Geplante Erstaufführungen in den nächsten Wochen:

voraussichtlich ab Donnerstag 29.9.
Frantz
Die letzte Sau
voraussichtlich ab Donnerstag 6.10.
Nebel im August
Meine Zeit mit Cézanne
Jonathan
voraussichtlich ab Donnerstag 13.10.
Welcome to Norway
American Honey
Saint Amour - Drei gute Jahrgänge
Affenkönig
Die Welt der Wunderlichs
voraussichtlich ab Donnerstag 20.10.
Hinter den Wolken
The Accountant
Im Namen meiner Tochter – Der Fall Kalinka
Das kalte Herz
voraussichtlich ab Donnerstag 27.10.
Ostfriesisch für Anfänger
Doctor Strange (OV)
Lotte
Die Zeit der Frauen
Das Versprechen – Erste Liebe lebenslänglich
voraussichtlich ab Donnerstag 10.11.
Was Männer sonst nicht zeigen

Voraussichtlich ab Donnerstag 29.9.

Frantz

Eine junge Witwe trifft am Grab ihres Mannes einen Unbekannten. Frankreichs Starregisseur Francois Ozon macht sich daran, das Geheimnis zu lüften – in Schwarzweiß und CinemaScope.

Kurz nach dem Ersten Weltkrieg in einer deutschen Kleinstadt geht Anna (Paula Beer) jeden Tag zum Grab ihres Verlobten Frantz, der in Frankreich gefallen ist. Eines Tages legt Adrien (Pierre Niney), ein junger Franzose, ebenfalls Blumen auf das Grab von Frantz. Das Geheimnis um Adriens Anwesenheit im Ort nach der deutschen Niederlage entfacht unvorhersehbare Reaktionen.

François Ozon („Eine neue Freundin“, „Das Schmuckstück“, „Swimming Pool“, „8 Frauen“), der für Regie und Drehbuch verantwortlich zeichnet, konnte für die deutsch-französische Koproduktion die gefragtesten jungen Stars aus beiden Ländern gewinnen: Die Hauptrollen übernahmen Paula Beer („Das finstere Tal“, „Ludwig II“, „Poll“) und Pierre Niney („IT Boy – Liebe auf Französisch“, der 2015 mit dem César als Bester Hauptdarsteller für „Yves Saint Laurent“ ausgezeichnet wurde. Daneben vereint die Produktion so hochkarätige Schauspieler wie Ernst Stötzner („Stiller Sommer“, „Meine Schwestern“), Marie Gruber („Der Vorleser“, „Das Leben der Anderen“) und Johann von Bülow („Elser – Er hätte die Welt verändert, „Im Labyrinth des Schweigens“) vor der Kamera. „Frantz“ greift viele der bisherigen Themen Ozons auf: die Trauer wie in „Unter dem Sand“, das zweideutige Vergnügen, Geschichten zu erzählen wie „In ihrem Haus“, die Erziehung der Gefühle einer jungen Frau wie in „Jung & schön“. Doch der Regisseur erkundet auch neues Terrain. „Unbewusst habe ich sicher einige meiner Obsessionen übernommen. Aber ich habe in einer anderen Sprache, mit anderen Schauspielern und außerhalb von Frankreich gedreht. Das war alles neu für mich. Ich hoffe, dass dadurch auch meine Themen neue Kraft, eine neue Dimension gewinnen. Dieser Film stellte viele spannende Herausforderungen dar: Ich hatte noch nie einen Krieg gefilmt, Kampfszenen, eine deutsche Kleinstadt, Paris in Schwarz und Weiß, in deutscher Sprache. Besonders wichtig war es mir, diese Geschichte vom Standpunkt der Deutschen aus zu erzählen, der Verlierer, die durch den Friedensvertrag von Versailles gedemütigt wurden. Ich wollte auch erzählen, wie in Deutschland damals der Nationalsozialismus entstand.“

Frankreich, Deutschland 2016
Regie: François Ozon
Darsteller: Paula Beer, Pierre Niney, Ernst Stötzner
119 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 29.9.

Die letzte Sau

Satirische Komödie um einen Bauern, der, schwer vom Schicksal und der Macht globaler Konzerne getroffen, zum Rebellen wird und unverhofft eine Revolution auslöst.

Es sind schwarze Tage für den Schweinebauern Huber. Sein Hof ist pleite. Die kleine Landwirtschaft ist nicht länger gegenüber den Agrarfabriken konkurrenzfähig. Und als schließlich vom Himmel ein Meteorit fällt und Hubers Hof in Schutt und Asche legt, hat Huber nichts mehr – außer einer letzten Sau. Zusammen mit diesem Schwein verlässt Huber die Ruine, welche einmal sein Hof war, und beginnt ein Leben als Heimatloser, als Vagabund und Indianer. Huber findet Gefallen an diesem Leben. Er ist jetzt ein Rebell und begegnet auf seiner Reise Menschen, denen es ähnlich erging wie ihm. Kleine, die von den Großen kaputt gemacht wurden. Für diese Kleinen erhebt sich Huber zum Widerstand und wird zum Symbol für Unruhe und Freiheit...

„Die letzte Sau“ ist eine Don Quijote Geschichte, ein anarchisches Märchen und ein Road-Movie über Freiheit und Unabhängigkeit. Aron Lehmann über seinen Film: „Die letzte Sau“ ruft zum Widerstand auf, weil es so nicht weiter geht! Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung sind in unserer Zeit nichts weiter als Illusion. Im heutigen System kann nur der überleben, der sich unterwirft. Fleiß, Ehrlichkeit und Können reichen heute nicht mehr aus, um sich ein selbstbestimmtes Leben in bescheidenen Verhältnissen zu ermöglichen. Überhaupt ist Bescheidenheit schon lange keine Tugend mehr. Fortschritt und Gier bestimmen die Welt. Das ist kein Horrorszenario. Das ist die Realität. Mein Vater ist Buchhändler und hat einen Laden in einer bayerischen Kleinstadt. Wer hört, was der Einzelhandel zu erzählen hat, der kann nur den Kopf schütteln. Unterhalten Sie sich mal mit einem selbstständigen Bäcker, Metzger oder einem Landwirt, falls Sie überhaupt noch welche finden, die nicht bereits von Ketten oder Industrien geschluckt wurden. Mein Film ist keine theoretische Auseinandersetzung zum Thema „Wie sollen wir leben“, sondern ein leidenschaftlicher und emotionaler Film über Ausbruch, Freiheit und Unabhängigkeit mit viel Raum für Fantasie, Humor und Tränen. Unsere Hauptfigur Huber folgt keiner politischen Motivation, sondern dem gesunden Menschenverstand. Wer von uns Lösungen erwartet, wird enttäuscht. Wer aber den Mut sucht, andere Wege zu gehen, der wird diesen bei uns finden.“

Deutschland 2016
Regie: Aron Lehmann
Darsteller: Golo Euler, Rosalie Thomass, Thorsten Merten
86 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 6.10.

Nebel im August



Nach einer wahren Begebenheit – Süddeutschland, Anfang der 1940er-Jahre. Der 13- jährige Ernst Lossa (Ivo Pietzcker), Sohn fahrender Händler und Halbwaise, ist ein aufgeweckter aber unangepasster Junge. Die Kinder- und Erziehungsheime, in denen er bisher lebte, haben ihn als „nicht erziehbar“ eingestuft und schieben ihn schließlich wegen seiner rebellischen Art in eine Nervenheilanstalt ab. Nach kurzer Zeit bemerkt er, dass unter der Klinikleitung von Dr. Veithausen (Sebastian Koch) Insassen getötet werden. Er setzt sich zur Wehr und versucht, den behinderten Patienten und Mitgefangenen zu helfen. Schließlich plant er die Flucht, gemeinsam mit Nandl, seiner ersten Liebe. Doch Ernst befindet sich in großer Gefahr, denn Klinikleitung und Personal entscheiden über Leben und Tod der Kinder …

NEBEL IM AUGUST ist ein bewegendes Drama über die grausamen Vorkommnisse während der NS-Zeit und gleichzeitig die authentische Geschichte von Ernst Lossa, der sich mutig gegen ein menschenverachtendes System wehrte. Zwischen 1939 und 1944 wurden in Folge des Euthanasie- Programms in den deutschen Nervenkliniken mehr als 200.000 Menschen ermordet. Ein lange verdrängtes Kapitel der deutschen Geschichte, das in der Erinnerungskultur zum Nationalsozialismus bisher nur am Rande vorkam. NEBEL IM AUGUST entstand nach dem wahren Schicksal des 13-jährigen Jungen, der als „asozial“ eingestuft in einem bayerischen Klinikum eingesperrt und 1944 dort umgebracht wurde.

Ulrich Limmer (Die "Sams-Filme", "Das Ende ist mein Anfang") produziert NEBEL IM AUGUST mit seiner collina filmproduktion GmbH in Koproduktion mit DOR Film, STUDIOCANAL Film GmbH, ARRI Film & TV Services, RIVA Filmproduktion & Medienberatung, in Zusammenarbeit mit dem ZDF. Regie führt Kai Wessel („Die Flut“, „Klemperer – Ein Leben in Deutschland“, Hilde) nach einem Drehbuch von Holger Karsten Schmidt („14 Tage lebenslänglich“, „Der Seewolf“). Der gleichnamige Tatsachenroman stammt von Robert Domes. Als historischen Berater der Produktion konnte Ulrich Limmer den langjährigen Leiter des psychiatrischen Klinikums Kaufbeuren (1980-2006) und engagierten Aufklärer der Euthanasie-Verbrechen, Prof. Dr. Michael von Cranach, gewinnen.

Deutschland, Österreich 2016
Regie: Kai Wessel
Darsteller: Ivo Pietzcker, Sebastian Koch, Thomas Schubert
126 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 6.10.

Meine Zeit mit Cézanne

Die ein Leben lang andauernde Freundschaft zwischen Paul Cézanne und Èmile Zola. Von Autorin und Regisseurin Danièle Thompson geradezu als impressionistisches Werk mit erzählerischem Reichtum inszeniert.

Als Kinder lernten sich der 1839 geborene Paul Cézanne und der fast gleichaltrige Émile Zola in Cézannes Heimatstadt Aix-en-Provence kennen und schlossen eine Freundschaft, die ein ganzes Leben halten sollte, es aber nicht tat. War Cézanne als Sohn eines Bankiers Zeit seines Lebens frei von finanziellen Sorgen, lebte Zola mit seiner verwitweten Mutter in ärmlichen Verhältnissen. Aus ihnen auszubrechen war ein Ziel auf Zolas Lebensweg, der möglicherweise dazu beitrug, dass er nach ersten Erfolgen zunehmend seine avantgardistischen Ansichten revidierte und konformistisch wurde. Verteidigte er anfangs die malerischen Experimente der Impressionisten und damit - zumindest auf dem Papier - auch seinen Freund Cézanne, stand er ihnen später kritisch gegenüber. In seinem 1886 veröffentlichten Roman "Das Werk" beschreibt er in kaum verhohlener Autobiographie auch einen Maler, der an seinen Ambitionen scheitert und sich umbringt. Verständlicherweise erkannte sich Cézanne in der literarischen Figur wieder und kündigte Zola die Freundschaft auf.

Dennoch imaginiert Autorin und Regisseurin Danièle Thompson ein Treffen der beiden Künstler im Jahre 1888, eine Aussprache, ein vielleicht erstmaliges Aussprechen langgehegter Gedanken, zu dem sie im Laufe von "Meine Zeit mit Cézanne" immer wieder zurückkehrt. Zeitsprünge prägen die Erzählform des biographischen Doppelporträts, die Kindheit der Künstler etwa wird mit zwei, drei prägnanten Momenten abgehakt, Begegnungen mit großen Künstlerkollegen wie Auguste Renoir, Camille Pisarro oder Guy de Maupassant passieren en passant, aber auch der für die Entwicklung der Malerei so bedeutende Moment, als die alten, selbst gemischten Farben durch moderne Ölfarben in der so praktischen Tube abgelöst wurden, wird so nebenbei erzählt, dass man ihn leicht verpasst. Gerade das die vielfältigen Aspekte dieser speziellen Künstlerfreundschaft, die zudem in einer besonders fruchtbaren Ära der französischen Kultur stattfand, nur angedeutet werden, lässt Thompsons Film geradezu kongenial impressionistisch wirken. Ins Detail geht Thompson zwar nie, doch in seinem erzählerischen Reichtum ist "Meine Zeit mit Cézanne" einer jener Filme, die viel Lust macht, sich anschließend mit den nur angedeuteten Menschen und Inhalten auseinanderzusetzen.

Frankreich 2016
Regie & Drehbuch: Danièle Thompson 
Darsteller: Guillaume Canet, Guillaume Gallienne, Alice Pol, Déborah Francois, Sabine Azéma, Gérard Meylan
113 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 6.10.

Jonathan

Familiendrama, in dem ein Jugendfreund des Vaters die Gefühlslage aller Beteiligten aufmischt. Ambitionierter und ansprechend gefilmter Debütfilm von Piotr J. Lewandowski

Jonathan (Jannis Niewöhner) ist Anfang 20 und lebt auf dem Bauernhof seiner Familie. Sein Vater Burghardt (André M. Hennicke) ist unheilbar an Krebs erkrankt und sehnt angesichts der zunehmenden Schmerzen seinen Tod herbei. Auf dem Hof lebt auch Burghardts Schwester Martha (Barbara Auer), die ein merkwürdiges, gespanntes Verhältnis zu ihrem Bruder hat. Der Konflikt scheint durch Ron (Thomas Sarbacher) verursacht zu sein, ein alter Freund Burghardts, der plötzlich auftaucht und die Gefühlslage aller Beteiligten durcheinander bringt. Welche Rolle hat der attraktive Mann einst für seinen Vater gespielt, fragt sich Jonathan, was ist vor Jahren passiert, als seine Mutter bei einem Unfall ums Leben kam. Bei seiner Suche nach Antworten gerät Jonathan zunehmend in Konflikt mit seinem Vater, der ihm jahrelang nicht die ganze Wahrheit über sein Leben und seine Sexualität erzählt hat. Jonathan selbst verliebt sich derweil in die junge, attraktive Pflegerin Anka (Julia Koschitz), die immer häufiger bei der Pflege Burghardts hilft und mit ihrer unbeschwerten, freien Art die Mauern der Familie aufbricht.

Ein starkes Ensemble hat Piotr J. Lewandowski für seinen Debütfilm „Jonathan“ zusammenbekommen, wobei vor allem das Vater-Sohn Duo André M. Hennicke und Jannis Niewöhner überzeugt. Zwischen Nähe und Distanz, Vorwürfen und Verständnis bewegt sich die Beziehung der Beiden im Verlauf des Films, eine emotionale Achterbahnfahrt, die auch vergessen lässt, dass der eigentliche Auslöser des Konflikts wenig glaubwürdig erscheint. Viel Zeit haben Lewandowski und sein Kameramann Jeremy Rouse augenscheinlich damit verbracht, allerlei Getier in Nahaufnahmen zu filmen, ständig kriecht und krabbelt es, wenn nicht gerade malerische Sonnenuntergänge durch die Bäume glitzern. Höchst atmosphärisch ist das, was in manchen Momenten angebracht scheint, vor allem in der zarten Entwicklung der Beziehung zwischen Jonathan und Anka. Die Erzählung entwickelt sich über lange Zeit eher lose und findet vor allem im letzten Drittel zu einer Dichte, einer Fokussiertheit, in der die Emotionalität der Figuren mit der Qualität des Schauspiels und der Inszenierung in Einklang kommen.

Deutschland 2016
Regie & Buch: Piotr J. Lewandowski
Darsteller: Jannis Niewöhner, André M. Hennicke, Julia Koschitz Thomas Sarbacher, Barbara Auer, Max Mauff, Leon Seidel
99 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 13.10.

Welcome to Norway

Als Geschäftsmann ist Primus eine glatte Nullnummer. Er nervt seine Frau Hanni und seine vernünftige Tochter Oda mit immer wieder neuen Projekten, die er dann vorhersehbar in den Sand setzt. Es kein Wunder, dass sein Hotel in den norwegischen Bergen unter chronischem Gästemangel leidet. Also was tun? – Genau: Es müssen Gäste her. Und am besten welche, für die der Staat bezahlt, sprich Flüchtlinge. Primus hat wie immer keine Ahnung, und wie immer macht er alles falsch, was man nur falsch machen kann. Er selbst bezeichnet sich zwar nicht als Rassisten, denn schließlich hasst er ohne Ausnahme alle Menschen, aber er behandelt die Flüchtlinge wie Gefangene, kümmert sich nicht um die staatlichen Vorgaben, benimmt sich wie ein Diktator und sorgt dafür, dass alles nur noch schlimmer wird. Schließlich droht der Super-GAU, die absolute Katastrophe, denn die Behörde weigert sich, ihm die Genehmigung für die Unterkunft zu erteilen. Glücklicherweise gibt es da ein paar wackere und handwerklich begabte Flüchtlinge...

Rune Denstad Langlo teilt in alle Richtungen aus und verschont niemanden. Das ist gut so, denn ohne Übertreibung gibt es keine Komödie. Bei manchen Witzen stockt dann auch der Atem, und der Humor ist gelegentlich schwärzer als eine sternenlose norwegische Polarnacht. Die eindeutige Botschaft lautet: Alle Menschen sind gleich, niemand ist besser als der andere, auch ein Flüchtling ist kein Heiliger, und selbst der schlimmste Rassist hat eine menschliche Ader. Langlo teilt die Menschen nicht in Gut und Böse ein, sondern er betrachtet sie als soziale Individuen, die sich gefälligst anstrengen sollen, miteinander auszukommen. Irgendwie gelingt es ihm sogar, seinen Helden sympathisch zu machen. Und das liegt sicherlich nicht an der unverfrorenen Direktheit, mit der Primus den Flüchtlingen begegnet, sondern eher an der beinahe bemitleidenswerten Tölpelhaftigkeit, mit der er durchs Leben trollt. Dass er dann doch lernfähig ist und schließlich für seine Flüchtlinge zum Don Juan wird, indem er sich der nymphomanen Dorfbibliothekarin hingibt, ist nicht nur komisch, sondern sorgt für zusätzliche Verwicklungen, die ebenfalls zur Komödie gehören wie der Hammer zum Nagel. Anders Baasmo Christiansen spielt mit skandinavischer Zurückhaltung den unfähigen Unternehmer Primus, der zuerst seine Frau in die Depression gestürzt hat und nun selbst am Rande des Zusammenbruchs steht.

Norwegen 2016
Regie: Rune Denstad Langlo
Darsteller: Anders Baasmo Christiansen, Henriette Steenstrup, Olivier Mukuta
91 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 13.10.

American Honey

Eine junge Amerikanerin sucht ihr Glück sowie die ganz große Liebe in einer Drücker-Kolonne. Rigoroses Porträt über Teenager in den USA, das auf gängige Erzählformen verzichtet und auf Stimmung, Atmosphäre sowie Handkamera-Bilder der vibrierenden Art setzt

Gleich mit den ersten Bildern ist das Elendsszenario festgezurrt: Eine junge Frau stöbert mit einem kleinen Kind im Abfallcontainer nach Lebensmitteln. Danach versucht sie vergeblich als Anhalterin ihr Glück. Schließlich landet sie auf dem Parkplatz eines Supermarktes, wo ihr der charmante Jake ein verführerisches Angebot macht: Ein lukrativer Trip durch die USA mit einer lässigen Teenager-Truppe. Viel Geld. Viel Spaß. Viel Liebe. Viel Zeit zum Überlegen bleibt nicht, bereits am nächsten Morgen geht die Reise los. Star, so der Name der Heldin, zögert nicht lange. Schnell wird dem Neuling das Geschäftsmodell klargemacht: Je mehr Zeitschriften-Abos einer verkauft, desto größer die Provision. Wer die wenigsten Abschlüsse schafft, wird von der Drücker-Kolonne kollektiv mit einem gnadenlosen Ritual bestraft. Star plagen Skrupel bei solchen Methoden. Doch ihr Schwarm Jake zerstreut die Zweifel mit seinen Verführungskünsten. Das Drama spitzt sich zu, als Star sich von drei vergnügungssüchtigen Cowboys in deren Villa einladen lässt...

Wer eine klassische Road Movie-Love Story nach gängigem Erzählmuster erwartet, wird klar enttäuscht. Wer ein entwickeltes Figurenkabinett mit tiefgründigen Konflikten erwartet, sitzt gleichfalls im falschen Film. Umso mehr kommt auf seine cineastischen Kosten, wer sich gerne auf einen semidokumentarischen Trip in die Untiefen des amerikanischen Teenager-Lebens begibt, dessen virtuos virtuelles Konzept mit einer Wundertüte eindrucksvoller Bilder besticht. Der irische Kameramann Robbie Ryan hat bereits mit „Slow West“, „Philomena“ oder dem Cannes-Gewinner „Ich, Daniel Blake“ sein außergewöhnliches Talent unter Beweis gestellt. Hier findet er mit der Handkamera vibrierende Bilder, die durch das ungewöhnlichen 4:3 Format zusätzliche Wirkung bekommen. Auf ein schlüssiges Psychogramm der Akteure wird bewusst verzichtet, dafür sprechen deren Gesichter Bänder. Als dramaturgischer Coup erweist sich dabei die Mischung aus Laien-Darstellern und Profis. Das schauspielerische Duell zwischen der Debütantin Sasha Lane und Hollywood-Star Shia LaBeouf wird zu einer Klasse für sich. Wie üblich überzeugt Regisseurin Andrea Arnold durch die Unaufdringlichkeit ihrer Gesellschaftskritik. Wer will, kann diese profitorientierte Generation, der die Werte längst verloren gingen, als Metapher der Hedgefonds-Heuschrecken-Mentalität sehen: Der American Dream als Abzocker-Alptraum. Prinzip Hoffnungslosigkeit.

Großbritannien 2016
Regie: Andrea Arnold
Darsteller: Sasha Lane, Shia LaBeouf, Riley Keough
162 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 13.10.

Saint Amour - Drei gute Jahrgänge

Vater und Sohn auf Weintour in der französischen Provinz. Roadmovie, das vor allem durch schöne Einzelszenen und ein tolles Hauptdarsteller-Trio zusammengehalten wird.

In "Mammuth" ließen Benoît Delépine und Gustave Kervern Gérard Depardieu auf einem Motorrad durch Frankreich fahren, dass unter dem massigen Körper Depardieus fast zu verschwinden schien. Und auch "Saint Amour" spielt ein ums andere Mal mit der schieren körperlichen Präsenz Depardieus, der wie kaum ein anderer berühmter Schauspieler in der Öffentlichkeit steht, sich aber offensichtlich nicht darum schert, was über ihn geschrieben oder gedacht wird. Eskapaden der letzten Jahre - Urinieren im Flugzeug, Bekenntnis zum exzessiven Alkoholkonsum, Freundschaft mit Putin - werden breit ausgewalzt und machen es noch schwieriger, auf der Leinwand eine Figur zu sehen und nicht Depardieu. Manche Regisseure machen sich dies zunutze und nennen die von Depardieu gespielten Figuren kurzerhand "Gérard", wie unlängst Guillaume Nicloux in "Valley of Love". In "Saint Amour" spielt Depardiau zwar eine Figur namens Jean, doch hinter dem Bauern, der bei einem Agrarfestival unbedingt einen Preis für den besten Zuchtbullen gewinnen möchte, scheinen immer wieder Teile von Depardieus Persönlichkeit durch oder zumindest von dem, was man dafür hält. Wenn sich Jean mit seinem Sohn Bruno (Benoit Poelvoorde) auf eine Wein-Tour durch die französische Provinz begibt, kann man sich denken, dass auch der Teilzeit-Winzer Depardieu schon manches Mal ähnliche Touren unternommen hat, ähnliche Erlebnisse durchlebt hat wie seine Figur, ähnlich alkoholgeschwängerte Gespräche geführt hat.

Loser roter Faden der Weintour ist Brunos Suche nach einer Frau, die den auch nicht mehr jungen Bauern zunehmend verzweifeln lässt. Immer wieder begegnet das Vater-Sohn-Gespann - vervollständigt durch den jungen Taxi-Fahrer Mike (Vincent Lacoste) - auf seiner Reise Frauen, die sich unweigerlich in den ein oder anderen unserer Helden vergucken und eine Nacht mit ihm verbringen. Ein wenig chauvinistisch mutet diese Struktur an, zumal die Frauenfiguren allesamt unterentwickelte Charaktere sind, die eher einer männlichen Phantasie entsprungen zu sein scheinen als der Realität. Nicht nur hier zeigt sich besonders, dass Benoit Delépine und Gustave Kervern im französischen Fernsehen in erster Linie für ihre Sketch-Formate bekannt sind, kurze Vignetten, die sich über dies oder jenes lustig machen. In diesem Fall ist das die französische Provinz und ihre Eigenarten. Doch allein Depardieu und Kollegen beim entspannten Reisen und Trinken durch Frankreich zuzuschauen bereitet erhebliches Vergnügen.

Frankreich, Belgien 2016
Regie: Benoît Delépine, Gustave Kervern
Darsteller: Gérard Depardieu, Benoît Poelvoorde, Vincent Lacoste
101 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 13.10.

Affenkönig

Eine entlarvende und provozierende Komödie über Freundschaft,Träume und Beziehungen und was mit Mitte 40 davon übrig bleibt.

Wolfi, ein ebenso steinreicher wie launenhafter Lebemann, lädt seine drei alten Jugendfreunde zu seinem 45. Geburtstag auf sein prächtiges Anwesen in Südfrankreich ein. Er will es mit ihnen mal wieder so richtig unbeschwert und wild krachen lassen. Doch die Zeiten sind vorbei, denn die Freunde bringen nicht nur ihre bürgerlichen Alltagssorgen, sondern auch noch ihre ganze Familienbande mit…

Deutschland, Schweiz 2016
Regie: Oliver Rihs
Darsteller: Hans-Jochen Wagner, Samuel Finzi, Oliver Korittke
98 Minuten
ab 16 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 13.10.

Die Welt der Wunderlichs

In der Welt der Wunderlichs ist Mimi (Katharina Schüttler) noch die Normalste, was allerdings nicht viel heißt. Als alleinerziehende Mutter versucht sie ihren hyperaktiven Sohn Felix (Ernst Wilhelm Rodriguez) unter Kontrolle zu halten, der gern mal seine Lehrerin im Schrank einschließt und mit seinen ständigen Eskapaden dafür sorgt, dass Mimi ihren Job verliert. Doch eigentlich träumt sie ohnehin davon, noch einmal als Sängerin Erfolg zu haben, so wie einst, als sie mit ihrem Ex-Mann Johnny (Martin Feifl) auf der Bühne stand. Dieser Johnny ist inzwischen reichlich abgehalftert, kümmert sich nur sporadisch um Felix und trauert im Stillen immer noch Mimi hinterher. Doch mit diesen beiden Männern hören Mimis Probleme nicht auf: Ihr Vater Walter (Peter Simonischek) ist ein notorischer Spieler und komplett unzuverlässig, ihre Mutter Liliane (Hannelore Elsner) hypochondrische Ex-Schauspielerin, die ihre Tage im Bett verbringt und von vergangener Glorie träumt. Um Mimi ein wenig Freude zu bereiten, versucht ihre Schwester Manu (Christiane Paul) sie mit dem Schwerenöter Nico (Steffen Groth) zu verkuppeln, in den sie eigentlich selbst verliebt ist. Und um das Chaos perfekt zu machen, hat Felix eine CD seiner Mutter an die Schweizer Talentshow Second Chance geschickt, die Mimi auch tatsächlich einlädt. Bei einem gemeinsamen Road-Trip nach Zürich spitzen sich die Probleme der Sippe schließlich immer mehr zu.

Nach dem Motto lieber zu viel als zu wenig scheint Dani Levy an seinen neuen Film herangegangen zu sein. Das Ergebnis ist ein vom ersten Moment an chaotischer, klamaukiger, oft hysterischer Reigen, der es an Hyperaktivität problemlos mit dem kleinen Felix aufnehmen kann. "Wir sind Psycho!" bemerkt Mimi in einem Moment der Selbsterkenntnis über ihre Familie, die unter ihrer durchgedrehten Oberfläche viele Probleme und jahrelang mitgeschleppte Animositäten verbirgt. Zur Ruhe kommt "Die Welt der Wunderlichs" nur selten, meist gefällt sich Levy darin, noch einen drauf zu setzen.

Deutschland 2016
Regie & Buch: Dani Levy
Darsteller: Katharina Schüttler, Peter Simonischek, Christiane Paul, Steffen Groth, Martin Feifel, Hannelore Elsner
100 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 20.10.

Hinter den Wolken

Nach 50 Jahren treffen sich Emma und Gerard wieder und verlieben sich neu. Ruhige Komödie, die mit frischem Wortwitz und zwei herausragenden Hauptakteuren glänzt

Ausgerechnet bei der Trauerfeier für ihren Mann Frederik sieht Emma nach 50 Jahren Gerard wieder. Er war einst der beste Freund ihres Mannes und – wie sich bald herausstellt – vor vielen Jahren Frederiks Rivale um Emmas Liebe. Gerard will Emma treffen, aber sie zögert, aus echter Trauer, denn ihre Ehe war wirklich glücklich, und aus Pietät, aber vielleicht auch aus Angst. Doch Gerard erweist sich als ziemlich hartnäckig. Als die beiden sich endlich wiedersehen, erkennt Emma schnell, dass Gerard sie immer noch liebt. Damit kann Emma nicht umgehen, und sie ist auch ein bisschen schockiert über Gerards Annäherungsversuche. Sie ziert sich nicht nur, sie zieht sich sogar zurück. Doch nach so vielen Jahren des Wartens hat Gerard nicht mehr viel Geduld. Jetzt oder nie, heißt die Devise. Als Emma sich auf eine Beziehung mit Gerard einlässt, schockiert sie damit ihre Familie, aber auch sich selbst...

Sehr sanft, sehr ruhig ist der Grundton dieser sensiblen Komödie, die ihr Publikum eher zum Schmunzeln als zum Lachen bringt. Und das liegt dann vor allem an den geschliffenen Dialogen, die gelegentlich zwischen den beiden Hauptdarstellern hin- und hergepfeffert werden. Wie sich die ehemaligen Liebenden nach so vielen Jahren wieder einander nähern, ist nicht nur rührend, sondern auch witzig und liebevoll. Der „Realitätscheck“ vor dem ersten Sex wird dann folgerichtig zu einem echten Highlight. Diese beiden sind noch lange nicht reif fürs Abstellgleis. Die junge Regisseurin Cecilia Verheyden zeigt ein Paar, das absolut mit der Zeit geht: Emma ist keinesfalls eine brave Oma, die mit Dutt und Strickzeug den Tag im Schaukelstuhl verbringt. Im Gegenteil: Sie ist umtriebig, macht Sport und geht zum Englischkurs, sie ist aktiv in sozialen Netzwerken – Gerard nimmt nach dem Begräbnis ihres Mannes Kontakt mit ihr über Facebook auf. Er ist Schriftsteller, lebt in Frankreich, kümmert sich aber rührend um seinen dementen Bruder, einen ehemaligen Pianisten, der in einem belgischen Pflegeheim lebt. Zwei Ehen hat Gerard hinter sich. Und als Emma meint, er hätte eben nie die Richtige gefunden, antwortet er: „Doch – ein Mal.“ Also noch eine Senioren-RomKom? – Ja, aber auch eine ganz besonders hübsche, denn hier findet nicht nur nach vielen Jahrzehnten endlich der Topf sein Deckelchen, sondern Chris Lomme (Emma) und Jo De Meyere (Gerard) sind ein perfekt eingespieltes Paar. Die beiden spielen so authentisch und so außergewöhnlich gut, dass es irgendwann überhaupt keine Rolle mehr spielt, ob dieses offenbar füreinander bestimmte Paar nun 20 oder 70 ist.

Belgien 2016
Regie: Cecilia Verheyden
Darsteller: Chris Lomme, Jo De Meyere, Charlotte De Bruyne
109 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 20.10.

The Accountant

Ein krimineller Buchhalter wird angeheuert, um einen möglichen Fall von Steuerhinterziehung zu prüfen, und plötzlich häufen sich mysteriöse Todesfälle in seinem Umfeld. Thriller mit Ben Affleck, inszeniert von „Warrior“-Regisseur Gavin O‘Connor

Christian Wolff (Ben Affleck) ist ein Mathematik-Fachmann, der mit Zahlen deutlich besser zurechtkommt als mit Menschen. Unter der Tarnung einer kleinstädtischen Steuerberatung arbeitet er als Buchhalter für einige der gefährlichsten Unterweltorganisationen der Welt. Die Steuerfahndungsabteilung des Finanzministeriums unter Leitung von Ray King (J.K. Simmons) kommt ihm auf die Spur – deshalb akzeptiert Christian den Auftrag eines legalen Kunden: einer Firma, die Pionierarbeit im Bereich der Robotik leistet: Dort hat nämlich eine Buchhalterin (Anna Kendrick) Unstimmigkeiten in Millionenhöhe entdeckt. Doch während Christian ins Labyrinth der Buchführung einsteigt und der Wahrheit immer näher kommt, steigt die Zahl der Todesfälle in seiner Umgebung.

Oscar®-Preisträger Ben Affleck („Argo“, „Batman v Superman: Dawn of Justice“) übernimmt die Titelrolle in „The Accountant“, inszeniert von Gavin O’Connor („Miracle – Das Wunder von Lake Placid“, „Das Gesetz der Ehre“, „Warrior“). Weitere Hauptrollen in „The Accountant“ spielen Oscar-Kandidatin Anna Kendrick („Up in the Air“, „Into the Woods“), Oscar-Preisträger J.K. Simmons („Whiplash“, die „Spider-Man“-Filme), Jon Bernthal („Herz aus Stahl“, „The Wolf of Wall Street“), Jean Smart (TV-Serien „Fargo“, „24“) und Cynthia Addai-Robinson („Star Trek: Into Darkness“) sowie Jeffrey Tambor (TV-Serie „Transparent“, die „Hangover“-Filme) und der zweifache Oscar-Kandidat John Lithgow („Interstellar“, „Zeit der Zärtlichkeit“, „Garp – und wie er die Welt sah“). O’Connor inszenierte das Drehbuch von Bill Dubuque („Der Richter – Recht oder Ehre“). Produziert wurde der Film von Mark Williams und Lynette Howell. Als Executive Producers waren O’Connor, Jamie Patricof und Marty Ewing beteiligt. Zum kreativen Team zählen der Kameramann und zweifache Oscar-Kandidat Seamus McGarvey („Anna Karenina“, „Abbitte“, „Pan“), Produktionsdesigner Keith Cunningham, Cutter und Oscar-Kandidat Richard Pearson („Flug 93“), Kostümdesignerin Nancy Steiner sowie Komponist und Oscar-Kandidat Mark Isham („Warrior“, „Aus der Mitte entspringt ein Fluss“).



Voraussichtlich ab Donnerstag 20.10.

Im Namen meiner Tochter – Der Fall Kalinka

Drama um einen Vater, der für Gerechtigkeit für seine getötete Tochter kämpft. Daniel Auteuil brilliert in diesem von wahren Begebenheiten inspirierten Film

„Im Namen meiner Tochter – Der Fall Kalinka“ ist inspiriert von wahren Begebenheiten, die am 10. Juli 1982 ihren Anfang nahmen. An diesem Tag nämlich erfuhr André Bamberski (Daniel Auteuil), dass seine Tochter Kalinka tot ist. Sie war 14 Jahre alt und verbrachte die Ferien bei ihrer Mutter Dany (Marie-Josée Croze) und ihrem deutschen Stiefvater, dem Arzt Dieter Krombach (Sebastian Koch), in Lindau am Bodensee. Die Begleitumstände ihres Todes erscheinen schon bald suspekt: Sowohl das Verhalten von Krombach, als auch die Autopsie lassen viele Fragen offen. Von der Schuld Krombachs als Mörder Kalinkas überzeugt, kennt André Bamberski nur noch ein Ziel: ihn zu überführen und damit Gerechtigkeit für seine Tochter zu erlangen. Ein Kampf gegen die Justiz beginnt, der 27 Jahre dauern soll, zur Obsession seines Lebens wird und schließlich darin mündet, dass Bamberski Krombach entführen lässt, um ihm seiner gerechten Strafe zuzuführen.

Mit „Im Namen meiner Tochter – Der Fall Kalinka“ kommt ein Drama auf die große Leinwand, das die deutsch-französische Presse bereits seit über 30 Jahren beschäftigt. Basierend auf wahren Gegebenheiten, zeigt der Film den packenden und bewegenden Kampf eines Vaters, der sich nicht damit abfinden will, dass der sinnlose Tod seiner Tochter ungesühnt bleibt. Von der Justiz im Stich gelassen, setzt er alles daran, das schreckliche Ereignis in der Öffentlichkeit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und den Mann, den er für den Mörder seiner Tochter hält, seiner gerechten Strafe zuzuführen. Basierend auf dem autobiografischen Roman von André Bamberski behandelt der Film nicht nur den konkreten Fall. Vincent Garenqs menschliches Drama wirft auch generelle Fragen auf: Welchen Preis muss man zahlen, um Recht zu bekommen? Wie weit darf man gehen? Und ist es das wert? Aus dem Spannungsfeld zwischen formellem Recht und menschlichem Verständnis für die nachvollziehbaren Vergeltungswünsche des Vaters, erwächst eine besondere Dynamik und Emotionalität. Daniel Auteuil, Frankreichs Schauspiel-Star von Weltrang, liefert eine der eindrucksvollsten Leistungen seiner Karriere und Sebastian Koch überzeugt in einer dubiosen, vielschichtigen Rolle als attraktiver Verführer und Verbrecher. Unterstützt werden sie von Marie-Josée Croze als Frau zwischen zwei charismatischen Männern.

Frankreich, Deutschland 2015
Regie: Vincent Garenq
Drehbuch: Vincent Garenq, Julien Rappeneau
Darsteller: Daniel Auteuil, Sebastian Koch, Marie-Josée Croze,
Christelle Cornil, Lila-Rose Gilberti
87 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 20.10.

Das kalte Herz

Ein armer Köhler geht einen teuflischen Pakt ein, um endlich an Reichtum zu kommen. Als packende Abenteuergeschichte mit phantastischen Elementen inszenierte Fantasy-Saga nach Motiven von Wilhelm Hauff

Immer weniger macht sich die harte Arbeit der Köhler bezahlt. Das große Geld scheffeln dagegen vornehmlich Holzhändler aber auch Glasbläser. Für den armen Köhlerjungen Peter Munk (Frederick Lau) keine guten Aussichten. Zumal er sich unsterblich in Lisbeth (Henriette Confurius), die Tochter des angesehenen Glasmachers Löbl (Sebastian Bloomberg) verliebt. Aber die ist bereits dem reichen Holzhändlersohn Bastian (Daniel Schütte) versprochen. In seiner Verzweiflung lässt er sich als Sonntagskind vom Glasmännlein (Milan Peschke), einem weisen Naturgeist, drei wenig durchdachte Wünsche erfüllen. Sein Reichtum verfliegt jedoch schnell. Nun bleibt ihm nur noch der Weg zum grausamen Holländer-Michel (Moritz Bleibtreu). Mit ihm geht er einen teuflischen Pakt ein...

Dichter Nebel zieht durch den dunklen Wald, aus der finsteren Köhlerhütte steigt schwarzer Rauch. Hohe Tannen, Farne, Moos an Bäumen und auf dem Waldboden bestimmen das Bild. Die düstere Mystik wirkt echt – und zugleich märchenhaft. Treffend fängt die Kamera die archaische Schwarzwald-Atmosphäre samt melancholischer Grundstimmung ein. Denn Wilhelm Hauffs Märchen über den Köhlerjungen, der seine Seele dem Geld opfert, ist durchaus ein herber Stoff. Der jung verstorbene Schwabe aus der Spätromantik erzählt plastisch von den negativen Auswirkungen des Frühkapitalismus. Sehr drastisch zeigt er, was die Produktionsverhältnisse und die Gier nach Geld aus Menschen machen können. Hauff prangert damit bereits die Auswüchse des Kapitalismus und den Verlust des Bezugs des Menschen zur Natur an. Kein Wunder, dass diese Geschichte, die auch heute nichts von ihrer Aktualität verloren hat, Regisseur Johannes Naber reizte.

Deutschland, 2016
Regie: Johannes Naber
Drehbuch: Christian Zipperle, Johannes Naber, Steffen Reuter, Andreas Marschall
Darsteller: Frederick Lau, Henriette Confurius, Moritz Bleibtreu, Milan Peschel, David Schütter, André M. Hennicke, Sebastian Blomberg, Roeland Wiesnekker, Jule Böwe, Lars Rudolph
119 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 27.10.

Ostfriesisch für Anfänger

Migranten aus aller Herren Länder treffen auf grantige Friesen, die mit ihren ganz besonderen Eigenarten die Integration erst recht erschweren. Amüsante Integrationskomödie

Seit dem Tod seiner geliebten Frau ist der ohnehin schon eigenbrötlerische Uwe (Dieter Hallervorden) noch verschlossener geworden. Auf dem flachen Land Ostfrieslands betreibt er eine kleine Tankstelle, zu der sich nur selten ein Kunde verirrt, der dann vielleicht auch die selbstgemachten Krabbenbrötchen zu goutieren weiß. In seiner Freizeit bastelt Uwe Buddelschiffe und will eigentlich nur in Ruhe gelassen werden. Doch daran hapert es, denn sein Hof ist wegen nicht beglichener Schulden versteigert worden und soll zu einem Flüchtlingslager umgebaut werden. Diesen Plan verfolgt die umtriebige Vroni (Victoria Trauttmannsdorff), die Migranten in den Norden bringen will. Nicht aus purer Mitmenschlichkeit, sondern um die immer toller sprudelnden staatlichen Geldquellen anzuzapfen. So kommt es, dass ein Libanese, ein Jamaikaner, eine Vietnamesin, eine Ukrainerin und ein nicht weiter definierter Lateinamerikaner in Ostfriesland auftauchen - und Uwe plötzlich zum Sprachlehrer wird. Denn um seinen Hof zu behalten muss er bei der Integration mithelfen, was er auf die ihm ganz eigene Weise tut...

So konsequent lässt Regisseur Gregory Kirchhoff seine nordischen Darsteller Platt sprechen, dass das Verständnis oft schwer fällt und man sich Untertitel wünschen würde. Doch möglicherweise ist das babylonische Sprachgewirr auch erzählerisches Konzept eines Films, der sich bisweilen etwas unbeholfen zwischen grobschlächtigem Klamauk und pointierter Satire bewegt. So klischeebehaftet etwa die Migranten geschildert werden - der Jamaikaner kifft und ist ein Frauenschwarm, die Ukrainerin ist resolut und stets adrett und fast aufreizend gekleidet, der Libanese ausgesprochen geschäftstüchtig - so treffend sind Momente, in denen die deutsche Bürokratie und ihre Folgen auf den Arm genommen werden. Hübsch, das etwa der Besitzer der Tankstellenkette, für die Uwe arbeitet, ein Deutschtürke ist, der die lasche Art Uwes kritisiert und die sprichwörtliche deutsche Tüchtigkeit mehr verinnerlicht hat als die meisten Deutschen. Auch die Versuche von Vroni, Dietmar und dem Bürgermeister des Dorfes, Bürokratie und Fördermittel für ihre Zwecke zu benutzen und sich unter dem Mantel der Integrationsförderung zu bereichern, sind treffend und pointiert. Stilistisch ist diese Integrationskomödie eher schlicht und funktional, die Intentionen fraglos redlich, was am Ende doch über manche Schwächen und oberflächlichen Momente hinwegsehen lässt.

Deutschland 2016
Regie: Gregory Kirchhoff
Darsteller: Dieter Hallervorden, Victoria Trauttmansdorff, Holger Stockhaus
91 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 27.10.

Doctor Strange (OV)

„Doctor Strange“ erzählt von dem egozentrischen Neurochirurgen Dr. Stephen Strange (Benedict Cumberbatch), der nach einem Autounfall nicht mehr operieren kann, da seine Hände verletzt wurden. Verzweifelt begibt er sich nach Tibet zu der Einsiedlerin The Ancient One (Tilda Swinton), von der er sich Heilung verspricht. The Ancient One verwehrt ihm jedoch seinen Wunsch und ist zudem nicht nur eine Eremitin, sondern auch die magische Verteidigerin der Welt. Sie unterrichtet Dr. Strange in den mythischen Zauberkräften und bildet ihn zum Obersten Zauberer, zum Sorcerer Supreme, aus. Doch ein weiterer Schützling von The Ancient One, Baron Mordo (Chiwetel Ejiofor), könnte für Doctor Strange zu einer großen Gefahr werden...

Im November 2012 verkündete Comic-Legende Stan Lee, welche seiner Superhelden verfilmt werden: „Black Panther“ steckte damals noch in der Planungsphase, für „Doctor Strange“ gab es jedoch endlich eine feste Zusage. Bereits seit 1986 war eine „Doctor-Strange“-Verfilmung geplant – mit diversen Regisseursvorschlägen wie Wes Craven, David S. Goyer, Guillermo del Toro und vielen weiteren. Viggo Mortensen war bereits für die Rolle im Gespräch, für die er schon in „Thor 2“ einen Gastauftritt haben sollte. Der Schauspieler ließ jedoch kurz darauf verlauten, er habe sich aus dem Filmgeschäft zurückgezogen. Im Dezember 2014 wurde dann bekannt, dass Benedict Cumberbatch, der Star aus „Sherlock“, für Regisseur Scott Derrickson die Rolle des Doctor Strange, dem 1963 von Steve Ditko erschaffenen Comic-Helden, übernimmt. Bei der Rolle von The Ancient One gab es eine kleine Überraschung, war diese Figur in den Comics doch männlich. Für die Marvel-Verfilmung wurden zunächst unter anderem Stars wie Morgan Freeman, Ken Watanabe und Bill Nighy für die Verkörperung des Mentors The Ancient One in Betracht gezogen. Im Juli 2015 bestätigte dann jedoch Tilda Swinton offiziell, dass sie als The Ancient One in „Doctor Strange“ mitwirkt.

USA 2016
Regie: Scott Derrickson
Darsteller: Benedict Cumberbatch, Chiwetel Ejiofor, Tilda Swinton
130 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 27.10.

Lotte

Tragikomödie, in der sich eine junge Frau den Dämonen ihrer Vergangenheit stellen muss.

Lotte ist direkt und kantig, dabei liebenswürdig und vor allem ausgestattet mit einer großstädtischen Schnodderschnauze. Mit all diesen Eigenschaften eckt sie permanent an, bei ihren Kollegen, Freundinnen und sogar ihrem Freund. Der wirft sie kurzerhand raus und Lotte steht auf der Straße - von jetzt an voll damit beschäftigt eine Bleibe zu finden. Eines Nachts trifft Lotte in ihrer Stammkneipe auf Marcel, einen fast vergessenen Bekannten. Kaum hat er sie erkannt, ergreift Lotte die Flucht und findet eine rettende Bleibe in der Wohnung ihrer Freundin Sabine. Am nächsten Tag hängen Lotte die Strapazen dieser Nacht nach und scheinen sie auch während ihrer Arbeit im Krankenhaus nicht loszulassen. Ein junges Mädchen wird eingeliefert, Lotte kümmert sich um sie, eine subtile Zuneigung entsteht. Doch die Freude darüber währt nur kurz, denn wenig später wird Lotte Zeuge einer Begegnung zwischen dem jungen Mädchen Greta und Marcel. Die Blicke der drei kreuzen sich und Lotte ahnt, dass es diesmal keine Flucht für sie geben wird.

Die Tragikomödie „Lotte“ wurde von Julius Schultheiß größtenteils selbst finanziert, den Rest seines Budgets erhielt der Film über eine Crowdfunding-Kampange. Der Film wurde auf der Berlinale 2016 in der Kategorie Perspektive Deutsches Kino aufgeführt.

Zitty: „Lotte“ (wunderbar: Karin Hanczewski) ist ein Berliner Gewächs: impertinent und unausstehlich, liebenswürdig und ausgestattet mit einem dem Überleben in der Stadt höchst dienlichen Witz. Famos Lottes Sprüche, die sie mit Verve auf den Asphalt rotzt."

Der Tagesspiegel: „Der Mutterwitz und die Frechheit, mit der die großartige Karin Hanczewski die rabaukige Nachtschwärmerin Lotte spielt, der ist sehr Berlin"

Kino-Zeit: „Ein Film über eine Frau, die innerlich so jugendlich geblieben ist, dass der Begriff "pubertär" eine Beleidigung für jeden Heranwachsenden wäre."

Deutschland 2016
Regie: Julius Schultheiß
Darsteller: Karin Hanczewski, Zita Aretz, Paul Matzke
76 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 27.10.

Die Zeit der Frauen

Das Drama um vier Frauenschicksale in einer Kleinstadt in Gujarat, Indien, entwickelte sich weltweit zu einem Überraschungshit

Ein kleines Dorf im heutigen Indien. Vier Frauen wagen es, sich gegen die Männer und die erdrückenden Traditionen aufzulehnen. Mit Hilfe ihrer Freundschaft und ihres Freiheitswillens bekämpfen sie ihre Dämonen, träumen von der Liebe und darüber hinaus. Es beginnt die Zeit der Frauen ...

Der erste internationale Film der indischen Regisseurin Leena Yadav, bei dem sie den Oscar®-prämierten „Titanic“-Kameramann Russell Carpenter an ihrer Seite hatte, ist ebenso bunt und lebenslustig wie ermutigend. Seit seiner Premiere beim Toronto International Film Festival 2015 wurde der Film weltweit auf Festivals ein Überraschungshit und in Frankreich zu einem der erfolgreichsten Kinofilme des Frühjahrs 2016.

Ein Kommentar von Autorin und Regisseurin Lenna Yadav:
„Als Frau geboren, wurde ich von meinen Eltern dazu erzogen, Menschen ungeachtet ihres Geschlechts, ihrer Religion oder ihrer Kaste zu beurteilen und zu behandeln. Diese Geschichte ist meine Reaktion auf eine frauenfeindliche Gesellschaft, die Frauen wie Sexobjekte behandelt und diese dazu verurteilt, ihren Männern zu dienen. Meinen weiblichen Charakteren eine Stimme zu geben, welche beobachtet, absorbiert und reagiert, war meine Motivation hinter diesem Drama, welches von ganz normalen Frauen handelt, die jedoch auf ein außergewöhnliches Ende zusteuern. Wir alle haben manchmal den Impuls uns pflichtbewusst gegenüber den Werten und Normen einer gesellschaftlichen Ordnung zu verhalten, ohne jedoch deren Bedeutung zu hinterfragen. Falls uns das Hinterfragen zu Geächteten macht, dann sei es so!“

Indien, USA u.a. 2015
Regie: Leena Yadav
Darsteller: Tannishtha Chatterjee, Radhika Apte, Surveen Chawla
116 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 27.10.

Das Versprechen – Erste Liebe lebenslänglich

Dokumentarische Aufarbeitung des „Fall Jens Söring“, der in den USA für einen Doppelmord angeklagt wurde und nach wie vor seine Unschuld beteuert..


Die zentralen Referenzpunkte der Dokumentation sind Videomitschnitte der Gerichtsverhandlungen von Elizabeth Haysom und Jens Söring und ein im Buckingham Correctional Center in Virginia geführtes Interview mit Söring. Zusätzlich lesen Daniel Brühl und Imogen Poots die Liebesbriefe ein, die sich Jens Söring und Elizabeth Haysom geschrieben haben und die von einer obsessiven Liebe zeugen. So klar der Fall auf den ersten Blick und vor allem wegen der gemeinsamen Flucht erscheinen mag, so viele Ungereimtheiten tun sich bei einer genaueren Betrachtung auf. Geradezu skandalös erscheint die Befangenheit des Richters, der mit der Familie Haysom befreundet war. Außerdem tauchte im Jahr 2011 ein Zeuge auf, der nicht vor Gericht angehört wurde: Ein Automechaniker, der Elizabeth Haysom in Begleitung eines Mannes gesehen haben will, der nicht Söring war, und ein blutiges Messer und Blutspuren im Auto der jungen Frau entdeckt haben will. „Das Versprechen“ beginnt mit einer objektiven Schilderung des Mordfalls, die an True-Crime-Formate der Marke „Medical Detectives“ erinnert – blutige Tatort-Fotos und konspirative Musik inklusive. Peu à peu schwenkt die Darstellung auf Sörings Sichtweise. Die Filmemacher scheinen an seine Unschuld zu glauben. Als Zuschauer hegt man am Ende ebenfalls Zweifel an Sörings Schuld, kann sich aber auch das Gegenteil vorstellen. Die Wahrheit liegt weiterhin irgendwo da draußen.


Deutschland, USA 2016
Regie: Karin Steinberger, Marcus Vetter
Mitwirkende: Jens Söring, Gail Ball, Tom Elliott, Daniel Brühl, Imogen Poots, Gail Marshall, Ricky Gardner
130 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 10.11.

Was Männer sonst nicht zeigen

Pünktlich zum Beginn der Sauna-Saison starten wir am 10. November 2016 die 81 minütige und finnische Doku-Dramödie
WAS MÄNNER SONST NICHT ZEIGEN von Joonas Berghäll und Mika Hotakainen in DF und OmU in den deutschen Kinos!
Dieser Film ist eine wahre Rarität und ein richtiger Filmschatz:

In der wohligen Wärme der Sauna tauschen finnische Männer sowohl humorvolle als auch tiefgründige Lebensgeschichten aus und kehren ihr Innerstes nach außen. Im Mittelpunkt steht immer: die Sauna. Die ist in Finnland wohl aus jedem Raum mit vier Wänden zu machen - auch Telefonzellen, alte Wohnwagen und Erntemaschinen sind bestens geeignet, um Menschen zusammen zu bringen.
Mit Laien besetzt und auf analogem Filmmaterial gedreht, besticht der Film durch eine tolle Ästhetik, verstärkt Emotionen durch wundervoll komponierte Musik und hallt lange nach.
In Skandinavien wurde der Film zum Publikumsliebling. "Der beste Saunafilm, den es je geben wird.", schreibt Variety.

Das deutsche Filmplakat hat der polnische Plakat-Künstler Marcin Podolec entworfen. Es ist handgemalt!

Dokumentarfilm
Finnland 2010-2016
Regie: Joonas Berghäll, Mika Hotakainen