PREMIERE in der Schauburg
DIE LETZTEN GIGOLOS
am Sonntag, 1. Februar 2015 um 11 Uhr im Frühstückskino


Stilvoll gekleidet, ausschweifend Tango tanzend oder als Begleitung bei einem Tagesausflug an exotische Orte – sie sind das käufliche Accessoire für gut betuchte Frauen ab 60. Hinreißender Dokumentarfilm über bejahrte Gigolos.

Ob leidenschaftlicher Tango im Teesalon, entspannter Spaziergang an Bord oder Tagesausflüge an exotischen Urlaubszielen, „Die letzten Gigolos“ sind graumelierte Herren von Welt. Sie verbringen ihren Lebensabend auf Kreuzfahrtschiffen – als Unterhalter und Tanzpartner für amüsierfreudige Frauen ab 60, um deren Urlaubsträumen nachzuhelfen. Organisiert von Agenturen und angestellt von Reedereien bereisen sie die Weltmeere und werden belohnt mit dem Abenteuer Kreuzfahrt und der Flucht aus ihrem Seniorendasein zu Hause.

Gemeinsam mit dem Frankfurter Peter Nemela (74) begibt sich der Regisseur Stephan Bergmann auf die amüsanten Spuren derer, die als Gentlemen auf dem Schiff ihre Träume verwirklichen wollen. Doch taugt das Kreuzfahrtschiff nur begrenzt als Spielwiese für ihre Suche nach einem anderen, spannenderen Leben. So liegt es an den Kavalieren selbst, mit Glück und Talent ihrem Ziel etwas näher zu kommen – und sich auf dem Weg auch einiger Avancen gekonnt zu erwehren. „Die letzten Gigolos“ ist ein herzerwärmender Spaß rund um charmante Herren, die ihre Sehnsüchte auf Kreuzfahrtschiffen zu verwirklichen hoffen und die niemals aufgeben werden, sie zu suchen. Auf eine lebensbejahende und beschwingte Weise erzählt der Film vom Verlieren und Gewinnen, von Rückschlägen und kleinen Triumphen. Ein Augenzwinkern für das Älterwerden. „Eine wunderbar gestaltete Dokumentation, die sehr facettenreiche Einblicke in die Welt eines wahren Traumschiffes gewährt.“ (Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) zur Vergabe des Prädikats „Besonders wertvoll“).

DIE LETZTEN GIGOLOS
Land/Jahr: Deutschland 2014
Regie: Stephan Bergmann
91 Minuten
ohne Alterbeschränkung


Die Schauburg präsentiert „Die Letzten Gigolos“ in einer Frühstückspremiere am Sonntag, den 1. Februar um 10.00 Uhr (Filmbeginn 11.00 Uhr) in Anwesenheit des Regisseur Stephan Bergmann. Wir verlosen 3 x 2 Karten zu Frühstück und anschließender Premiere unter allen, die bis 28. Januar eine e-mail an gewinnspiel@schauburg.de schicken, Stichwort „Gigolos“. Bitte Telefonnummer nicht vergessen, die Gewinner werden  telefonisch benachrichtigt.


 


NEU in der Schauburg
THE IMITATION GAME - EIN STRENG GEHEIMES LEBEN
auch in englischer Originalfassung mit deutschen Untertiteln 


Ein verschrobener Mathematiker soll während des Zweiten Weltkriegs die Codierung der deutschen Enigma-Maschine knacken. Bewegendes Drama, das dem genialen Alan Turing ein Denkmal setzt und Hauptdarsteller Benedict Cumberbatch den Oscar bescheren könnte. Insgesamt wurde der Film für 8 Oscars nominiert.

Sie war ein Meilenstein der Chiffrier-Technik: Die Enigma-Maschine galt als absolut sicher und unbezwingbar. Für die Nazis der perfekte Weg, die Befehle an die Kriegsmaschinerie zu verschlüsseln. Der britische Geheimdienst versuchte mit allen Mitteln, den geheimen Code zu knacken und engagierte die klügsten Rechen-Köpfe des Landes. Alles vergeblich, bis der exzentrische Student Alan Turing auftritt. Das Bewerbungsgespräch des arroganten Schnösels gerät zum Fiasko, doch weil er extrem talentiert ist, kann man auf ihn nicht verzichten. Turing schert sich so wenig um die Meinung seiner Kollegen als um jene der Vorgesetzten. Als ihm sein Chef, immerhin ein hochdekorierter Commodore, dumm kommt, wendet er sich direkt an Winston Churchill. Und Bingo: Turing wird prompt zum Chef der kleinen Aufklärungstruppe befördert...


Mit Rückblenden wird erzählt, wie der sensible Außenseiter in der Schule gemobbt wurde. Wie er schon frühzeitig, unterfordert vom Mathematik-Unterreicht, seine Leidenschaft für Codierungs-Systeme entdeckte und seinem einzigen Freund, dem Seelenverwandten Christopher, chiffrierte
  Briefchen schrieb. Wie es sich für ein Drama um Verschlüsselung gehört, kommt auch die Dramaturgie als Puzzle daher und wechselt elegant die Zeitebenen. Neben der Rückschau in die Jugendjahre gibt es einen Blick in die Nachkriegszeit, als der Held 1952 von der Polizei wegen seiner sexuellen Orientierung verfolgt und schließlich als Homosexueller verurteilt wird: Zwei Jahre Gefängnis oder eine Hormonbehandlung lautet das menschenverachtende, zu jener Zeit gleichwohl gängige Urteil, Turing entscheidet sich für die chemische Kastration, deren Nebenwirkungen den leidenschaftlichen Sportler immer tiefer in eine Depression taumeln lassen. Den Fokus legt dieses Quasi-Biopic auf die Tüftel-Arbeit der Code-Knacker in den streng abgeschirmten Baracken von Bletchley Park, die als Radio-Fabrik getarnt sind. Eindrucksvoll die Leistung von Benedict Cumberbatch. Der mit „Sherlock“ zum Kult-Mimen avancierte Brite gibt den genialen Sonderling mit einer charismatischen Lässigkeit und Präzision, die unter die Haut geht. Eine auf den ersten Blick kaum sympathische Figur, einen verhaltensgestörten, überheblichen Kauz derart feinsinnig zu präsentieren, dass er ans Herz geht, ist eine oscarreife Glanzleistung.

THE IMITATION GAME - EIN STRENG GEHEIMES LEBEN
Land/Jahr: USA, Großbritannien 2014
Regie: Morten Tyldum
Darsteller: Benedict Cumberbatch, Keira Knightley, Matthew Goode
113 Minuten


NEU in der Schauburg
FRÄULEIN JULIE



Werkgetreu übersetzt die norwegische Schauspiellegende und Bergman-Muse Liv Ullman Strindbergs psychologisches Drama „Miss Julie“ in kunstvolle Filmsprache als Zerfleischungsstück, das durch ungeheuren psychologischen Realismus den ewigen Geschlechterkampf mit brennender Schärfe auf die Leinwand bannt

Irland, 1890. Auf Schloss Fermanagh wird gefeiert. Der Baron ist verreist. Seine Tochter Julie nützt die Gelegenheit und vertreibt sich die Zeit in dieser lauen Mittsommernacht auf ihre Weise. Übermütig verführt die einsame Adelstochter den Butler ihres Vaters zum Tanz. Keck überschreitet sie damit Klassenschranken. Obwohl John eigentlich mit der Köchin Kathleen (Samantha Morton)
  verlobt ist, lässt er sich auf ihr Spiel mit dem Feuer ein. Seine anfängliche Zurückhaltung weicht bald. Sie umkreisen einander. Ein raffiniertes Wechselspiel aus Zärtlichkeit und Zurückweisung nimmt seinen Lauf. Doch der Liebesrausch währt nur kurze Zeit. Bald schon sind die Rollen vertauscht...

Mit virtuoser Sensibilität und präziser Gestik stürzen sich die beiden Hauptdarsteller bis zur schieren Selbstaufgabe in das Auf und Ab des Geschlechterkriegs. Schnörkellos bleibt
  ihr kompliziertes Verhältnis in einer spannungsreichen Ambivalenz. Letztlich durchleiden beide ihre Beziehung mit einer Intensität, die Körperfasern und Nervenstränge aufs Höchste elektrisiert. Souverän lotst sie Regisseurin Liv Ullmann dabei über die intimen Schlachtfelder der Gefühle. Geprägt vom Kunstkino Ingmar Bergmans, Fellinis oder Kurosawas mit seiner tiefschürfenden Symbolik bevorzugt der  Weltstar bei seinen kammerspielhaften Tableaus lange Einstellungen und Close ups ohne hektische Schnitte. Eine Langsamkeit, die für heutige Verhältnisse ungewohnt ist. Ihr dramaturgisch geschultes Gespür behält dabei trotzdem die Oberhand. Kompromisslos konzentriert die Grand Dame die Aufmerksamkeit der Kamera auf die Dynamik und Entwicklung ihrer Charaktere und lässt ihnen dabei gleichzeitig genügend Raum für eine naturalistische Darstellung. Golden Globe Gewinnerin Jessica Chastain zieht in dieser emotionalen Tour de Force als femme fragile die Blicke magnetisch auf sich. Großartig jongliert sie mit verschiedenen Tonlagen, hin und hergerissen zwischen Leidenschaft, Begehren und Abhängigkeit. Der irische Schauspieler Colin Farrell, für den es als Aufsteiger Jean und werdender Herr, kein Begehren ohne Berechnung gibt, beeindruckt mit robuster Vitalität und krudem Charme. Der 38jährige, mit dem Gesicht eines Rebellen, meistert seine Rolle bravourös. Schonungslos repräsentiert er in diesem Drama um Liebe, Machtpositionen und Klassenunterschiede, den maskulinen Widerpart samt seinen hilflosen Herrschaftsgelüsten.

FRÄULEIN JULIE
Land/Jahr: Norwegen, Großbritannien u.a. 2014
Regie: Liv Ullmann
Darsteller: Jessica Chastain, Colin Farrell, Samantha Morton
129 Minuten



 

NEU in der Schauburg
WIR SIND JUNG. WIR SIND STARK.


Im August 1992 brannte in Rostock-Lichtenhagen ein Asylbewerberheim. Diese schlimmsten fremdenfeindlichen Ausschreitungen in der Geschichte der Bundesrepublik inszeniert Burhan Qurbani als stilistisch überzeugenden Film von kraftvoller Intensität

Zwei Jahre nach der deutschen Einheit war der Traum von blühenden Landschaften schon fast ausgeträumt, steckte die Wirtschaft in der Rezession, beantragten über 400.000 Menschen Asyl, so viele wie nie zuvor und danach. Aus dieser Mischung, zusätzlich gespeist von Alkohol, Drogen und einem diffusen Gefühl der Ungerechtigkeit und Hoffnungslosigkeit entstand wohl die Atmosphäre, die am 24. August 1992 zu Ausschreitungen führte, die im Nachhinein als Pogrom bezeichnet wurden. Wie durch ein Wunder kam beim Brand eines Asylbewerberheims in Rostock-Lichtenhagen niemand ums Leben, doch danach war Deutschland ein anderes Land. Im Zentrum von „Wir sind jung. Wir sind stark.“ stehen jugendliche Deutsche, die sich jung und stark fühlen und – so suggeriert es der Film – nicht wissen was sie tun. Das gilt für Stefan (Jonas Nay), Sohn eines Lokalpolitikers, der seinem Vater längst entglitten ist und mit seiner Clique den heißen Sommer am See oder in den Plattenhaussiedlungen der Stadt verbringt. Aber noch mehr für seinen Kumpel Robbie (Joel Basman), ein Anarchist, ein Randalierer, der in einem Atemzug „Heil Hitler“ und „Scheiß Stasi“ ruft und gegen alles und nichts rebelliert...


Ob dies tatsächlich die mehrheitliche Haltung der Täter im Sommer 1992 war sei dahingestellt, im Kontext dieses Films wirkt diese Darstellung überzeugend. Zumal es Qurhani mit einem passend desolaten Szenen- und Kostümbild gelingt, die Zeit einzufangen: Voller Schnauzbärte, Ballonseide, verwaschenen Jeansjacken und anderen modischen Sünden ist diese Welt, geprägt von Trostlosigkeit zwischen Plattenbauten. Da wäre es gar nicht nötig gewesen, einen Großteil des Films in schwarz-weiß und reduziertem Bildformat zu filmen, um am Abend, als die Krawalle losgehen, auf Farbe und Scope zu wechseln, um auch optisch zu betonen, dass die Randale für viele Beteiligte und Gaffer eine willkommene Abwechslung aus dem grauen Alltag waren. Und doch ist diese stilistische Entscheidung bezeichnend für einen Film, der angesichts seines Themas dann vielleicht auch passenderweise sehr Deutsch ist: Fraglos gut gemeint, oft auch gut gemacht – was die Schauspieler angeht ohnehin, das kennt man vom deutschen Film, aber auch stilistisch ambitioniert, mit langen Plansequenzen und einigem Stilwillen, was man vom deutschen Kino nicht immer kennt.


WIR SIND JUNG. WIR SIND STARK.
Land/Jahr: Deutschland 2014
Regie: Burhan Qurbani
Darsteller: Jonas Nay, Joel Basman, Saskia Rosendahl
128 Minuten
ab 12 Jahren