Geplante Erstaufführungen in den nächsten Wochen:

voraussichtlich ab Donnerstag 5.8.
Me too- Wer will schon normal sein?
Eine Karte der Klänge von Tokio
Mother
voraussichtlich ab Donnerstag 12.8.
8. Wonderland
London Nights
Mademoiselle Chambon
voraussichtlich ab Donnerstag 19.8.
Babys
Männer im Wasser
voraussichtlich ab Donnerstag 26.8.
Mary&Max oder schrumpfen Schafe, wenn es regnet?

Voraussichtlich ab Donnerstag 5.8.

Me too- Wer will schon normal sein?

Daniel leidet am Downsyndrom. Als erster mit diesem Handicap in Europa schließt er ein Hochschulstudium ab und arbeitet anschließend als Sozialarbeiter in Sevilla. Er verliebt sich in seine "normale" und attraktive Kollegin Laura. Die akzeptiert ihn als Freund, langsam auch als Geliebten. Ihre Umwelt reagiert mit Unverständnis oder gar Abwehr auf die Beziehung. Und auch Laura fragt sich, warum gerade ich? Seine Antwort sagt alles: "Weil du mir das Gefühl gibst, normal zu sein".
Mit Warmherzigkeit, Ehrlichkeit, Menschlichkeit und Respekt erzählen die Regisseure Antonio Naharro und Alvaro Pastor, die bereits in ihrem Kurzfilm "Uno más, uno menos" Behinderung thematisieren, die gefühlvolle Liebesgeschichte zwischen einem hoch talentierten Mann mit Down Syndrom und seiner "normalen" Arbeitskollegin. Das Duo findet die richtige Balance zwischen befreiendem Lachen und leiser Traurigkeit und beantwortet die Frage, "was ist schon normal ?" auf sehr unkonventionelle und bewegende Weise. Das Duo zeigt einen Menschen in großer emotionaler Einsamkeit, der sich nirgends zugehörig fühlt und trotzdem den Sprung in das große Gefühl wagt ohne Netz und doppelten Boden. Genau aus dieser Ambivalenz schöpft der Film seine Überzeugungskraft und Stärke. Die fiktive Figur des Daniels in seiner Stigmatisierung kommt der realen von Hauptdarsteller Pablo Pineda sehr nahe, auch Abwehr und Unsicherheit von Familie und Kollegen gegenüber einer solchen Verbindung, die fast verletzende politische Korrektheit und das sexuelle Tabu bleiben nicht ausgespart.
Beim Filmfestival in San Sebastian wurden die Hauptdarsteller Lola Duenas und Pablo Pineda ausgezeichnet, dabei sollte Pineda, dessen Mut bewundernswert ist, anfänglich nur beraten, dienten Teile seiner Biografie doch als Vorlage.

Spanien 2009
Regie: Antonio Naharro, Alvaro Pastor
Darsteller: Lola Duenas, Joaquin Perles, Teresa Arboli, Pablo Pineda
Länge: 103 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 5.8.

Eine Karte der Klänge von Tokio

Nichts ist wie es scheint bei Isabel Coixet, die eine Liebesgeschichte erzählt und einen Noir-Krimi. Um Worte und Bilder geht es und vor allem um Japans Hauptstadt.

Eine nächtliche Bootsfahrt unter den Brücken von Tokio. Sanfte Musik. Später wird dann mehrfach die japanische Variante von Édith Piafs "La vie en rose" zu hören sein. Den Bildern ist hier ebenso wenig zu trauen wie der Musik. Vielleicht hat Isabel Coixet deshalb auch für ihre Eröffnung gleich eine eher ungewöhnliche Perspektive auf die japanische Metropole gewählt. Neongleißende Hochhäuser stehen neben alten Tempeln und Friedhöfen, regennass schimmern Straßen und Plätze, donnernd kreuzt die U-Bahn das Wasser.
Ein alter Mann erinnert sich. Er wird namenlos bleiben, aber immer wieder auftauchen. Er ist Toningenieur, nimmt Geräusche fürs Fernsehen auf. Stimmen seiner Heimatstadt, die er dem Zuschauer auf diese Weise erschließt. Töne und Bilder ergeben "Eine Karte der Klänge von Tokio". Zuerst hört man Ryu - eindringlich gespielt von der Oscar-nominierten Rinko Kikuchi ("Babel") - wie sie ihre Nudelsuppe schlürft. Dann sieht man sie bei der Arbeit auf dem Fischmarkt, wie sie riesige Thunfische zerlegt. Das ist ihr Nachtjob, tagsüber arbeitet sie als Auftragskillerin.
Der mächtige Geschäftsmann Nagara trauert um seine Tochter Midori und gibt dem spanischen Weinhändler David die Schuld an ihrem Selbstmord. Dafür soll David sterben. Ryu wird auf ihn angesetzt - und verliebt sich in ihn - eine Liebesgeschichte jenseits aller Regeln.
Vielschichtig ist Coixets Film, in dem es trotz aller Handlung eigentlich um Japan geht, um eine Stadt voller Rätsel und Rituale - und wie ein europäischer, in diesem Fall spanischer Blick, diese zu deuten sucht. Japan ist ein "Reich der Zeichen", der Traditionen und ungeschriebenen Gesetze.
Vertrackt wie der Titel präsentiert sich die ganze Arbeit. Der Zusammenhalt fehlt, was wiederum den Moloch Tokio perfekt widerspiegelt. Um die Symbiose von Liebe und Tod ging es zuletzt bei "Elegy", Coixets Verfilmung von Philip Roths Bestseller "Das sterbende Tier". „Eine Karte der Klänge von Tokio" ist ein Film, der alle Sinne anspricht und sich einem dennoch nie ganz erschließt. "Lost in Translation", derweilen Sergi López "Enjoy the Silence" singt.

Spanien 2009
Regie: Isabel Coixet
Darsteller: Rinko Kikuchi, Sergi Lopez, Min Tanaka
Länge: 109 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 5.8.

Mother

Mit dem Monsterhit "The Host" empfahl sich Bong nicht nur am asiatischen Boxoffice für höhere Weihen, sondern zeigte sich auch als virtuoser Stilist, der er auch in seinem abermals nicht nur in Korea erfolgreichen neuen Film bleibt. Die schräge Familienkonstellation aus Bongs Vorgänger erlebt ihre würdige Steigerung mit der bizarren Symbiose einer Witwe mit ihrem geistig behinderten, erwachsenen Sohn Do-jun. Der ist permanent verwirrt und vergesslich, weshalb er nicht nur für seinen Kumpel einen idealen Sündenbock darstellt.

Als ein Schulmädchen in der Provinzstadt ermordet aufgefunden wird, gerät Do-jun ins Visier der lokalen Behörden und unterzeichnet ein Geständnis - mit fast derselben Situation begann ebenfalls "Memories of Murder", mit dem Bong vor sieben Jahren erstmals über Landesgrenzen hinweg auffällig wurde. Auch diesmal legen die nachlässig ermittelnden Beamten den Fall bequem ad acta und den Jungen in Ketten. Doch Bong schildert das nicht aus Polizeisicht, sondern aus der Perspektive von Do-juns überfürsorglicher und nun verzweifelter Mutter, die vom arroganten Anwalt und allen anderen im Stich gelassen wird. Die Indizien gegen ihren sensiblen Sohn sind dünn, deshalb beginnt sie auf eigene Faust zu ermitteln. Kim Hye-ja, die Grande Dame des koreanischen Fernsehens legt ihre Rolle als grandiose Mischung aus Miss Marple und Mutter Courage an. Was die mittellose, aber unbeirrbare Frau nach und nach aufdeckt, ist ein wahrlich Schrecken erregendes Ergebnis, das Bong in einer bitterbösen Farce erzählt. Bong lässt sich Zeit und gönnt jeder Figur stilvolle Auftritte, die tragikomisch, satirisch und grotesk ausfallen, aber stets so subtil bleiben, dass nichts in diesem Psychokrimi überbordet. Graduelle Verwandtschaften zu Dürrenmatt ("Es geschah am helllichten Tag") und Dostojewski ("Der Idiot") bleiben unaufdringlich in dem Porträt über den Wahnsinn einer Gesellschaft, die permanent vom eigenen Brudervolk und dessen durchgeknallten Diktator bedroht wird. Hintergründige Cine-Feinkost mit einer großen One-Woman-Show.

Südkorea 2009
Regie: Bong Joon-Ho
Darsteller: Kim Hye-ja, Won Bin, Jin Ku
Länge: 129 Minuten
FSK: ab 12


Voraussichtlich ab Donnerstag 12.8.

8. Wonderland

"Wie viele solcher News müssen Sie noch sehen, bevor Sie reagieren?" fragt ein Spot für die Website 8th Wonderland, die als Weltverbesserer-Club ein Diskussionsforum bietet. Witzige Aktionen entstehen, doch Kondomautomaten im Vatikan bringen die Demokratie nicht weit voran. Also werden korrupte südamerikanische Politiker erschossen, zwingen Bomben Nahrungs-Multis in die Knie. Fortan wird in der Gruppe und der Öffentlichkeit intensiv diskutiert, ob der Zweck die Mittel heiligt oder solche Terror-Methoden Al-Quaida-Niveau haben.
Die ambitionierte Weltverbesserer-Fantasie über Aufstieg und Fall einer Online-Community mag durch ihre direkt aus dem virtuellen Video-Chat importierte Erzählweise gewöhnungsbedürftig sein, doch die ungewöhnliche Form und der durchgeknallte Inhalt bietet Denkanstöße und Diskussionsstoff en masse. Außerdem gefällt der schräge Humor des Gemeinschafstwerks von Nicolas Alberny und Jean Mach. Ein Experiment, das den Zeitgeist punktgenau trifft.

Frankreich 2008
Regie: Nicolas Alberny, Jean Mach
Darsteller: Matthew Geczy, Eloissa Florez, Robert William Bradford
Länge: 98 Minuten
FSK: ab 12


Voraussichtlich ab Donnerstag 12.8.

London Nights

Weder Komödie noch Tragödie und schon gar kein Liebesfilm - und doch genau darum geht's bei Alexis Dos Santos musikgetriebener Coming-of-Age-Variante.

Wie Flipperkugeln trudeln sie durchs Leben, die Helden von "London Nights, denn primär ist Chaos angesagt, innerlich wie äußerlich. Späte Teens und frühe Twens bevölkern bei Alexis Dos Santos die Leinwand, es herrscht ein babylonisches Sprachgewirr und eine klare Erzählstruktur bzw. einen stringenten Spannungsbogen sucht man vergebens- was aber System besitzt, will der Film doch ein Lebensgefühl vermitteln, vom coming of age erzählen.
Im Mittelpunkt der Handlung steht Axl, ein wuschelköpfiger Spanier, der in der Metropole nach seinem Vater sucht. Abends steht er in Musikkneipen herum, trinkt ein Pint nach dem anderen und morgens wacht er in irgendwelchen Betten auf - mal zu zweit, mal zu dritt.
(Ost-)London, das genauso Barcelona, New York oder Tel Aviv sein könnte, swingt wieder. Niemand scheint einer festen Beschäftigung nachzugehen. Man dreht in der eigenen Wohnung Musikvideos, träumt davon, am Fallschirm der Erde entgegen zu sausen, oder ist wie die attraktive Belgierin Vera (somnambul: Déborah Francois) auf der Flucht vor einer alten Beziehung. Das hindert sie nicht, rotweinumnebelt mit dem "Röntgen-Mann" im Hotel zu landen. Bedingung: Keine Telefonnummern sollen ausgetauscht werden, Verabredungen geschehen von Date zu Date. Aber so einfach ist das mit der Liebe bekanntlich nicht.

Autor und Regisseur Dos Santos ("Glue") hat sein Generationenporträt mit unglaublicher Beiläufigkeit in Szene gesetzt. Die Dialoge wirken über weite Strecken improvisiert, die nervöse (Hand-)Kamera (HD & Super 8) des "Dogmatikers" Jakob Ihre ("Eine Familie") ist hautnah dran am Geschehen. Gibt es im Film eine Konstante, eine treibende Kraft, dann ist das die Musik - Electro Pop ((Wer Are) Performance), Electric Blues (Connan Mockasins) oder Gesang und Gitarre (Plaster of Paris), meist live und laut in diversen Clubs dargeboten.


Großbritannien 2009
Regie: Alexis Dos Santos
Darsteller: Déborah François, Fernando Tielve, Michiel Huisman
Länge: 93 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 12.8.

Mademoiselle Chambon

Berührendes Melodram um eine unmögliche Liebe zwischen zwei Menschen, die im wirklichen Leben nichts verbindet.

Tragische und unglückliche Liebesgeschichten sind die schönsten zum Mitweinen und Mitleiden. Zu beidem bietet Stéphane Brizé Gelegenheit. Er erzählt in "Mademoiselle Chambon" von einem Mann und einer Frau aus verschiedenen Gesellschaftsschichten, er Maurer, sie Lehrerin, er glücklicher Familienvater, sie unfreiwilliger Single. Die Liebe kommt zufällig und fast nebenbei, ungeplant und ungewollt, ist fast ohne Anfang, fast ohne Ende. Es passiert nicht viel, unmerkliche Regungen, viel Schweigen. Ohne große Worte ist dennoch viel gesagt, sprechen die Körper, die Blicke, die Gesten. In den Minuten, in denen die Stille wie eine Last auf dem Paar ruht, teilt sich Unbehagen mit, Scham und Scheu, Schmerz und Angst vor dem Unbekannten, vor der Konsequenz, dem bitteren Ende.

Brizé zeigt die Protagonisten in ihrem Alltag, ohne auf Dramatik oder Beschleunigung zu setzen, lässt sich nur zu minimalen Andeutungen hinreißen, was die Seelenlage betrifft. So rührt die plötzliche Faszination des kulturell nicht sehr interessierten Mannes am Violinenspiel der Geliebten, das ihm eine neue und wunderbare Welt eröffnet, zu der er bislang keinen Zutritt hatte. Manchmal wirkt die Komplexität der Beziehung und die Arglosigkeit der Realität gegenüber sehr angestrengt, man sehnt sich nach einem heftigen emotionalen Ausbruch, exzessiver Wildheit und leidenschaftlichen Sex statt gedämpfter Stimmung wie unter einer Käseglocke. In manchen Szenen dagegen überzeugt die subtile und delikate Beobachtung persönlichen Hoffens und gemeinsamen Scheiterns. Vincent Lindon und Sandrine Kiberlain, eine Zeitlang im richtigen Leben ein Paar, tanzen den Gefühlstango in kleinen vorsichtigen und winzigen Schritten und berühren in ihrer Verletzbarkeit. Wohl wissend, dass es keine Zukunft gibt, versuchen sie die kleinen Fluchten. Wenn sich diese zwei Menschen ohne ein Wort verlassen, die Kamera im Auto sich nur auf ihren Rücken richtet, Tränen in die Augen treten, eine schmale junge Frau allein und vergeblich wartend auf dem Bahnsteig steht, ist das wie ein Stich ins Herz.

Frankreich 2009
Regie: Stephane Brize
Darsteller: Vincent Lindon, Sandrine Kiberlain, Aure Atika
Länge: 101 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 19.8.

Babys

Vier Babys, vier Länder, vier unterschiedliche Kulturen und vier kontrastreiche Lebenswelten, daraus wird ein Vergnügen hoch vier! Über ein Jahr lang folgte das französische Team dieses außergewöhnlichen Dokumentarfilms der Entwicklung von kleinen Erdbewohnern aus der Mongolei, San Francisco, Namibia und Tokio. Egal, ob in einfachen, ländlichen Verhältnissen oder in Großstädten, Babys faszinieren überall gleichermaßen - mal als Energiebündel, mal als Dreckspatz oder auch Quälgeist und immer mit ganz eigenem Willen und angeborenem Erfahrungsdurst. Die Alltagsbilder aus den unterschiedlichsten Kulturen zeigen eindrucksvoll, dass die Entwicklung des Lebens ungeachtet der individuellen Förderungen überwiegend Gemeinsamkeiten aufweist. Die unterhaltsamen Aufnahmen sind wohl strukturiert in schöne Landschaftsaufnahmen eingebettet und greifen einzelne interessante Aspekte auf. Ganz ohne Kommentar bleibt es jedem Betrachter überlassen seine eigenen Beobachtungen anzustellen, wodurch die Freude über das neue Leben noch viel direkter vermittelt wird. Ein multikulturelles und universales Kaleidoskop der puren Lebensfreude.

Frankreich 2009
Regie: Thomas Balmes
Kamera: Jérôme Alméras, Steeven Petitteville
Länge: 78 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 19.8.

Männer im Wasser

Fredrik, arbeitsloser Redakteur und ambitionierter Freizeit-Sportler, steckt tief in der Midlife-Crisis. Seine Ehe liegt in Scherben, seine Frau will die aufmüpfige Teenager-Tochter bei ihm abladen, um ihrer Karriere nachzugehen und nach einer katastrophalen Niederlage ist es auch noch um die Zukunft seines heiß geliebten Hockeyteams schlecht bestellt. Eine neue Herausforderung muss her! Aus einer Schnapsidee heraus eröffnet sich für Fredrik ein neues Betätigungsfeld: Synchronschwimmen. Zuerst glauben die Jungs aus seinem alten Hockey-Team an einen schlechten Scherz, aber Fredrik leistet harte Überzeugungsarbeit. Und nicht nur das: Kaum sind alle mit im Boot, träumt Fredrik, typisch Mann, auch gleich von der Teilnahme an den Synchronschwimm-Weltmeisterschaften in Berlin - als Schwedens offizielles männliches Team. Das Projekt unter dem Motto "Go for Gold" hat nur einen kleinen Schönheitsfehler - die Truppe hat keinen blassen Schimmer vom Synchronschwimmen...

MÄNNER IM WASSER ist eine synchrone Komödie über Männerfreundschaften in der Midlife-Crisis, Diskriminierung im Wasser und verzwickte Familienbeziehungen.

Deutschland/Schweden 2009
Regie: Måns Herngren
Darsteller: Jonas Inde, Dietrich Hollinderbäumer, Jan Henrik Stahlberg, Maria Langhammer, Shebly Niavarani, Peter Gardiner, Amanda Davin,


Voraussichtlich ab Donnerstag 26.8.

Mary&Max oder schrumpfen Schafe, wenn es regnet?

Vielfach preisgekrönter, skurriler Knetanimationsfilm, der mit Witz und Auge fürs Detail die tragikomische Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft erzählt.

Die kleine Mary lebt in Australien. Sie ist ein einsames Kind, ihre Mutter ist Alkoholikerin, ihr Vater interessiert sich mehr fürs Ausstopfen von Tieren als für die Tochter. Max ist ein einsamer, dicker Mann in den 40ern. Er lebt in New York, mag keine Menschen und leidet unter Panikattacken. Sie beginnt, ihm Briefe zu schreiben, in dem sie ihn z.B. fragt, ob Babies in Amerika aus Cola-Dosen kommen oder ob Schafe schrumpfen, wenn es regnet (so der Untertitel). Nachdem er Stunden mit sich gerungen hat, antwortet Max und die beiden werden über den Austausch von Briefen und Schokolade zu (Brief-)Freunden fürs Leben. Der australische Filmemacher Adam Elliot benutzt wie die Macher von "Wallace & Gromit" die Knetanimationstechnik, schlägt jedoch in seiner Geschichte ungleich düsterere, morbide Töne an. Seine beiden Hauptfiguren, für die Elliot in eindrücklichen Episoden auch die Vor-Geschichte liefert, sind zutiefst tragische Gestalten die durch die Freundschaft zueinander Freude am Leben finden. Entsprechend sind die Kleinstadt- (in Australien) und Großstadt-Kulissen (New York) zumeist in Braun und Grautönen gehalten, der Detailreichtum ist unglaublich originell und liebevoll - von den Haustieren der beiden über die verschiedenes Briefkasten- oder Tapetendesign. Das Auge für sympathische, charakteristische Details behält Elliot, dessen Kurzfilm "Harvie Krumpet" mit dem Oscar ausgezeichnet wurde, auch in seiner Erzählweise. Sehr witzig visualisiert er etwa die Brieftexte der beiden, wenn Max beschreibt, welch (un)gewöhnliche Todesarten seine Goldfische erleiden müssen. Die beiden schreiben aber auch mit großer Offenheit und Naivität über ihre Gefühle. So ist der als Mischung aus "Wallace & Gromit" und "Harold & Maude" durchaus passend beworbene Film nicht nur originell und witzig, sondern auch herzzerreißend, zu Tränen rührend. Elliots warmherzige Geschichte hat seine Preise, u.a. den Gläsernen Bären der Berlinale und den Großen Preis des wichtigsten Animationsfilmfestival von Annecy, ebenso wie ein breiteres Publikum, unbedingt verdient.

USA 2009
Regie: Adam Elliot
Kamera: Gerald Thompson
Länge: 96 Minuten
FSK: ab 12