Geplante Erstaufführungen in den nächsten Wochen:

voraussichtlich ab Donnerstag 2.6.
Agnes
Der Moment der Wahrheit
Everybody Wants Some!!
Vor der Morgenröte
Tomorrow - Die Welt ist voller Lösungen
voraussichtlich ab Donnerstag 9.6.
Zen for Nothing
The Forbidden Room
Queen of Earth
Hannas schlafende Hunde
Sky - Der Himmel in mir
voraussichtlich ab Donnerstag 16.6.
7 Göttinen
Schau mich nicht so an
Miss Hokusai
voraussichtlich ab Donnerstag 23.6.
Kill Billy
Café Belgica
Die Frau mit der Kamera - Abisag Tüllmann
Athos - Im Jenseits der Welt
The Neon Demon
voraussichtlich ab Donnerstag 30.6.
High-Rise
Ice Age – Collision Course (englisches Original)
Ma Ma - Der Ursprung der Liebe
Nur wir drei gemeinsam
Stadtlandliebe
voraussichtlich ab Donnerstag 14.7.
Unterwegs mit Jacqueline

Voraussichtlich ab Donnerstag 2.6.

Agnes

Walter ist ein Sachbuchautor, der in einer Bibliothek recherchiert und dabei auf Agnes trifft. Er verliebt sich auf den ersten Blick in die hochbegabte Physikstudentin, deren scharfer Intellekt ihn ebenso fasziniert wie ihre selbstverständliche sexuelle Begierde. Hinter der mädchenhaften Fassade verbirgt sich eine hoch komplizierte Persönlichkeit, ein Mensch auf der Suche nicht nur nach Liebe, sondern nach Perfektion, privat wie beruflich. Auch Agnes fühlt sich von dem älteren Mann stark angezogen. Er fordert sie heraus, doch das beruht auf Gegenseitigkeit – eine Beziehung auf Augenhöhe, eigentlich der Traum aller jungen Verliebten. Der gemeinsame Beschluss, ihre Liebesgeschichte aufzuschreiben, ist zunächst eine Art Spiel zwischen den Liebenden, sie amüsieren sich über die unterschiedliche Sichtweise der Wirklichkeit, doch bald verändert die geschriebene Realität die echte Beziehung und zerstört sie schließlich.

Natürlich geht es hier nicht nur um die Liebe in den Zeiten der Sinnsuche, sondern ebenso ums Schreiben in all seinen Facetten. Dazu gehören die persönlichen Erinnerungen ebenso wie die unterschiedlichen Blickwinkel in der Rückschau und letztlich auch das Erfinden von Geschichten. So wie Peter Stamm literarisch mit den kleinen und großen Versatzstücken seines Schriftstellerlebens spielt, hat das immer etwas leicht Ironisches. Im Film von Johannes Schmid mündet die feine Ironie in eine beinahe dämonische, intensive Bildsprache, die in kühler Klarheit die Handlung immer wieder in Frage stellt. Am Anfang schreitet eine fast nackte Agnes in die dunkle Schneenacht und in den vorhersehbaren Tod. Das Ende ist der Anfang, und wie im Buch ist alles unklar: Bringt Agnes sich tatsächlich um, oder entfernt sie sich nur aus der gemeinsamen Geschichte? Und das sind lediglich zwei von vielen offenen Fragen, die den Film aus der Masse der durchschnittlichen Kinogedankenwelten herausheben. Ein offenes Ende, normalerweise im Film wie auch in der Literatur eher verpönt, wird oft als faule Ausrede dafür gesehen, dass ein Autor sich nicht entscheiden mag. Hier – im Buch wie im Film – ist es anders: Die Geschichte wird durch die vielfältigen Interpretationsmöglichkeiten bereichert, sie wächst immer mehr und wird schließlich zur symbolträchtigen, komplexen Auseinandersetzung mit modernen Beziehungsgeflechten. Und das ist eine wirklich spannende Erfahrung, die – verbunden mit den herausragenden schauspielerischen Leistungen – den Film zum feinsinnigen, geistvollen Kinoerlebnis machen.

Deutschland 2016
Regie: Johannes Schmid
Darsteller: Odine Johne, Stephan Kampwirth, Sonja Baum
105 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 2.6.

Der Moment der Wahrheit

Als Fernsehproduzentin ist Mary Mapes ein Ass: Sie plant, recherchiert, schreibt, organisiert, schneidet ihre Beiträge und schafft es sogar, gut gelaunt zu sein. Für die Nachrichtensendung „60 Minutes“ des Senders CBS hat sie nun einen ganz großen Fisch an der Angel: Es gibt Hinweise darauf, dass George Bush jr., der gerade um seine Wiederwahl als Präsident kämpft, im Vietnamkrieg eine sehr, sehr ruhige Kugel geschoben hat. Weil der Sender den Druck erhöht und den Sendetermin immer weiter nach vorne verlegt, arbeiten Mary und ihr Team rund um die Uhr. Sie telefonieren, recherchieren, reisen herum und führen Interviews mit Ex-Militärs, die oft nur mit viel Überzeugungsarbeit zur Aussage bereit sind. Die Arbeit scheint sich zu lohnen: Der Beitrag wird rechtzeitig fertig, und alle Beteiligten sind davon überzeugt, dass sie den militärbegeisterten Chefpatrioten Bush als Drückeberger entlarvt haben. Doch zur allgemeinen Bestürzung ist das nach der Sendung gar kein Thema. Vielmehr geht es um die mögliche Fälschung von kopierten Dokumenten, die Mary Mapes zugespielt wurden. Immer mehr gerät sie selbst ins Fadenkreuz eines offensichtlich organisierten Shitstorms...

Bis heute ist Mary Mapes der Meinung, dass sie seriöse Arbeit geleistet hat. Zu Recht interessiert es niemanden, unter welchem Zeitdruck ihr Beitrag entstanden ist, mit welchen Problemen sie bei den Recherchen zu kämpfen hatte und welches Risiko sie einging, als sie sich selbst ins Fadenkreuz der rechten Populisten stellte. Spätestens hier wird der Film zum aktuellen Dokument, schwallt doch der Begriff „Lügenpresse“ seit Neuestem durch das Land wie ekelhaft klebriger Nebel. Mary Mapes hat nicht versucht, ihren Kopf zu retten, sondern sie wollte ihre journalistische Ehre bewahren. Cate Blanchett spielt diese Journalistin als kluge, besonnene Frau, die professionell und mit Leidenschaft ans Werk geht. Dass sie dabei auch noch eine Familie hat, ist endlich einmal kein Thema, sondern selbstverständlicher Teil ihrer komplexen Persönlichkeit. Das ist keine übliche Frauenstory rund um die üblichen Themen Rollenverhalten, Familie und Karriere etc., sondern eine knackige Mediengeschichte. James Vanderbilt hat sehr gute Drehbücher geschrieben (u. a. „Zodiac“), seine erste Regiearbeit stimmt optimistisch. „Der Moment der Wahrheit“ ist ein beinahe klassisches Journalistendrama ohne effektvolles Getöse: ein sehenswerter Film über Menschen auf der Suche nach der Wahrheit, über die akribische Arbeit, die dahintersteckt, und ein spannendes Loblied auf den klassischen Journalismus.

USA 2015
Regie: James Vanderbilt
Darsteller: Cate Blanchett, Robert Redford, Topher Grace
126 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 2.6.

Everybody Wants Some!!

Erzählt wird „Everybody wants some!!“ aus Sicht des College-Neulings Jake Bradford (Blake Jenner), der mit seinen Klamotten und einer Kiste voller Schallplatten das Studentenwohnhaus erreicht, das die texanische Stadt den Mitgliedern des örtlichen Baseball-Teams zur Verfügung gestellt hat. Er lernt zunächst die Hierarchien unter den verschiedenen Spielern kennen - so sehen die Schläger traditionell auf die Werfer herab, und machen sich einen Spaß daraus, dies auch bei jeder Gelegenheit zu betonen. Alle gemeinsam jedoch sind vereint, sobald es Abend wird und die nächste Party oder der nächste Disco-Besuch auf dem Programm steht. Denn ans Lernen oder Trainieren denkt von den Jungs niemand, ganz im Gegenteil geht es rund um die Uhr darum, Mädchen kennenzulernen und möglichst viele Abenteuer zu erleben. Schon kurz nach seiner Ankunft lernt Jake die hübsche Schauspielstudentin Beverly (Zoey Deutch) kennen, doch bevor er ein erstes Date landen kann, bekommt er von seinem Team einen Crash-Kurs als Mitglied des Baseball-Teams. Dazu gehören die verrücktesten Wetten ebenso wie Trinkrituale und gepflegter Marihuana-Konsum...

„Everybody wants some!!“ ist eine herrlich nostalgische Komödie mit Kult-Potenzial, die den Zuschauer direkt in das Jahr 1980 führt, als eine Gruppe von Freunden das letzte freie Wochenende vor Studienbeginn in vollen Zügen genießt. Der Film wurde inszeniert vom preisgekrönten Regisseur Richard Linklater („Boyhood“), der auch das Drehbuch geschrieben hat - und ist thematisch angeknüpft an seinen Coming-of-Age-Film „Confusion – Sommer der Ausgeflippten“. Wie schon dort hat Linklater vor der Kamera auch diesmal ein Ensemble weitgehend unbekannter Darsteller versammelt, die an der Schwelle zum Hollywood-Durchbruch stehen - darunter Blake Jenner („Glee“), Zoey Deutch („Dirty Grandpa“), Ryan Guzman („The Boy next Door“), Tyler Hoechlin („Road to Perdition“), Glen Powell („Expandables 3“) und Juston Street („Deepwater Horizon“). Besondere Erwähnung verdient die Tonspur des Films, die fast nonstop ein „Best of“ der 80er-Jahre-Hits bereithält!

USA 2016
Regie: Richard Linklater
Darsteller: Zoey Deutch, Blake Jenner, Ryan Guzman
117 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 2.6.

Vor der Morgenröte

Rio De Janeiro, August 1936. Große Gesellschaft im exklusiven Jockey-Club. Die Haute Volée empfängt Stefan Zweig (Josef Hader) wie einen Staatsmann. Trotzdem fühlt sich der 54jährige am anderen Ende der Welt als wehrloser, machtloser Zeuge des Rückfalls in die NS-Barbarei. Als er sich einen Monat später auf dem Schriftstellerkongress in Buenos Aires eindeutig gegen Hitler-Deutschland aussprechen soll, weigert er sich ein Land zu verurteilen. Ebenso wenig findet er den risikolosen Widerstand einer Gedenkminute für die verfolgten Künstler und Intellektuellen angemessen. Einige Jahre später ist er mit seiner zweiten Frau Lotte (Aenne Schwarz) immer noch heimatlos auf Vortragsreisen in Südamerika unterwegs. Dabei erlebt er nicht selten skurrile Situationen. Bald darauf begegnet der Geschiedene im winterlich-frostigen New York seiner ersten Frau Friderike (Barbara Sukowa) wieder, die ebenfalls fliehen musste. Wenige Monate danach findet Zweig im brasilianischen Petrópolis, einem Ort hoch in den Bergen des Hinterlands, 70 Kilometer von Rio entfernt, mit Fachwerkgiebeln zwischen tropischen Bäumen und Vierteln eine neue Bleibe. Doch selbst dieses „tropische Semmering“ mit seiner gastfreundlichen Bibliothek und der frischen Bergluft kann auf Dauer den Schmerz der Heimatlosigkeit nicht vertreiben.

Überzeugend spielt der österreichische Star-Kabarettist Josef Hader den sensiblen, ambivalenten Schriftsteller, glänzt ohne jede Tendenz zum Overacting. Ein großer Sprung – auch für den Zuschauer - vom Kult-Kieberer Brenner der legendären Krimireihe, wo er scheinbar jede Nuance, vor allem den komödiantischen Sarkasmus seines Protagonisten, längst verinnerlicht hatte. Besonders im Zusammenspiel mit der legendären Fassbinder-Heroine Barbara Sukowa entwickeln sich szenisch, unvergleichlich dichte Gefühlsmomente. Das ungewöhnliche Gespann funktioniert ganz prächtig. Denn der grandiosen Charakterdarstellerin gelingt es ihren Figuren eine ganz eigene Ausstrahlung zu geben. Multitalent Maria Schrader nimmt nach ihrem furiosen Debüt mit der Romanverfilmung „Liebesleben“ erneut auf dem Regiestuhl Platz. Und wieder geht die Berlinerin damit mutig ein künstlerisches Wagnis ein. Doch mit dem genialen Kameramann Wolfgang Thaler, der den Stil der österreichischen Ulrich-Seidel-Filme prägte, minimiert sich das Risiko. Seine kraftvoll pulsierenden Bildkompositionen vermitteln dem Zuschauer hervorragend den quälenden Zwiespalt der Heimatlosigkeit im tropisch-brasilianischen Paradies.

Deutschland, Frankreich u.a. 2016
Regie: Maria Schrader
Darsteller: Josef Hader, Barbara Sukowa, Aenne Schwarz
106 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 2.6.

Tomorrow - Die Welt ist voller Lösungen

Eigentlich ist jedem heute klar, dass wir als Menschheit an unserer Lebensweise dringend etwas verändern müssen, wollen wir die Erde, unsere Natur und Ressourcen bewahren und schützen. Sowohl die Denkweise eines grenzenlosen Wachstums als auch die Idee einer ungeordneten Globalisierung führen absehbar in eine Sackgasse. Auch die französische Schauspielerin Mélanie Laurent („Inglourious Basterds“) und ihr Landsmann Cyril Dion, ein engagierter NGO-Aktivist, verspürten ein wachsendes Unbehagen. Aufgerüttelt von einer wissenschaftlichen Studie in der Zeitschrift „Nature“, welche den Zusammenbruch unserer Zivilisation in den nächsten 40 Jahren prognostizierte, suchten sie rund um den Globus nach Antworten und Lösungen, wie jeder einzelne von uns im Kleinen etwas zum Gelingen des Ganzen beitragen kann. Kurzum: In „Tomorrow – Die Welt ist voller Lösungen“ geht es um die Rettung unseres Planeten und um nichts weniger. Diese Prämisse klingt zunächst viel zu komplex, um sie in einen knapp zweistündigen Film zu verpacken. Tatsächlich nähern sich Laurent und Dion bei ihrer Erkundungstour durch 10 Länder der Formel zur Weltrettung wie den einzelnen Teilen eines Puzzles. So wie diese erst zusammengesetzt ein Bild ergeben, so zeigt ihre engagierte und einfühlsame Dokumentation sehr anschaulich, wie alles mit allem zusammenhängt. Beginnend bei der Landwirtschaft und der Art, wie heute Lebensmittel hergestellt werden bis hin zu einem anderen Demokratie- und Bildungsverständnis beleuchtet „Tomorrow“ die ganz großen Themen im Kleinen und anhand sehr konkreter Initiativen.

Obgleich Laurent und Dion neben vielen engagierten Menschen auch immer wieder Experten und Wissenschaftler zu Wort kommen lassen, bemühen sie sich doch um einen persönlichen, möglichst verständlichen Zugang. Ihr Antrieb für den unter anderem mittels Crowdfunding finanzierten Film sei vor allem ihr Elternsein und die Frage nach der Zukunft ihrer Kinder gewesen. Statt unzähliger Daten und Fakten – diese werden eher sparsam eingesetzt – dominiert hier der Blick auf das konkrete Projekt. Wo andere, inhaltlich durchaus verwandte Dokumentationen hauptsächlich Probleme und Missstände aufzeigen, konzentrieren sich Laurent und Dion auf Lösungsansätze. Ihr Film ist optimistisch und fordert ohne allzu übertriebene Didaktik zum persönlichen Engagement auf. Mit bislang über 800.000 Kinozuschauern allein Frankreich scheint das Thema aber bei vielen, insbesondere jungen Menschen einen Nerv getroffen zu haben.

Dokumentarfilm
Frankreich 2015
Regie: Cyril Dion, Mélanie Laurent
118 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 9.6.

Zen for Nothing

An der japanischen Westküste, fernab der hektischen Großstädte der Industrienation, liegt das Zen-Kloster Antaiji. Geprägt ist das Kloster von den Lehren des Zen-Meisters Kodo Sawaki, der unter anderem ein unabhängiges Leben predigte, fernab der Zwänge der Zivilisation. Für die Gegenwart bedeutet dies, dass die Bewohner des Klosters darum bemüht sind, sich selbst zu versorgen: Der Tagesablauf besteht aus Reisanbau, Holz hacken, Gemüsegarten pflegen und anderen Tätigkeiten. In diese Welt taucht nun für gut ein halbes Jahr die Schweizer Schauspielerin Sabine Timoteo ein. Geleitet wird das Kloster seit einigen Jahren von einem Berliner: Abt Muho Nölke führt die Geschicke, die neben der selbstständigen Essensversorgung auch aus der so genannten Zazen-Sitzmeditation besteht, bei der in möglichst aufrechter Haltung, die alles andere als bequem wirkt, meditiert wird.

Philosophie des Klosters (Quelle: www.antaiji.org) „Antaiji widmet sich der Zen-Praxis als einem natürlichen Ausdruck des täglichen Lebens. Zazen und Arbeit sind nicht einfach nur ein Teil des Lebens in Antaiji: Vielmehr sind es die 24 Stunden jedes einzelnen Tages, den du hier verbringst, die eine Manifestation von Zen sein müssen. In Antaiji werden darüber hinaus keine spirituellen Praktiken oder Meditationstechniken angeboten. Es geht nicht darum, fernöstlichen Mysterien auf den Grund zu gehen, okkulte Erfahrungen zu haben oder einfach einen Geschmack von japanischer Kultur zu bekommen. Der Punkt ist es, unser eigenes Leben als Bodhisattva-Übung zu verstehen und zu praktizieren. Obwohl alle in der Gemeinschaft ihr Bestes geben müssen, um ein harmonisches Zusammenleben zu ermöglichen, ist gleichzeitig jeder für seine Übung nur ganz allein verantwortlich. Niemand wird deinen Hintern für dich abwischen. Du musst dir selbst klar über die Grundlage deiner Übung sein und über den Grund, der dich hierher bringt. Wenn du irgendetwas anderes von deinem Aufenthalt in Antaiji erwartest, als was dir das Leben in jedem einzelnen Moment zu bieten hat, wirst du enttäuscht werden. Überlege dir deshalb, was du hier suchst – täusche dich nicht selbst und auch nicht die anderen. Das Leben hier besteht aus Zazen, harter Arbeit zur Selbstversorgung und Studium. Wer zwischen 18 und 40 Jahren alt ist, mindestens drei Jahre Zen in der Tradition von Dogen Zenji praktizieren will und dafür auch bereits ein wenig Japanisch spricht, ist in Antaiji willkommen.“

Dokumentarfilm
Deutschland, Schweiz 2016
Regie: Werner Penzel
Darsteller: Sabine Timoteo
100 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 9.6.

The Forbidden Room

Guy Maddins in Koregie mit Evan Johnson entstandener, entfesseltester, anarchischster Film gleicht einem nicht enden wollenden, scheinbar chaotischen, aber doch stets bedeutungsvollen erotisch-klaustrophobischen Alptraum, in dem Handlung, Charaktere und Orte einander ständig rätselhaft überlagern. Ein U-Boot in Seenot; ein Holzfäller, der der Bootsbesatzung auf mysteriöse Weise erscheint – war er nicht gerade noch dabei, die schöne Margo in den dunklen Wäldern von Holstein-Schleswig aus den Klauen der Roten Wölfe zu befreien? Ein Neurochirurg, der tief in das Hirn eines manischen Patienten greift; ein Mörder, der sich als das Opfer der eigenen Tat ausgibt; eine traumatisierte junge Frau "on the Deutsch-Kolumbianisch Express somewhere between Berlin and Bogota"; verführerische Skelette, kollidierende Zeppeline und eine heiße Badewanne, die all das ausgelöst zu haben scheint. Wie die ineinandergreifenden Arme eines Spiralnebels sind die zahllosen fantastischen Handlungsstränge angelegt, allesamt inspiriert von realen, eingebildeten und fotografischen Erinnerungen an verschollene Filme der Stummfilmzeit, denen auch die Ästhetik halbzerstörter viragierter Filmkopien fabelhaft huldigt.

Kanada 2015
Regie: Guy Maddin
Darsteller: Roy Dupuis, Clara Furey, Udo Kier
120 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 9.6.

Queen of Earth

Sommer am See. Wie im vergangenen Jahr treffen sich die Freundinnen Catherine (Elisabeth Moss) und Virginia (Katherine Waterston) im Haus von Virginias Eltern. Während Virginias Leben gerade unbeschwert dahin plätschert, droht Catherine nach dem Tod ihres Vaters und der Trennung von ihrem Freund in einer persönlichen Krise unterzugehen. Sie hofft auf Ruhe, Entspannung und Geborgenheit doch die Ereignisse des letzten Jahres überlagern mehr und mehr die Gegenwart. Als Virginia einen neuen Freund mitbringt, kippt die einstige Nähe zwischen den Freundinnen. Das vermeintliche Paradies verwandelt sich in einen Ort voller Vorwürfe und Abscheu.

USA 2015
Regie: Alex Ross Perry
Darsteller: Elisabeth Moss, Katherine Waterston, Kate Lyn Sheil
90 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 9.6.

Hannas schlafende Hunde

„Meine Mutter hat schon recht: Besser man hat mit euch nichts zu tun!“, schwadroniert ein frustrierter Schüler beim Sport und knallt seinen Ball mit voller Wucht auf die neunjährige Johanna (Nike Seitz). Das verdutzte Mädchen weiß kaum, wie ihr geschieht und was diese Beschimpfung bedeuten soll. Zuhause bekommt Johanna wieder einmal keine Auskunft. „Wir fallen nicht auf!“, belehrt sie ihre Mutter (Franziska Weisz). Auffallend stur, fast schon hysterisch setzt die verschlossene, zerbrechlich wirkende Mama auf eine möglichst große Normalität ihrer Familie. Selbst die Teilnahme an einem harmlosen Gesangswettbewerb verbietet sie ihren Kindern. Während Ehemann Franz (Rainer Egger) sich klaglos in die Ansagen seiner Gattin Katharina fügt, gibt sich deren erblindete Mutter Ruth (Hannelore Elsner) rigoroser. „Irgendwann kommt alles raus und fliegt dir um die Ohren“ warnt die alte Dame ihre Tochter. Die harmlos biedere Idylle im österreichischen Provinzstädtchen Wels erweist sich als trügerisch. Auch anno 1967 finden sich noch glühende Anhänger der Hitlerei unter den Bewohnern. Als die Neunjährige vom Pfarrer erfährt, dass sie aus einer jüdischen Familie stammt, erkundet sie mit kindlicher Neugier ihre Identität...

Nach der Vorlage des gleichnamigen Romans von Elisabeth Escher inszeniert Andreas Gruber („Hasenjagd“) mit psychologischer Präzision ein stimmiges Sittengemälde über die bleierne Zeit im Österreich der 60-er Jahre, das auch in der Bundesrepublik ganz ähnlich ausfallen würde. Mit „Im Labyrinth des Schweigens“ oder „Der Staat gegen Fritz Bauer“ hat das aktuelle Kino erfolgreich gezeigt, wie man sich Aufarbeitung der Nazi-Zeit in der Nachkriegsgeschichte widmen kann. Andreas Gruber nähert sich dem Thema denkbar klug, nämlich fast harmlos und dafür umso eindringlicher über den Mikrokosmos des Familienlebens. Die liebevoll ausgestattete, harmlose 60-er Jahre Ausstattung, die bis zum authentischen Kassenbrillen-Gestell des ohnmächtigen Vaters reicht, gerät zur unheimlich wirkenden Kulisse einer beklemmenden Atmosphäre, in der sich wahre menschliche Abgründe auftun. Für ein heikles Thema wie dieses bedarf es eines exzellenten Ensembles. Das überzeugt hier tatsächlich bis in die Nebenrollen. „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch“, schrieb Bertolt Brecht einst als Epilog in „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ - an der quirligen Hanna und ihren schlafenden Hunden hätte er vermutlich seinen dialektischen Gefallen gefunden.

Deutschland, Österreich 2016
Regie: Prof. Andreas Gruber
Darsteller: Hannelore Elsner, Nike Seitz, Franziska Weisz


Voraussichtlich ab Donnerstag 9.6.

Sky - Der Himmel in mir

Seit acht Jahren ist Romy (Diane Kruger) mit Richard (Gilles Lellouche) verheiratet, doch die Ehe liegt in den letzten Zügen. Eine gemeinsame Reise durch den amerikanischen Westen soll die Ehe retten, aber das Paar hat sich offensichtlich nicht mehr viel zu sagen. Eines Abends macht Richard in einer Bar unverhohlen zwei Frauen an, betrinkt sich und bedrängt Romy, als er in das gemeinsame Zimmer zurückkommt. In ihrer Not haut sie Richard eine Lampe über den Kopf und lässt ihn leblos zurück. Nach einigen Tagen der rastlosen Flucht kommt sie zu Sinnen, will bei der Polizei ihre Tat gestehen und erfährt, dass Richard überlebt hat. Plötzlich frei von möglicher Schuld nimmt sie ihr Leben endlich selbst in die Hand und verlässt Richard. Fortan streift Romy durch den amerikanischen Westen und gerät schließlich in Las Vegas an den Irak-Krieg-Veteranen Diego (Norman Reedus). Was als One Night Stand begann, entwickelt sich bald zu einer intensiveren Beziehung, doch während Romy sich auf den wortkargen, schroffen Diego einlassen will, weist dieser sie immer wieder zurück.

Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet in einem Motel Namens 29 Palms Romys Selbstfindung beginnt. Vor einigen Jahren hatte der belgische Regisseur Bruno Dumont genau hier seinen Film „Twentynine Palms“ angesiedelt, der ebenso die Geschichte einer Ehe erzählte wie unlängst Guillaume Niclouxs in seinem „Valley of Love“. An zahlreiche andere Filme denkt man im Lauf von „Sky - Der Himmel in mir“, an große Amerika-Filme europäischer Autoren, die die durch das Hollywood-Kino mythologisierte Landschaft des amerikanischen Westens als Hintergrund von Geschichten verwendeten, in denen es ein ums andere Mal um eine Sinnsuche, um den Prozess der Selbstfindung ging. Hier ist es nun Diane Kruger, die eine deutsche Frau spielt, verheiratet mit einem Franzosen, was angesichts ihres Rollennamens Romy ebenfalls Konnotationen weckt. In fast jedem Moment des Films ist Kruger zu sehen, die gerade von männlichen Regisseuren bislang meist ihres Äußeren wegen ins rechte Licht gerückt wurde, hier, von einer Frau, jedoch mit ganz anderem Blick gesehen wird. Mit fast 40 Jahren ist sie zwar immer noch überaus attraktiv, hat aber auch Reife und Lebenserfahrung, die sich auch in ihrer Figur spiegelt.

Frankreich, Deutschland 2015
Regie: Fabienne Berthaud
Darsteller: Diane Kruger, Norman Reedus, Gilles Lellouche


Voraussichtlich ab Donnerstag 16.6.

7 Göttinen

Schon die Eröffnungssequenz ist vielversprechend: In kurzen, teils witzigen Clips werden die Hauptpersonen vorgestellt. Sie alle sind Frauen im modernen Indien und müssen Tag für Tag um ihr Selbstverständnis kämpfen. Die meisten von ihnen sind privilegiert, so wie Suranjana, die als Managerin in einer Männerwelt arbeitet. Auch Freida ist eine von ihnen – eine erfolgreiche Modefotografin, die sich taff und pfiffig in ihrem Job behauptet. Sie ist es, die ihre Freundinnen nach Goa einlädt, wo sie mit ihnen ein paar Tage am Meer verbringen möchte. Der Grund wird schnell klar: Freida will heiraten, und zum Junggesellinnenabschied schart sie ihre liebsten Kumpelinen aus alten Zeiten um sich. Zu ihnen gehört auch Laxmi, die nicht nur Freidas Haushalt schmeißt, sondern auch zur Familie gehört. So ist erstmal Party angesagt, die jungen Frauen genießen die gemeinsamen Stunden und feiern ausgelassen. Nach und nach kehrt die alte Vertrautheit zurück, die Frauen erzählen mehr von sich, und es stellt sich heraus, dass sie mit ihrem Leben keineswegs so glücklich sind, wie es scheint. Jede von ihnen trägt unerfüllte Träume und schlechte Erfahrungen mit sich herum. Doch die anfangs so heitere Stimmung wird mehr und mehr getrübt, und schließlich kommt es zu einem tragischen Ereignis, das nicht nur die geplante Hochzeit in Frage stellt …

Die Leichtigkeit des Beginns ist trügerisch: Dies ist keinesfalls ein lockerer Mädelsfilm und schon gar keine Komödie, auch wenn gelegentlich gekichert und oft getanzt und gesungen wird. Hier geht es um Frauenbilder und Frauenleben im modernen Indien – ein offenkundig schwieriger Balanceakt. Der Film bildet diese Schwierigkeiten ab und bezieht von Minute zu Minute immer eindeutiger Stellung für die Frauen und für ihren Kampf um Selbstbestimmung und Anerkennung. Pan Nalin gelingt es, seine für indische Verhältnisse ziemlich radikalen Ansichten in publikumswirksame Bilder zu verpacken und damit so etwas wie ein neues Genre zu erschaffen: das feministische Musicalmelodram. Ebenfalls positiv ist die beeindruckende Ensembleleistung der Heldinnen in einer Geschichte, die wenig auf Identifikation setzt und stattdessen auf repräsentative Frauenfiguren. Pan Nalin zeichnet ein realistisches Bild von Indien, das ebenso faszinierend wie Furcht erregend ist: ein Land, in dem auch heute noch Frauen mit großer Selbstverständlichkeit als Objekte behandelt werden und ständig mit sexueller Gewalt rechnen müssen. Kein Wunder, dass die Göttinnen zornig werden!

Indien, Deutschland 2015
Regie: Pan Nalin
Darsteller: Sarah-Jane Dias, Sandhya Mridul, Amrit Maghera
103 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 16.6.

Schau mich nicht so an

Hedi und Iva sind Nachbarinnen. Sie begegnen sich durch Ivas Tochter Sofia. Die aufgeweckte Kleine ist das erste Bindeglied zwischen den beiden jungen Frauen, doch schon bald entwickelt sich aus der Freundschaft eine leidenschaftliche Beziehung. Iva ist von Hedis geheimnisvoller und exotischer Art fasziniert und lässt sich mit Leib und Seele auf die Beziehung zu ihr ein. Als jedoch Ivas Vater nach vielen Jahren wieder auftaucht, um das belastete Verhältnis zu seiner Tochter in Ordnung zu bringen, verändern sich schlagartig Hedis Gefühle gegenüber Iva. Sie beginnt ein seltsames Spiel und zieht Vater und Tochter immer weiter in ein Netz aus Begierde, Verrat und Schuld, bis die Situation schließlich eskaliert.

Die Geschlechterrollen werden in Uisenma Borchus fulminantem Erstlingsfilm provokant in Frage gestellt. Darsteller Josef Bierbichler über den Film: „In diesem Film erzählt eine junge Frau, geboren in der Mongolei, die nach den ersten prägenden Kinderjahren dort sich in ihrer zweiten Kindheitshälfte in einer neuen Heimat, in diesem Fall der DDR, in unbekannte kulturelle Zusammenhänge einüben musste, was das pure, unmittelbare Leben mit ihr macht. Sie erzählt das ohne Reflexion der auf ihr Leben einwirkenden äußeren Zusammenhänge wie Gesellschaft und Politik. Sie zeigt den Versuch, sich in fremder Umgebung sozusagen in sich selbst zu assimilieren. Dadurch entsteht im Film der Eindruck, dass das Leben so gelebt werden muss, da es anders nicht gelebt werden kann, weil der Drang nach Erkenntnis der äußeren Zusammenhänge zum Zweck der Anpassung an diese nicht als ebenfalls natürlicher Lebenstrieb anerkannt wird. Das wäre das Gegenteil von innerer Emigration. Es wäre der radikalste Ausdruck für Individualität. So wäre es aufgrund der persönlichen Biografie der Filmemacherin ein Film über die Verweigerung von Assimilation zugunsten der Behauptung der eigenen Herkunft – der eingeborenen Identität. So gesehen wäre dieser Film ein politischer Film.“

Deutschland, Mongolei 2015
Regie: Uisenma Borchu
Darsteller: Uisenma Borchu, Catrina Stemmer, Josef Bierbichler
88 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 16.6.

Miss Hokusai

Japan im Jahr 1814. Edo, heute bekannt als Tokio, ist eine der am dichtesten besiedelten Städte der Welt. In den Straßen und Gassen wimmelt es von Bauern, Samurai, Bürgern, Kaufleuten, Adligen, Künstlern, Kurtisanen und übernatürlichen Erscheinungen. Tetsuzo, einer der gefragtesten Künstler des Landes, arbeitet unermüdlich in seinem zugemüllten Atelier, um die große Nachfrage nach seinen Bildern zu befriedigen. Unter wechselnden Künstlernamen, darunter Katsushika Hokusai, schafft er Tag für Tag beeindruckende Meisterwerke. Der Künstler ist Mitte 50, neigt zu Gefühlsausbrüchen und hat einen Hang zum Sarkasmus. Er liebt Süßigkeiten, macht sich aber nichts aus Reiswein und Geld. Große Summen würde er allenfalls für Arbeiten verlangen, die ihn künstlerisch nicht herausfordern. Hokusais dritte Tochter O-Ei, hervorgegangen aus seiner zweiten Ehe, hat das Talent, aber auch den Dickkopf ihres berühmten Vaters geerbt. Die 23 Jahre alte Künstlerin greift oft zum Pinsel und assistiert ihrem Vater oder malt die Bilder unter seinem Namen ganz allein. Da sie weiß, dass nur der Name des Meisters Geld bringt, signiert sie kein Werk mit ihrem eigenen. O-Ei ist besonders gut darin, Bilder von Frauen zu malen. Vor allem die geschminkten Gesichter der Kurtisanen reizen sie. Wenn ihr Vater und dessen geschwätziger Schüler Zenjiro sie nicht ins Rotlichtviertel begleiten, geht sie allein dorthin. Sie empfindet mehr für Frauen als für die ständig betrunkenen und unhöflichen Männer, die mit einer selbstbewussten jungen Frau, die weder kocht noch putzt, nichts anfangen können. Zwar hat sie ein Faible für den großgewachsenen, attraktiven Künstler Kuninao, doch ihre Annäherungsversuche sind mehr als ungeschickt. Am meisten liegt O-Ei ihre kleine Schwester O-Nao am Herzen. Das Mädchen ist blind – und wird von ihrem Vater Hokusai verstoßen. Der große Meister, dessen Leben und Arbeit ausschließlich auf visuellen Reizen basiert, sieht in der Blindheit die schlimmste Strafe der Götter. O-Ei schenkt ihrer Schwester alle Liebe und weiß, dass sie ihre Blindheit durch andere Sinne ausgleicht. Gemeinsam fühlen, hören und riechen sie den Sommer, den Herbst, den Winter und den Frühling – bis das Schicksal unerbittlich zuschlägt.

Katsushika Hokusai (1760-1849) zählt zu den bekanntesten Künstlern Japans. Seine Werke inspirierten auch Monet, van Gogh und andere europäische Künstler. Doch über Hokusais Tochter O-Ei, die ihrem Vater assistierte oder sogar unter seinem Namen malte, ist kaum etwas bekannt. „Miss Hokusai“ zeichnet das lebendige Porträt einer begabten, freigeistigen Frau, Tochter und Künstlerin

Japan 2015
Regie: Keiichi Hara
90 Minuten
ab 6 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 23.6.

Kill Billy

40 Jahre lang hat Harold Lunde sein gut sortiertes, kleines Einrichtungsgeschäft erfolgreich betrieben. Nun steht er, der neuen Billigkonkurrenz von gegenüber sei Dank, plötzlich vor dem Ruin. Auto weg, Wohnung futsch. Harold steht vor den Trümmern seines Lebens. Verzweifelt plant der traurige Held einen Abgang mit Knalleffekt – doch die Sprinkleranlagen in seinem Möbelladen lassen den spektakulären Suizid-Plan schnöde scheitern. Fortan hegt Harold ganz neue Pläne: Er will den Verursacher seiner Misere stellen. Mit einer Pistole ausgerüstet macht er sich im klapprigen Saab auf nach Schweden, um den IKEA-Gründer Ingvar Kamprad zu entführen. Unterstützt wird er bei seinem Vorhaben von der 16-jährigen Anhalterin Ebba, die spontan in das kühne Kidnapping-Unternehmen einsteigt. Die junge Wilde erweist sich als das perfekte Gegenstück für den alten Nörgler. Als der IKEA-Boss höchstpersönlich dem ungleichen Duo durch einen unglaublichen Zufall tatsächlich ins Netz geht, werden die gruppendynamischen Karten freilich neu gemischt...

Mit bewährter skandinavischer Gelassenheit sowie dem besonderen nordischen Charme entwickelt sich diese norwegische Don Quichotte-Geschichte als lakonische Stehaufmännchen-Komödie. Das Duell zwischen verzweifeltem Kleinhändler und verwegenem Konzernchef sorgt für köstliche Momente. Zum einen stoßen dabei Welten aufeinander, zum anderen haben diese beiden Käuze bei allen Unterschieden durchaus Schnittmengen. Als Generation der Schaffer hatten beide nie Zeit für Hobbys in ihrem Leben, was die junge Edda sehr erstaunt. Auch beim Grad von Sturheit gibt es Ähnlichkeiten. Gleichsam nebenbei werden Generationskonflikte und der skandinavische Alkoholmissbrauch dekliniert: Da entpuppt sich Harolds Sohn als ewiger Trunkenbold, dem selbst der Tod der eigenen Mutter entgeht. Derweil die junge Edda auf ihr Teenager-Leben verzichten muss, weil die Mama chronisch auf Sauftouren geht. So unaufgeregt die Erzählweise der lakonischen Komödie ausfällt, so entspannt agieren die Darsteller. Wohl nur im liberalen Skandinavien ist es möglich, dass ein realer Unternehmer samt seinem Möbelkonzern zum Objekt einer Kidnapping-Komödie gemacht wird, ohne dass es einstweilige Verfügungen wegen Verletzung von Persönlichkeitsrechten hagelt. Selbst Betriebsgeheimnisse sind nicht tabu: Endlich erfährt man, warum die Bleistifte bei IKEA so klein sind.

Norwegen, Schweden 2014
Regie: Gunnar Vikene
Darsteller: Bjørn Sundquist, Fanny Ketter, Björn Granath
88 Minuten
ab 6 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 23.6.

Café Belgica

„Café Belgica“ ist die Geschichte der beiden Brüder Jo und Frank. Sie sind so verschieden wie Brüder es nur sein können. Jo, ein Mittzwanziger, ist eher schmächtig und kann nur auf einem Auge sehen. Einst hatte er künstlerische Ambitionen, doch die Liebe zur Musik brachte ihn schließlich dazu, eine heruntergekommene Kneipe, das Café Belgica, zu übernehmen. Frank ist ein paar Jahre älter und in jeder Beziehung der große Bruder von Jo. Er ist rastlos, hat ständig ein neues Projekt am laufen und bringt sich immer hundertprozentig ein. Bald wird er zum zweiten Mal Vater, er betreibt einen Gebrauchtwagenhandel, und er will sein eigenes Haus bauen. Doch Frank ist mit den geordneten Bahnen seines vorgezeichneten Daseins unzufrieden. Über die Jahre haben die Brüder sich aus den Augen verloren. Als Frank Jo in seiner Bar besucht, kommen sich die beiden Brüder wieder näher. Schnell ist ausgemacht, dass Frank im Café Belgica aushilft. Jo ist dankbar für diese Unterstützung, denn die Arbeit in der Bar ist anstrengend. Frank wiederum kommt in den hochtourigen Rock ‘n’ Roll-Nächten erst richtig in Fahrt. In wenigen Wochen machen die beiden das Café Belgica zum kultverdächtigen Treffpunkt für das Partyvolk. In ihrer grundverschiedenen Art ergänzen sie sich zu einem perfekten Team, und eine Zeitlang ist ihr Leben eine Dauerparty. Doch der permanente nächtliche Rausch erweist sich als ein süchtig machender Trip, bei dem besonders Frank allmählich die Bodenhaftung verliert. Als die Realität sie einholt, drohen sich die beiden Brüder erneut zu verlieren.

„Café Belgica“ ist der fünfte Film von Felix van Groeningen, der zuletzt mit „The Broken Circle“ zahlreiche internationale Preise gewann und das Publikum weltweit zu Tränen rührte. Mit hypnotischen Bildern und einem treibenden Soundtrack erzählt der Film die Geschichte zweier Brüder, die sich im Rausch des Nachtlebens erst wiederfinden und dann zu verlieren drohen. Ein Film, wie eine durchzechte Nacht, Kater inklusive. „Café Belgica“ feierte seine Premiere im Wettbewerb des Undanke Filmfestivals 2016.

Belgien, Frankreich 2015
Regie: Felix van Groeningen
Darsteller: Stef Aerts, Tom Vermeir, Hélène De Vos
127 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 23.6.

Die Frau mit der Kamera - Abisag Tüllmann

Eine langjährige Freundschaft verband die Regisseurin Claudia von Alemann, die vor allem für ihren Spielfilm "Die Reise nach Lyon" von 1981 bekannt ist, und die Fotografin Abisag Tüllmann, die seit den späten 50er Jahren bis zu ihrem Tod 1996 auf vielfältige Weise die Welt der alten Bundesrepublik in Bilder fasste. Dass nun, fast 20 Jahre nach dem Tod Tüllmanns ihre alte Freundin einen Dokumentarfilm über die Fotografin vorlegt verspricht eine besonders persönliche, intime Annäherung, eine Erwartung, die aber kaum erfüllt wird. "Die Frau mit der Kamera" ist über weite Strecken ein traditioneller biographischer Dokumentarfilm, der anhand von Interviews mit Zeitzeugen, Archivmaterial und vor allem zahlreichen der vielfältigen Fotos Abisag Tüllmanns, Leben und Werk der Künstlerin penibel nachzeichnet.

In Momenten wird "Die Frau mit der Kamera" zu einem Porträt einer Zeit der Umbrüche, die für die Gesellschaft als Ganzes, aber auch für den deutschen Film von großer Bedeutung war. Sowohl Tüllmann als auch von Allemann berührten die deutsche Filmgeschichte zwar nur am Rand, aber bisweilen an entscheidenden Momenten: Beim Kurzfilmfestival in Oberhausen fotografierte Tüllmann etwa, auch im Jahr 1962, als das Oberhausener Manifest beschlossen wurde, dass den Weg des deutschen Kinos nachhaltig veränderte. Jahre später sollte Tüllmann in einem wichtigen Film selbst eine kleine Rolle spielen: In Helke Sanders "Die allseitig reduzierte Persönlichkeit - Redupers" spielt sie quasi sich selbst, eine Fotografin, die sich mit der ebenfalls fotografierenden Hauptfigur in der Dunkelkammer über ihre Arbeit unterhält. Viel wichtiger als sporadische Arbeiten als Setfotografin waren aber Tüllmanns Reportagen über Deutschland. Besonders in ihrer Wahlheimat Frankfurt am Main war sie aktiv, fotografierte die Anfänge der Studentenbewegung (manches berühmte Foto mit dem noch radikalen Joschka Fischer aus der damaligen Zeit stammt von ihr), die Größen der Gesellschaft, aber nicht zuletzt auch die andere Seite des Wirtschaftswunders: Die Obdachlosen, die Armut der Großstadt. Dieses Interesse, auch die andere Seite zu sehen mag Tüllmann auch immer wieder nach Algerien, später auch nach Südafrika und das damals noch kurz vor der Unabhängigkeit stehende Rhodesien (dem heutigen Simbabwe) geführt haben, wo Reportagen über Unterdrückung und die Folgen der Kolonialherrschaft entstanden.

Dokumentarfilm
Deutschland 2014
Regie: Claudia von Alemann
92 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 23.6.

Athos - Im Jenseits der Welt

Südöstlich der griechischen Hafenstadt Thessaloniki ragen drei Landzungen in die Ägäis. Auf der Spitze der östlichsten ragt der Berg Athos in den Himmel und ermöglicht spektakuläre Blicke. Nah am Himmel, nah an Gott mag man sich hier fühlen, und vielleicht war genau dies der Grund, warum auf der Halbinsel vor gut tausend Jahren Klöster gegründet wurden, die heute zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen. Diese Auszeichnung führt sonst oft zu erheblichem Touristen-Aufkommen, nicht jedoch auf Athos. Denn seit langem existiert hier eine unabhängige Mönchsrepublik, deren Zutritt streng reglementiert ist. Jedem weiblichen Wesen ist der Zutritt komplett untersagt, was sich nicht nur auf Frauen bezieht, sondern auch auf weibliche Tiere! Doch auch (männliche) Pilger oder interessierte Reisende brauchen ein spezielles Visum, um Athos besuchen zu können. Filmen ist eigentlich untersagt, eine Drehgenehmigung ist offiziell nicht zu bekommen. Wie es dem deutsch-österreichischen Regie-Duo Peter Bardehle und Andreas Martin dennoch gelang, hier zu drehen, ist somit ein Rätsel. Wie dem auch sei, im Laufe von drei Jahren waren sie immer wieder auf Athos zu Besuch und filmten in diversen der rund 20 Klöster. Das Ergebnis ihrer Arbeit ist die Dokumentation "Athos - Im Jenseits dieser Welt", die mit ausladenden Flugaufnahmen beginnt. Kein Wunder, haben Bardehle und Martin in den letzten Jahren doch etliche der so beliebten "von oben"-Dokumentationen gedreht.

Was Bardehle und Martin nun zeigen, sind lose strukturierte Momentaufnahmen, Szenen, die vom alltäglichen Leben über diverse Prozessionen bis zur Priesterweihe reichen. Gerade bei diesen festlichen Momenten fühlt man sich ein ums andere Mal als Eindringling, der ein jahrhundertealtes Ritual beobachtet, das eigentlich nicht gefilmt werden soll. Viel angenehmer sind da Aufnahmen, in denen die Mönche ganz bei sich sind, mit sich selbst beschäftigt und nah bei Gott. Sporadisch eingefügte Kommentare der Mönche verraten nur wenig über ihre Motivation, sich dem Klosterleben zu widmen, auch die Geschichte der Insel wird nicht weiter thematisiert. Es ist ein bisschen schade, wie selten es den Regisseuren gelingt, wirkliche Einblicke in das Klosterleben zu nehmen, wirklich in die Tiefe einer so fremden, anderen Welt zu blicken. Sehenswert ist "Athos - Im Jenseits dieser Welt" daher vor allem, weil er trotz allem Bilder aus einer Welt zeigt, die den allermeisten Zuschauer verschlossen bleiben wird.

Dokumentation
Deutschland, Griechenland 2015
Regie: Dr. Peter Bardehle, Andreas Martin


Voraussichtlich ab Donnerstag 23.6.

The Neon Demon

Los Angeles – Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten, Glamourwelt, Schauplatz zahlloser Träume und Abgründe. Als das junge aufstrebende Model Jesse (Elle Fanning) nach L.A. kommt, kann sie nicht ahnen, dass ihre Jugend und Lebendigkeit schon bald den Neid einer Gruppe schönheitsfanatischer Frauen auf sich ziehen wird. Und die scheuen keinerlei Mittel, um das zu bekommen, was Jesse hat…

Kaum ein Regisseur hat in den letzten Jahren eine so eindrückliche filmische Ästhetik kreiert und dabei die Genre-Grenzen ausgelotet wie Nicolas Winding Refn. Mit „The Neon Demon“ schuf er nun einen außergewöhnlichen Thriller, der durch bitterbösen Humor, unvergleichliche Coolness und visionäre Bilder besticht. Ein fesselnder Trip in die Abgründe des Modellebens und zugleich eine wilde Hymne an die Stadt der Engel. Mit ihrem unglaublich intensiven Spiel zieht Elle Fanning („Trumbo“, „Maleficent – Die dunkle Fee“) nicht nur die Zuschauer in ihren Bann – naiv und erwachsen zugleich, unwirklich schön und dennoch verstörend. Als furioses Frauentrio begeistern Jena Malone („Die Tribute von Panem“, „Inherent Vice – Natürliche Mängel“), Bella Heathcote („Dark Shadows“) und Abbey Lee („Mad Max: Fury Road“). In weiteren Rollen spielen Keanu Reeves („John Wick“), Desmond Harrington („Dexter“), Alessandro Nivola („American Hustle“) und Christina Hendricks („Drive“). Cliff Martinez, dessen grandios sphärische Elektroklänge bereits in Refns Vorgängerfilmen faszinierten, zeichnet erneut für den Soundtrack verantwortlich.

USA, Frankreich u.a. 2016
Regie: Nicolas Winding Refn
Darsteller: Elle Fanning, Keanu Reeves, Christina Hendricks


Voraussichtlich ab Donnerstag 30.6.

High-Rise

Schauplatz ist ein 40stöckiger Wolkenkratzer, ein Experiment des modernen Wohnungsbaus, der Mitte der 70er Jahre, einen Ausweg aus städtebaulichen Problemen weisen sollte. Das Hochhaus bildet eine abgeschlossene Welt, es gibt Schulen, Supermärkte, Restaurants, einen Swimmingpool, allein zur Arbeit verlassen die Bewohner das Gebäude noch, zumindest anfangs. Hauptfigur ist Robert Laing (Tom Hiddleston), der als Pathologe im Krankenhaus arbeitet, frisch eingezogen ist und mit seiner Wohnung auf der 25ten Etage in etwa im sozialen Mittelfeld des Gebäudes steht. Fast ganz unten lebt der Fernsehjournalist Richard Wilder (Luke Evans), ganz oben, im Penthouse, mit angeschlossenem Dachgarten, in dem Pferde und andere Tiere grasen, lebt Anthony Royal (Jeremy Irons), Architekt und Besitzer des Hochhauses. Der das Gebäude als soziales Experiment intendiert hat, in dem alle sozialen Klassen Großbritanniens friedlich - wenngleich räumlich getrennt! - miteinander leben können. Doch nach und nach scheitert dieses Experiment, zerfällt die soziale Ordnung, beginnt im Hochhaus die Anarchie zu herrschen, beginnen Klassenkämpfe zu wüten...

Ben Wheatley, in Deutschland bislang kaum bekannt, in England und auf Festivals durch seine Genre-Experimente "A Field in England", "Kill List" oder "Sightseers" auf dem Weg zum Kultstatus, und seine Drehbuchautorin Amy Jump haben versucht, den Roman von J.G. Ballard zu verfilmen. Ihre Adaption hält sich einerseits penibel an die Vorlage, nimmt sich aber auch mehr Freiheiten, als es zeitgenössische Adaption oft tun. Das Ergebnis ist ein Film, der ziemlich exakt die Atmosphäre des Romans einfängt, eine Atmosphäre des moralischen Verfalls. Diesen Verfall schildert Wheatley nun in losen Szenen, impressionistischen Vignetten, die oft nur lose verbunden sind. Dass die Ausstattung so perfekt die 70er Jahre einfängt, die Schauspieler so sehr in ihren Rollen aufgehen, die Atmosphäre des Verfalls, der Dekadenz so gut eingefangen ist, kaschiert dabei, dass die Metaphorik des Hochhauses, in dem gesellschaftliche Entwicklungen komprimiert betrachtet werden, überdeutlich ist. Besser als Wheatleys "High-Rise" kann eine Verfilmung von J.G. Ballards eigentlich unverfilmbaren Büchern dennoch kaum sein, auch wenn der Film weniger als Erzählung funktioniert, sondern mehr als impressionistische Collage.

Großbritannien 2015
Regie: Ben Wheatley
Darsteller: Tom Hiddleston, Luke Evans, Jeremy Irons


Voraussichtlich ab Donnerstag 30.6.

Ice Age – Collision Course (englisches Original)

Scrat stößt bei seiner endlosen Jagd nach der unerreichbaren Nuss in neue Dimensionen vor. Er wird ins Universum katapultiert, wo er versehentlich kosmische Kettenreaktionen auslöst, in deren Folge die Gefahr besteht, dass sich die Ice Age-Welt verändert oder gar zerstört wird. Sid, Manny, Diego und der Rest der Herde verlassen notgedrungen ihre Heimat und begeben sich auf eine Reise voller Spaß und Abenteuer. Dabei durchqueren sie exotische Länder und begegnen einer Vielzahl von neuen schillernden Charakteren.

Mit „Ice Age – Collision Course“ kehren jede Menge Stars zurück, darunter Ray Romano, Denis Leary, John Leguizamo, Queen Latifah, Seann William Scott, Josh Peck, Simon Pegg, Keke Palmer, Wanda Sykes und Jennifer Lopez. Neue Mitglieder der Herde sind Stephanie Beatriz, Adam Devine, Jesse Tyler Ferguson, Max Greenfield, Jessie J, Nick Offerman, Melissa Rauch, Michael Strahan und Neil deGrasse Tyson. Natürlich nur in der bei uns gezeigten englischen Originalfassung!

USA 2016
Regie: Michael Thurmeier


Voraussichtlich ab Donnerstag 30.6.

Ma Ma - Der Ursprung der Liebe

Auch wenn gerade ihre Ehe endgültig den Bach runter geht und sie nach den Ferien arbeitslos sein wird, ist Magda (Penélope Cruz) guter Dinge. Doch dann entdeckt ihr Gynäkologe Julián (Asier Etxeandia) einen Knoten in der Brust. Auf die Diagnose Brustkrebs folgen Chemotherapie und Amputation der rechten Brust. Doch selbst davon lässt sich Magda nicht unterkriegen. Aufopferungsvoll kümmert sie sich um ihren Sohn Dani (Teo Planell), der davon träumt, bei Real Madrid Fußball zu spielen. Praktischerweise hat Magda gerade Arturo (Luis Tosar) kennengelernt, Talentscout für den Hauptstadtclub und ebenfalls vom Schicksal geschlagen. Magda gibt ihm in seinen schweren Stunden Halt und beginnt eine ungewöhnliche, eher platonische Beziehung mit Arturo, denn dieser scheint eher Männern als Frauen zugeneigt zu sein. Diesbezügliche Erfahrungen hat er auch mit Julián gemacht, der offen bisexuell ist und gern einen eleganten Sexclub namens Der Ursprung der Welt frequentiert. Dort singt er auf der Bühne gern schmachtende Lieder und ermöglicht Magda die Erfüllung einer sexuellen Phantasie: Sex mit mehreren Männern. Danach ist Magda schwanger, doch gleichzeitig bekommt sie eine weniger angenehme Nachricht: Der besiegt geglaubte Krebs ist zurück und scheint diesmal unheilbar.

In klassisch melodramatischer Manier entwickelt Julio Medem eine exaltierte Geschichte, die ganz bewusst auf jegliche Glaubwürdigkeit verzichtet. Viel wichtiger sind dem baskischen Regisseur, der einst mit Filmen wie „Die Liebenden des Polarkreises“ und „Lucia und der Sex“ bekannt wurde, die Dopplungen der Geschichte: zwei Männer trifft Magda, zwei Mal erhält sie die Diagnose Brustkrebs und, ja, zwei Brüste stehen im Mittelpunkt, wie auch der Titel andeutet. Denn das spanische Mama hat zwei Bedeutungen: zum einen Mutter, zum anderen Brust - und genau um diese beiden Aspekte geht es hier. Eine Verklärung der Rolle der Frau ist Medems Film, eine Ode an die Mütter, die sorgenden Wesen, die ihren Kindern und Männern ein Halt in schwerer Stunde sind, die ihnen Kinder gebären, durch die sie neuen Lebensmut gewinnen, die rein und ätherisch sind.

Spanien 2015
Regie: Julio Medem
Darsteller: Penélope Cruz, Luis Tosar, Asier Etxeandía
123 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 30.6.

Nur wir drei gemeinsam


Als junger Jurastudent kämpft der Iraner Hibat auf Seiten der Kommunisten gegen die Macht des Schahs, wird inhaftiert und bleibt dennoch seinen Ansichten treu, auch gegen den Widerstand in der eigenen Familie. Nach der Entlassung trifft Hibat die junge Krankenschwester Fereshteh. Es ist Liebe auf den ersten Blick, aber für ein unbekümmertes Leben zu zweit ist keine Zeit. Denn auf den Sturz der Monarchie folgt die Diktatur der Islamisten – und Hibat geht wieder in den Untergrund, diesmal unterstützt von Fereshteh, die seine Ansichten teilt. Sie bekommen einen Sohn und verlassen den Iran für immer. Mit Hilfe von Fereshtehs Eltern flüchten sie zuerst in die Türkei und von dort nach Frankreich, wo sie sich eine neue Existenz aufbauen, die bis heute geprägt ist von sozialem Engagement. So weit der Inhalt, aber die wahre Qualität dieses Films zeigt sich in Ausführung, Atmosphäre und Darstellung: eine exquisite Komödie mit mächtig viel Tiefgang, die manchmal spielerisch, manchmal mit großem Ernst davon erzählt, dass es sich lohnt, ein anständiger Mensch zu sein und zu bleiben.

Wie schön, dass es solche Filme gibt! Sie sorgen für Hoffnung – für die Welt, fürs Kino und vor allem für alle Menschen, die immer ganz kurz davor sind, sich der Verzweiflung hinzugeben. Kheiron, der ein wunderbarer Schauspieler ist und gleichzeitig Autor und Regisseur seiner eigenen Biographie, erzählt die bewegte und bewegende Geschichte seiner Eltern als tragikomische und oft sehr schwarzhumorige Reise durch die Vergangenheit. Dabei gelingt es Kheiron, zwischen Ernst, Irrsinn und Komik zu balancieren wie ein besonders mutiger Seiltänzer, der die schwierigsten Passagen mit lässiger Eleganz überwindet. Zu den großen Widersprüchen der Komik gehört, dass nichts so schwierig ist wie die Leichtigkeit und dass Komiker, also Menschen, die komisch sein können, als minderbegabte Schauspieler bzw. Lachnummern abgetan werden. Wie groß dieser Irrtum ist, zeigt sich hier einmal mehr. Die politische Gefangenschaft Hibats inklusive Einzelhaft und Folter wird bei Kheiron zur beklemmenden Darstellung, die erst mit einem Hauch von Komik erträglich wird, so wie das Leben an sich. Lachen als Akt der Selbstverteidigung – das ist eine schwierige Angelegenheit, ein Drahtseilakt, der leicht zum Absturz führen kann. Doch Kheiron weiß, was er tut. Bei ihm wird das Lachen zum erlösenden Momentum, das sich von den handelnden Personen aufs Publikum überträgt.

Frankreich 2015
Regie: Kheiron
Darsteller: Kheiron, Leïla Bekhti, Gérard Darmon


Voraussichtlich ab Donnerstag 30.6.

Stadtlandliebe

Sam (Tom Beck) und Anna (Jessica Schwarz) sind Teil der urbanen Öko-Elite vom Prenzlauer Berg: Gebildet, erfolgreich, aber gestresst – von ihrer Arbeit und dem Berliner Großstadtleben. Von Beruf ist Sam Werber. Anna ist erfolgreiche Herzchirurgin, von ihren Patienten sieht sie allerdings nur den kleinen desinfizierten Fleck Haut, wo sie dann operiert. Der alltägliche Stress setzt beiden ziemlich zu, da müsste sich dringend mal was ändern. Als Dr. Schloth (Ludger Pistor) Anna den Oberarztposten der Inneren anbietet und sie außerdem feststellen muss, dass sie am Vormittag nicht einmal erkannt hat, dass sie ihre Mutter operiert hat, wird Anna nachdenklich… Ist es das, wonach sie sich sehnen? Eigentlich wollten sie doch immer ein einfaches, gesundes Leben im Einklang mit der Natur führen – auf dem Land! Und wollte nicht Sam immer schreiben, etwas Richtiges?! Gemeinsam beschließen sie, Berlin den Rücken zu kehren und auf dem Land ihr Glück zu versuchen… In Kloppendorf! Da staunen selbst ihre biobewussten Freunde vom Prenzlauer Berg.

Halb Kloppendorf, angeführt von Volker Garms (Uwe Ochsenknecht), überrascht die beiden bei ihrem Einzug – in ihrem eigenen Wohnzimmer wohlgemerkt. Fröhliche Distanzlosigkeit, so weit das Auge reicht. Dass Anna ein Zimmer kindgerecht hat streichen lassen, erfährt Sam erst hier: dass er daraufhin bewusstlos zusammenbricht, ist nur die unmittelbare Folge. Kinder will Sam nämlich keine. Aus Angst vor einer ungewollten Vaterschaft leidet Sam plötzlich unter einer erektilen Dysfunktion... Aber auch an anderer Stelle läuft alles anders als erwartet: Sprechstundenhilfe Gertie (Gisa Flake), eine gewaltige Frau mit olympischer Vergangenheit thront in Annas Praxis, das alte Haus erweist sich schnell als marode und auch sonst sind die beiden in Kloppendorf alles andere als glücklich. Um Sams Lust zu entfachen, greift Anna eine Idee aus dem Kloppendorfer Friseursalon auf: Sie strippt im Kuhstall – aber es bleibt dabei: tote Hose und ein heftiger Streit. Sam packt schließlich seine Sachen und kommt erst einmal bei Agathe (Christine Schorn) unter, einer Schweinebäuerin mit Freilandhaltung, der er gegen freie Kost und Logis im Schweinestall zur Hand geht. Und entwickelt einen Plan, wie er seine Anna wieder zurückgewinnt und das Glück auf dem Land vielleicht doch eine Chance hat...

Deutschland 2016
Regie: Marco Kreuzpaintner
Darsteller: Jessica Schwarz, Tom Beck, Uwe Ochsenknecht


Voraussichtlich ab Donnerstag 14.7.

Unterwegs mit Jacqueline

Fatsah Bouyahmed spielt den algerischen Bauern Fatah, der mit seiner Kuh Jacqueline die ganze Strecke von Marseille nach Paris zur Landwirtschaftsaustellung läuft und dabei allerhand Abenteuer erlebt, viele Menschen kennenlernt und zum Internethelden avanciert. Ein modernes Märchen, das nicht immer realistisch ist, aber dafür umso liebenswerter. Ein entzückender Film!

Frankreich, Marokko 2015
Regie: Mohamed Hamidi
Darsteller: Fatsah Bouyahmed, Lambert Wilson, Jamel Debbouze