns Inszenierung legendenhafte Züge an. Manchmal tragen Bolláin und Laverty dabei etwas dick auf, sind zu sehr überzeugt von der Rechtschaffenheit ihres Anliegens und vergessen darüber die Glaubwürdigkeit ihrer Figuren und Geschichte. Etwas rührselig ist "El Olivo - Der Olivenbaum" dadurch geraten und ist am Ende vor allem ein engagiertes, wohlmeinendes Sozialmärchen.


EL OLIVO - DER OLIVENBAUM
Land/Jahr
: Spanien, Deutschland 2016
Regie: Icíar Bollaín
Darsteller: Anna Castillo, Javier Gutiérrez, Pep Ambrós
98 Minuten
ab 6 Jahren

 

NEU in der Schauburg
DIE FAST PERFEKTE WELT DER PAULINE



Eine Alleinunterhalterin erschreckt eines Tages einen Mann derart, dass der in ein Koma fällt. Von Schuldgefühlen geplagt besucht sie ihn täglich im Krankenhaus und nistet sich in seiner Wohnung ein. Amüsante, charmante und ein kleines bisschen verrückte leichte Komödie.

Auf den abreissbaren Inseratkopien, die sie an Laternenpfähle ihrer bretonischen Kleinstadt klebt, bezeichnet sie sich als „beinahe professionelle“ Geigerin. Nachgefragt wird die Ende 30-jährige Pauline aber vor allem als Alleinunterhalterin zur Bespaßung junger bis alter Gruppen. Im Gewand des heroischen Jedi-Ritters ist Pauline eines Tages unterwegs, um kurzfristig an einen Auftritt bei einem Kindergeburtstag noch eine Zusatzschicht beim Seniorenverein dranzuhängen. Die etwas schusselige Musikerin verfährt sich auf dem Weg dorthin allerdings und erschreckt in ihrer Not dann ausgerechnet jenen Mann, der ihr vielleicht den richtigen Weg hätte zeigen können, derart, dass der in eine Baugrube stürzt und ins Koma fällt. Pauline fühlt sich schuldig, besucht den Unglücksraben im Krankenhaus, wo sie sich als dessen Cousine ausgibt. Bald zieht sie auch in dessen Wohnung ein und kann ihn als Lehrer an der örtlichen Musikschule ersetzen. Das Leben für sie läuft in dieser Phase nahezu perfekt, auch wenn sie aufpassen muss, sich nicht in Widersprüche zu verstricken...

Auch wenn Pauline auf halbwegs voraussehbaren Pfaden wandelt, so heißt das nicht, dass man sich mit ihrer Situation nicht doch auch identifizieren könnte und auf ein möglicherweise romantisches Ende für sie hoffen würde. Gerade in diesem Belang erweist sich Isabelle Carré („Die Sprache des Herzens“, „Die anonymen Romantiker“) als sehr gute Besetzung für eine sensible und unsichere Frau, die trotz kleinerer Macken sympathisch scheint und noch immer nach dem Platz in ihrem Leben sucht, sich darin aber bewegt wie ein weiblicher Pierre Richard. An eine poetische Grundstimmung dockt der Film nicht zuletzt auch mit seinem deutschen Titel an, erinnert der doch ein wenig an „Die wunderbare Welt der Amélie“, was sich auch in der verspielt-verträumten Filmmusik äußert. Erinnerungen weckt „Die fast perfekte Welt der Pauline“ (im französischen Original heißt sie Perrine) aber auch an die US-Produktion „Während Du schliefst“ von Jon Turteltaub aus dem Jahr 1995. Damals wachte Sandra Bullock als vermeintliche Verlobte am Bett eines ins Koma gefallenen Mannes, den sie nach einem Sturz auf ein Zuggleis rettete. Der Fokus lag hier allerdings mehr auf dem romantischen Moment denn wie hier in Marie Belhommes leichter Sommerkomödie auf den komischen Situationen, in denen sich die Hauptfigur aufgrund ihres Charakters im Grunde eher unfreiwillig hineinmanövriert.


DIE FAST PERFEKTE WELT DER PAULINE
Land/Jahr: Frankreich 2015
Regie: Marie Belhomme
Darsteller: Isabelle Carré, Carmen Maura, Philippe Rebbot, Nina Meurisse, Laurent Quere
Laufzeit: 81 Minuten
FSK: ohne Altersbeschränkung
 


 

Großes Frühstückskino in der Schauburg
macht Sommerpause

Das große Kinofrühstück am Sonntag in der Schauburg macht Sommerpause bis Mitte September 2016.