Geplante Erstaufführungen in den nächsten Wochen:

voraussichtlich ab Donnerstag 8.12.
Alle Farben des Lebens
Frank Zappa – Eat That Question
Jacques – Entdecker der Ozeane
Safari
Die Hände meiner Mutter
voraussichtlich ab Donnerstag 15.12.
Paula
Rogue One: A Star Wars Story (englisches Original)
So weit und groß – Die Natur des Otto Modersohn
Das unbekannte Mädchen
voraussichtlich ab Donnerstag 22.12.
Gemeinsam wohnt man besser
Nocturnal Animals (englische Originalfassung)
Eine schöne Bescherung
Salt and Fire
voraussichtlich ab Donnerstag 29.12.
Einfach das Ende der Welt
Love & Friendship
Die Überglücklichen
voraussichtlich ab Donnerstag 12.1.
Die Blumen von gestern
La La Land

Voraussichtlich ab Donnerstag 8.12.

Alle Farben des Lebens

Weil sich ihre 16jährige Tochter geschlechtsumwandeln lassen möchte, wird eine Mutter mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert. Klassisches amerikanisches Wohlfühlkino, das sich dem Thema Transsexualität annimmt.

Als Ramona wurde sie einst geboren, doch längst fühlt sie sich als er. Ray (Elle Fanning) nennt sich das inzwischen 16jährige Kind von Maggie (Naomi Watts), trägt die Haare kurz und plant nun den nächsten Schritt: Eine geschlechtsangleichende Hormontherapie will Ray so bald wie möglich beginnen, doch dafür braucht er die Zustimmung seiner Eltern. Seine Mutter Maggie hat die Entscheidung ihres Kindes inzwischen schweren Herzens akzeptiert, bleibt nur noch der Vater Craig (Tate Donovan). Doch zu dem hat Maggie längst keinen Kontakt mehr, seit das Paar sich vor vielen Jahren im Streit trennte. Um Rays Willen versucht Maggie nun über ihren Schatten zu springen, sucht Craig auf und konfrontiert sich selbst mit ihrer Vergangenheit. Unterstützt wird sie dabei von ihrer Mutter Dolly (Susan Sarandon), die mit ihrer Lebensgefährtin Frances (Linda Emons) die Geschehnisse des über drei Generationen reichenden Familienclans beobachtet.

Ursprünglich hieß Gaby Dellals Film einmal „About Ray“, ein etwas irreführender Titel, der inzwischen durch den passenderen „Three Generations“ ersetzt wurde, woraus der deutsche Verleih den arg beliebigen „Alle Farbe des Lebens“ gemacht hat. Interessantester Aspekt dabei ist eigentlich die Transgender-Geschichte, ein Thema, dass in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Präsenz in der amerikanischen Populärkultur bekommen hat. Von der Fernsehserie „Transparent“ über Spielfilme wie „The Danish Girl“, bis zur Popularität von Caitlyn Jenner reicht die Bandbreite, die inzwischen sogar zur Besetzung von Transgender-Rollen mit Transgender-Personen geführt hat. In „Alle Farben des Lebens“ ist es jedoch Elle Fanning, die in die Rolle eines Jungen im Körper eines Mädchens schlüpft. Als Drama über die Schwierigkeiten als transsexueller Mensch zu leben kann „Alle Farben des Lebens“ nicht überzeugen, schon eher als entspanntes Plädoyer für alle erdenklichen Lebensformen. Das ist zwar nicht unbedingt bahnbrechend, doch gerade Sarandon und Emons strahlen eine entspannte Gelassenheit aus, die auf angenehme Weise zu empfehlen scheint, nicht alle scheinbaren Probleme so ernst zu nehmen und sein Leben einfach so zu leben, wie es beliebt.

USA 2015
Regie: Gaby Dellal
Buch: Nikole Beckwith, Gaby Dellal
Darsteller: Elle Fanning, Naomi Watts, Susan Sarandon, Linda Emons, Tate Donovan, Sam Trammell
93 Minuten
ab 6 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 8.12.

Frank Zappa – Eat That Question

Eine intime Begegnung mit dem revolutionären Komponisten und Musiker. Seltenes Archivmaterial belegt das provokante Genie von Frank Zappa, dessen Weltsicht bis zum heutigen Tag und darüber hinaus nachklingt.

1940 geboren, wurde Frank Zappa – Autodidakt, Komponist, Musiker, Bandleader, Produzent und Freigeist – mit der Veröffentlichung seines Debüts („Freak Out“! Mit den „Mothers Of Invention“) im Jahre 1966 schnell zur meistzitierten Stimme gesellschaftskritischer Popmusik. „Frank Zappa – Eat That Question“, eine subtile, kunstvolle Montage allein aus historischen Aufnahmen, ist eine energiereiche Feier dieses unverblümten Maestros. Zappa starb viel zu früh, 1993, an Krebs. Unvergessene Interviews und Auftritte wurden von Regisseur Thorsten Schütte in mühevoller Arbeit aus den vergessenen Archiven von Fernsehsendern der ganzen Welt zusammengesucht, um daraus diesen einzigartigen Dokumentarfilm zu machen.

Er folgt Zappa vom glattrasierten, anzugtragenden Jugendlichen hin zum furchtlosen Oberfreak und bis in seine unerbittlich produktiven letzten Tage vor seinem Tod mit 52. „Frank Zappa – Eat That Question“ lässt uns von Anfang an direkt in die erste Reihe: nah genug an Zappa, um die wilden Gefühle in seinen Augen lesen zu können. Der Fokus des Films liegt auf Zappas hemmungslosem und unterhaltsamem Umgang mit den Medien. Während er höflich über eine Tour oder ein Album plauderte, wusste er besser als alle seine Zeitgenossen, wie man unerwartet verbale Sprengladungen zündet. Seine ätzenden Kommentare zu Staat und Religion, zur Musikindustrie und zur Jugendkultur hinterlassen einen aufrüttelnden musikalischen und gesellschaftspolitischen Kommentar zu seiner Zeit.

Deutschland, Frankreich 2015
Regie: Thorsten Schütte
Drehbuch: Thorsten Schütte
90 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 8.12.

Jacques – Entdecker der Ozeane

Bildgewaltiges Biopic über den berühmten Meeresforscher

Frankreich, 1949: Jacques Cousteau (Lambert Wilson) lebt mit seiner Frau Simone (Audrey Tautou) und den beiden Söhnen in einem paradiesischen Haus am Mittelmeer. Er und Simone träumen vom Abenteuer und der Ferne. Gemeinsam bricht das Paar an Bord der Calypso zu einer Expedition der Ozeane auf und lässt die Kinder im Internat zurück. Als der erwachsene Philippe nach Jahren zu seinen Eltern auf das Schiff zurückkehrt, erkennt er seinen Vater kaum wieder: Aus dem einstigen Pionier Jacques ist ein globaler Filmstar und Frauenheld geworden, der bereit ist, für ein perfektes Bild alles zu opfern. Philippe dagegen hat erkannt, dass die Meere durch die Menschen zerstört werden. Er sieht es in der Verantwortung der Familie Cousteau, die Lebensvielfalt der Ozeane zu schützen. Auf ihrem größten gemeinsamen Abenteuer, einer gefährlichen Expedition zur Antarktis, finden Vater und Sohn wieder zueinander. Doch dann schlägt das Schicksal zu…

Kaum ein Name ist so mit der Entdeckung der Meere verbunden wie der von Jacques Yves Cousteau. Er war an der Entwicklung der „Aqualunge“ beteiligt, die es Tauchern ermöglichte, in noch bisher unentdeckte Teile des Ozeans vorzudringen, und zeigte die dort neu entdeckten Welten in seinen Filmen und Serien einem globalen Publikum. Cousteau war Pionier, Entdecker, Filmemacher, Fotograf, Buchautor, Geschäftsmann und Wissenschaftler. Seine Crew, die Calypso und nicht zuletzt die rote Mütze sind auch heute noch weltweit berühmt. Regisseur Jérôme Salle („Zuku“) versammelt Lambert Wilson („Matrix Reloaded“) als Jaques-Yves Cousteau, Pierre Niney („Yves Saint Laurent“) als Sohn Philippe und Audrey Tautou als seine Ehefrau („Die fabelhafte Welt der Amelie“) vor der Kamera. Gedreht wurde an Originalschauplätzen in Brasilien, Südafrika, Kroatien und – zum ersten Mal für einen Spielfilm überhaupt – in der Antarktis. Herausgekommen ist ein bildgewaltiges Epos, das auf der großen Kinoleinwand seine volle Magie entfaltet

Frankreich 2016
Regie: Jérôme Salle
Buch: Laurent Turner, Jérôme Salle
Darsteller: Lambert Wilson, Pierre Niney, Audrey Tautou, Benjamin Lavernhe, Laurent Lucas, Vincent Heneine
122 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 8.12.

Safari

Die Jagd: Ein Thema wie gemacht für den österreichischen Regisseur Ulrich Seidl, der sich auch in seinem neuen Film menschlichen Abgründen nähert.

Schon nach zwei, drei Einstellungen von „Safari“ weiß man, dass man hier einen echten Seidl vor sich hat: In starren, bewusst komponierten Einstellungen sieht man da einen Jäger vor einem europäischen Wald ins Horn blasen, springt dann mit einem Schnitt nach Afrika, wo sich ein stark beleibtes Paar in unglücklicher Bademode zunächst über die Preise von Jagderlaubnissen unterhält, um dann seinen reichlich vorhandenen Speck in der Sonne zu brutzeln. Zurückhaltend war Seidl noch nie, stets haftet seinen Filmen etwas Entblößendes, Entlarvendes an, die Frage ist aber stets: Wer wird entlarvt, wessen Vorstellungen? Um die Jagd geht es in „Safari“, um Jäger, die in einer Lodge in Namibia ihrem Hobby nachgehen. Mit zunehmender Anspannung nähern sie sich dem Wild, angeleitet von einem Ranger, bereiten sich auf den Schuss vor und drücken ab. Das Adrenalin ist geradezu spürbar. So objektivierend sich das auch anhört: ist das Wild erlegt entsteht oft eine merkwürdige Zärtlichkeit, wird das tote Tier gestreichelt, ihm fast Respekt gezollt, seinen Teil zu diesem Ritual beigetragen zu haben.

Es ist diese Ambivalenz, die Seidls beste Filme auszeichnet, eine distanzierte Herangehensweise, die Lebensbereiche beschreibt, die für die meisten Menschen bizarr anmuten, die einfach nicht normal sind. Welche Position Seidl dabei einnimmt, wenn er seine Subjekte betrachtet, bleibt meist offen, jedoch nicht immer. Zwar gibt es auch hier die typischen Seidelschen Interviewpassagen, in denen er seine Protagonisten frontal zeigt, und sie sich oft selbst entlarven, was bei „Safari“ jedoch überrascht, ist eine erstaunlich moralisierende Passage: Die Angestellten der Lodge und des Schlachtbetriebs sieht man da, Schwarze natürlich, die ebenso wie die ausnahmslos weißen Jäger frontal gefilmt werden, mal in ihren bescheidenen Hütten, mal vor den Jagdtrophäen. Allein dies schon ein merkwürdiges Bild, dessen Implikationen Seidl möglicherweise nicht bis zum Ende durchdacht hat, gerade weil die Schwarzen allesamt stumm bleiben und einmal mehr keine Stimme bekommen. Einst war die Jagd die Basis der menschlichen Existenz, ohne die wir schon lange ausgestorben wären. Notwendig ist sie im 21. Jahrhundert nicht mehr, archaisch wirkt sie inzwischen, altmodisch, oder ist sie vielleicht doch ein erhaltenswertes Ritual, ein Vermächtnis an unsere Herkunft? Antwortversuche kann man dann nach dem Kinobesuch diskutieren, vielleicht beim Essen. - Mit oder ohne Fleisch?

Österreich 2016
Regie & Buch: Ulrich Seidl
Laufzeit: 90 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 8.12.

Die Hände meiner Mutter

Ein Familientreffen auf einem Schiff wird zum Wendepunkt im Leben des 39-jährigen Ingenieurs Markus. Als sein Sohn Adam (4) von der gemeinsamen Toilettenpause mit Großmutter Renate eine kleine Schnittwunde davonträgt, erinnert sich Markus zum ersten Mal daran, was seine Mutter ihm angetan hat, als er selbst noch ein Kind war. Markus und seine Frau Monika sehen sich mit einer undenkbaren Wahrheit konfrontiert, einem Vergehen, das man einer Mutter nicht zugetraut hätte.

Florian Eichingers dritter Spielfilm DIE HÄNDE MEINER MUTTER ist nach BERGFEST (2008) und NORDSTRAND (2013) der letzte Teil einer filmischen Trilogie über die Verstrickungen von Familiengewalt. Eichinger ist ein emotionaler, packender und bewegender Spielfilm gelungen, der für starkes, innovatives deutsches Kino steht.

DIE HÄNDE MEINER MUTTER ist ein klug und hochkarätig besetztes Drama, in dem das scheinbar idyllische Leben sich Schritt für Schritt als Chronik der Grausamkeit entblößt. Von dem Tabuthema sexuelle Gewalt durch Mütter wurde filmisch bislang nicht in ähnlich konsequenter Form erzählt, obwohl der Unabhängige Bundesbeauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs die Zahl der Frauen unter den Tätern auf immerhin 10-20% beziffert. Vor der Kamera agiert ein großartiges, bis in die Nebenrollen perfekt besetztes Ensemble: Andreas Döhler (MILLIONEN, WER WENN NICHT WIR) spielt die Hauptfigur Markus, Jessica Schwarz (HEITER BIS WOLKIG, DAS PARFUM) ist Monika, die starke Frau an seiner Seite. Für die Rolle der Mutter Renate konnte Katrin Pollitt (HEUTE BIN ICH BLOND, DIE PÄPSTIN) gewonnen werden, Heiko Pinkowski (SCHROTTEN, ALKI ALKI) ist als ihr Mann sowie Katharina Behrens (ES WAR EINMAL INDIANDERLAND) als Markus‘ Schwester Sabine zu sehen.

Deutschland 2016
Regie: Florian Eichinger
Darsteller: Andreas Döhler, Jessica Schwarz, Renate Katrin Pollitt, Heiko Pinkowski
106 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 15.12.

Paula

Drama über das kurze, wilde Leben der Paula Modersohn-Becker, das sie als lebenshungrige Frau zeigt, die gegen alle Konventionen um 1900 als Künstlerin arbeitet. Formgewandt und in teils wunderbaren Bildern inszeniertes Biopic

Dass Paula (Carla Juri) sich für die Malerei begeistert, ist in den Augen ihrer Familie und der Öffentlichkeit schon schlimm genug. Doch dass dieses leidenschaftliche, ungebärdige Mädchen tatsächlich als Künstlerin arbeiten will und absolut keine Lust hat, sich den herrschenden Konventionen anzupassen, ist ein zusätzlicher Schock für ihre Umgebung. Eigentlich geht Paula Becker nach Worpswede, um bei Fritz Mackensen einen Ferienmalkurs zu machen – so ein bisschen fröhliches Rumgepinsel in freier Natur, extra für höhere Töchter vom Künstlerkreis eingerichtet, als zusätzliche Einnahmequelle für die Maler und vielleicht auch, um ein bisschen mit den jungen Damen zu flirten. Aber Paula will mehr – viel mehr, als unter Aufsicht des angesehenen Malers brav nach der Natur zu malen. Sie schließt Freundschaft mit Clara Westhoff, der es ähnlich geht wie ihr: Beide träumen von künstlerischer Freiheit. Doch der Weg dorthin ist vollgestopft mit Hindernissen. Als Paula den Maler Otto Modersohn heiratet, scheint es, als hätte sie nicht nur ihre große Liebe, sondern auch einen verständnisvollen Unterstützer gefunden...

Wenn etwas ungewöhnlich ist an diesem Film über eine ganz und gar ungewöhnliche Frau, dann ist es Carla Juri und ihre intensive Spielweise: Sie vibriert förmlich vor Lebensfreude und Lebenslust; ihre spontanen Gesten und Blicke, die manchmal überraschend witzigen Kommentare, die sie mit liebenswerter, leicht rauer Mädchenstimme hinwirft, und ihre ganze entschlossene, aufrechte Haltung machen aus Paula eine intelligente, leidenschaftliche Frau auf der Suche nach Erfüllung, sowohl in der Kunst als auch im Privaten. Carla Juri tut, was sie kann, und sogar ein bisschen mehr, um das deutlich zu machen. Carla Juri wirkt zudem manchmal wie ein ungezogenes Kind, was irgendwie unzeitgemäß ist. Vielleicht ist das die Interpretation einer heutigen Zeiterscheinung, in der Kindlichkeit bei Erwachsenen gelegentlich nicht nur geduldet wird, sondern auch als eine Art Qualitätsmerkmal gilt, insbesondere bei Frauen. Dabei war die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert tatsächlich eine wilde Zeit, in der ordentlich die Post abging, auch bei den Frauen und vor allem in der Kunstszene, siehe Käthe Kollwitz, Alma Mahler und natürlich Paulas Freundin, Clara Westhoff. Trotz allem gelingt es dem Film, Neugier zu wecken, zumindest auf das wahre Leben der Paula Modersohn-Becker, die für ihre kurze Schaffensperiode ein ungeheuer umfangreiches Werk hinterlassen hat.

Deutschland, Frankreich 2016
Regie: Christian Schwochow
Drehbuch: Stefan Kolditz, Stephan Suschke
Darsteller: Carla Juri, Albrecht Abraham Schuch, Roxane Duran, Joel Basman, Stanley Weber, Michael Abendroth, Nicki von Tempelhoff
123 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 15.12.

Rogue One: A Star Wars Story (englisches Original)

Tauchen Sie ein in ein Star Wars - Universum, das Sie so noch nie gesehen haben und reisen Sie mit einer Gruppe ungewöhnlicher Helden zur aufregendsten Rebellion der Galaxis.

In seinem mit Spannung erwarteten Blockbuster verbindet Gareth Edwards bisher nie gesehene Schauplätze und neue Charaktere mit dem bekanntesten Epos aller Zeiten. Erzählt wird die Geschichte einer Gruppe ungleicher Rebellen rund um die junge Rebellin Jyn Erso (Felicity Jones), die sich zusammenschließen, um die geheimen Pläne des gefürchteten Todessterns zu stehlen, der gefährlichsten Waffe des Imperiums.

Mit „Rogue One: A Star Wars Story“ startet der erste Film, der unter der Rubrik „A Star Wars Story“ läuft, in den deutschen Kinos. Während die Filme der Star Wars Saga – darunter auch der mit über neun Millionen Besuchern phänomenal erfolgreiche „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ – eine fortlaufende Geschichte rund um die Familie Skywalker erzählen, werden die „A Star Wars Story“ -Filme in sich abgeschlossene Abenteuer sein, die stilistisch neue Wege beschreiten, zeitlich und räumlich losgelöst sind und vollkommen neue Facetten und Charaktere der Star Wars - Galaxis beleuchten. Für „Rogue One: A Star Wars Story“ konnten die Filmemacher einen beeindruckenden Cast vor der Kamera versammeln, dazu zählen: die Oscar®-Nominierte Felicity Jones, Diego Luna, Ben Mendelsohn, Donnie Yen, Jiang Wen, Mads Mikkelsen, Alan Tudyk, Riz Ahmed und der Oscar®-Gewinner Forest Whitaker. Regie führte Gareth Edwards („Godzilla”), produziert wurde „Rogue One: A Star Wars Story“ von Kathleen Kennedy, Allison Shearmur und Simon Emanuel. Als ausführende Produzenten zeichnen John Knoll und Jason McGatlin verantwortlich, als Co-Produzenten fungieren John Swartz und Kiri Hart.

USA 2016
Regie: Gareth Edwards
Darsteller: Felicity Jones, Diego Luna, Ben Mendelsohn
133 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 15.12.

So weit und groß – Die Natur des Otto Modersohn

Die Geschichte des Künstlers Otto Modersohn, ausschließlich erzählt anhand von zeitgenössischen Dokumenten wie Tagebuchaufzeichnungen, Briefen, Gemälden, Zeichnungen und Fotografien.

„So weit und groß“ verfolgt den künstlerischen Werdegang Otto Modersohns von den ersten Zeichnungen seiner Kindheit in Soest und München bis zu den atmosphärischen Abendlandschaften seiner letzten Jahre. Bereits als Junge zeichnet Modersohn leidenschaftlich gerne. Nach der Schule beginnt er an der Düsseldorfer Kunstakademie zu studieren, hadert aber schon bald mit dem dort herrschenden akademischen Stil und wechselt nach Karlsruhe, wo er erstmals großformatige Landschaftsbilder malt. Als er 1889 mit Fritz Mackensen das Dörfchen Worpswede im Teufelsmoor besucht, hat er sein Sujet und seinen Lebensort gefunden. Hier lernt er auch seine zweite Frau, die bekannte Künstlerin Paula Modersohn-Becker, und seine dritte Ehefrau Louise Breling kennen. Mit Paula Modersohn-Becker verbringt Modersohn einige Zeit in Paris, mit Louise Breling kauft er ein Haus im Allgäu, aber immer wieder kehrt er in die weite, von Wasser und Himmel bestimmte norddeutsche Landschaft zurück, um sich dem Studium der Natur zu widmen.

„So weit und groß“ schildert eine in sich versunkene Welt, in der sich alles um Bilder und Maler dreht. Otto Modersohn malt, wo immer er gerade ist, seine Ehefrauen Paula Modersohn-Becker, die einen großen Teil des Films einnimmt, und Louise Breling malen. Die Freunde der Modersohns malen. Sogar die Haushälterin der Modersohns malt und kommt mit ihren Blumenbildern zu einiger Berühmtheit. Auch in den fast ausschließlich zeitgenössischen Texten – den Tagebuchaufzeichnungen von Otto und Paula, den rührend lebhaften Briefen von Paula, den feinfühligen Beschreibungen von Rainer Maria Rilke – geht es hauptsächlich um Kunst und ein Leben im Zeichen der Kunst. Die Welt drumherum, in der sich immerhin Weltkriege und Revolutionen abspielen, kommt nur ganz am Rande vor. Der Titel des Films bezieht sich übrigens auf eine Tagebuchaufzeichnung Modersohns, die er nach seinem ersten Besuch in Worpswede verfasste: "Mittwoch, 3. Juli 1889 kam ich mit F. Mackensen voller Erwartung hier an. Ich sah fast gleich, dass meine Erwartungen nicht getäuscht waren. Ich fand ein höchst originelles Dorf, das auf mich einen durchaus fremdartigen Eindruck machte; der hügelige sandige Boden im Dorf selbst, die großen bemoosten Strohdächer und nach allen Seiten, soweit man sehen konnte, alles so weit und so groß wie am Meer."

Deutschland 2010
Regie: Carlo Modersohn
Buch: Marina Bohlmann-Modersohn
Musik: Therese Strasser
Stimmen: Hanns Zischler, Robert Levin, Verena Güntner, Matthias Scherwenikas
74 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 15.12.

Das unbekannte Mädchen

Eine idealistische Ärztin fühlt sich schuldig am Tod einer jungen Schwarzen und recherchiert auf eigene Faust. Clever konstruierter Krimi der belgischen Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne

„Ein guter Arzt muss stärker sein als seine Emotionen!“ tadelt die junge Frau Doktor ihren Praktikanten, der bei einer Behandlung die Nerven verliert und versagt. Der sensible Medizinstudent reagiert sichtlich geknickt. Seine Chefin Jenny (Adèle Haenel) hätte ihren professionellen Ratschlag freilich bald selbst bitter nötig. Denn der mysteriöse Tod einer abgewiesenen Patientin wird sie völlig aus der Bahn werfen. Die neue Stelle in einer Klinik, ein echter Karrierejob, sagt Jenny überraschend ab. Schuldbewusst will sie sich lieber weiter den sozialschwachen Patienten zuwenden, die sie eigentlich nur übergangsweise betreut hat. Vor allem aber möchte sie die Identität jener unbekannten Frau ausfindig machen, die unweit ihrer Praxis tot aufgefunden wurde. Die Polizei kommt bei den Ermittlungen nicht weiter, klar scheint nur, dass das spätere Opfer vergeblich an der Tür der Praxis geklingelt hat. Dort war längst Feierabend. Von Gewissensbissen geplagt übernimmt die Ärztin nicht nur die Beerdigungskosten der Unbekannten, sondern begibt sich mit immer größerem Eifer auf Spurensuche...

Ihr mittlerweile zehntes Werk beginnen die Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne mit einer präzisen Charakterstudie einer jungen Ärztin, die sich mit großem Idealismus ihren sozialschwachen Patienten widmet. Nicht alle sind so dankbar wie jener krebskranke Junge, den sie betreut. Recht rabiat reagieren Drückeberger, denen der Wunsch nach einer bequemen Krankschreibung versagt bleibt. Nachdem unweit der Praxis eine Tote aufgefunden wird, entwickelt sich der Film zu einem clever konstruierten Krimi. Wie üblich bleiben die belgischen Brüder ihrem minimalistischen Stil treu. Die Schauplätze sind überschaubar. Das Wechselbad der Gefühle dieser verunsicherten Heldin spiegelt sich in der Farbe ihres Pullovers wider. Etliche Puzzlestücke des Rätsels werden durch schlichte Telefonate entdeckt. Ein kleiner, feiner Krimi mit sozialkritischem Anliegen der unaufdringlichen Art. Seine emotionale Kraft verdankt er der souveränen Erzählweise, der genauen Beobachtung seiner Figuren, vor allem aber seiner erstklassigen Hauptdarstellerin.

Belgien / Frankreich 2016
Regie: Jean-Pierre und Luc Dardenne
Darsteller: Adèle Haenel, Fabrizio Rongione, Thomas Doret, Morgan Marinne, Christelle Cornil
106 Minuten
ab 6 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 22.12.

Gemeinsam wohnt man besser

Ein Witwer wird wider Willen zum Hausherrn einer Pariser WG. Temporeiche, freche Komödie aus Frankreich

Eigentlich wollte der pensionierte Witwer Hubert Jacquin (André Dussollier) nur eine Putzfrau einstellen, doch durch ein Missverständnis nistet sich in seiner großen Pariser Altbauwohnung eine junge Mitbewohnerin ein. Die quirlige Studentin Manuela versteht zwar nichts davon wie man einen Haushalt führt, aber davon wie man den Alltag eines Rentners gehörig auf den Kopf stellt umso mehr. Am Ende eines rauschenden Abends lässt sich Hubert sogar überreden, die Wohngemeinschaft zu erweitern. Schon kurz darauf ziehen die etwas verspannte Krankenschwester Marion und der in Scheidung lebende, neurotische Anwalt Paul-Gérard ein. Trotz aller Unterschiede wächst die ungewöhnliche Wohngemeinschaft schon bald zusammen. Und auch Hubert erkennt allmählich, dass man für eine Wohngemeinschaft nie zu alt ist.

Pünktlich zu Weihnachten kommt „Gemeinsam wohnt man besser“ als turbulente Komödienalternative zum klassischen Familienfest in die Kinos! Es ist eine freche, temporeiche WG-Komödie aus Frankreich, die Generationen vereint: Schauspielstar André Dussollier („Die fabelhafte Welt der Amelie“) gibt den zunächst mürrischen Arzt im Ruhestand, der sich - nicht ganz freiwillig - wieder dem Leben zuwendet. Perfekt ergänzt wird er dabei von dem herrlich schrägen und spritzigen Schauspiel-Ensemble um die Komiker Bérengère Krief und Arnaud Ducret („Love is in the Air“) sowie Julia Piaton („Monsieur Claude und seine Töchter“). Eine Geschichte, wie sie in allen Großstädten spielen könnte, wo Wohnraum immer knapper und das Leben berufstätiger Menschen immer komplizierter wird.

Frankreich 2016
Regie: François Desagnat
Darsteller: André Dussollier, Bérengère Krief, Arnaud Ducret
97 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 22.12.

Nocturnal Animals (englische Originalfassung)

Als sie von ihrem Ex-Mann ein Manuskript zugeschickt bekommt, wird das Leben einer Galeristin auf den Kopf gestellt. Als Thriller und als Melodram ein absoluter Hit und dazu ein feines Stück Filmkunst mit vielen cineastischen Highlights, einer tollen Besetzung und mit einer höchst raffinierten Handlung

Susan ist eine erfolgreiche Galeristin, doch einsam und unglücklich quält sie sich durch schlaflose Nächte. Da erreicht sie ein Päckchen, in dem sich ein Romanmanuskript befindet, das von ihrem Ex-Mann Edward stammt. Er bittet sie um ihre Meinung zu dem Werk mit dem Titel „Nocturnal Animals“. Susan beginnt zu lesen und kann nicht mehr aufhören. Edward hat einen brutalen Thriller geschrieben, über einen Mann – Tony, der mit Frau und Tochter in den Urlaub fährt. Sie werden Opfer einer Straßenbande. Nur knapp entkommt Tony dem psychopathischen Anführer und seinen ebenso sadistischen Gefährten. Seine Frau und seine Tochter fallen der Bande zum Opfer - Tony findet ihre Leichen. Mit Hilfe eines Polizeisheriffs macht Tony sich daran, die Täter zu finden. Irgendetwas verbindet Susan mit dieser Geschichte, die sie gleichzeitig fasziniert und abstößt. Während sie liest, erwachen Erinnerungen in ihr. Sie führen Susan in die gemeinsame Vergangenheit mit Edward zurück, den sie vor fast 20 Jahren verlassen hat.

Tom Ford ist ein ungeheuer vielschichtiges und bis in jedes winzige Detail klug durchdachtes Stück Filmkunst gelungen, mit dem er den Film Noir nicht nur modernisiert, sondern im Grunde radikal neu erfindet. Zwei klassische Charaktere der Schwarzen Serie interpretiert er für seine zwei Haupthandlungsebenen: die unglückliche Femme Fatale mit vielen Geheimnissen (Susan) und den Mann, der alles verloren hat (Tony in der Romanhandlung). Jake Gyllenhall spielt in einer Doppelrolle Tony und Edward. Was er aus beiden Rollen macht, ist überwältigend. Mit großer Präsenz verleiht er beiden Figuren eine ganz besondere Form von Virilität, die viel mit Männerbildern und Rollenklischees zu tun hat. Und hier geht es dann wirklich ans Eingemachte: Denn Tom Ford hat mit „Nocturnal Animals“ im Grunde einen Film über den modernen Mann gemacht, der dazu gezwungen wird, sich einen Weg zu suchen, den er eigentlich nicht gehen möchte. Obwohl Tom Ford ohne explizite Gewaltszenen auskommt, sind viele Szenen extrem verstörend. Nach „A Single Man“ ist Fords zweiter Film ein beinahe noch perfekteres Lehrstück in Dramaturgie, Bildgestaltung und Schnitttechnik. Ein Film mit unvergesslichen Bildern, die sowohl den Intellekt als auch den Instinkt ansprechen. Und das Ende ist einfach göttlich.

USA 2016
Regie: Tom Ford
Drehbuch: Tom Ford (nach dem Roman „Tony and Susan“ von Austin Wright)
Kamera: Seamus McGarvey
Musik/Komponist: Abel Korzeniowski
Darsteller: Amy Adams, Jake Gyllenhaal, Armie Hammer, Aaron Taylor-Johnson, Isla Fisher, Michael Shannon, Laura Linney
115 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 22.12.

Eine schöne Bescherung

Ein schwules Paar lädt die nicht ganz vorurteilsfreien Eltern zu Weihnachten ins neue traute Heim und präsentiert eine ziemlich dicke Überraschung. Charmante Akteure, flottes Tempo, gekonnte Pointen - die Schweden können komisch einfach mit sympathischer Lässigkeit!

Der 27-jährige Oscar und sein langjähriger Partner Simon haben sich zum Weihnachtsfest eine hübsche Überraschung ausgedacht. Sie wollen der angereisten Verwandtschaft nicht nur ihr frisch erworbenes Häuschen präsentieren. Sondern auch den Grund für die räumliche Erweiterung. Mit ihrer hochschwangeren Freundin Cissi will das schwule Pärchen eine WG gründen. Das künftige Kinderzimmer ist bereits eingerichtet. Mit der Vaterschaft verhält es sich ein bisschen kompliziert. „Wir müssen den richtigen Moment abwarten!“, betont Oscar seine Strategie, das süße Geheimnis zu lüften. So verschieden die Ansichten der Angehörigen, die sich zum ersten Mal begegnen, so groß ist das Potenzial für Zank. Für die einen ist die üppige Weihnachtsbeleuchtung „pervers“, den anderen geht die Smartphone-Nutzung der Kinder auf die Nerven. Die Oma besteht auf dem traditionellen TV-Programm. Doch wann soll gegessen werden? Schon vorab wird am Hot Dog-Menü gemäkelt: „Sind sie etwa Vegetarier? Ich bin Muslim!“. Die Gastgeber versuchen mit Glühwein, „natürlich selbstgemacht“, für Gemütlichkeit zu sorgen. Doch die Lage eskaliert, als die Vaterschaft von Cissis Baby zum umstrittenen Thema wird...

Bei einem Figurenkabinett solch unterschiedlicher Temperamente ist der Tisch für Zoff, Vergeltung und Vergebung reichlich gedeckt. Weil auch im realen Leben das Fest der Liebe bisweilen zur emotionalen Nervenprobe unter Verwandten gerät und überhöhte Harmonieerwartungen nicht selten scheitern, dürften Wiedererkennungseffekte das Vergnügen bei so manchem Zuschauer sichtlich steigern. Wie es sich für skandinavisches Kino gehört, gibt man Konflikten eine versöhnliche Lösung. Da wird die intolerante Haltung des homophoben Vaters konsequent entlarvt. Gleichwohl wird ihm die Chance neuer Erkenntnisse nicht verwehrt. Mit dem schwedischen Comedy-Talent Robert Gustafsson („Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“) ist die Rolle des mürrischen Rechthabers erstklassig besetzt. Nicht zuletzt auch wegen ihm avancierte diese temporeiche Komödie zu einem der erfolgreichsten schwedischen Filme der letzen Jahre.

Schweden 2015
Regie: Helena Bergström
Darsteller: Robert Gustafsson, Maria Lundqvist, Rakel Wärmländer, Anton Lundqyist, Inga Landgré
108 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 22.12.

Salt and Fire

Dr. Laura Sommerfeld reist mit zwei Wissenschaftskollegen nach Bolivien, um einer Naturkatastrophe auf die Spur zu kommen. Kaum angekommen, werden sie von Männern entführt. Ihr Anführer entpuppt sich als Matt Riley, einst Chef eines der größten dort angesiedelten Konzerne. Er hält ihre Begleiter gefangen und setzt Laura mitten in der Salzwüste aus. Dort trifft sie auf zwei blinde Ureinwohner-Kinder und baut mit ihnen ein Lager auf. Wie lange sie so überleben können, weiß sie nicht.

Das Drama mit philosophischen Einschlag entzieht sich einfachen Genrezuweisungen. So kombiniert es die Selbsfindung einer Frau mit Elementen aus Entführungs- und Ökothriller. Es ist ein Herzensprojekt von Produzentin und Hauptdarstellerin Veronica Ferres und basiert auf einer Kurzgeschichte von Tom Bissell. Werner Herzog setzte es an beeindruckendem Schauplatz, der bolivianischen Salzwüste in Szene. Im ungewöhnlichen Ensemble agieren neben Ferres Charaktermime Michael Shannon und zwei Ureinwohner-Brüder.

Deutschland 2016
Regie: Werner Herzog
Darsteller: Veronica Ferres, Gael García Bernal, Michael Shannon
98 Minuten
ab 6 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 29.12.

Einfach das Ende der Welt

Ein erfolgreicher Schriftsteller besucht seine Familie nach 12 Jahren wortkarger Abwesenheit zum ersten Mal. Sein Auftauchen löst einen Wirbelsturm von Ressentiments, Vorwürfen und jahrelang genährten Verletzungen aus, den Xavier Dolan und sein hervorragendes Ensemble als hysterisches und fast schon schmerzhaft klaustrophobisches Kammerspiel in Szene setzen.

Louis (Gaspard Ulliel) macht nach zwölf Jahren Abwesenheit, in der er in der Stadt eine Karriere als Schriftsteller gemacht hat und den Daheimgebliebenen lediglich kurzangebundene Postkarten geschickt hat, einen Familienbesuch. Es ist ein Abschiedsbesuch: Louis ist schwer krank und möchte seiner Familie mitteilen, dass er sterben wird. Aber seine Familie hat auch ihm eine Menge mitzuteilen. In den Jahren seiner Abwesenheit haben sich Legenden gebildet, Ressentiments angestaut und Hoffnungen an den Abwesenden geknüpft, der nun endlich da ist. Suzanne (Léa Seydoux), die kleine Schwester, die zu viel kifft, hat ihren fernen großen Bruder kaum kennengelernt aber sie nährt die Fantasie, dass mit ihm alles anders gelaufen wäre und dass er sie immer noch retten könnte. Auch Bruder Antoine (Vincent Cassel) fühlt sich vernachlässigt, zurückgelassen, gedemütigt von der Unfähigkeit, selbst mehr aus seinem Leben zu machen. Kaum gezügelte Aggression spricht aus jedem seiner Sätze und bei jedem lauten Wort zuckt seine schüchterne Ehefrau Catherine (Marion Cotillard) zusammen. Die Mutter - laut, schlagfertig, transig-trashig - versucht, alles zusammenzuhalten und scheitert damit auf ganzer Linie.

Das Geschrei, die Fragen, die Vorwürfe und die Hysterie gehen los, sobald Louis die Türschwelle überschreitet und hören nicht mehr auf, bis er das Haus wieder verlässt. Jeder Versuch der Kommunikation scheitert spektakulär, aber geredet, getobt, angeklagt wird ohne Pause. Gemeinsam schraubt sich das fantastische Ensemble in einen familiären Alptraum hinein, der die zahllosen, versöhnlichen Rückkehr-in-die-Heimat-Geschichten konterkariert. Versöhnung scheint hier ausgeschlossen und Flucht die naheliegende Alternative. Nicht nur Louis kann sich dem Furor nicht entziehen, auch die Zuschauer sind gefangen: in Einstellungen, die kein Draußen zulassen, die zu nah sind und die Intimsphäre verletzen, in Gefühlen, die zwar niemand klar aussprechen kann, die sich aber überdeutlich in den ungeschützten Gesichtern abzeichnen, und in familiären Abhängigkeiten, die man sich nicht zu eigen machen möchte, aber dennoch, widerstrebend, versteht. Natürlich ist das anstrengend und auch übergriffig, aber es ist auch eine intensive cineastische Erfahrung, die es so nur selten zu erleben gibt.

Kanada, Frankreich 2016
Regie: Xavier Dolan
Drehbuch: Xavier Dolan, nach einem Theaterstück von Jean-Luc Lagarce
Darsteller: Marion Cotillard, Vincent Cassel, Gaspard Ulliel, Nathalie Baye, Léa Seydoux
Musik: Gabriel Yared
97 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 29.12.

Love & Friendship

Kate Beckinsale überzeugt mit einer betörenden Glanzleistung als finanzklamme Witwe, die nach vermögenden Heirats-Kandidaten Ausschau. So umwerfend komisch und brillant scharfzüngig gab es Jane Austen nur selten zu sehen.

Nachdem ihr Gatte verschieden ist, sucht die schöne Susan nach lukrativen Möglichkeiten, den gewohnt luxuriösen Lebensstandard nicht zu verlieren. Der Versuch, sich samt der erwachsenen Tochter im Anwesen ihrer alten Freunde Lord und Lady Manwaring einzunisten, scheitert freilich nach kurzer Zeit an der nicht ganz unberechtigten Eifersucht der Gastgeberin. Von solchen Rückschlägen lässt sich die selbstbewusste Witwe kaum entmutigen. Kurzerhand lädt sie sich selbst auf dem Anwesen von Schwager Charles ein - zum Schrecken von dessen Gattin Catherine, der Schlimmes schwant. Deren Bruder Reginald reagiert hingegen überaus begeistert auf den weiblichen Besuch. Ihm gehörig den Kopf zu verdrehen, gerät für Susan zum Kinderspiel. Als der besorgte Vater des jungen Liebhabers seinen Sohn aus den Fängen der skandalumwehten Verführerin befreien will und mit Enterbung droht, ist es längst zu spät. Die smarte Witwe lässt den hübschen Verehrer genüsslich zappeln. Schließlich gibt es wichtigeres zu tun: Etwa die widerspenstige Tochter Frederica mit dem vermögenden Sir James Martin zu verbandeln...

Für sein Debüt „Metropolitan“ bekam Regisseur Whit Stillman einst gleich eine Oscar-Nominierung. In „Last Days of Disco“ ließ er danach Kate Beckinsale und Chloë Sevigny unter Beweis stellen, was in ihnen steckt. Die Beckinsale machte danach mit dem „Underworld“-Franchise massiv Karriere - ihr Können ging in dem Fantasy-Spektakel freilich naturgemäß unter. Umso begeisterter nutzt die Britin nun die Chance dieser starken Rolle. Mit spürbarem Vergnügen gibt sie diese listige Witwe, die alle Rivalinnen mit eiskalt kalkulierten Charme-Offensiven und höflichen Bonmots aus dem Weg räumt und so bei der Damenwahl die beste Männer-Beute macht. Nicht nur an dieser prickelnden Beckinsale hätte Jane Austen gewiss ihr Vergnügen. Auch Tom Bennett als reicher Trottel liefert eine komödiantische Meisterleistung. Für die dramaturgische Umsetzung dieses Briefromans, der erst ein halbes Jahrhundert nach Austens Tod veröffentlicht wurde, findet Stillman ein cleveres Konzept: Er stellt die Figuren kurzerhand mit Einblendung ihres Namens sowie der Funktion und Charaktereigenschaften vor. Damit lässt sich das bunt besetzte, prachtvoll ausgestattete Figurenkarussell schnell in Schwung bringen. Rasante Dialoge sowie reichlich Situationskomik sorgen dafür, dass diese Fahrt nie an Tempo verliert.

GB 2016
Regie: Whit Stillmann
Darsteller: Kate Beckinsale, Chloë Sevigny, Xavier Samuel, Stephen Fry, James Fleet, Tom Bennett
96 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 29.12.

Die Überglücklichen

Zwei Frauen brechen gemeinsam aus einer Psychiatrie aus und flüchten quer durch die sommerliche Toskana. Unterhaltsame, mediterrane Tragikomödie mit zwei herausragenden Hauptdarstellerinnen und jeder Menge Dialogwitz

Beatrice (Valeria Bruni Tedeschi) plappert ohne Punkt und Komma, wobei Wahrheit und Lüge bruchlos ineinander übergehen. Angeblich wird sie aus unlauteren Gründen in der luxuriösen Nervenheilanstalt „Villa Biondi“ festgehalten, doch ob das stimmt, steht in den Sternen. Dass Beatrice gern mal flunkert, merkt auch die junge Donatella (Micaela Ramazzotti) kurz nach ihrer Einweisung in die Psychiatrie. Die neugierige Beatrice gibt sich nämlich kurzerhand als Ärztin aus und befragt die Neue über ihren seelischen Zustand. Zwischen Gartenarbeit und Gruppentherapie entdecken die Frauen ihre große Sympathie füreinander, büxen aus der Anstalt aus und begeben sich auf einen Road Trip quer durch die blühende Landschaft der Toskana.

Man könnte sagen, dass Paolo Virzì mit seiner Tragikomödie „Einer flog übers Kuckucksnest“ mit „Thelma & Louise“ kreuzt. Unterwegs wachsen die Frauen nicht nur zu einem gut eingespielten Duo zusammen, sondern stellen sich auch ihren seelischen Leiden. Die überspannte Beatrice, eine Gräfin aus der italienischen Oberschicht, leidet an einer bipolaren Störung. Zwischen manischen Hochphasen und depressiven Downs verarbeitet sie ihre unglückliche Liebe zu einem Kriminellen, der ihrer betuchten Familie ein Dorn im Auge ist. Drastischer fällt die Vorgeschichte von Donatella aus, die sich und ihrem kleinen Sohn das Leben nehmen wollte. Das Tragische und das Komische fließen in „Die Überglücklichen“ – wie so oft im echten Leben – ineinander. Das Herzstück der Tragikomödie ist die Frauenfreundschaft zwischen Beatrice und Donatella, die Valeria Bruni Tedeschi („5x2 – Fünf mal zwei“) und Micaela Ramazzotti („Anni Felici – Barfuss durchs Leben“) sehr einnehmend und grundsympathisch verkörpern. Die Extremsituation der Flucht schweißt die eigentlich recht unterschiedlichen Frauen umso schneller zusammen. Die sommerliche Landschaft der Toskana erweist sich dabei als Spiegelung der Hoffnung, die das Abenteuer der Freundinnen am Rande des Nervenzusammenbruchs umweht. Letztlich ist „Die Überglücklichen“ nämlich ein durch und durch lebensbejahender Film, der seinen Figuren eine Chance auf Besserung einräumt. Das zu sehen, tut gut. Denn schließlich sind wir doch alle ein bisschen Bluna, nicht wahr?

Italien, Frankreich 2016
Regie: Paolo Virzì
Drehbuch: Paolo Virzì & Francesca Archibugi
Darsteller: Valeria Bruni Tedeschi, Micaela Ramazzotti, Valentina Carnelutti, Tommaso Ragno, Bob Messini, Sergio Albelli, Anna Galiena
118 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 12.1.

Die Blumen von gestern

Eine fast romantische Komödie am Rande des Abgrunds: Mitten in seiner tiefsten Lebenskrise gerät der Holocaust-Forscher Toto an die französische Assistentin Zazie, jüdischer Herkunft und mit ausgeprägter Teutonen-Phobie...
Nach VIER MINUTEN und POLL der neue Film von Chris Kraus mit Starensemble: In den Hauptrollen Lars Eidinger, der französische Shooting-Star Adèle Haenel (César für LES COMBATTANTS), Hannah Herzsprung und Jan-Josef Liefers.

Deutschland, Österreich 2016
Regie: Chris Kraus
Darsteller: Lars Eidinger, Adèle Haenel, Hannah Herzsprung


Voraussichtlich ab Donnerstag 12.1.

La La Land

Mia jobbt im Coffeeshop und träumt davon, dass endlich eines ihrer Castings erfolgreich verläuft und die Schauspielkarriere doch noch Wirklichkeit wird. Sebastian hält sich als Pianist mehr schlecht als recht über Wasser, während er eigentlich nichts lieber machen würde, als eine altmodische Jazz-Bar zu eröffnen. Nachdem die beiden zum ersten Mal aufeinandertreffen und sich erst einmal kabbeln werden sie ein Paar und schweben auf Wolke Sieben. Doch je weiter die beiden ihre Träume verfolgen, desto mehr gerät ihre Liebe ins Hintertreffen.

Der zweite Spielfilm des für "Whiplash"-Oscar-nominierten Regisseurs Damien Chazelle ist ein Musical: eine wunderbare Liebeserklärung an die Goldene Ära und die zeitgenössischen Träumer Hollywoods ebenso wie an die Stadt Los Angeles. Und er ist eine wunderbare Liebesgeschichte mit dem Leinwandpaar aus "Crazy, Stupid, Love" und "Gangster Squad", Emma Stone und Ryan Gosling, das sich so charmant und einnehmend präsentiert wie nie zuvor. Chazelle empfiehlt sich mit seiner stilsicheren Inszenierung erneut für einen Oscar.

USA 2016
Regie: Damien Chazelle
Darsteller: Emma Stone, Ryan Gosling, John Legend
126 Minuten