Marie Curie - Elemente des Lebens

Es ist ein ungewöhnliches Projekt, das Regisseurin Marjane Satrapi aufbietet. Einerseits ist es ein echtes Leben, das sie porträtiert, andererseits die Umsetzung einer experimentellen Graphic Novel. Die Vorlage stammt anders als bei Satrapis vorherigen Filmen „Persepolis“ und „Huhn mit Pflaumen“ nicht von ihr selbst.

„Radium ist ein außergewöhnliches und merkwürdiges Element. Es verhält sich nicht so, wie man es erwartet“, sagt Marie Curie zu ihren Studenten. Sie spricht dabei nicht nur über das von ihrem Mann Pierre und ihr entdecktes Element, sie spricht auch über sich selbst. Denn außergewöhnlich ist auch sie. Eine Frau, die für die Wissenschaft lebt und sich zum Ende des 19. Jahrhunderts zahlreichen Widerständen gegenübersieht, aber niemals aufgibt.

Das Leben von Marie Curie wurde zuletzt vor vier Jahren mit Karolina Gruszka verfilmt. In der neuen Produktion schlüpft Rosamund Pike in die Hauptrolle. Pike spielt mal zurückhaltend, mal resolut, mal energisch, mal verzweifelt. Beeindruckend ist die Szene, in der sie in totaler Verzweiflung immer wieder nach ihrem verstorbenen Mann fragt. Nur eine kurze Szene, aber eine, die ihrer Ehrlichkeit wegen von den Füßen fegt.

Während die Graphic Novel von Lauren Redniss in seiner Kombination aus Bild und Text fast schon experimentell anmutet, ist Marjane Satrapis Film sehr geradlinig. Er deckt praktisch das gesamte Leben seiner Hauptfigur ab, mit Rückblicken in ein traumatisches Ereignis der Kindheit bis zum Tod im Jahr 1934.

Als interessanter Kunstgriff muss gelten, dass man die Entdeckung der Radioaktivität auch in ihrer weitreichenden Form zeigt – mit Blicken in die Zukunft. Im Cleveland des Jahres 1957 wird ein krebskranker Junge mit Strahlentherapie behandelt, auf Hiroshima fällt 1945 die Atombombe, und 1986 kommt es zur Katastrophe in Tschernobyl. In der Aufzählung erscheint es, dass die Radioaktivität mehr geschadet denn genutzt hat. Aber der Film hält es wie Pierre Curie, der das Licht der Erkenntnis der Dunkelheit des Unwissens vorzieht.

(Quelle: programmkino.de / Peter Osteried)


Großbritannien, Ungarn 2019
Regie: Marjane Satrapi
Darsteller: Rosamund Pike, Sam Riley, Anya Taylor-Joy
110 Minuten
ab 12 Jahren

Bild

Spielzeiten:

Samstag 08.08.20:18.00 Uhr
Sonntag 09.08.20:18.00 Uhr

Internet-Links

Trailer MARIE CURIE