SONDERVORSTELLUNG in der Schauburg
"AUSTRALIEN IN 100 TAGEN"

am Mittwoch, 23. April um 20.30 Uhr in Anwesenheit der Filmemacher
 


100 Tage sind Silke Schranz und Christian Wüstenberg durch ganz Australien gereist und zeigen in ihrer Dokumentation, was ihnen alles vor die Linse gelaufen ist - ein Muss für alle Australienfans und solche, die es werden wollen.

Viele Deutsche träumen von einem Urlaub in Australien. Das Problem dabei: Das Land ist riesengroß. Nach europäischem Maßstab reicht es von Lissabon bis Moskau oder von Nordnorwegen bis zur Türkei. Schon für An- und Abreise gehen vier Urlaubstage drauf. Also wohin soll die Reise gehen, wenn man nur zwei bis drei Wochen Zeit hat? Die Filmemacher Silke Schranz und Christian Wüstenberg („Die Nordsee von oben“) sind 22.000 Kilometer um den ganzen Kontinent gereist, haben jeden Tag mit der Kamera dokumentiert und geben einen umfassenden Einblick in alle Regionen Australiens.

Die filmische Reise beginnt in Perth, geht die einsame Westküste hoch bis Darwin, über Alice Springs im Roten Zentrum bis ins tropische Cairns und von dort Richtung Süden über Sydney und Melbourne bis nach Adelaide. Sogar einen Abstecher ins ursprüngliche Tasmanien haben die beiden gemacht. Entstanden ist eine gut gelaunte Mischung aus persönlichen Erlebnissen, Naturdokumentation und Reiseführer.

"AUSTRALIEN IN 100 TAGEN"
Land/Jahr: Deutschland 2012
Dokumentarfilm
Regie: Silke Schranz, Christian Wüstenberg
Laufzeit: 105 Minuten
FSK: ohne Altersbeschränkung

Die Schauburg präsentiert „Australien in 100 Tagen“ in einer Sondervorstellung in Anwesenheit der Filmemacher  am Mittwoch, 23. April 2014 um 20.30 Uhr und verlost 5 x 2 Karten für diese Sondervorstellung unter allen, die bis Montag, 21.4. eine e-mail an gewinnspiel@schauburg.de oder ein Fax an 0721-380047 geschickt haben, Stichwort: „Australien in 100 Tagen“. Bitte Telefonnummer nicht vergessen, die Gewinner werden telefonisch benachrichtigt.

 



NEU in der Schauburg
"YVES SAINT LAURENT"


 


Er liebte das Schöne, alles andere war Nebensache. Yves Saint Laurent, legendärer französischer Modedesigner - ihm setzt Jalil Lespert in seinem gleichnamigen Film ein Denkmal. Von großer Verehrung für Leben und Werk Laurents und nicht zuletzt dank der beiden herausragenden Hauptdarsteller ein atmosphärischer Film.

Neben Chanel und Dior ist Yves Saint Laurent wohl der bekannteste Modedesigner des 20. Jahrhunderts, und im Hause Dior begann auch seine Karriere. Geboren 1936 im algerischen Oran, das damals noch französische Kolonie war, wurde Laurents großes Talent schon früh entdeckt: Mit gerade einmal 21 Jahren wurde er nach dem Tod Diors zum Chefdesigner des berühmten Modehauses, wo er allerdings nicht lange blieb: Nach einem psychotischen Anfall bei seiner Musterung wurde Laurent entlassen und gründete mit der Abfindung sein eigenes Label. Stets an seiner Seite: Der Geschäftsmann Pierre Bergé, der Laurents langjähriger Lebensgefährte wurde. Aus seiner Perspektive erzählt der Film das Leben Laurents, in loser Abfolge von Sequenzen, die die wichtigsten Stationen von Laurents Leben nachzeichnen. Immer wieder wird Bergé als der Kontrolliertere beschrieben, als eine Art rationaler Gegenpol zum künstlerischen, aber auch exzessiveren Laurent, der seit seinem Aufenthalt in der Psychiatrie drogensüchtig ist. Während Bergé versucht, Laurent zu beschützen, sieht sich dieser bevormundet, eingesperrt, in seiner Freiheit beraubt und flüchtet sich in Affären.

Eine gewisse Oberflächlichkeit kann Lespert nicht vermeiden, wenn er hier mal Andy Warhol durchs Bild laufen lässt, da Karl Lagerfeld (gespielt von Nikolai Kinski), von Modenschau zu Party zu Urlaub in Marokko springt. Dass sind die Fallstricke eines biographischen Films, der mehrere Jahrzehnte umspannen will und dabei kein wichtiges Ereignis auslässt. Zusammengehalten wird das zum einen durch schwelgerische Ausstattung und Kostüme, die an Schauplätzen zwischen Paris und Nordafrika, zwischen Salons und mondänen Wohnungen viel vom Lebensgefühl der Zeit vermitteln, vor allem aber vom Verlangen, sich mit schönen Dingen zu umgeben, das Laurent sein Leben lang antrieb. Zum anderen sind es die beiden Hauptdarsteller Pierre Niney und Gulliaume Gallienne, die ihren Rollen trotz der oft nur kurzen Szenen, der etwas abgehakten Dramaturgie viel Leben verleihen und die Liebe nachvollziehbar machen, die das Paar Laurent/ Bergé trotz aller Schwierigkeiten über Jahrzehnte zusammenhielt.


"YVES SAINT LAURENT"
Land/Jahr: Frankreich 2013
Regie: Jalil Lespert
Darsteller: Pierre Niney, Guillaume Gallienne, Charlotte Le Bon
101 Minuten

 


NEU in der Schauburg
"LAUF JUNGE LAUF"


 


Ein kleiner jüdischer Junge kämpft während des Zweiten Weltkriegs in Polen ums nackte Überleben. Ergreifendes Kriegsdrama von Oscar-Preisträger Pepe Danquart, dessen Film ein Denkmal setzt für die vielen Kinder, die auch heute noch mit Krieg konfrontiert werden

Polen im Kriegsjahr 1942/43: dem 9-jährigen Strulik gelingt die Flucht aus dem Warschauer Ghetto. Ohne Eltern und Geschwister ist er zum ersten Mal in seinem jungen Leben ganz auf sich selbst gestellt. In Wäldern sucht er Unterschlupf und erbettelt sich auf Bauernhöfen Brot. Um zu überleben, muss er seine jüdische Herkunft verleugnen und nimmt den polnischen Namen Yurek an. Konfrontiert mit Verrätern, Kollaborateuren und Kriegsgewinnern, aber auch jenen, die ihm trotz Todesandrohung helfen, gibt er immer weiter seine wahre Identität auf, um den letzten Wunsch seines Vaters zu erfüllen: “Du musst stark sein und tapfer! Du musst überleben! Du musst Deinen Namen vergessen! Aber selbst, wenn Du alles vergisst: Du darfst niemals in Deinem Leben vergessen, dass Du ein Jude bist!”

Pepe Danquarts Drama ist die Adaptation des auf Tatsachen beruhenden Bestseller-Romans von Uri Olev, der die erschütternden Kriegserlebnisse von Yoram Fridman schildert. Buch wie auch Film wollen ein Denkmal setzen für die vielen Kinder, die sich auch heute noch überall auf der Welt durch Kriegswirren kämpfen müssen und damit um ihre Kindheit gebracht werden. Nur so gelingt es diesen Kindern, die Kriegsgräuel zu überleben. Danquarts Film arbeitet bei der Umsetzung der Geschichte mit typischen Hollywood-Mitteln, zu denen insbesondere die Filmmusik von Stephane Moucha zählt, der schon oft mit dem bekannten Filmmusiker Gabriel Yared zusammengearbeitet hat. Mouchas Score liefert in perfekter Weise das emotionale Grundgerüst für den Film. Was die Bilder im Film angeht, so sind diese durchaus gelungen und vermitteln perfekt die Tristesse und Kälte in Polen zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Für die Hauptrolle des kleinen Strulik bzw. Yurek engagierte Danquart ein polnisches Zwillingspaar (Andrzej Tkacz, Kamil Tkacz), das tatsächlich so überzeugend in die Rolle einer einzigen Person schlüpfen kann, dass die Doppelbesetzung nicht auffällt.


"LAUF JUNGE LAUF"
Land/Jahr: Deutschland, Frankreich u.a. 2013
Regie: Pepe Danquart
Darsteller: Andrzej Tkacz, Kamil Tkacz, Elisabeth Duda
Laufzeit: 108 Minuten


 

NEU in der Schauburg
"IDA"


 


Die Begegnung mit ihrer Tante konfrontiert eine junge Novizin mit ihrer wahren Identität. Eine echte Filmperle von selten konzentrierter Kraft, gerahmt im Retro-Format 4:3, über die Unmöglichkeit des Vergessens

Polen Anfang der Sechziger Jahre. Anna (Agata Trzebuchowska) ist eine junge Novizin, aufgewachsen im kargen Umfeld der Klostermauern, die kurz davor steht, in ihrem Gelübde jenes Dasein der Enthaltsamkeit und Devotion für den Rest ihres Lebens zu besiegeln. Doch es stellt sich heraus, dass sie noch eine lebende Verwandte in der Stadt hat, so dass die Äbtissin sich nicht mehr gezwungen sieht für das junge Mädchen zu sorgen und es zu dieser entsendet. Die Begegnung mit ihrer Tante Wanja (Agata Kulesza), die sich als Schwester ihrer Mutter herausstellt, fällt unterkühlt aus und irritiert Anna zunächst. Die mondäne Frau könnte nicht grundverschiedener von ihr sein - in ihrer eleganten Stadtwohnung gehen die Liebhaber ein und aus und auch anderen Lastern ist die sich hinter ihrem Zynismus versteckende Alkoholikerin nicht abgeneigt. Erst nach und nach entdeckt Anna einige erstaunliche Zusammenhänge, darunter auch die jüdische Herkunft ihrer Familie, ihren richtigen Namen, Ida, und das ungeklärte Ende aller nächsten Anverwandten. Zunächst voller Unverständnis für den überzeugten Glauben ihrer Nichte, überwindet sie schließlich ihre Distanz und willigt ein, Anna auf der Suche nach dem Verbleib ihrer Eltern zu helfen.

Aus diesem Szenario entwickelt sich jedoch nur für einen Teil des Films so etwas wie ein Road Movie - "Ida" widersteht allen allzu leichten Einordnungen in ein bestimmtes Genre, ja sogar in den zeitgenössischen polnischen Film selbst, zugunsten einer wunderbaren Eigenwilligkeit, die stellenweise eher Momente der Nouvelle Vague aufruft. Es sind zwei faszinierende und konträre Charaktere, die Regisseur Pawlikowski in seiner Geschichte entwickelt, hervorragend besetzt, vielschichtig und in ihrer Entwicklung überraschend. Keine Kamerabewegung ist unnötig, jede Einstellung eine komplexe Komposition mit hohem künstlerischen Abstraktionsgrad. Es sind solche Verdichtungen von Bild und Handlung, die den Zuschauer völlig in ihren Bann zu schlagen vermögen und das Gefühl vermitteln, man würde in ein altes, lange vergessenes Familienalbum eintauchen und eine andere Zeit einatmen. „Ida“ ist ein kleiner, stiller Film mit großer Wirkungskraft – vollkommen zurecht mit dem Kritikerpreis beim Toronto Filmfestival ebenso wie in London und Warschau ausgezeichnet.


"IDA"
Land/Jahr: Polen, Dänemark 2013
Regie: Pawel Pawlikowski
Mit Agata Kulesza, Agata Trzebuchowska, Joanna Kulig
Laufzeit: 80 Minuten