Geplante Erstaufführungen in den nächsten Wochen:

voraussichtlich ab Donnerstag 25.4.
Ein letzter Job
Tea with the Dames
Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein
Avengers: Endgame (englische OV in 2D)
Atlas
voraussichtlich ab Donnerstag 2.5.
Der Flohmarkt von Madame Claire
Das schönste Paar
voraussichtlich ab Donnerstag 9.5.
Das Ende der Wahrheit
Kleine Germanen
Nur eine Frau
Stan & Ollie
voraussichtlich ab Mittwoch 15.5.
Die Kinder der Utopie
voraussichtlich ab Donnerstag 16.5.
Das Familienfoto
Greta
Once Again – Eine Liebe in Mumbai
Under the Tree
WKDW – Was kostet die Welt?
Wir - Der Sommer, als wir unsere Röcke hoben und die Welt gegen die Wand fuhr
voraussichtlich ab Donnerstag 23.5.
Blown Away - Music, Miles and Magic
All My Loving – Eine Geschichte von drei Geschwistern
Edie – Für Träume ist es nie zu spät
Sunset over Hollywood
voraussichtlich ab Donnerstag 30.5.
High Life
Roads
Rocketman (englische Originalversion)

Voraussichtlich ab Donnerstag 25.4.

Ein letzter Job



Eine Rentner-Gang plant das ganz große Ding. Sir Michael Caine, Meister der Ironie und des zündenden Wortwitzes, spielt in dieser Kriminalkomödie gemeinsam mit einigen der besten und ältesten Haudegen der britischen Film- und Theaterwelt

Ja, ja … das Alter! Brian Reader kann ein Lied davon singen. Doch nicht nur die Gesundheit lässt nach, auch die allgemeine Lebensfreude. Früher war er eine große Nummer in der britischen Verbrecherszene und erinnert er sich gern an die alten Zeiten. Und so sammelt er ein paar Kumpels um sich, die meisten ebenfalls im Rentenalter. Gemeinsam planen sie den Einbruch in einen Safe im Londoner Diamantenviertel. Dank der gesammelten jahrzehntelangen Erfahrungen kommen die Senioren bei den Vorbereitungen gut voran. Trotz kleiner Irritationen und einiger Pannen gelingt der Coup. Doch kaum ist alles vorbei, verwandelt sich die eben noch professionelle und liebenswerte Rentnergang in einen undisziplinierten Haufen niederträchtiger Ungeheuer. Sämtliche Vorsichtsmaßnahmen werden über den Haufen geworfen, Gier und Egoismus ersetzen die Kollegialität … und gleich um die Ecke lauert Scotland Yard auf den ersten Fehler, der auf die Spur der Jahrhundertverbrecher führt.

Sir Michael Caine spielt den Ideengeber und Anführer Brian Reader mit eleganter Gelassenheit. Readers Führungsqualitäten sind, besonders zu Beginn, ebenso beachtlich wie seine Neigung zu ironischen Bemerkungen. Später wird er zur tragischen Figur, und angesichts der Entwicklung geht ihm dann beinahe die Ironie flöten. Seine gierige Gang führt sich auf wie die Horde nichtsnutziger, zänkischer, unmoralischer und dämlicher Verbrecher, die sie tatsächlich sind, und dasselbe gilt im Grunde für Brian Reader. Auch wenn er sich nicht gern die Hände schmutzig macht, ist er keineswegs der noble Gentleman-Gauner, als der er gerne auftreten möchte. Wie Michael Caine diese Entwicklung unter Einsatz minimaler Mittel spielt, wie er es schafft, der Gaunerfigur Leben einzuhauchen, ist absolut beachtenswert. Zusätzlich zur exquisiten Besetzung machen ein guter Soundtrack und eine angemessen temporeiche Bildführung den Film zu einem insgesamt kurzweiligen Kinoerlebnis, das vor allem ein älteres Publikum anziehen könnte – als Seniorenkriminalkomödie mit etwas Tiefgang und einer gehörigen Portion Ironie.


Großbritannien 2018
Regie: James Marsh
Darsteller: Sir Michael Caine, Jim Broadbent, Tom Courtenay, Ray Winstone, Paul Whitehouse, Charlie Cox, Michael Gambon
103 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 25.4.

Tea with the Dames



Vier große alte Schauspielerinnen, die von der Queen den Titel Dame für ihre Beiträge zur Schauspielkunst erhalten haben, treffen sich von Zeit zu Zeit in einem Cottage und unterhalten sich über die alten Zeiten. Und das ist ausgesprochen witzig.

Die großen Schauspielerinnen Judi Dench, Eileen Atkins, Maggie Smith und Joan Plowright, die alle in den Stand einer Dame erhoben wurden, sind seit vielen Jahrzehnten miteinander befreundet und treffen sich von Zeit zu Zeit im Cottage von Laurence Oliviers Witwe Joan, um über die alten Zeiten zu sprechen, ein Glas Champagner zu trinken, und zu lachen. „Notting Hill“-Regisseur Roger Mitchell wohnte mit einem Team einem solchen Treffen bei, um zu beobachten, worüber die alten Damen so reden, wobei er bisweilen auch Themen anstößt, um zu sehen, wohin sie führen. Dies ist keine klassische Dokumentation, sondern eher ein intimes Treffen von Freunden, dem man beiwohnen darf. Natürlich versteht man dabei nicht alles. So mancher Spruch, so manches verschmitztes Zwinkern lässt erkennen, wie gut sich die Freundinnen kennen. Sie können über Dinge lachen, zu denen der Zuschauer gar keinen Zugang findet, weil sie nur angedeutet werden – wenn überhaupt. Aber das kommt erfreulicherweise nur selten vor. Stattdessen lauscht man den vier Damen dabei, wie sie sich über alte Zeiten unterhalten.

Darüber, wie sie alle neben Laurence Olivier gespielt haben und wie eingeschüchtert sie waren, über ihre Anfänge im Showgeschäft, über ihre Ernennung zur Dame Commander of the British Empire, ihre Ehemänner und vieles mehr. Die Themen wechseln schnell und erratisch. Einer Dramaturgie folgt man dabei nicht. Eher wird über das gesprochen, was gerade in den Sinn kommt. „Tea with the Dames“ ist keine Dokumentation, die den Blick des Zuschauers auf die Welt verändern würde, aber ein sehr charmanter, höchst vergnüglicher Film, der mit intelligenter Konversation, großer Herzlichkeit und sehr viel Humor daherkommt. Eine echte Perle, wie es sie nicht so häufig gibt.

Großbritannien 2018
Regie: Roger Mitchell
Darsteller: Eileen Atkins, Judi Dench, Joan Plowright, Maggie Smith
84 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 25.4.

Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein


Um den Demütigungen seines Vaters zu entkommen, flüchtet sich der 12jährige Paul in eine Welt, in der das Merkwürdige und Seltsame zelebriert wird. Der Film zelebriert es auch und ist trotz Überlänge keine Sekunde langweilig.

Ende der 1950er Jahre in Wien: Zu seinem Vater Roman Silberstein (Karl Markovics) hat der zwölfjährige Paul (Valentin Hagg) keine besonders gute Beziehung. Der Mann, der während des Krieges ins Exil gehen musste, vom Judentum zu Katholizismus konvertiert ist, und vermögend in die Heimat zurückkehrte, ist kalt und unnahbar. Jemand, der mit sich selbst nicht im Reinen ist. Ganz anders als der kleine Paul, der gerne als merkwürdig oder seltsam beschrieben wird, aber Wege findet, sich der strengen Hierarchie zuhause oder im Internat zu entziehen. Indem er ein junges Fräulein verehrt, das er nie getroffen hat und dennoch liebt, indem er das Anderssein zelebriert und zum „funkelnden Hundling“ wird – auch wenn er noch ein Leben lang brauchen wird, um herauszufinden, was das alles beinhaltet.

Es ist ein ungewöhnlicher Film, den Rupert Henning hier präsentiert. Einer, der auf André Hellers Buch basiert, aber dennoch eigene Wege geht, weil er mit dem Medium des bewegten Bilds noch weit mehr Möglichkeiten hat, den Zuschauer in die traumhafte Welt der Hauptfigur zu entführen. Er nutzt literarische Kniffe, indem er den Zuschauer an den Gedanken des kleinen Pauls teilhaben lässt, die Visualisierung ist es aber, die ihresgleichen sucht. Weil Henning hier ein Terrain betritt, das das deutschsprachige Kino nur selten beschreitet: Ein surreales Sammelsurium, das mit seinem Hang zum Skurrilen immer wieder die Lachmuskeln anregt. Aber „Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein“ ist nicht nur ein Film, der wirkt, als hätten Tim Burton und Luchino Visconti ein Kind der Liebe gezeugt, sondern auch ein in ernsten Momenten schwelgendes Familiendrama, in dem es um das Erwachsenwerden eines Jungen geht. Dieser Film, der mit knapp zweieinhalb Stunden Laufzeit daherkommt, ist ein echtes Juwel, das dem Außenseitertum mit seiner prickelnden Kinomagie ein Denkmal setzt, zugleich aber auch ein in den richtigen Momenten stilles Drama über den Konflikt der Kriegs- mit der Nachkriegsgeneration ist.

Österreich 2018
Regie: Rupert Henning
Buch: Rupert Henning, Uli Brée
Darsteller: Valentin Hagg, Karl Markovics, Sabine Timoteo
140 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 25.4.

Avengers: Endgame (englische OV in 2D)


Seid Ihr bereit für den Blockbuster des Jahres? It is going to be Marvel-lous!

Nach der Dezimierung von Thanos müssen sich die verbliebenen Avengers und ihre Verbündeten versammeln, um Thanos’ Handlung rückgängig zu machen und die Ordnung im Universum wiederherzustellen.

Was 2008 mit „Iron Man“ begann, wird jetzt mit einem bombastischen Knall enden. Nach zahlreichen unvergleichlichen Superhelden-Abenteuern und dem dramatischsten Finale der jüngsten Filmgeschichte in „Avengers: Infinity War“, laufen alle Fäden des Marvel Cinematic Universe zum ultimativen, alles verändernden Showdown zusammen. Nie wurde über ein Fingerschnipsen mehr spekuliert und diskutiert, nie waren die Folgen verheerender! Die Auflösung des wohl größten Cliffhangers der Kinogeschichte kündigt sich atemberaubend, packend und legendär an. Was „Avengers: Infinity War“ mit überragender Bildgewalt in Gang setzte, steuert nun mit voller Wucht auf ein action- und emotionsgeladenes Spektakel zu: „Avengers: Endgame“. Das epische Finale steht unmittelbar bevor und verlangt den Superhelden alles ab – das Endspiel kann beginnen…

USA 2019
Regie: Anthony Russo, Joe Russo
Darsteller: Robert Downey Jr., Brie Larson, Josh Brolin
182 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 25.4.

Atlas

Zusammen mit seinem Speditionstrupp soll der Möbelpacker Walter, ein in die Jahre gekommener ehemaliger Gewichtheber, eine Wohnung räumen. Als sich die Tür des Altbaus öffnet, glaubt er in dem jungen Familienvater seinen Sohn zu erkennen, den er vor Jahren im Stich gelassen hat. Es beginnt eine vorsichtige Annäherung und ein folgenreicher Versuch, die junge Familie aus der Gefahr zu retten.

Mit einem Ensemble feinfühliger Schauspieler erzählt der Regisseur David Nawrath in seinem Kino-Debüt ATLAS von einer besonderen Vater-Sohn-Geschichte, die sich unter dem Druck einer kriminellen Entmietung verdichtet. Für das Drehbuch bekamen Nawrath und sein Co-Autor Paul Salisbury schon den Emder Drehbuchpreis und eine Nominierung für den Deutschen Drehbuchpreis.

Deutschland 2018
Regie: David Nawrath
Darsteller: Rainer Bock, Albrecht Schuch, Thorsten Merten
100 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 2.5.

Der Flohmarkt von Madame Claire

Eine alte Dame hat sich in den Kopf gesetzt hat, ihr gesamtes Hab und Gut zu verkaufen. Catherine Deneuve spielt mit würdevoller Eleganz, ihre Tochter Chiara Mastroianni ist auch die Tochter im Film, und die beiden Stars gemeinsam spielen zu sehen, ist ein echtes Erlebnis.

Madame Claire ist nicht mehr die Jüngste. Sie lebt allein in einem herrschaftlichen Haus auf dem Lande, umgeben von Erinnerungsstücken und Antiquitäten. Da Madame Claire davon überzeugt ist, den nächsten Tag nicht mehr zu erleben, trägt sie mit Hilfe einiger junger Männer aus dem Dorf ihren ganzen Hausrat einschließlich der Möbel, Gemälde, Teppiche, Puppen und Bücher in den Hof, sie hängt ein Schild ans Tor und wartet auf Kundschaft. Die lässt nicht lange auf sich warten; es spricht sich schnell herum, dass hier wertvolle Sammlerstücke verschleudert werden. Sogar Madame Claires Tochter Marie reist an, weil eine Schulfreundin sie zu Hilfe gerufen hat, die sich Sorgen um die alte Dame macht. Marie und Claire hatten viele Jahre keinen Kontakt. Ihr Verhältnis ist offensichtlich gestört. Während sich die Besucher um die Schnäppchen streiten, gehen Claire und Marie, jede für sich, auf eine Reise in die Vergangenheit...

Das Aufräumen im Haus wird hier zum Frühjahrsputz der Seele – eine schöne literarische Idee. So beruht das Drehbuch auch auf einem Roman von Lynda Rutledge: „Faith Bass Darlings Last Garage Sale“. Wenn Madame Claire die Erinnerungen an die Vergangenheit hinausstellt und damit los werden will, dann hat das etwas Kathartisches, es ist ein Symbol der Reinigung, ein Akt der Befreiung. Das Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn“ lockt zudem die eigene Tochter an, was vielleicht beabsichtigt ist. Die Liebe zu den Dingen spielt nicht nur bei Mutter und Tochter eine große Rolle. Neben den Schnäppchenjägern gibt es ein kleines Mädchen, das – unbemerkt von den anderen – Sachen abtransportiert und wie auf einem Altar sammelt. Das Kind interessiert sich nicht für den materiellen Wert, und es scheint mehr mit den Fundstücken zu verbinden als die meisten der gierigen Flohmarktbesucher, die Marie schließlich aussperrt. Vielleicht ist dieses Mädchen eine Claire in jungen Jahren? Damit träfe die Gegenwart auf die Vergangenheit, was gleichzeitig Hoffnungen für die Zukunft weckt.

Frankreich 2018
Regie: Julie Bertuccelli
Drehbuch: Julie Bertuccelli, Sophie Fillières
Darsteller: Catherine Deneuve, Chiara Mastroianni, Alice Taglioni, Samir Guesmi, Laure Calamy, Colomba Giovanni
95 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 2.5.

Das schönste Paar



Wie geht die Frau damit um, vergewaltigt worden zu sein, wie der Mann, hilflos gewesen zu sein? Diese Fragen beschäftigen Sven Taddicken in seinem Beziehungsdrama, das mit Wucht und Emotionalität überzeugt.

Die Lehrer Malte (Maximilian Brückner) und Liv (Luise Heyer) befinden sich im Urlaub auf einer Insel im Mittelmeer. Alles ist schön und perfekt, das Paar fühlt sich frei und glücklich, hat Sex an einem scheinbar abgelegenen Strand. Doch sie werden beobachtet, von Sascha (Leonard Kunz) und seinen Freunden. Am Abend dringen die Jugendlichen in das Appartement des Paares ein. Zunächst versucht Malte noch, die Situation mit Worten zu klären, bietet den Jungs Geld und andere Wertsachen an, doch damit geben diese sich nicht zufrieden. Während seine Kumpels Malte festhalten, vergewaltigt Sascha Liv. Zwei Jahre später. Liv hat ihre Therapie gerade beendet, den Überfall scheinbar verarbeitet, das Paar ist immer noch zusammen und scheinbar wieder in der Normalität angekommen. Bis Malte eines Tages Sascha in einem Imbiss sieht...

Schon in seinem letzten Film „Gleißendes Glück“ hatte Sven Taddicken eine extreme Konstellation benutzt, um von der Fragilität von Beziehungen zu erzählen, und auch jetzt bedient er sich eines extremen Konstrukts. Denn nicht nur um gewöhnliche Beziehungsprobleme soll es gehen, sondern um eine der wohl schlimmstmöglichen Vorstellungen: Der Vergewaltigung des Partners hilflos zusehen zu müssen. So ist der Drang nach Rache, den Malte beim Anblick Saschas empfindet, sofort nachzuvollziehen. Wie Taddicken nun die Situation zuspitzt, von Schuldgefühlen und Selbstzweifeln, von Rachegefühlen und dem Wunsch nach Vergeltung erzählt, ist eindrucksvoll. Zumal er das ursprüngliche Opfer-Paar zunehmend auch zu Tätern werden lässt, die auf fragwürdige Weise nach dem streben, was in ihren Augen Gerechtigkeit ist, die Schuld mit Schuld vergelten wollen und zunehmend selbst Unrecht verüben. Von allen vier Darstellern ist das hervorragend gespielt, besonders von Maximilian Brückner und Luise Heyer, die Stärken und Schwächen ihrer Figuren zeigen, den zunehmend verzweifelten Versuch, ihre einst so perfekte Beziehung am Leben zu erhalten, ist eindrucksvoll.

Deutschland 2018
Regie & Buch: Sven Taddicken
Darsteller: Maximilian Brückner, Luise Heyer, Florian Bartholomäi, Jasna Fritzi Bauer, Inga Birkenfeld, Oskar Bökelmann
97 Minuten
ab 16 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 9.5.

Das Ende der Wahrheit



Ein BND-Mann kommt einem weitreichenden Komplott auf die Spur. Hervorragend recherchierte Geschichte, die zeitgemäße politische und gesellschaftliche Fragen auf überzeugende Weise verhandelt.

Martin Behrens (Ronald Zehrfeld) ist Zentralasien-Experte beim Bundesnachrichtendienst. Als Mann alter Schule vertraut er mehr seinem Instinkt und seiner Erfahrung, als der bloßen Analyse von Daten. Dementsprechend hellhörig wird er auch, als seine Geliebte, die investigative Journalistin Aurice Köhler (Antje Traue), in einem arabischen Lokal getötet wird. Scheinbar zufällig, so vermutet die Polizei, doch Behres ahnt, das Aurice gezielt ermordet wurde. Bald findet er Spuren, die auf ein weitreichendes Komplott hindeuten, das bis weit in die Ränke des BND hineinreicht: Alles dreht sich um die (fiktive) zentralasiatische Region Zahiristan, deren umstrittene Regierung Waffen für den Kampf gegen Terroristen verlangt...

In seinem zweiten Langfilm „Wir waren Könige“ hatte Philipp Leinemann sich mit den Strukturen des Sondereinsatzkommandos der Polizei beschäftigt, diesmal blickt er in die Welt der Geheimdienste. Was er dort findet ist vielschichtig und komplex und darin liegt die größte Qualität des Films. Kein ungeschöntes Loblied auf die Staatsorgane singt er, verdammt sie aber auch nicht. Stattdessen beschreibt er in „Das Ende der Wahrheit“ die Strukturen der Geheimdienste, deutet Verflechtungen an, die meist kaum nach außen dringen, stellt Fragen nach politischer und moralischer Verantwortung und kommt am Ende zum Schluss, dass die Wahrheit meist nicht schwarz oder weiß, sondern grau ist. Ein dichtes Geflecht aus politischen, wirtschaftlichen und geheimdienstlichen Interessen spinnt Leinemann. Zwar merkt man immer wieder mit wie wenig Geld „Das Ende der Wahrheit“ gedreht wurde, doch trotz dieser Einschränkungen ist Philipp Leinemann und seinem Team ein bemerkenswerter, intelligenter Film gelungen, der sich in Bereiche vorwagt, in die das deutsche Kino allzu selten blickt.

Deutschland 2019
Regie & Buch: Philipp Leinemann
Darsteller: Ronald Zehrfeld, Alexander Fehling, Axel Prahl, Claudia Michelsen, Antje Traue, August Zirner
105 Minuten
ab 16 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 9.5.

Kleine Germanen



Es geht um Kinder, die in einem rechtsradikalen Umfeld aufwachsen. Dieser Film kommt zur richtigen Zeit, seine Wirkung beruht auf der Kombination von Fakten, unverbrämten Äußerungen und Originalinterviews mit einer wahren Geschichte. Ein aufrüttelnder, handwerklich sehr gelungener Film.

Die kleine Elsa wächst liebevoll behütet auf – der Opa ist ihre wichtigste Bezugsperson. Ihm vertraut sie, und wenn sie ihren kleinen Stahlhelm trägt und mit ihm Krieg spielen kann, ist sie selig. „Für Führer, Volk und Vaterland“, piepst sie und grüßt mit erhobenem rechtem Arm. Als Erwachsene heiratet sie einen Neonazi, mit dem sie in einem von der Außenwelt abgeschotteten Dorf voller Gleichgesinnter lebt. Nachdem ihr Mann wegen rechter Gewalttaten inhaftiert wurde, sieht sich Elsa allein gelassen mit ihren Kindern, von denen eines behindert ist. Sie baut sich unter den misstrauischen Blicken der Dorfgemeinschaft eine eigene Existenz auf, setzt sich zur Wehr, als sie ihren behinderten Sohn ins Heim geben soll und trennt sich schließlich von ihrem Mann...

Elsas Lebensgeschichte ist einer der beiden Erzählstränge des Films. Er zeigt in animierten Bildern, wie Elsa aufwächst – in einem Umfeld von Hass und Lügen. Parallel dazu stehen die realen Bilder der Gegenwart, die unterschiedliche Aspekte einer rechtsradikal ideologisierten Erziehung zeigen. Die Bedeutung dieses Films kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Während in weiten Teilen der Gesellschaft die Fähigkeit zum Diskurs im gleichen Maße abnimmt wie die offenkundige Neigung zu einem sehr schlichten Schwarz-Weiß-Denken zunimmt, mischt sich scheinbar der Wertkonservativismus des schwindenden kleinbürgerlichen Mittelstandes mit dem Hurra-Patriotismus und dem Kadavergehorsam vergangener militaristischer Zeiten. Die Spaltung der Gesellschaft schreitet fort, an allen Ecken und Enden wird eine kaum verbrämte Nazi-Ideologie salonfähig. Wohin ein solcher verquaster Nationalstolz führt, wenn er sich über ein ganzes Land oder über die gesamte Welt ausbreitet, sollte eigentlich jedem Menschen klar sein. Um Diskussionen in Gang zu setzen, um das Nachdenken über den Zustand der Republik und die Richtung einer künftigen Entwicklung zu steuern, bietet der Film jedenfalls eine Fülle von Denkansätzen und Gesprächsmöglichkeiten


Deutschland 2018
Dokumentarfilm
Regie: Mohammad Farokhmanesh & Frank Geiger
Drehbuch: Mohammad Farokhmanesh, Frank Geiger & Armin Hoffmann
85 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 9.5.

Nur eine Frau



Die Geschichte sorgte 2005 für Schlagzeilen, jetzt erzählt die Deutsch-Türkin Aynur posthum, wie sie Opfer eines Ehrenmordes wurde. Unkonventionell inszeniertes Drama mit einer exzellenten Hauptdarstellerin

Mitten in Berlin wird Aynur (Almila Bagriacik) von ihrem Bruder Nuri (Rauand Taleb) auf offener Straße erschossen. Arglos hat sie ihn zur Bushaltestelle begleitet, wenige hundert Meter entfernt in der Wohnung schläft ihr fünfjähriger Sohn Can. Wie ist es zu dieser Tat gekommen? In „Nur eine Frau“ erzählt Aynur ihre Geschichte. Es ist die Geschichte einer selbstbewussten jungen Frau, die das Leben liebt und die genau weiß, wie sie es leben möchte. Die der Gewalt in ihrer Ehe entflieht und sich auch von ihren Brüdern und Eltern nicht vorschreiben lässt, was sie zu tun hat. Sie sucht sich und Can eine eigene Wohnung, macht eine Lehre, geht aus und lernt neue Freundinnen und Männer kennen. Sie weiß, dass sie sich damit gegen die Traditionen ihrer Familie stellt und sich selbst in Gefahr bringt, doch ihr Drang nach Freiheit ist größer. Bis die Beleidigungen und Drohungen ihrer Brüder immer ernster werden. Und es irgendwann zu spät ist .

Emotional und eindringlich lässt Regisseurin Sherry Hormann („Wüstenblume“) in „Nur eine Frau“ Aynur selbst zu Wort kommen und die Geschichte ihres eigenen Lebens und ihres Todes erzählen. Es ist die Geschichte Hatun Aynur Sürücüs, deren Ermordung 2005 für einen Aufschrei sorgte. Basierend auf Recherchen in ihrem persönlichen Umfeld, Gerichtsakten, bislang unveröffentlichten Gesprächen mit der Familie, den Tätern, Freundinnen und Freunden Aynurs und der bis heute im Zeugenschutzprogramm befindlichen Kronzeugin entwirft der Film das authentische Bild einer lebenshungrigen, freiheitsliebenden und mutigen jungen Frau, die darum kämpft, selbstbestimmt leben zu können. Doch als Deutsche mit türkisch-kurdischen Wurzeln befindet sie sich im ständigen Konflikt zwischen den Werten ihrer Familie und ihrer eigenen Lebenseinstellung. In der Rolle der Aynur beeindruckt Shooting Star Almila Bagriacik, die zuletzt u.a. in „4 Blocks“ zu sehen war.

Deutschland 2019
Regie: Sherry Hormann
Darsteller: Almila Bagriacik, Meral Perin, Rauand Taleb
97 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 9.5.

Stan & Ollie



Bei einer Theatertour durch England wird die Freundschaft des berühmtesten Komiker-Duos der Welt auf eine harte Probe gestellt. Exzellent gespielte und inszenierte Tragi-Komödie, die bewegt.

Stan Laurel (Steve Coogan) und Oliver Hardy (John C. Reilly), das beliebteste Komikerduo der Welt, befindet sich 1953 auf einer Tour durch Großbritannien. Ihre besten Jahre als die „Könige der Hollywood-Komödie“ hinter sich, sehen sie sich mit einer ungewissen Zukunft konfrontiert. Zu Beginn ihrer Tour kreuz und quer durchs Land sind die Zuschauerränge enttäuschend leer. Doch durch ihr Talent, sich immer wieder gegenseitig zum Lachen zu bringen, beginnt der Funke auf ihr Publikum überzuspringen. Es gelingt ihnen durch den Charme und die Brillanz ihrer Aufführungen, alte Fans zurückzugewinnen und neue zu begeistern: Die Tour wird zu einem Riesenerfolg! Doch die Geister ihrer Vergangenheit holen sie ein und stellen Stan und Ollies Freundschaft auf eine Bewährungsprobe….

Sie haben Generationen begeistert, Stan Laurel und Oliver Hardy (aka „Dick und Doof“), das erfolgreichste und beliebteste Comedy-Duo der Filmgeschichte. Millionen haben sie in ihr Herz geschlossen und über ihren ansteckenden Humor, ihre hinreißend komischen Sketche gelacht. Regisseur Jon S. Baird („Drecksau“) setzt den beiden Kinostars ein bewegendes Filmdenkmal und erzählt nicht nur von den Höhen und Tiefen einer äußerst erfolgreichen künstlerischen Partnerschaft, sondern insbesondere die Geschichte einer großen Freundschaft. Die beiden Oscar®-Nominierten Steve Coogan („Philomena“, „Nachts im Museum - Das geheimnisvolle Grabmal“) und John C. Reilly („The Sisters Brothers“, „Holmes und Watson“) laufen in ihren Rollen zur Höchstform auf. „Stan & Ollie“ war bei den BAFTAs 2019 in den Kategorien „Herausragendster Britischer Film“, „Bester Hauptdarsteller“ (Steve Coogan) und „Bestes Make-up & Haar“ nominiert. John C. Reillys Leistung wurde zudem mit einer Golden Globe® Nominierung in der Kategorie „Bester Schauspieler Musical/Comedy“ geehrt. Bei seinem UK-Start setzte sich der Film souverän auf Platz eins der Kino-Charts und setzte bislang knapp 14 Mio. Dollar an den britischen Kinokassen um – ein weiterer Beweis dafür, dass der Kult um die beiden Starkomiker bis heute ungebrochen anhält.

Land/Jahr: Großbritannien, Kanada, USA 2018
Regie: John S. Baird
Buch: Jeff Pope
Darsteller: John C. Reilly, Steve Coogan, Danny Huston, Nina Arianda
98 Minuten


Voraussichtlich ab Mittwoch 15.5.

Die Kinder der Utopie

Dokumentarische Weiterführung des 2005 in die Kinos gekommenen Films „KlassenLeben“ über eine Inklusionsklasse an einer Berliner Grundschule, in dem die ProtagonistInnen von damals erneut Rede und Antwort stehen.

Die ehemaligen Grundschüler/innen stehen inzwischen an der Schwelle zum Erwachsenenleben: Luca liebt die Fotografie und studiert Umweltwissenschaften, Dennis startet eine Karriere als Musical-Darsteller, Christian hat sein VWL-Studium abgebrochen und lang über seine Homosexualität gegrübelt, Marvin arbeitet in einer Werkstatt für versehrte Menschen und hat neuerdings den christlichen Glauben für sich entdeckt, Johanna macht eine Ausbildung zur Altenpflegerin, Natalie will ihr Praktikum in einer Großküche als Festanstellung fortführen und bei ihren Eltern ausziehen. Am Anfang kehren die sechs Protagonist/innen gemeinsam an die alte Grundschule zurück. Der Blick auf das Vergangene spielt eine wichtige Rolle. Alle beschreiben das damals vorherrschende Klassengefühl als positiv. Die Rückschau kreist um die Frage, wie sich das Lernen in einer Inklusionsklasse in der Situation selbst angefühlt und auf das weitere Leben ausgewirkt hat.

Nach dem gemeinsamen Schulbesuch folgt Hubertus Siegert einer so simplen wie genialen Erzählstruktur: Als erste Protagonistin kommt Luca an die Reihe, bevor Dennis seine Screentime erhält – als Überleitung erfolgt jeweils ein Zweiertreffen, bei dem die wiederholte Eröffnungsfrage den Stein ins Rollen bringt: „Was machst du jetzt eigentlich?“ So entsteht ein Personenreigen, der am Ende passenderweise wieder in ein Gruppentreffen mündet. Die Interviews finden in alltäglichen Situationen statt und wurden teils aus dem Off über die Bilder gelegt. Neben der Vergangenheit geht es zugleich um Pläne und Träume. Für die Zukunft. Die Aufnahmen sind – von vereinzelten Talking Heads abgesehen – durchweg stilvoll und im besten Sinn nüchtern. Leitmotivisch rückt Siegert immer wieder Smartphones, Laptops und andere Screens ins Bild, auf denen Videos aus der Grundschulzeit laufen. Dieser Kniff spiegelt auf elegante Weise die Verknüpfung mit dem Vorgänger „KlassenLeben“.

Dokumentarfilm
Deutschland 2019
Regie: Hubertus Siegert
85 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 16.5.

Das Familienfoto



Als ihr Sohn seine demente Mutter ins Heim abgeschoben werden soll, nehmen sich seine Töchter ihr an. Weniger eine Komödie, als vielmehr ein intensives Drama, das mit seiner Wahrhaftigkeit lange nachwirkt.

Alles beginnt mit einer Beerdigung. Ein Mann ist gestorben und seine Frau, Mutter von Pierre und Großmutter von Elsa, Gabrielle und Mao, erklärt, dass sie dort sterben möchte, wo sie immer am Glücklichsten war: in Saint-Julien. Die demente alte Dame erinnert sich kaum noch an etwas, nur daran, dass ihr dieser Ort etwas bedeutete. Da die Oma aber nicht alleine leben kann, bereitet Pierre alles dafür vor, sie ins Heim zu bringen. Doch Elsa und Gabrielle wollen das nicht zulassen und nehmen die alte Dame zu sich, ohne wirklich bedacht zu haben, welche Verantwortung es ist, einen verwirrten Menschen wie sie zu betreuen, zumal ihrer aller eigenes Leben auch mit Problemen gepflastert ist, die ihren Ursprung in ihrer Jugend haben.

Es gibt Momente, da lacht man tatsächlich, in erster Linie ist „Das Familienfoto“ aber wirklich keine Komödie, sondern ein sehr glaubhaftes Drama, das es versteht, dank komplexer und ausgefeilter Figuren die Geschichte voranzutreiben. Man hat hier die Definition einer dysfunktionalen Familie. Geschiedene Eltern, die sich kaum etwas zu sagen haben, Kinder, die getrennt voneinander aufwuchsen, und Erziehungsmethoden, die wohl den 68ern entspringen. Denn, wie Mao – was für ein Name! – so treffend seiner Psychologin erklärt, ist seine Familie eine, bei der sogar die Kuscheltiere sterben. Aber das Leben aller Kinder ist verkorkst – auf die eine oder andere Art und Weise. In „Das Familienfoto“ geht es aber auch um das Erinnern, haben die längst erwachsenen Kinder doch allesamt vergessen, was ihnen die Sommer in Saint-Julien bedeutet haben. Das ist etwas, das diese drei Menschen, die sich im Lauf der Jahre fremd geworden sind, wieder zusammenführt. Es gibt ausgesprochen emotionale Momente, die je nach persönlichem Erlebnishorizont des Zuschauers wirken, aber kaum jemand wird wohl von dem, was er in „Das Familienfoto“ sieht, kaltgelassen. Denn was der Film auch zeigt, ist eine typische Familie, wie jeder sie kennt – mit allen Ecken und Kanten, aber auch dem Gefühl, dass bedingungslose Liebe vorhanden ist.


Land/Jahr: Frankreich 2018
Regie & Drehbuch: Cecilia Rouaud
Darsteller: Vanessa Paradis, Camille Cottin, Pierre Deladonchamps, Jean-Pierre Bacri, Chantal Lauby
98 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 16.5.

Greta



Eine verlorene Handtasche führt eine junge Frau in die Fänge einer psychopathischen Stalkerin. Packendes Katz- und Maus-Spiel mit einer brillanten Isabelle Huppert.

Frances (Chloë Grace Moretz) findet eine Handtasche in der New Yorker U-Bahn und zögert nicht, sie der rechtmäßigen Besitzerin nach Hause zu bringen. Die Tasche gehört der eleganten Witwe Greta (Isabelle Huppert), die sich sehr über den Besuch der jungen Frau freut. Schnell freundet sich Frances mit der älteren Dame an, denn das Schicksal scheint zwei einsame Seelen zusammengeführt zu haben. Doch schon bald findet sie heraus, dass Greta ihre Handtaschen nur als Köder auslegt, um die ehrlichen Finder zu sich zu locken …

Oscar®-Preisträger Neil Jordan, der Klassiker wie „The Crying Game“, „Interview mit einem Vampir“ und „Die Zeit der Wölfe“ geschaffen hat, inszeniert in seinem neuen Psychothriller „Greta“ das verhängnisvolle Aufeinandertreffen zweier ungleicher Frauen. Chloë Grace Moretz („Suspiria“, „Die Wolken von Sils Maria“, „Kick-Ass“) spielt die ahnungslose Frances, die für ihre Ehrlichkeit bitter bestraft wird und in die Fänge der psychopathischen Stalkerin Greta gerät. Diese wird von der mehrfach preisgekrönten französischen Ausnahmeschauspielerin Isabelle Huppert („Elle“, „Happy End“, „Die Klavierspielerin“) gespielt, die mit ihrer intensiven Darstellung für reichlich Gänsehaut sorgt. In weiteren Rollen sind in diesem packenden Katz-und-Maus-Spiel Maika Monroe („It Follows“, „The Guest“) und Stephen Rea („Michael Collins“, „The Honourable Woman“) zu sehen. „Greta“ feierte auf dem Toronto International Film Festival 2018 Weltpremiere.


USA/Irland 2018
Regisseur: Neil Jordan
Drehbuch: Neil Jordan, Ray Wright
Darsteller: Chloë Grace Moretz, Isabelle Huppert, Maika Monroe, Colm Feore, Stephen Rea
98 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 16.5.

Once Again – Eine Liebe in Mumbai



Zarte Liebesgeschichte zwischen einem alternden Filmstar und einer Restaurantbesitzerin.
Die poetische Reise zweier einsamer Herzen durch die 15 Millionen-Seelen-Stadt Mumbai.

Tara, die verwitwete Mutter zweier erwachsener Kinder, führt ein kleines Restaurant. Der berühmte Filmstar Amar ist einer ihrer Kunden, dem sie täglich Mahlzeiten ausliefert. Tara hat ihn bisher nur auf der großen Leinwand gesehen – persönlich haben sie sich noch nicht getroffen. Ein zufälliges Telefongespräch wird zum Ritual zwischen den beiden, und sie verbringen Stunden am Telefon, ohne den Mut für ein Treffen zu finden. Beide sind sich der Unmöglichkeit einer realen Beziehung bewusst und haben Angst davor, die um sich gezogenen Schutzwälle zu erweitern. So leben sie in ihren jeweiligen sicheren Sphären. Bis sich Amar eines Tages aufmacht, Tara zu treffen… Was folgt, ist die poetische Reise zweier einsamer Herzen durch die 15 Millionen-Seelen-Stadt Mumbai.

Regisseur Kanwal Sethi über seinen Film: „Heute sind wir stärker denn je miteinander verbunden und mit einer phänomenalen Technologie ausgestattet, die diese Verbindungen sichert und dennoch gibt es schockierenderweise ein epidemisches Ausmaß an Einsamkeit in allen Gesellschaftsschichten und Teilen der Welt. Mumbai unterscheidet sich da nicht von New York oder Berlin. Mein Film ist der Versuch, dieses Gefühl der Einsamkeit in all ihren verschiedenen Facetten im modernen Indien einzufangen. Meine ersten Gedanken galten der Atmosphäre des Films; es sind der Alltag dieser beiden einsamen Seelen und die banalen Details, die uns unser eigenes Alleinsein und unsere Sehnsucht nach menschlichem Kontakt vor Augen führen. Einsamkeit ist ein Gefühl, ein Gemütszustand, eine Situation, eine Stimmung. Einerseits kann sie eine persönliche Hölle sein, die Millionen von innen heraus verschlingt, andererseits können soziale und wirtschaftliche Faktoren Menschen in Situationen bringen, in denen Einsamkeit die einzige Option ist. Der Film ist mein Versuch, die Spannung zwischen diesen beiden Aspekten auszuloten.

Deutschland/Indien/Österreich 2018
Regie: Kanwal Sethi
Darsteller: Shefali Shah, Neeraj Kabi, Rasika Dugal, Bhagwan Tiwari, Badita Bag, Priyanshu Pinyuli
98 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 16.5.

Under the Tree


In einem idyllischen Vorort irgendwo in Island eskaliert ein Nachbarschaftsstreit. Wer isländisches Kino kennt, der weiß um dessen schwarzen Humor. Und den gibt es hier reichlich.

Inga und Baldvin lieben ihren Garten, vielmehr noch lieben sie ihren prächtigen Baum! Doch seinetwegen liegen die Nerven ihrer Nachbarn brach: Das Gewächs wirft nämlich einen riesig-großen Schatten auf die Terrasse der wohlsituierten Nachbarschaft. Nix mit Sommer, Sonne, Sonnenschein. Die Bitte der Schattengeplagten, sich hurtig um das Ungetüm zu kümmern, wird harsch abgewehrt. Ihr Sohn Atli hat währenddessen selbst ganz andere Probleme: Schuld ist ein kleines Sex-Video, das zu einem großen Streit mit seiner Frau führt. Er muss zurück ins Elternhaus ziehen, doch hier sorgt der Baum weiterhin für Ärger. Wurde der Nachbar etwa mit einer Kettensäge gesehen? Als dann plötzlich die geliebte Katze verschwindet und Überwachungskameras installiert werden, ist allen klar „so klappt‘s nicht mit den Nachbarn“. Ein verbitterter Kampf unter den Familien beginnt und das Chaos im idyllischen Vorort scheint perfekt ...

Drei Familien, ein Baum und ein unglaubliches Chaos: „Under the Tree“ von Hafsteinn Gunnar Sigurðssons ist ergreifend und absurd zugleich. Die dichte Erzählung um streitende Nachbarn und eine Ehekrise im isländischen Idyll ist vollgepackt mit bittersüß-schwarzem Humor. Ein Paradestück des jungen und innovativen europäischen Arthouse-Kinos. Hafsteinn Gunnar Sigurðssons wurde u.a. bekannt durch das US-Remake „Prince Avalanche“ (mit Paul Rudd und Emile Hirsch) seines Regiedebüts „Either Way“. Auch in seinem neuesten Werk beeindruckt er durch überragende Bilder und seine innovative Erzählweise. Seine Weltpremiere feierte der Film im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele Venedig, es folgte die Nordamerika-Premiere beim Toronto International Film Festival. Darüber hinaus reichte Island „Under the Tree“ als offiziellen Beitrag ins Oscar®-Rennen als bester fremdsprachiger Film ein. Weitere hochrangige Festivals und Auszeichnungen folgten, unter den Trophäen darf sich das Team auch über sieben Isländische Film- und Fernsehpreise (EDDA) freuen – u.a. in den Kategorien „bester Film“, „beste Regie“ sowie „bester männlicher“ und „beste weibliche Hauptdarstellerin“.


Land/Jahr: Island, Polen u.a. 2017
Regie: Hafsteinn Gunnar Sigurðsson
Darsteller: Sigurður Sigurjónsson, Edda Björgvinsdottir, Steinþór Hróar Steinþórsson
89 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 16.5.

WKDW – Was kostet die Welt?



Vor idyllischer Kulisse entfaltet sich ein erbitterter Kampf um Demokratie, Meinungs- und Pressefreiheit. Dokumentation, die fundamentale Fragen nach sozialer Verantwortung aufwirft

Auf Sark, einer im Ärmelkanal gelegenen, kleinen Insel, lebten die Menschen seit hunderten von Jahren als autonome Gemeinschaft, die auf gegenseitiger Selbsthilfe und Selbstverwaltung gründete. Keiner der inzwischen rund 600 Einwohner besaß das Land, auf dem er lebte, denn es wurde als Lehen von der britischen Krone gegeben. Das Leben war einfach und beruhte eher auf gegenseitigem Vertrauen als auf Gesetzesvorgaben. Aber eine neue Macht veränderte das beschauliche Inselleben: Zwei Milliardäre begannen systematisch das Land aufzukaufen und erwarben und modernisierten vier der sechs Hotels. Ihre Firmen besitzen inzwischen ein Drittel der gesamten Landfläche. Ihre Anwälte greifen beinah jede Gesetzesinitiative des kleinen Feierabendparlaments an, das verzweifelt versucht, regulierend einzugreifen. Und der von ihrem Verwalter herausgegebene Newsletter sät Zwietracht unter den Nachbarn, verleumdet und diffamiert. Auf dem idyllischen Schauplatz entfaltet sich ein erbitterter Kampf um Demokratie, Meinungsfreiheit und gesellschaftliche Verantwortung.

Wie in einen Mikrokosmos blickt der Film auf eine kleine Gemeinschaft, die wirtschaftlich, politisch und menschlich von den Machenschaften einer Finanzelite zerrüttet wird, weil es keinen Staat gibt, der bereit wäre ihre Interessen zu schützen. Und das nicht in der Dritten Welt, sondern mitten unter uns. Und er geht der Frage nach, welche Absichten wirklich hinter diesen feindseligen Aktivitäten stehen. Denn ein böser Verdacht verfestigt sich: Soll Sark in Wirklichkeit kein Luxus-Resort, sondern eine Steueroase werden, bequem gelegen auf halbem Weg zwischen London und Paris?

Deutschland 2018
Dokumentarfilm
Regie: Bettina Borgfeld
91 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 16.5.

Wir - Der Sommer, als wir unsere Röcke hoben und die Welt gegen die Wand fuhr

Acht Teenager, vier Mädchen und vier Jungs, ein Sommer im Niemandsland an der belgisch-niederländischen Grenze. Was sich wie der Beginn eines typischen Coming-of-Age-Films anhört, wird in René Ellers Verfilmung des Skandalromans von Elvis Peeters zu einem schnell eskalierenden Exzess aus Sex, Gewalt und einer Gesellschaft, die jeglichen moralischen Kompass längst verloren hat.

Basierend auf Elvis Peeters Bestseller, der in den Niederlanden eine gewaltige Kontroverse auslöste, schildert der Film den moralischen Niedergang einer ganzen Generation. Nahezu furchtlos bricht der Film sämtliche Tabus und beflügelt seine jungen Darsteller zu schauspielerischen Glanzleistungen. In einer Zeit, die sämtliche Werte verweigert, wird grenzenloser Spaß zu einem gefährlichen Drahtseilakt, der keinerlei Hemmungen akzeptiert - inszeniert wird dieser Absturz als rauschhafte Achterbahnfahrt durch eine Jugend, die keine Grenzen kennt.

Niederlande, Belgien 2018
Regie: Rene Eller
Darsteller: Pauline Casteleyn, Aimé Claeys, Gaia Sofia Cozijn
100 Minuten
ab 18 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 23.5.

Blown Away - Music, Miles and Magic

Bebilderter Segeltörn rund um den Globus, den zwei Freunde in vier Jahren zurückgelegt haben. Trotz einiger „Reisemängel“ gelingt ein hübsches Expeditions-Tagebuch, das durch die Energie und Lebensfreude der Musiker zu überzeugen vermag.

„We are sailing“, sagten sich die jungen Musiker Ben Schaschek und Hannes Koch. Nach dem gemeinsamen Tontechnik-Studium wollten die zwei „irgendetwas Abgefahrenes“ machen. In 80 Tagen um die Welt reichte den beiden nicht, sie planten gleich vier Jahre für den Segeltörn um den Globus. Ein echter Sprung ins kalte Wasser, denn vom Segeln haben sie keine Ahnung. 15.000 Euro aus einem Erbe haben die Freunde in Boot, Proviant und Ausrüstung investiert. In jedem besuchten Land sollen lokale Musiker aufgenommen werden, so der Plan. Pro Tag und Person haben sie 12 Euro ausgegeben, „so günstig könnte ich in Berlin nicht leben“, erzählt Koch. Über Papua-Neuguinea, Australien und Singapur geht es im kleinen Segelboot nach Indien. Die entspannte Art der bärtigen Globetrotter öffnet schnell alle Türen. Musik-Aufnahmen finden da auch schon mal direkt am sonnigen Strand statt oder nach der fröhlichen Besichtigung einer Hanf-Plantage: Hippies 2.0!

Das filmische Reisetagebuch überzeugt durch sympathische Protagonisten und die angenehme Erzählerstimme. Bei den Begegnungen mit geselligen Gastgebern rund um den Globus kommt zuverlässig kuschelige „Couchsurfing“-Stimmung auf: Offenheit statt Eigennutz. Helfen, lachen, Musik machen. Außer dem gelegentlichen Ausfall des Motors der betagten „Marianne“, einer zerbrochenen Gitarre oder einem kleinen Läusebefall scheint es wenig Stolpersteine auf der abenteuerlichen Reise gegeben zu haben. Monatelang verbringen die beiden Freunde einsam auf einem sieben Quadratmeter kleinen Boot - alles ohne jeden Streit? Ganz ohne Gequatsche über Gott und die Welt und die letzten Fragen der Menschheit? Trotz solcher „Reisemängel“ gelingt ein hübsches Expeditions-Tagebuch, das durch die Energie und Lebensfreude der Musiker zu überzeugen vermag. Das Reiseziel von Globetrotter Hannes Koch wird erreicht: „Wir glauben, dass wir mit unserem Film Menschen inspirieren können, sich auf das Unbekannte einzulassen. Sich selbst und anderen zu vertrauen. Das haben wir auch getan und sind als andere Menschen zurück gekehrt…“.

Deutschland 2019
Regie: Micha Schulze
Darsteller: Hannes Koch, Ben Schaschek
120 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 23.5.

All My Loving – Eine Geschichte von drei Geschwistern


Drei voneinander entfremdete Geschwister stecken jeweils in einer verfahrenen Lebenssituation. Ohne forcierte Zuspitzungen inszeniert, erzeugt der Episodenfilm aber dennoch eine intensive Wirkung.

Weil sein Gehör nachlässt, verliert Stefan (Lars Eidinger) seinen identitätsstiftenden Job als Pilot. Statt das wahrzuhaben, hängt der Playboy weiter an seinem alten Leben und streift in einer Pilotenuniform durch Berliner Bars, um Frauen kennenzulernen. Stefans Schwester Julia (Nele Mueller-Stöfen) und ihr Mann Christian (Godehard Giese) leiden derweil am drei Jahre zurück liegenden Tod ihres Sohns. Ein Italienurlaub soll Entspannung bringen, doch Julia lässt ihre komplette Aufmerksamkeit einem verletzten Straßenhund zukommen. Tobias (Hans Löw), der jüngere Bruder von Stefan und Julia, schreibt derweil noch mit Ende 30 an seiner Diplomarbeit und schmeißt den Haushalt mit drei kleinen Kindern, während seine Frau die Finanzen stemmt. Da er von allen Geschwistern vermeintlich am meisten Zeit hat, soll er sich um die pflegebedürftigen, ziemlich widerspenstigen Eltern kümmern.

Das Drehbuch von Edward Berger und der Schauspielerin Nele Mueller-Stöfen stellt einen prägnanten Prolog an den Anfang, der die Geschwister bei einem Restaurantbesuch vorstellt. Darauf folgen drei voneinander getrennte Episoden, die einen Blick in die jeweils schwierigen Leben der Figuren werfen. Die Einheitlichkeit entsteht durch die unaufgeregte und punktgenaue Inszenierung und die Tatsache, dass alle Geschwister voller Zweifel stecken, die sie nach außen hin verbergen. Das wiederum erschwert es ihnen, notwendige Lebensveränderungen vorzunehmen. Sie alle sind nämlich an einem Punkt angelangt, an dem es nicht mehr einfach so weiter gehen kann. Die sorgfältig arrangierten Aufnahmen des Kameramanns Jens Harant und der strikte erzählerische Aufbau schaffen zwar eine gewisse Distanz zu den Charakteren, zugleich wirken die Porträts mit ihrer Nähe zum Alltäglichen aber authentisch. Bei allem Verdruss der Figuren gibt es auch Momente zarter Komik. Edward Berger unterstreicht sein schon in „Jack“ gezeigtes Talent für die Darstellung zwischenmenschlicher Nöte und sein Händchen für die passende Besetzung – und weckt die Neugier auf seinen nächsten Film.


Deutschland 2019
Regie: Edward Berger
Drehbuch: Edward Berger, Nele Mueller-Stöfen
Darsteller/innen: Lars Eidinger, Nele Mueller-Stöfen, Hans Löw, Godehard Giese, Mathilda Berger, Christine Schorn, Manfred Zapatka, Valerie Koch
116 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 23.5.

Edie – Für Träume ist es nie zu spät



Eine 85jährige Witwe erfüllt sich ihren Lebenstraum und besteigt einen markant aufragenden Berg. Hauptdarstellerin Sheila Hancock zieht alle Register ihres Könnens

Jahrzehnte war Edie (Sheila Hancock) mit George (Donald Pelmear) verheiratet, eine Ehe, die ebenso freudlos und grau war, wie das Reihenhaus, in dem das Paar seit ewigen Zeiten lebt. Nachdem George eines morgens stirbt, versucht ihre Tochter Nancy (Wendy Morgan) Edie möglichst bald in ein Altersheim abzuschieben. Doch Edie ist nach Jahrzehnten des ständigen Ärgers über ihren Mann, über ihr Leben und auch über ihre eigene Unfähigkeit, sich aus den Fängen einer unglücklichen Ehe zu befreien, verbittert und widerborstig. In einem alten Tagebuch liest sie von einem langgehegten Traum, den George einst verhinderte: Den Suliven zu besteigen, einen markant aufragenden Berg in den schottischen Highlands. Gesagt, getan, macht sich Edie auf eigene Faust auf den Weg. Gleich am Bahnhof wird sie von Jonny (Kevin Guthrie) umgerannt. Aus schlechtem Gewissen kümmert sich Jonny um Edie, die seine Hilfe anfangs nur widerwillig annimmt. Schließlich wird er sogar ihr Bergführer, zumindest versucht er es, denn Edie braucht lange, bevor sie zulässt, dass sich zwischen dem so gegensätzlichen Duo eine Freundschaft entwickelt.

Vor allem die in England seit Jahrzehnten durch zahlreiche Rollen, meist fürs Fernsehen, bekannte Sheila Hancock ragt aus diesem konventionellen Projekt heraus. Ohne Scheu, dass sie allzu unsympathisch wirkt, gibt sie lange die widerborstige, verhärmte alte Dame, die eigentlich keine Lust hast, sich auf andere, auf neue Menschen einzulassen, um schließlich doch zu merken, dass sie viel zurückbekommt, wenn sie denn auch etwas von sich preisgibt.

Großbritannien 2017
Regie: Simon Hunter
Buch: Elizabeth O Halloran
Darsteller: Sheila Hancock, Kevin Guthrie, Amy Manson, Paul Brannigan, Wendy Morgan
102 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 23.5.

Sunset over Hollywood



Wie wäre es mit einer Fortsetzung zu „Casablanca“? In einem Altersheim der US-Filmindustrie im sonnigen Kalifornien wird emsig daran gearbeitet, wie Uli Gaulkes wunderschöne Dokumentation zeigt

Versteckt am Ende des Mulholland Drive nördlich von Los Angeles liegt das Altersheim der US-Filmindustrie. Einst das Rückgrat des amerikanischen Showbiz bildend verbringen hier SchauspielerInnen, Produzenten, Tonleute, Maskenbildner und Regisseure ihren Lebensabend. Das Alter kann den Schaffensdrang dieser oft vergessenen Hollywood-Legenden nicht bremsen. Im hauseigenen Filmstudio schreiben, diskutieren und produzieren sie munterst weiter. Uli Gaulkes Film wird dabei rasch zu einer bewegenden Erzählung über Freundschaft, Kreativität und die Möglichkeiten & Unmöglichkeiten der Liebe, die dem nicht immer gradlinigen Drehbuch des Lebens folgen.

Da ist zum Beispiel die älteste noch aktive Schauspielerin der Welt, Connie Sawyer, die mit ihren 105 Jahren noch immer zu Castings in Hollywood geht und an der Seite von Stars wie Frank Sinatra, Susan Hayward und Dean Martin in mehr als 70 Filmen mitspielte. Oder Daniel Selznick, der Sohn des berühmten Hollywood Produzenten David O. Selznick, der George Lucas die Chance gab „American Graffiti" zu drehen und ihm damit zum Durchbruch und zu einer beispiellosen Karriere verhalf. Es sind diese stillen, fast vergessenen Hollywoodhelden, von denen der Film erzählt und aus deren Perspektive die amerikanische Filmgeschichte noch einmal persönlich erlebbar wird. Doch sie wären keine Filmschaffenden, wenn sie nur von Erinnerungen leben würden. Im hauseigenen Filmstudio haben sie die Möglichkeit, Drehbücher zu schreiben und Filme zu produzieren. Und als plötzlich die Idee im Raum steht, über eine Fortsetzung des Filmklassikers „Casablanca" nachzudenken, da nimmt ungeahnte Kreativität ihren Lauf und das eigene Leben und ihre sprudelnden Filmideen beginnen sich auf wundervolle Weise zu durchdringen.

Land/Jahr: Deutschland 2018
Dokumentarfilm
Regie: Uli Gaulke, Agnes-Lisa Wegner
101 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 30.5.

High Life



Eine Gruppe Sträflinge begibt sich auf eine brenzlige Raumschiff-Mission. Wenn Frankreichs eigenwillige Arthaus-Diva Claire Denis einen Ausflug ins Science-Fiction Genre unternimmt, fällt das Ergebnis erwartungsgemäß ungewöhnlich aus.

In den Tiefen des Weltalls. Jenseits unseres Sonnensystems. Monte (Robert Pattinson) und seine Tochter Willow (Jessie Ross) leben zusammen an Bord eines Raumschiffs, Raumschiff Nummer 7. Steuerungslos und gänzlich isoliert schweben sie durchs All, der Tag nur gegliedert durch Reparaturarbeiten und tägliche Statusreports an die Erde. Sie sind Teil einer experimentellen Mission, die außer Monte und Willow niemand überlebt hat. Eine Gruppe zum Tod verurteilter Straftäter hat ein Angebot des Staates angenommen: Lebenswichtige Energieressourcen im All zu finden und im Gegenzug dafür die Strafe erlassen zu bekommen. Ein trügerischer Deal. Und für die Crew eine Reise ohne Wiederkehr. So nähern sich auch Vater und Tochter ihrem letzten und unausweichlichen Ziel – dem Schwarzen Loch, dem Ende von Zeit und Raum.

„High Life“ erzählt in poetischen Bildern eine existentielle Geschichte von Verlangen und Begierde, von Leidenschaft und menschlicher Grausamkeit – und eine Geschichte von allumfassender Liebe. Es ist Claire Denis‘ erstes englischsprachiges Projekt. Für ihr futuristisches Drama arbeitete sie mit einem herausragenden Schauspieler-Ensemble zusammen: neben Robert Pattinson und Oscar-Preisträgerin Juliette Binoche in den Hauptrollen u.a. auch mit OutKast-Sänger André Benjamin, Mia Goth, Lars Eidinger, Claire Tran und Agata Buzek. Für ihren Film holte sich Claire Denis die Expertise des renommierten Konzeptkünstlers Olafur Eliasson für das visuelle Design des Schwarzen Lochs. Den Soundtrack komponierte Stuart A. Staples von den Tindersticks. Für die Kamera zeichnete Yorick Le Saux verantwortlich. Das Szenenbild stammt von Francois Renaud Labarthe und Bertram Strauss.


Deutschland, Frankreich, UK, Polen, USA 2018
Regie: Claire Denis
Darsteller: Robert Pattinson, Juliette Binoche, Mia Goth, André Benjamin, Lars Eidinger
110 Minuten
ab 16 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 30.5.

Roads



Ein englischer Teenager und ein Flüchtling aus dem Kongo treffen sich an einer Straße in Marokko und suchen gemeinsam den Weg nach Europa. Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft, die sich gegen alle Widerstände behauptet.

Als wir Gyllen (Fionn Whitehead) zum ersten Mal sehen, steht er irgendwo in Marokko am Straßenrand und telefoniert verzweifelt mit Bekannten. Ob sie einen Trick wüssten, wie man dieses bockige Wohnmobil wieder startklar bekommt? Erst später wird der Zuschauer erfahren, dass Gyllen noch keine 18 ist und keinen Führerschein besitzt. Das Wohnmobil hat er kurzerhand seinem Stiefvater geklaut, um so dem Familienurlaub in Nordafrika zu entfliehen. Glücklicherweise kommt der 18-jährige William (Stéphane Bak) des Wegs. Er ist aus dem Kongo, will nach Europa. Dort lebt sein verschollener Bruder. William kann nicht nur Auto fahren, auch sonst ist er praktischer veranlagt als Gyllen. So werden sie zu Verbündeten. Doch wie sollen die beiden jungen Männer ohne Papiere auf die Fähre nach Spanien gelangen? Im Hafen von Tanger sprechen sie einfach den deutschen Hippie Luttger (Moritz Bleibtreu) an - obwohl er offensichtlich nicht ganz richtig tickt. Nicht nur, dass er mit Rauschgift handelt, er klaut den beiden, kaum in Spanien angekommen, auch das Wohnmobil...

Ein Road Movie also, und wie in so vielen anderen Road Movies geht es auch hier, im neuen Film von Sebastian Schipper, der 2015 mit „Victoria“ für Furore sorgte, nicht so sehr um das Erreichen eines Ziels, sondern um das Unterwegssein, um eine Reise zu sich selbst. Gyllen und William sind getrieben von Abenteuerlust und einer unbestimmten Sehnsucht, sie wachsen auf ihrer Reise immer stärker zusammen und müssen Entscheidungen treffen, die ihr Leben und das von anderen nachhaltig beeinflussen. Symptomatisch hierfür ist Gyllens Besuch bei seinem leiblichen Vater (Ben Chaplin) in Frankreich. Der will die Dinge wieder richten und Gyllen mit seinem Stiefvater versöhnen. Doch der Junge verweigert sich und zieht einfach weiter. Sowohl der britische Shootingstar Fionn Whitehead („Dunkirk“) als auch der französische Schauspieler und Stand-Up-Comedian Stéphane Bak („Elle“) machen ihre Sache gut. Ihre Figuren werden zu Freunden in einer Welt, die sich durch die Flüchtlingskrise verändert hat. Da hilft nur Zusammenhalt.

Deutschland 2018
Regie: Sebastian Schipper
Darsteller: Fionn Whitehead, Stéphane Bak, Moritz Bleibtreu, Ben Chaplin
100 Minuten
ab 6 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 30.5.

Rocketman (englische Originalversion)



Endlich: das langerwartete Biopic über die Pop-Ikone Elton John ist da! Lasst Euch mit hinreissenden Musiknummern von einem tollen Ensemble in den Pop-Himmel katapultieren!

Mitte der 1960er-Jahre: Reginald Dwight (Taron Egerton) ist ein ganz normaler Junge in einem Vorort von London, ein bisschen dick, viel zu schüchtern – nur am Klavier fühlt er sich wirklich wohl. Doch als er nach London kommt, kann er endlich seine wahre Leidenschaft ausleben: den Rock ’n’ Roll. Er trifft den Texter Bernie Taupin (Jamie Bell) und erregt schnell Aufmerksamkeit in der Londoner Szene. Nur der Name passt noch nicht: Erst als Reginald sich in Elton John umbenennt, steht seinem raketengleichen Aufstieg nichts mehr im Weg, denn auf der Bühne verwandelt sich der schüchterne Reggie in einen außergewöhnlichen Rocksänger. In kürzester Zeit schießt Elton John ganz nach oben in die Charts, schreibt einen Nummer-eins-Hit nach dem anderen und trägt immer wildere Kostüme und Brillen. Doch wer steil aufsteigt, kann auch tief fallen, und Elton John ist klar, dass er nicht auf ewig ein Rocketman sein kann.

Es ist schwer zu glauben, aber „Rocketman“ ist der erste Film über das wechselhafte Leben und die Karriere des britischen Popmusikers Elton John. Kongenial übernimmt Taron Egerton („Kingsman: The Golden Circle“, „Robin Hood“) die Rolle des jungen Elton, der als Ausnahmetalent an der Royal Academy of Music begann und sich zur weltbekannten Musik-Ikone hocharbeitete. Unter der Regie von Dexter Fletcher („Eddie The Eagle“) und nach einem Drehbuch von Lee Hall („Billy Elliot – I Will Dance“) bringt „Rocketman“ die bisher unerzählte Geschichte dieser faszinierenden Persönlichkeit auf die große Leinwand. Gegen den Willen seines Vaters und geplagt von Selbstzweifel, verfolgt der junge Musiker den Traum von einer Musikkarriere, bis er schließlich zur Inspiration für Millionen wird. Alle Songs im Film werden von den Schauspielern gesungen und nahtlos in das fantastische Rock-’n’-Roll-Musical eingebunden.

Großbritannien 2019
Regie: Dexter Fletcher
Darsteller: Taron Egerton