Geplante Erstaufführungen in den nächsten Wochen:

voraussichtlich ab Donnerstag 30.6.
Athos - Im Jenseits der Welt
High-Rise
Ice Age – Kollision voraus!
Ma Ma - Der Ursprung der Liebe
Nur wir drei gemeinsam
voraussichtlich ab Donnerstag 7.7.
Liebe Halal
Tangerine L.A.
voraussichtlich ab Donnerstag 14.7.
Unterwegs mit Jacqueline
Toni Erdmann
Atomic Falafel
Elvis & Nixon
voraussichtlich ab Donnerstag 21.7.
Bolschoi Babylon
Frühstück bei Monsieur Henri
The Girl King
voraussichtlich ab Donnerstag 28.7.
Wiener-Dog
Zeit für Legenden

Voraussichtlich ab Donnerstag 30.6.

Athos - Im Jenseits der Welt

Südöstlich der griechischen Hafenstadt Thessaloniki ragen drei Landzungen in die Ägäis. Auf der Spitze der östlichsten ragt der Berg Athos in den Himmel und ermöglicht spektakuläre Blicke. Nah am Himmel, nah an Gott mag man sich hier fühlen, und vielleicht war genau dies der Grund, warum auf der Halbinsel vor gut tausend Jahren Klöster gegründet wurden, die heute zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen. Diese Auszeichnung führt sonst oft zu erheblichem Touristen-Aufkommen, nicht jedoch auf Athos. Denn seit langem existiert hier eine unabhängige Mönchsrepublik, deren Zutritt streng reglementiert ist. Jedem weiblichen Wesen ist der Zutritt komplett untersagt, was sich nicht nur auf Frauen bezieht, sondern auch auf weibliche Tiere! Doch auch (männliche) Pilger oder interessierte Reisende brauchen ein spezielles Visum, um Athos besuchen zu können. Filmen ist eigentlich untersagt, eine Drehgenehmigung ist offiziell nicht zu bekommen. Wie es dem deutsch-österreichischen Regie-Duo Peter Bardehle und Andreas Martin dennoch gelang, hier zu drehen, ist somit ein Rätsel. Wie dem auch sei, im Laufe von drei Jahren waren sie immer wieder auf Athos zu Besuch und filmten in diversen der rund 20 Klöster. Das Ergebnis ihrer Arbeit ist die Dokumentation "Athos - Im Jenseits dieser Welt", die mit ausladenden Flugaufnahmen beginnt. Kein Wunder, haben Bardehle und Martin in den letzten Jahren doch etliche der so beliebten "von oben"-Dokumentationen gedreht.

Was Bardehle und Martin nun zeigen, sind lose strukturierte Momentaufnahmen, Szenen, die vom alltäglichen Leben über diverse Prozessionen bis zur Priesterweihe reichen. Gerade bei diesen festlichen Momenten fühlt man sich ein ums andere Mal als Eindringling, der ein jahrhundertealtes Ritual beobachtet, das eigentlich nicht gefilmt werden soll. Viel angenehmer sind da Aufnahmen, in denen die Mönche ganz bei sich sind, mit sich selbst beschäftigt und nah bei Gott. Sporadisch eingefügte Kommentare der Mönche verraten nur wenig über ihre Motivation, sich dem Klosterleben zu widmen, auch die Geschichte der Insel wird nicht weiter thematisiert. Es ist ein bisschen schade, wie selten es den Regisseuren gelingt, wirkliche Einblicke in das Klosterleben zu nehmen, wirklich in die Tiefe einer so fremden, anderen Welt zu blicken. Sehenswert ist "Athos - Im Jenseits dieser Welt" daher vor allem, weil er trotz allem Bilder aus einer Welt zeigt, die den allermeisten Zuschauer verschlossen bleiben wird.

Dokumentation
Deutschland, Griechenland 2015
Regie: Dr. Peter Bardehle, Andreas Martin


Voraussichtlich ab Donnerstag 30.6.

High-Rise

Schauplatz ist ein 40stöckiger Wolkenkratzer, ein Experiment des modernen Wohnungsbaus, der Mitte der 70er Jahre, einen Ausweg aus städtebaulichen Problemen weisen sollte. Das Hochhaus bildet eine abgeschlossene Welt, es gibt Schulen, Supermärkte, Restaurants, einen Swimmingpool, allein zur Arbeit verlassen die Bewohner das Gebäude noch, zumindest anfangs. Hauptfigur ist Robert Laing (Tom Hiddleston), der als Pathologe im Krankenhaus arbeitet, frisch eingezogen ist und mit seiner Wohnung auf der 25ten Etage in etwa im sozialen Mittelfeld des Gebäudes steht. Fast ganz unten lebt der Fernsehjournalist Richard Wilder (Luke Evans), ganz oben, im Penthouse, mit angeschlossenem Dachgarten, in dem Pferde und andere Tiere grasen, lebt Anthony Royal (Jeremy Irons), Architekt und Besitzer des Hochhauses. Der das Gebäude als soziales Experiment intendiert hat, in dem alle sozialen Klassen Großbritanniens friedlich - wenngleich räumlich getrennt! - miteinander leben können. Doch nach und nach scheitert dieses Experiment, zerfällt die soziale Ordnung, beginnt im Hochhaus die Anarchie zu herrschen, beginnen Klassenkämpfe zu wüten...

Ben Wheatley, in Deutschland bislang kaum bekannt, in England und auf Festivals durch seine Genre-Experimente "A Field in England", "Kill List" oder "Sightseers" auf dem Weg zum Kultstatus, und seine Drehbuchautorin Amy Jump haben versucht, den Roman von J.G. Ballard zu verfilmen. Ihre Adaption hält sich einerseits penibel an die Vorlage, nimmt sich aber auch mehr Freiheiten, als es zeitgenössische Adaption oft tun. Das Ergebnis ist ein Film, der ziemlich exakt die Atmosphäre des Romans einfängt, eine Atmosphäre des moralischen Verfalls. Diesen Verfall schildert Wheatley nun in losen Szenen, impressionistischen Vignetten, die oft nur lose verbunden sind. Dass die Ausstattung so perfekt die 70er Jahre einfängt, die Schauspieler so sehr in ihren Rollen aufgehen, die Atmosphäre des Verfalls, der Dekadenz so gut eingefangen ist, kaschiert dabei, dass die Metaphorik des Hochhauses, in dem gesellschaftliche Entwicklungen komprimiert betrachtet werden, überdeutlich ist. Besser als Wheatleys "High-Rise" kann eine Verfilmung von J.G. Ballards eigentlich unverfilmbaren Büchern dennoch kaum sein, auch wenn der Film weniger als Erzählung funktioniert, sondern mehr als impressionistische Collage.

Großbritannien 2015
Regie: Ben Wheatley
Darsteller: Tom Hiddleston, Luke Evans, Jeremy Irons


Voraussichtlich ab Donnerstag 30.6.

Ice Age – Kollision voraus!

Scrat stößt bei seiner endlosen Jagd nach der unerreichbaren Nuss in neue Dimensionen vor. Er wird ins Universum katapultiert, wo er versehentlich kosmische Kettenreaktionen auslöst, in deren Folge die Gefahr besteht, dass sich die Ice Age-Welt verändert oder gar zerstört wird. Sid, Manny, Diego und der Rest der Herde verlassen notgedrungen ihre Heimat und begeben sich auf eine Reise voller Spaß und Abenteuer. Dabei durchqueren sie exotische Länder und begegnen einer Vielzahl von neuen schillernden Charakteren.

Mit „Ice Age – Collision Course“ kehren jede Menge Stars zurück, darunter Ray Romano, Denis Leary, John Leguizamo, Queen Latifah, Seann William Scott, Josh Peck, Simon Pegg, Keke Palmer, Wanda Sykes und Jennifer Lopez. Neue Mitglieder der Herde sind Stephanie Beatriz, Adam Devine, Jesse Tyler Ferguson, Max Greenfield, Jessie J, Nick Offerman, Melissa Rauch, Michael Strahan und Neil deGrasse Tyson. Natürlich nur in der bei uns gezeigten englischen Originalfassung!

USA 2016
Regie: Michael Thurmeier
100 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 30.6.

Ma Ma - Der Ursprung der Liebe

Auch wenn gerade ihre Ehe endgültig den Bach runter geht und sie nach den Ferien arbeitslos sein wird, ist Magda (Penélope Cruz) guter Dinge. Doch dann entdeckt ihr Gynäkologe Julián (Asier Etxeandia) einen Knoten in der Brust. Auf die Diagnose Brustkrebs folgen Chemotherapie und Amputation der rechten Brust. Doch selbst davon lässt sich Magda nicht unterkriegen. Aufopferungsvoll kümmert sie sich um ihren Sohn Dani (Teo Planell), der davon träumt, bei Real Madrid Fußball zu spielen. Praktischerweise hat Magda gerade Arturo (Luis Tosar) kennengelernt, Talentscout für den Hauptstadtclub und ebenfalls vom Schicksal geschlagen. Magda gibt ihm in seinen schweren Stunden Halt und beginnt eine ungewöhnliche, eher platonische Beziehung mit Arturo, denn dieser scheint eher Männern als Frauen zugeneigt zu sein. Diesbezügliche Erfahrungen hat er auch mit Julián gemacht, der offen bisexuell ist und gern einen eleganten Sexclub namens Der Ursprung der Welt frequentiert. Dort singt er auf der Bühne gern schmachtende Lieder und ermöglicht Magda die Erfüllung einer sexuellen Phantasie: Sex mit mehreren Männern. Danach ist Magda schwanger, doch gleichzeitig bekommt sie eine weniger angenehme Nachricht: Der besiegt geglaubte Krebs ist zurück und scheint diesmal unheilbar.

In klassisch melodramatischer Manier entwickelt Julio Medem eine exaltierte Geschichte, die ganz bewusst auf jegliche Glaubwürdigkeit verzichtet. Viel wichtiger sind dem baskischen Regisseur, der einst mit Filmen wie „Die Liebenden des Polarkreises“ und „Lucia und der Sex“ bekannt wurde, die Dopplungen der Geschichte: zwei Männer trifft Magda, zwei Mal erhält sie die Diagnose Brustkrebs und, ja, zwei Brüste stehen im Mittelpunkt, wie auch der Titel andeutet. Denn das spanische Mama hat zwei Bedeutungen: zum einen Mutter, zum anderen Brust - und genau um diese beiden Aspekte geht es hier. Eine Verklärung der Rolle der Frau ist Medems Film, eine Ode an die Mütter, die sorgenden Wesen, die ihren Kindern und Männern ein Halt in schwerer Stunde sind, die ihnen Kinder gebären, durch die sie neuen Lebensmut gewinnen, die rein und ätherisch sind.

Spanien 2015
Regie: Julio Medem
Darsteller: Penélope Cruz, Luis Tosar, Asier Etxeandía
123 Minuten
ab 12 Jahren


Voraussichtlich ab Donnerstag 30.6.

Nur wir drei gemeinsam


Als junger Jurastudent kämpft der Iraner Hibat auf Seiten der Kommunisten gegen die Macht des Schahs, wird inhaftiert und bleibt dennoch seinen Ansichten treu, auch gegen den Widerstand in der eigenen Familie. Nach der Entlassung trifft Hibat die junge Krankenschwester Fereshteh. Es ist Liebe auf den ersten Blick, aber für ein unbekümmertes Leben zu zweit ist keine Zeit. Denn auf den Sturz der Monarchie folgt die Diktatur der Islamisten – und Hibat geht wieder in den Untergrund, diesmal unterstützt von Fereshteh, die seine Ansichten teilt. Sie bekommen einen Sohn und verlassen den Iran für immer. Mit Hilfe von Fereshtehs Eltern flüchten sie zuerst in die Türkei und von dort nach Frankreich, wo sie sich eine neue Existenz aufbauen, die bis heute geprägt ist von sozialem Engagement. So weit der Inhalt, aber die wahre Qualität dieses Films zeigt sich in Ausführung, Atmosphäre und Darstellung: eine exquisite Komödie mit mächtig viel Tiefgang, die manchmal spielerisch, manchmal mit großem Ernst davon erzählt, dass es sich lohnt, ein anständiger Mensch zu sein und zu bleiben.

Wie schön, dass es solche Filme gibt! Sie sorgen für Hoffnung – für die Welt, fürs Kino und vor allem für alle Menschen, die immer ganz kurz davor sind, sich der Verzweiflung hinzugeben. Kheiron, der ein wunderbarer Schauspieler ist und gleichzeitig Autor und Regisseur seiner eigenen Biographie, erzählt die bewegte und bewegende Geschichte seiner Eltern als tragikomische und oft sehr schwarzhumorige Reise durch die Vergangenheit. Dabei gelingt es Kheiron, zwischen Ernst, Irrsinn und Komik zu balancieren wie ein besonders mutiger Seiltänzer, der die schwierigsten Passagen mit lässiger Eleganz überwindet. Zu den großen Widersprüchen der Komik gehört, dass nichts so schwierig ist wie die Leichtigkeit und dass Komiker, also Menschen, die komisch sein können, als minderbegabte Schauspieler bzw. Lachnummern abgetan werden. Wie groß dieser Irrtum ist, zeigt sich hier einmal mehr. Die politische Gefangenschaft Hibats inklusive Einzelhaft und Folter wird bei Kheiron zur beklemmenden Darstellung, die erst mit einem Hauch von Komik erträglich wird, so wie das Leben an sich. Lachen als Akt der Selbstverteidigung – das ist eine schwierige Angelegenheit, ein Drahtseilakt, der leicht zum Absturz führen kann. Doch Kheiron weiß, was er tut. Bei ihm wird das Lachen zum erlösenden Momentum, das sich von den handelnden Personen aufs Publikum überträgt.

Frankreich 2015
Regie: Kheiron
Darsteller: Kheiron, Leïla Bekhti, Gérard Darmon


Voraussichtlich ab Donnerstag 7.7.

Liebe Halal

Gestresst wehrt sich Awatef (Mirna Moukarzel) gegen ihren Mann Salim (Ali Sammoury). Wortreich versucht ihm die patente Frau klar zu machen, dass sie von dem „bißchen Haushalt“ und der Kindererziehung müde ist und einfach nur schlafen will. Aber ihr liebeshungriger Gatte hat kein Einsehen. Am liebsten würde sie ihre ehelichen Pflichten gerne outsourcen. Schließlich versucht sie ihn zu einer Zweitfrau zu überreden. Die junge, frischverliebte Batoul (Zeinab Khadra) in der Nachbarwohnung gegenüber plagen dagegen ganz andere Sorgen. Ihr heißblütiger Mann Mokthar (Hussein Mokkadem) ist gnadenlos eifersüchtig. Schon dreimal hat er sich nach islamischem Recht von ihr getrennt. Reumütig kehrt der impulsive Hitzkopf danach jedoch immer wieder zu ihr zurück. Doch diesmal hat er den Bogen überspannt. Um sie erneut zurück zu gewinnen, muss er nach islamischem Gesetz zuerst einen anderen Mann für sie finden. Einen Neuanfang erträumt sich auch die aparte Loubna (Darine Hamze). Frisch geschieden nach einer Zwangsehe, trifft sie ihre Jugendliebe Ahmad (Rodrigue Sleiman) wieder.

Klug eingefädelt und beinahe dokumentarisch inszeniert der oscarnominierte Regisseur Assad Fouladkar seine Gesellschaftskomödie mit leichter Hand, unterhaltsam und immer wieder überraschend. Für den westlichen Zuschauer ist sein charmanter Episodenfilm eine humorvolle Annäherung an die Probleme einer brisant gemischten Gesellschaft zwischen Aufbruch und Unterdrückung. Trotz aller kulturellen und gesellschaftlichen Unterschiede zwischen dem Libanon und der westlichen Welt entsteht so der Eindruck, die Differenzen seien niemals so fundamental, wie vermutet wird. Mit Liebe zum Detail und erfrischender Heiterkeit erzählt der 54jährige universelle Geschichten über Liebe, Freundschaft und Verantwortung. Dabei findet er Szenen von Sinnlichkeit und Lebensfreude, beredte Tableaus, die keines Dialogs bedürfen und doch mehr sagen als viele Worte. Zudem verwandelt eine elegante Kameraführung und Montage ein friedliches Beirut in eine vibrierende Stadt von der Sonne des Mittelmeers in ewig goldenes Licht getaucht.

Libanon, Deutschland 2015
Regie: Assad Fouladkar
Drehbuch: Assad Fouladkar
Kamera: Lutz Reitemeier
Darsteller: Mirna Moukarzel, Ali Sammoury, Fadia Abi Chahine, Darine Hamze, Rodrigue Sleiman, Zeinab Khadra, Hussein Mokkadem, Christy Bared, Berlin Bader.
Laufzeit: 90 Minuten
FSK: 6


Voraussichtlich ab Donnerstag 7.7.

Tangerine L.A.

Weihnachten auf dem Straßenstrich in Los Angeles. Die stürmische Transe Sin-Dee Rella kommt gerade aus dem Knast, da steckt ihr Alexandra, dass ihr Freund und Zuhälter Chester sie mit einer echten Frau betrogen haben soll. Sin-Dee tickt aus und will Chester zur Rede stellen – mit Beweisstück im Schlepptau! Zusammen mit ihrer besten Freundin jagt sie durch die Straßen von Hollywood, um die beiden Missetäter in der abenteuerlichen Transgender-Szene zu finden ...

Schwindelerregende Wortgefechte unter glutrotem Himmel – „Tangerine L.A.“ ist eine wilde und brutal ehrliche Screwball-Comedy mit Herz. Beim Dreh setzte Guerilla-Filmemacher Sean Baker auf größtmögliche Authentizität und Do-It-Yourself: Er schrieb das Buch, führte Regie, machte den Schnitt und bediente zusammen mit Radium Cheung die Kamera, soll heißen: das Smartphone. Nur mit einem iPhone und brandneuen Scope-Adaptern bewaffnet schuf er große starke Kinobilder und einen einzigartigen, körnig-saturierten Look - ein kraftvolles, fiebriges und raues Filmfeuerwerk für unglaubliche 100.000 Dollar! Zu den visuell eindrucksvollsten Aspekten des Films gehört sein Look, körnig und doch sehr gesättigt, was die Bilder mit Spannung erfüllt. Auch wenn man es auf den ersten Blick vielleicht nicht sieht - Baker und sein Bildregisseur Radium Cheung haben den Film tatsächlich auf iPhones gedreht! Baker: „Gerade war das iPhone 5S mit seiner besseren Kamera herausgekommen. Also überlegten wir, wie uns das iPhone helfen könnte. Uns wurde klar, dass es dafür gut sein könnte, Debütschauspieler zu filmen, weil es sie und die auf der Straße aufgegriffenen Komparsen nicht einschüchtern würde. Wir würden heimlich filmen können. Unser Fussabdruck würde sehr klein sein. Aber ich wollte natürlich auch unbedingt schöne Bilder für die große Leinwand schaffen, also haben wir anamorphotische Linsen benutzt. Es waren Prototypen von einer Firma namens Moondog Labs, die uns die Prototypen ihrer anamorphotischen Adapter fürs iPhone gab. Niemand zuvor hatte so gedreht. Und darüber hinaus habe ich den Film in der Postproduktion heftig bearbeitet, um ihm wirklich diesen einzigartigen Look zu geben.“ Cheung war auch ganz begeistert von diesen neuartigen Adaptern: „Sie waren großartig für das, was wir vorhatten, sie verwandeln Handykameras in echte anamorphotische Aufnahmegeräte. Dadurch bekamen die Bilder einen viel klassischeren Film-Look. Wir hatten solches Glück, dass die Prototypen gerade zu diesem Zeitpunkt entstanden und uns zur Verfügung gestellt wurden!“

USA 2015
Regie: Sean Backer
Darsteller: Kitana Kiki Rodriguez, Mya Taylo, James Ransone, Karren Karagulian
Laufzeit: 87 Minuten
FSK: 16


Voraussichtlich ab Donnerstag 14.7.

Unterwegs mit Jacqueline

Fatah sieht aus, wie sich Klein-Fritzchen einen Finanzbeamten vorstellt: bebrillt, mit weichendem Haupthaar und schlecht sitzenden Klamotten, zudem in seinen Bewegungen immer ein bisschen staksig und unbeholfen. Tatsächlich aber ist Fatah ein Bauer in Algerien. Er hat eine Frau, zwei wohlgeratene Töchter, und er hat Jacqueline, eine milchkaffeebraune Kuh mit sanften Riesenaugen – Fatahs ganzer Stolz. Sein größter Traum ist, sie auf der Landwirtschaftsmesse in Paris zu präsentieren. Und eines Tages geht der Traum in Erfüllung: Fatah kann nach Paris fahren, um Jacqueline beim Wettbewerb um die schönste französische Kuh vorzustellen. Das ganze Dorf legt für die Schiffsreise zusammen, und gegen den Willen seiner Frau Naïma macht sich Fatah mit Jacqueline auf die abenteuerliche Reise, die ihn zu Fuß von Marseille nach Paris führt, denn für mehr als die Schiffsüberfahrt hat das Geld nicht gereicht. Auf ihrem Marsch in die Hauptstadt treffen Bauer und Kuh viele, meist freundliche Menschen, und das ist kein Wunder, denn Fatah selbst ist ein so sympathischer, liebenswerter Mann, dass ihm niemand widerstehen kann...

Mohamed Hamidi erzählt in einem angenehmen Tempo, das zu der meist ländlichen Kulisse passt. Dazu gibt es einen tollen, jazzig orientalischen Soundtrack, der schon für sich gute Laune macht. Neben dem großartigen Hauptdarsteller Fatsah Bouyahmed, der sich die Rolle teilweise selbst auf den Leib schreiben durfte, glänzt der ehemalige Filmschönling Lambert Wilson als depressiver Adliger. Jamel Debbouze, ebenfalls bekannt aus unzähligen französischen Filmen, spielt Fatahs Schwager als mies gelaunten Hektiker, der sich im Nullkommanix ans westliche Leben angepasst hat. Nebenher und ganz unspektakulär geht es dann auch um das Zusammentreffen zweier Kulturen, und in schöner Beiläufigkeit betrachtet Mohamed Hamidi das gespannte Verhältnis Frankreichs zum Islam. Mohamed Hamidi hat einen wunderbar komischen, durch und durch optimistischen Film geschaffen, der von unterschiedlichen Menschen in unterschiedlichen Kulturen handelt, die dennoch vieles gemeinsam haben. Fatah ist der unschuldige Held, der von einer Beinahekatastrophe in die nächste geworfen wird, in einem modernen Märchen, das dennoch sehr authentisch ist. Seine Botschaft: Mit Freundlichkeit und Zuversicht lassen sich alle Probleme irgendwie bewältigen. Das ist allerbestes französisches Wohlfühlkino.

Frankreich, Marokko 2015
Regie: Mohamed Hamidi
Darsteller: Fatsah Bouyahmed, Lambert Wilson, Jamel Debbouze


Voraussichtlich ab Donnerstag 14.7.

Toni Erdmann

Der Musiklehrer Winfried besucht spontan seine Tochter Ines. So weit – so gut. Doch Ines lebt und arbeitet in Rumänien als Unternehmensberaterin, und Winfried ist zwar erfreulich spontan für sein Alter, aber auch nicht mehr ganz fit und gerade ziemlich unglücklich, denn sein alter Hund ist gestorben. Vor allem aber ist Winfried ein großer Freund launiger Scherze und Streiche, mit denen er gern mal die Reaktionen seiner Umwelt testet. Das weiß die Tochter natürlich, auch wenn sie sonst mit ihrem Vater ziemlich wenig am Hut hat. Der Kontakt ist alles andere als innig, Ines erfüllt ihre töchterlichen Verpflichtungen, aber mehr war bis jetzt nicht drin. In Bukarest angekommen, wird Winfried von Ines erstmal zu ihren Terminen und Empfängen mitgeschleift. Kein guter Start, und es kommt noch schlimmer, denn Winfried kann sich weder seine Witze verkneifen noch die Kritik an Ines‘ Lebensstil. Er verabschiedet sich von seiner Tochter, aber der Abschied ist keinesfalls endgültig, denn Winfried kehrt zurück, und zwar als Toni Erdmann, sein Alter Ego mit schrecklicher schwarzer Wuschelperücke und schiefen Zähnen. Und dieser Toni Erdmann schafft, was Winfried nicht geschafft hat: Er findet einen Weg zu Ines.

Maren Ade baut mit diesem perfekten Duo Peter Simonischek und Sandra Hüller, die gemeinsam und dennoch jeder für sich zu einem merkwürdigen Pas de deux antreten, eine unglaublich intensive Bindung auf. Sie zeigt eine Vater-Tochter-Beziehung, die gleichzeitig ein Abgesang aufs 20. Jahrhundert ist und die Beschreibung einer neuen Zeit. Das macht Maren Ade ohne Wehmut und Anklage. Sie stellt fest, sie seziert wie ein besonders präziser Chirurg die Beziehungsgeflechte zwischen Vater und Tochter und richtet das Ergebnis dann mit viel liebenswertem Charme und wissendem Humor so an, dass alle Beteiligten ernst genommen werden und ihre Geheimnisse behalten. Es wird wenig erklärt, obwohl Maren Ade sich sehr viel Zeit lässt, um Spannung aufzubauen und ihre Geschichte zu entwickeln. Das erfordert Mut und eine ungeheure Souveränität, denn 162 Minuten Familiendrama sind eine echte Herausforderung, auch wenn es viel zu sehen, zu lachen und zu schmunzeln gibt. Maren Ade beweist, dass sich der Mut lohnt, und vielleicht hat sie mit Toni Erdmann nicht nur eine unsterbliche Filmfigur geschaffen, sondern auch einen Film, der sich weit jenseits aller Verflachungstendenzen gegen den Mainstream behaupten könnte. Das wäre nicht nur wünschenswert, sondern auch sehr, sehr schön.

Deutschland, Österreich 2016
Regie: Maren Ade
Darsteller: Sandra Hüller, Peter Simonischek, Michael Wittenborn
162 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 14.7.

Atomic Falafel

Nofar lebt zusammen mit ihrer Mutter Mimi, die mitten in der israelischen Wüste einen Falafel-Imbiss in einem umgebauten Van betreibt. Mimis Produkte mit extrascharfer Sauce sind bei den Soldaten des naheliegenden Militärcamps dermaßen beliebt, dass sie sich schon mal nachts heimlich mit ihren Panzern auf den Weg zum Imbiss machen oder Mimi die Koordinaten schicken, damit sie zwecks Auslieferung der heißen Ware zum Truppenübungsplatz fährt. Derweil plagt sich Nofar mit Schulproblemen – als aufmüpfiger Teenie hat sie es schwer und droht, von der Schule zu fliegen. Was weder Mutter noch Tochter ahnen: Sie sitzen buchstäblich auf dem Pulverfass, denn nur ein paar Meter unter ihnen befindet sich eine geheime Kommandozentrale der israelischen Armee. Dort haben sich hochgradige Militärs versammelt, die einen Atomangriff aus dem Iran erwarten, auf den sie mit furchtbaren Vergeltungsschlägen antworten wollen. Bis dahin klingt diese Story zwar ungewöhnlich, aber einigermaßen logisch – kein Wunder, denn es handelt sich erstmal nur um den Beginn einer hanebüchen verzwickten Geschichte, in der es nebenbei auch noch um erste und zweite Liebe, Whistleblowing, Online-Freundschaften und um eine merkwürdige Allergie geht. Und natürlich um köstliche Falafel.

Eine Schar internationaler Schauspieler schmückt den Film, der nicht nur von Dialogwitz und Situationskomik lebt, sondern auch von einem geradezu babylonischen Sprachengewirr, das einen Teil des Charmes ausmacht und durch die deutsche Fassung hoffentlich erhalten bleibt. Der israelische Filmemacher Dror Shaul serviert einen knallbunten, herbsüßen Cocktail zum Thema Völkerverständigung, bei dem die Selbstironie ebenso wenig fehlt wie die schonungslose Bloßstellung von Machtgier und Militarismus. Das hätte eine pessimistische Weltschau ergeben können, doch im Mittelpunkt der Handlung steht hier die Jugend und damit auch der Optimismus. Zahlreiche Anleihen bei „Dr. Seltsam oder Wie ich lernte die Bombe zu lieben“ sind nicht nur offenkundig, sondern sicherlich beabsichtigt: Die israelischen Offiziere und Politiker erscheinen ebenso wie ihre iranischen Kontrahenten wie modernisierte Abziehfiguren aus Kubricks Klassiker. Auch wenn statt auf Tiefgang manchmal eher auf Lacher spekuliert wird, so bleibt doch der Eindruck, dass bei aller zur Schau gestellten Absurdität hier ein hoch anständiger Film mit einer ganz eindeutigen Friedensbotschaft ins Kino kommt.

Israel, Neuseeland u.a. 2015
Regie: Dror Shaul
Darsteller: Michelle Treves, Shai Avivi, Mali Levi Gershon
Laufzeit: 92 Minuten
FSK: 6


Voraussichtlich ab Donnerstag 14.7.

Elvis & Nixon

USA 2016
Regie: Liza Johnson
Darsteller: Michael Shannon, Kevin Spacey, Evan Peters
Laufzeit: 86 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 21.7.

Bolschoi Babylon

Im Januar 2013 steht Moskaus Kulturszene unter Schock: Ein maskierter Mann schleudert Sergej Filin, dem künstlerischen Leiter der Bolschoi-Ballettkompanie, Säure ins Gesicht. Der Schock wandelt sich in ein Trauma, als bekannt wird, dass der Initiator des Anschlags ein Solotänzer aus den eigenen Reihen des Bolschoi war. Der Vorfall führt der ganzen Welt vor Augen, was Insider schon lange wissen: Hinter den Kulissen des prächtigen Theaters regieren Vetternwirtschaft, Eifersucht und Korruption. Der Kreml beruft Wladimir Urin zum neuen Intendanten des Bolschoi-Theaters, um den Ruf dieser russischen Institution zu retten. Doch als Sergej Filin ans Bolschoi zurückkehrt, geht der erbitterte Machtkampf in seine nächste Runde.

Erstmals in seiner langen Geschichte gestattete das Bolschoi-Theater einen unzensierten Blick hinter die Kulissen. Die britischen Filmemacher Nick Read und Mark Franchetti trafen die Tänzerinnen und Tänzer, die Bühnenarbeiter und die Entscheidungsträger, als das Ensemble in der Spielzeit 2013/14 noch immer unter dem Eindruck des brutalen Säureanschlags stand. Doch „Bolschoi Babylon“ erzählt nicht nur ein modernes Drama aus der russischen Theaterwelt. Mit opulenten Bildern und beeindruckender Musik aus namhaften Ballettaufführungen gewährt der Dokumentarfilm auch spannende Einblicke ins Leben und Leiden der berühmtesten Balletttruppe der Welt. Der Film hatte seine Weltpremiere beim Toronto International Film Festival.

Großbritannien 2015
Regie: Nick Read
87 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 21.7.

Frühstück bei Monsieur Henri

Monsieur Henri (Claude Brasseur) ist ein Griesgram, wie er im Buche steht. In einem fort echauffiert sich der verwitwete Rentner über Gott und die Welt, insbesondere über seinen Sohn Paul (Guillaume de Tonquedec) und dessen Frau Valérie (Frédérique Bel), die er für eine dumme Gans hält. Weil Henri gesundheitlich nicht mehr ganz auf der Höhe und sein Pariser Apartment für eine Person viel zu groß ist, vermietet sein Sohn gegen den Willen des Alten eins der freien Zimmer. Als dann ausgerechnet die junge Studentin Constance (Noémie Schmidt) an der Türschwelle steht, für Henri ein Inbegriff der unfähigen und verlotterten Jugend, lässt der ehemalige Buchhalter die junge Mitbewohnerin freilich nur zähneknirschend einziehen. Sein Unwille bestätigt sich, wenn Constance dreist seine Pantoffeln okkupiert, sich ohne Erlaubnis ans Klavier der verstorbenen Frau setzt oder die Ordnungsliebe des Hausdrachen anderweitig unterwandert. Doch dann kommt dem Alten eine perfide Idee, mit der er seine verhasste Schwiegertochter Valérie (Frédérique Bel) los werden könnte: Constance soll Paul so lange bezirzen, bis dieser seiner Frau den Laufpass gibt. Im Gegenzug darf Constance ein halbes Jahr lang mietfrei in ihrem Zimmer wohnen. Also schiebt die chronisch abgebrannte Studentin ihre moralischen Einwände beiseite und verdreht dem ahnungslosen Paul mit den Waffen der Frauen den Kopf.

Dass die Komödie funktioniert, liegt daran, dass Constance dem alten Meckerfritzen Henri im Gegensatz zu den anderen Figuren ordentlich Paroli bieten kann. Während der bittere Rentner seinem gutmütigen Sohn und seiner begriffsstutzigen Schwiegertochter regelmäßig über den Mund fährt, lässt sich die schlagfertige Constance nicht ganz so leicht von den bissigen Kommentaren unterkriegen. Dass die Studentin dem Misanthropen in punkto Schlagfertigkeit und Raffinesse absolut ebenbürtig ist, erweist sich als wesentliche Triebfeder für die Wohlfühlkomödie. Filmisch geht Regisseur Ivan Calbérac keine großen Experimente ein, sondern produziert die gewohnten Hochglanzbilder des französischen Mainstreamkinos. Der Fokus liegt ohnehin auf den geschliffenen Dialogen und der Situationskomik, die an die Theaterwurzeln des Stoffs erinnern. Dass „Frühstück bei Monsieur Henri“ nicht nur humorvoll, sondern auch anrührend ist, liegt am Hauptdarsteller-Gespann Claude Brasseur und Noémie Schmidt.

Frankreich 2015
Regie: Ivan Calbérac
Darsteller: Claude Brasseur, Guillaume de Tonquedec, Noémie Schmidt, Frédérique Bel, Thomas Solivéres, Valérie Kéruzoré
Laufzeit: 98 Minuten
ohne Altersbeschränkung


Voraussichtlich ab Donnerstag 21.7.

The Girl King

„Mit dem Schwert deines Vaters gehört Schweden dir“, erklärt Ziehvater und Kanzler Axel Oxenstierna (Michael Nyqvist) der unbefangenen Kristina (Malin Buska). Reiten, jagen und fechten bedeuten der jungen Frau wesentlich mehr als Etikette und Kleidung. Auf dem Thron jedoch erweist sich Gustav Adolfs Tochter als energische Herrscherin und pragmatische Politikerin. „Ich will Stockholm zum neuen Athen machen“, verkündet sie kurz nach ihrer Krönung. „Um diesen Traum zu erreichen müssen wir uns eine der größten Herausforderung stellen: Frieden“. Ein Affront, der die konservativen, protestantischen Herren ihres Hofstaats erschauern lässt. Denn den dreißigjährigen Krieg zu beenden scheint ihnen als Eingeständnis der Niederlage vor den Katholiken. Doch damit nicht genug. Die ungestüme Herrscherin lehnt auch sämtliche Heiratsanträge ab. Stattdessen wirft die 18jährige ein Auge auf ihre reizende Kammerzofe Gräfin Ebba Sparre (Sarah Gadon)...

Hollywood ließ seinen Klassiker über Königin Christine von Schweden, die Thron und Liebhaber verliert, mit einer leinwandfüllenden Aufnahme von Greta Garbos unbewegtem Gesicht enden. Regisseur Mika Kaurismäkis Schlussbild vermittelt dagegen Hoffnung und Aufbruchsstimmung. „Jeder will Freiheit und seine Zukunft selbst bestimmen“, glaubt er und hofft, dass sich junge Menschen von heute mit seinem historischen Psychodrama identifizieren können. Das könnte durchaus gelingen. Denn seine Hauptdarstellerin, die junge Schwedin Malin Buska, verkörpert die schillernde Persönlichkeit der außergewöhnlichen jungen Frau im Ränkespiel um Liebe und Macht weder sentimental noch pathetisch. Zusammen mit seinem jüngeren Bruder Aki revolutionierte der versierte Filmemacher Anfang der 1980er Jahre das Gesicht des finnischen Kinos. Mit seinen exzellenten Musikdokumentationen “Moro no Brasil” und “Brasileirinho” feierte der Globetrotter und Grenzgänger des internationalen Kinos die Musik der Brasilianer „als eine Art soziales Überlebensritual”. Brasilien wurde nicht zuletzt deshalb seine zweite Heimat. Der sympathische Mika Kaurismäki erprobte sich in vielen Genres, bevorzugt im Road Movie und der Außenseiterballade. Obwohl seine Filme nationale und internationale Preise erhielten, blieb er ein wenig im Schatten seines als originellen Autorenfilmer geehrten Bruders.

Finnland/ Kanada/ Deutschland/ Schweden 2015
Regie: Mika Kaurismäki
Drehbuch: Michel Marc Bouchar
Darsteller: Malin Buska, Sarah Gadon, Michael Nyqvist, François Arnaud, Hippolyte Girardot, Lucas Bryant, Laura Birn, Martina Gedeck, Peter Lohmeyer, Patrick Baucha, Jannis Niewöhner, Hippolyte
Laufzeit: 106 Minuten
FSK: 12


Voraussichtlich ab Donnerstag 28.7.

Wiener-Dog

Skurriler wie abgründiger Episodenfilm (mit Pause!), in denen ein Dackel von einem Herrchen zum nächsten wandert. Ein Highlight des unabhängigen Kinos!

Ein Dackel blickt mit seinen treuen, weisen Augen auf die Schicksale seiner Herrchen: Da ist der kleine Junge, der erdrückt wird von der Liebe seiner bourgeoisen Eltern (Julie Delpy, Tracy Letts). Die unscheinbare Tierarztassistentin (Greta Gerwig), die sich auf ein Abenteuer mit einem Bad Boy (Kieran Culkin) einlässt. Der gescheiterte Drehbuchautor (Danny DeVito), der auf eine letzte Hollywood-Chance hofft. Und eine in die Jahre gekommene Dame (Ellen Burstyn), die nur dann von ihrer Enkelin (Zosia Mamet) besucht wird, wenn diese Geld braucht. Erträglich wird der Kampf der traurigen Helden gegen die Windmühlen des Alltags oft nur dadurch, dass sie den Hunde-Gefährten an ihrer Seite wissen.

Todd Solondz („Willkommen im Tollhaus“) ist zurück mit seinem skurrilsten und abgründigsten Film bislang und unterstreicht mit der pechschwarzen Komödie über vier Menschen, deren Leben sprichwörtlich auf den Hund gekommen ist, seine Ausnahmestellung als einer der führenden amerikanischen Autorenfilmer. Mit einem verdammten Gespür für das Aberwitzige sozialer Kontakte, einer unvergleichlichen Beobachtungsgabe für die (Un-)Tiefen der menschlichen Existenz, und einem Humor, der so gnadenlos ist, dass er weh tut, lässt Todd Solondz den titelgebenden Dackel in den emotionalen Abgründen amerikanischer Vororte buddeln. Wie schon bei seinen Meisterwerken „Happiness“ und „Storytelling“ kann Solondz auf eine Riege exzellenter Schauspieler vertrauen, allen voran Hipster-Göttin Greta Gerwig („Frances Ha“, „Maggie’s Plan“), It-Girl Zosia Mamet („Girls“, „Mad Men“ „The Kids are Alright“), Oscar®-Preisträgerin Ellen Burstyn („Alice lebt hier nicht mehr“, „Der Exorzist“, „Requiem for a Dream“) und Leinwandlegende Danny DeVito („Taxi“, „Twins – Zwillinge“, „Batmans Rückkehr“). Kurz: Ein Highlight des unabhängigen Kinos, das bereits beim Sundance Film Festival und dem San Francisco Film Festival euphorisch gefeiert wurde.

USA 2016
Regie: Todd Solondz
Darsteller: Danny DeVito, Greta Gerwig, Ellen Burstyn
90 Minuten


Voraussichtlich ab Donnerstag 28.7.

Zeit für Legenden

Ohio, 1934. Der schwarze Ausnahme-Athlet Jesse Owens trainiert unter seinem Coach Larry Snyder, der ihn auf die Olympischen Spiele in Berlin vorbereiten will. Sportlich läuft es perfekt für Jesse, der immer wieder Bestzeiten läuft – aber der Trubel um seine Person macht ihm zu schaffen. Zwei Jahre später hat er mit Snyders Hilfe rechtzeitig für Olympia zu innerer Stärke gefunden. Als Jesse jedoch erfährt, dass die Nazis die Olympischen Spiele für Ihre rassistische Propaganda nutzen wollen, erwägt er, sie zu boykottieren. Doch letztlich trifft er die einzig richtige Entscheidung: Er reist nach Berlin – und macht die Spiele nicht nur zu seinem persönlichen sportlichen Triumph, sondern sorgt für eine herbe Niederlage für Hitlers Nazi-Regime...

Die unglaubliche, wahre Geschichte des größten Olympia-Helden aller Zeiten: Unter der Regie von Stephen Hopkins („Lost in Space“, „Der Geist und die Dunkelheit“) erweckt ein Star-Ensemble die Olympischen Spiele von 1936 - pünktlich zum Olympia-Jahr 2016 und zum 80. Jubiläum der „Owens-Spiele“ - auf der Leinwand wieder zu beeindruckendem Leben: Neben Shooting-Star Stephan James („Selma“) und Jason Sudeikis („Wir sind die Millers“) begeistern dabei die Oscar®-Preisträger Jeremy Irons und William Hurt sowie europäische und deutsche Stars wie David Kross als Luz Long, Carice van Houten („Operation Walküre“) als Leni Riefenstahl oder Barnaby Metschurat („Solino“) als Joseph Goebbels.

Frankreich, Deutschland u.a. 2016
Regie: Stephen Hopkins
Darsteller: Stephan James, Jason Sudeikis, Jeremy Irons
118 Minuten