Miles Davis: Birth of the Cool (engl. OmU)

Kaum ein Musiker des 20. Jahrhunderts war auch über sein Genre so einflussreich wie der Jazz-Trompeter Miles Davis. Im Ansatz zwar klassisch-konservativer, durch das zusammengetragene Material aber dennoch herausragender Dokumentarfilm.

Fast hätte Miles Davis die Violine gespielt. Seine Mutter wollte dem 13jährigen dieses klassische Instrument schenken, doch der Vater bestand auf einer neuen Trompete und der Rest ist Geschichte. Diese Episode ist eine von vielen, die das zwar nicht sehr lange – Davis starb 1991 mit nur 65 Jahren – aber enorm abwechslungsreiche, vielfältige, von Erfolgen und Krisen geprägte Leben des Musikers säumte. Geboren 1926 in Illinois, aufgewachsen in East St. Louis, wo die Familie Davis zwar in verhältnismäßigem Wohlstand lebte, als Schwarze aber dennoch Opfer der damals noch besonders alltäglichen Diskriminierung wurden, fand Miles Davis schon in jungen Jahren zum Jazz. Als 18jähriger stand er bereits mit dem legendären Charlie Parker auf der Bühne, nahm ein paar Jahre später die Songs auf, die später als „Birth of the Cool“ veröffentlicht wurden und nicht nur den so genannten Cool Jazz begründeten, sondern auch ihn selbst als einen der coolsten Menschen seiner Ära etablierten.

Unvermeidlicherweise rasant bewegt sich Stanley Nelson durch das bewegte Leben seines Subjekts, doch Nelson, der sich mit Filmen über unterschiedlichste Aspekte der afroamerikanischen Kultur einen Namen gemacht hat, versteht es, Akzente zu setzen, im richtigen Moment innezuhalten, so dass sein selbst mit 115 Minuten viel zu kurz wirkender Film nie wie ein bloßes Abhaken wirft. Wegbegleiter wie Herbie Hancock oder Quincy Jones, zeitgenössische Musiker wie Santana oder Flea, Liebschaften wie Juliette Gréco oder Frances Taylor kommen zu Wort, dazu hat Nelson viel, auch kaum bekanntes Archivmaterial zusammengetragen und zu einer mitreißenden Collage zusammengefügt. Nichts wird ausgelassen, auch die dunklen Aspekte von Davis Charakter, seine Süchte, die oft zu Gewalt gegen seine Frauen führte. Als Einführung in Leben und Kunst von Miles Davis ist Stanley Nelsons „Miles Davis: Birth of the Cool“ uneingeschränkt zu empfehlen.

Dokumentation
USA 2019
Regie: Stanley Nelson
115 Minuten
ohne Altersbeschränkung

Bild

Spielzeiten:

Samstag 25.01.20:23.00 Uhr
Sonntag 26.01.20:13.00 Uhr

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Trailer MILES DAVIS BIRTH OF THE COOL