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Mo, 25.12. - Preview mit einem Glas Sekt

Oper - L opera de Paris

Anderthalb Jahre filmte Jean-Stéphane Bron in der Pariser Oper, hatte Zugang zu Proben und Geschäftsbesprechungen, filmte Stars und aufstrebende Künstler. Ein Abbild der sozialen Strukturen Frankreichs, ein Blick hinter die Kulissen, eine Hommage an Künstler und ihre Leidenschaft.

In der ersten Szene von „Oper - L opéra de Paris“ wird zu Fanfarentönen die französische Fahne auf dem Dach der Pariser Oper gehisst, im Hintergrund die Silhouette der Hauptstadt. In der letzten Szene sieht man gut 110 Minuten später eine farbige Putzfrau die Sitze des Opernhauses absaugen. Dazwischen zeigt Jean-Stéphane Bron die Arbeitsweisen der Oper, ihrer Bürokratie, der Werkstätten, vor allem der Künstler, blickt mal mit sanfter Ironie, mal mit Gespür für das Pathos von Oper und Ballett auf die Funktionsweisen einer Institution, die ein Stolz der Nation ist, in der sich aber auch die sozialen Unterschiede und Ungerechtigkeiten Frankreichs in vielerlei Hinsicht aufzeigen lassen. Gut anderthalb Jahre filmte Bron in der Oper, von Januar 2015 bis Juli 2016, eine Zeit, in der sich die Pariser Oper in einer Zeit des Umbruchs befand. Mit Stéphane Lissner übernahm ein neuer Mann den Direktionsposten, während mit Benjamin Millepied auch das Ballett einen neuen künstlerischen Leiter bekam. Eine andere Figur, der man immer wieder begegnet, ist der junge russische Sänger Mischa Timoshenko, der im Laufe eines Jahres viel lernt, nicht zuletzt die französische Sprache. Anfangs kommuniziert er noch auf englisch, auch auf deutsch, so wie das Leben hinter den Kulissen ohnehin von großer Vielstimmigkeit geprägt ist.

Die Vielfalt der französischen Nation sucht man hier jedoch vergebens, praktisch nur hellhäutige Menschen arbeiten in den Werkstätten, in der Verwaltung, erst recht auf der Bühne. Wenn man da in einem Kurs für junge Musiker auch einige Kinder sieht, deren Hautfarbe sie als Kinder französischer Einwanderer aus West- oder Nordafrika ausweist, dann wirken sie nicht von ungefähr wie Fremdkörper in einer hermetischen Institution. Doch diese sozialen Strukturen deutet Bron nur unterschwellig an, versagt sich jedes deutlichen Kommentars. Auch dann wenn der Direktor sich bei einer Sitzung dafür einsetzt, dass die teuersten Tickets doch nicht ganz so teuer sein sollten, man wolle ja niemanden vom Besuch der Oper ausschließen, so als würde es für sozial schlechter gestellte Menschen einen Unterschied machen, ob eine Karte 150 oder 200 Euro kostet. Ebenso subtil, wie er das geradezu immanent Elitäre eines Opernbetriebs andeutet, erzählt Bron aber auch von der Faszination, die von einer Kunst wie der Oper ausgeht, vom Einsatz, von der Aufopferung, die Sänger und Tänzer auf sich nehmen, um dem Publikum ein perfektes Erlebnis zu bereiten.

Dokumentation
Frankreich/ Schweiz 2017
Regie: Jean-Stephane Bron
110 Minuten
ohne Altersbeschränkung


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