Originalfassungen

Aktuell im Programm
Dame, König, As, Spion

englisches Original mit dt. Untertiteln

Großbritannien, Frankreich u.a. 2011; Regie: Tomas Alfredson; Darsteller: Gary Oldman, Benedict Cumberbatch, Colin Firth

Furioser Agententhriller nach John Le Carrés berühmten Bestseller über die Jagd nach einem Maulwurf im Herzen des britischen MI6 während des Kalten Krieges.

Ein Maulwurf sorgt beim britischen Secret Service für Aufregung. Brisante Informationen landen seit Jahren beim sowjetischen Abwehrdienst KGB. Als man sich nicht mehr zu helfen weiß, wird der ehemalige Meisteragent George Smiley aus dem Ruhestand geholt, um den Maulwurf zu finden. Das erweist sich als überaus schwierig, denn man verweigert ihm den Zugang zu geheimen Dokumenten, und außerdem muss er seine Mission vor den Kollegen geheim halten - denn einer von ihnen ist der Verräter.

Agententhriller nach John Le Carrés Bestseller, der John Irvin 1979 schon als Vorlage zur hoch gepriesenen gleichnamigen Miniserie diente. Brisant, Volten schlagend und vielschichtig geht es in diesem stimmungsvollen Spionagefilm alter Schule zu, den "So finster die Nacht"-Regisseur Tomas Alfredson mit viel Gespür für Atmosphäre und Spannung in Szene gesetzt hat. Als Smiley brilliert auf den Spuren von Sir Alec Guinness Gary Oldman, als Gegenspieler/Mitarbeiter glänzen unter anderem Colin Firth, John Hurt und Ciarán Hinds.

Aktuell im Programm
Drive

englisches Original mit dt. Untertiteln

USA 2011
Regie: Nicolas Winding Refn
Drehbuch: Hossein Amini
Darsteller: Ryan Gosling, Carey Mulligan, Bryan Cranston
Laufzeit: 101 Minuten
FSK: 18 - keine Jugendfreigabe

Existenzialistischer Actionkrimi nach Vorlage von James Sallis über einen Stuntman, der nachts als Fahrer der Mafia arbeitet.

Das Kino von Walter Hill und Michael Mann, Filme wie "Leben und Sterben in L.A." und "Der Einzelgänger" werden eindringlich in Erinnerung gerufen in der ersten großen Hollywoodproduktion des dänischen Regiewunderkinds Nicolas Winding Refn, das es mit seinem achten Film erstmals - endlich! - auf deutsche Leinwände schafft. Es ist ein cooler, kühler, unendlich faszinierender und hypnotisierender Film geworden, eine Reise buchstäblich ans Ende der Nacht, ein L.A.-Neo-Noir, vorangetrieben von einem pumpenden Eurosynth-Soundtrack, seinem lakonischen, zupackenden Ton und einer Besetzung, die so hip ist, dass es fast wehtut. Ein mit großem Stilwillen realisiertes Krimimärchen, dessen namenloser Held - er wird einfach "Driver" genannt und von Ryan Gosling als Steve McQueen mit Poker- und Babyface gespielt - ein einsamer Wolf mit einem ganz eigenen Ehrenkodex ist, wie die Hauptfiguren von Refns vorangegangenen Filmen "Bronson" und "Walhalla Rising", die den 41-jährigen Regisseur ganz nach oben in der Riege der jungen Wilden katapultierten. Während diese knorrigen Kerle sich jedoch in archaischen Machoritualen ergingen, ist Driver gezwungen, als erster Refn-Hero die Deckung aufzugeben: Er wickelt seine Arbeit - tagsüber als Stuntman für Hollywood und nachts als Fahrer für die Mafia - mit unbeteiligter Präzision ab, verliebt sich dann jedoch in seine Nachbarin, als würde er urplötzlich von einem William-Friedkin Movie in einen John-Hughes-Film stolpern: Carey Mulligan ist wie Molly Ringwald in "Sixteen Candles". Diese Liebe ist es, die Driver befreit, aber schließlich auch seinen Niedergang herbeiführt: Um sie zu retten, beteiligt er sich an einem riskanten Raubzug, der prompt schiefgeht und ihn auf einmal auf einen Kollisionskurs mit denen schickt, die eigentlich seine Auftraggeber sind.

In einer jetzt schon legendären - und in Cannes mit Applaus bedachten - Szene in einem Fahrstuhl liegen heiße Küsse und exzessive Ultragewalt so nahe beisammen, wie man es seit "Wild at Heart" nicht mehr erlebt hat. Und doch verliert "Drive" nie den Boden unter den Füßen oder gar die Kontrolle übers Lenkrad: Refn - der selbst keinen Führerschein besitzt - steuert seinen Film mit der Übersicht eines Schachspielers durch sein Plotlabyrinth, bis hin zum intensiven Showdown, in dem Driver gegen seine Nemesis - ausgerechnet der sprichwörtliche Nebbish Albert Brooks gibt den unnachgiebigen Bösewicht - antritt. Auf dem Weg dahin werden angesagte Fernsehstars aus "Breaking Bad" und "Mad Men" verschlissen, kleine Tragödien am Rande erzählt und das Kino mit originellen Verfolgungsjagden und eindringlichen Bildern zelebriert, die einem Augen und Herz übergehen lassen: Mit Bleifuß rast "Drive" zum ewigen Kultstatus.

Aktuell im Programm
Und dann der Regen

spanisches Original mit dt. Untertiteln

Spanien, Frankreich u.a. 2010
Regie: Icíar Bollaín
Darsteller: Luis Tosar, Gael García Bernal, Carlos Aduviri
Laufzeit: 102 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

Die Dreharbeiten zu einem Film über den Eroberer Kolumbus konfrontieren die Macher mit den aktuellen Problemen der Einheimischen mit den Machthabern. Starkes, sozial engagiertes Drama.

Ein spanisches Filmteam gerät in Bolivien bei Dreharbeiten zu einem Film über den Entdecker Christoph Kolumbus in Schwierigkeiten, als Statisten streiken und sich die sozialen Unruhen in der Stadt Cochabamba zu einer Rebellion ausweiten, weil die Regierung die Wasserversorgung der Region an einen Multi verkauft hat. Der idealistische, auf seiner Vision beharrende Regisseur erweist sich in seiner Hybris als Ausbeuter, der pragmatische Produzent, gewohnt, mit Geld umzugehen, wird zur Schlüsselfigur bei der Entscheidungsfindung.

An Originalschauplätzen gedrehtes starkes Politdrama der spanischen Regisseurin Icíar Bollaín ("Öffne meine Augen"), das bei 13 Nominierungen drei Goya-Preise gewann. Geschrieben von Ken Loachs Drehbuchautor Paul Laverty ("It' s a Free World"), entfaltet sich eine packende Parabel über historische Ausbeutung vor 500 Jahren, globalen Kapitalismus und den Zustand der Welt. Glänzend gespielt von den Hauptdarstellern Luis Tosar und Gael Garcia Bernal, mit fantastischer Kameraarbeit und Musik.

Aktuell im Programm
Ziemlich beste Freunde

französisches Original mit dt. Untertiteln

Frankreich 2011
Regie und Buch: Eric Toledano, Olivier Nakache
Darsteller: François Cluzet, Omar Sy, Anne Le Ny
Laufzeit: 110 Minuten
FSK: 6

Warmherzige Komödie um die Freundschaft zwischen einem Gelähmten und seinem neuen Pfleger, die aus verschiedenen sozialen Schichten stammen.

Der arbeitslose und frisch aus dem Knast entlassene Driss bewirbt sich pro forma als Pfleger beim querschnittsgelähmten reichen Erbe Philippe, um den Stempel für die Arbeitslosenunterstützung zu bekommen. Gegen jede Vernunft engagiert ihn der reiche Aristokrat, weil er spürt, dass dieser farbige Junge aus der Banlieue ihm nicht mit Mitleid begegnet. Statt mit dem Behindertenauto düsen die beiden bald mit dem Maserati durch Paris, rauchen Joints, laden schon mal zu einer Orgie ein. Beide respektieren sich und Philippe gewinnt neue Kraft, für das, was ihm vom Leben bleibt.

Kein kitschiges Behindertenmärchen, sondern eine Reflexion darüber, was es heißt, nicht mehr die Kontrolle über den Körper zu haben und von der Hilfe Anderer abhängig zu sein, sich gegen Mitleid wehren zu müssen. Von einer wahren Geschichte inspiriert, erzählt die Tragikomödie mit viel (Galgen)Humor, aber auch mit Ernsthaftigkeit und ohne Larmoyanz, Pathos oder einen falschen Ton von einer Freundschaft, die zwei Menschen das Überleben ermöglicht. Auch eine soziale Metapher auf das alten in Privilegien verhaftete Frankreich und das neue und vitale, das in Zukunft auf junge Einwanderer baut.

Aktuell im Programm
J. Edgar

englisches Original mit dt. Untertiteln

USA 2011
Regie: Clint Eastwood
Darsteller: Leonardo DiCaprio, Naomi Watts, Dame Judi Dench
Laufzeit: 137 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

J. Edgar Hoover ist ein schwieriger Charakter, der in seiner 50 Jahre währenden Karriere einerseits als Musterbild für Gesetzessinn und Moralität gilt, anderseits kontrollsüchtig, egozentrisch, erpresserisch und rassistisch ist. Er revolutioniert die kriminalistische Spurensicherung, sammelt zugleich ein geheimes Aktenarsenal an, mit dem er die mächtigsten Politiker erpresste. Sein Assistenzdirektor Clyde Tolson ist ihm tief ergeben, doch Hoover unterdrückt seine homosexuellen Neigungen.

Faszinierendes Biopic von Clint Eastwood über J. Edgar Hoover, in dem "Inception"-Star Leonardo DiCaprio zu schauspielerischer Höchstform aufläuft und in der Titelrolle seine Darstellung als Howard Hughes in "Aviator" übertrifft. Er gewinnt der schillernden, nicht unbedingt sympathischen Figur eine menschliche Seite ab. Eastwood erzählt in einem farbentsättigten, monochromatischen Look nicht chronologisch nach einem Skript von Dustin Lance Black ("Milk") und unterlegt die 50 Jahre umfassende Karriere mit selbst komponierten melancholischen Pianoklängen.

Aktuell im Programm
Verblendung (OmU)

englisches Original mit dt. Untertiteln

USA 2011
Regie: David Fincher; Darsteller: Daniel Craig, Rooney Mara, Christopher Plummer
Laufzeit: 158 Minuten
FSK: 16

Elegante, werkgetreue Verfilmung von Stieg Larssons Bestseller über eine mysteriöse Mordserie, eine smarte Punk-Hackerin und einen diffamierten Enthüllungsjournalisten.

Gerade hat Mikael Blomkvist, Aushängeschild des Enthüllungsmagazins "Millennium", eine bittere juristische Niederlage erlitten. So nimmt er das lukrative Angebot eines schwedischen Industriellen an, den Fall von dessen seit 40 Jahren spurlos verschwundener Großnichte zu klären. Die Ermittlungen führen den Journalisten ins vergiftete Herz einer Großfamilie, aber auch an die Seite der smarten Punk-Hackerin Lisbeth Salander, die nach traumatischen Erfahrungen rotzig und abweisend wirkt, aber mit Blomkvist ein schlagkräftiges Team bildet.

Wie schon in der Erstverfilmung gibt es wenige klassische Thrillerelemente, entwickelt sich Spannung aus den Figuren, manchmal nur aus Blicken und natürlich der Lösung einer grausamen Mordserie. Finchers Inszenierung ist elegant, aber stets ökonomisch und nie plakativ - gerade auch in den harten Szenen, die nicht ausgespart werden. Ein Plus gegenüber der skandinavischen Verfilmung ist der Verstörung betonende elektronische Score und die etwas sanftere Zeichnung von Rooney Maras stark gespielter Protagonistin, die rotzig und abweisend, aber auch offener in ihren Gefühlen ist. Mit Daniel Craig, viriler als Mikael Nyqvist, bildet sie ein Paar, das auch in dieser Adaption eine Attraktion ist. Hollywoods Einstieg in Stieg Larssons "Millennium"-Trilogie meistert unter David Finchers Regie die Synthese von verstörendem Höllentrip und attraktivem Eventkino.

Voraussichtlich ab Donnerstag, 09.02
Hugo Cabret (in digitaler 3D-Projektion)

englische Originalfassung

USA 2011
Regie: Martin Scorsese
Darsteller: Sir Ben Kingsley, Sacha Baron Cohen, Asa Butterfield
Drehbuch: John Logan
Buchvorlage: Brian Selznick
Laufzeit: 126 Minuten
FSK: ab 6 Jahre

Ausnahmeregisseur Martin Scorsese macht seinen ersten Abstecher in sowohl Familienunterhaltung als auch 3D-Format und gestaltet dies visuell virtuose Verbeugung vor der frühen Filmgeschichte.


Anfang der Dreißigerjahre hilft Hugo seinem trunksüchtigen Onkel als Gehilfe dabei, sämtliche Uhren des Pariser Bahnhofs zu warten. Er lebt quasi auf sich allein gestellt in dem labyrinthartigen Gebäude und hält sich mit kleineren Diebereien über Wasser. Dort lernt er auch den schwermütigen Ladenbesitzer Georges Méliès und dessen Patenkind Isabelle kennen. Deren Halskette mit einem herzförmigen Schlüssel kann den antiken Roboter seines verstorbenen Vaters zum Laufen bringen. Und auch Méliès scheint ein Geheimnis mit sich herumzutragen.

Scorsese läuft mit dieser bezaubernden Familienfantasie zu neuer Höchstform auf, was bereits eingangs mit einer atemberaubend langen Kamerafahrt über die Dächer von Paris hinein in die Bahnstation belegt wird. Dies ist lediglich der Auftakt für ein nahezu konstant aufrecht erhaltenes visuelles Feuerwerk, das meisterhaft 3D und CG-Effekte integriert. Tiefsatte Farben sowie ein ausgefeiltes Licht- und Schattenspiel kreieren ein märchenhaftes Ambiente, in dem auch Dante Ferrettis originelles Produktionsdesign besonders gut zur Geltung kommt. Die passend emotionale musikalische Untermalung wird von Howard Shore beigesteuert, der bereits die "Herr der Ringe"-Trilogie mit zeitlosen Klängen versah. Zeitlos ist auch Scorseses Verehrung für die Pioniere des Films. Neben seiner detaillierten Hommage an den hyperkreativen Méliès, die eine Rekreation dessen berühmten Trickfilms "Die Reise zum Mond" und eine Rekonstruktion seines Kinotheaters umfasst, verneigt sich der Oscargewinner direkt oder indirekt vor einer Reihe der Schrittmacher der Filmgeschichte. So zeigt Scorsese einen Ausschnitt aus dem Zug-Film der Lumiere Brüder und die berühmte Uhr-Szene aus "Ausgerechnet Wolkenkratzer" mit Harold Lloyd, die er später nachstellt. Uhren und Getriebe sind ein dominantes Motiv in dieser fantasiereichen Fabel voller Verlust, Sehnsucht und Hoffnung, die darauf hindeuten, dass es für den Protagonisten letztlich darum geht, seinen Platz im Lebensgetriebe zu finden.

Voraussichtlich ab Donnerstag, 01.03
Die eiserne Lady

englische Originalfassung

Großbritannien 2011
Regie: Phyllida Lloyd
Darsteller: Meryl Streep, Jim Broadbent, Iain Glen
Laufzeit: 105 Minuten

Meryl Streep brilliert als Ex-Premierministerin Margaret Thatcher in Phyllida Lloyds elegant gestaltetem Biopic, das den Menschen hinter der Politikerin sichtbar macht.

Die Anfänge als Lokalpolitikerin in einem Bezirk Nordlondons sind für Margaret Thatcher schwer. Die männlichen Kollegen nehmen sie nicht ernst, erste politische Gehversuche scheitern. Doch dann wird sie 1961 Parlamentssekretärin, ein Posten als Ministerin folgt. 1979 avanciert sie zur ersten weiblichen Ministerpräsidentin Großbritanniens, ein Amt das sie bis 1990 bekleidet. An ihrer Seite steht Ehemann Denis, Vater ihrer Zwillinge, Liebhaber, Berater und Stütze. Als sie 1982 Argentinien nach der Besetzung der Falklandinseln den Krieg erklärt, erhöht sich der politische Druck auf sie.

Eine 30-jährige (Polit-)Karriere komprimieren Regisseurin Phyllida Lloyd ("Mamma Mia!") und ihre vorzügliche Drehbuchautorin Abi Morgan ("Shame") auf 105 Minuten. Zwischen Vergangenheit und Gegenwart pendelt das elegant gestaltete Biopic, das den Menschen hinter der Politikerin sichtbar macht. Nostalgische Sepiabilder für das Gestern, verwaschene, kalte Aufnahmen für das Heute. Dazu Wochenschauclips, verwegene Kamerawinkel, hohes Tempo, eine furiose Montage und mittendrin bestechen als Paar Oscar-Preisträgerin Meryl Streep und Jim Broadbent. Großes Schauspielerkino.