Einsam zweisam

Was geschieht eigentlich vor einer klassischen Leinwand-Liebesgeschichte? Regisseur Cédric Klapisch gibt mit seiner gleichermaßen charmanten wie durch und durch melancholischen Anti-Romanze die erhellende Antwort.

Rémy (François Civil) ist dreißig Jahre alt und Single. Gerade hat er andere Probleme als sein brachliegendes Beziehungsleben. Auf der Arbeit wurden außer ihm alle entlassen. In seinem neuen Job findet er sich nur mühsam zurecht. Und die ihm kürzlich zugelaufene Katze hat sich ebenfalls schneller von ihm verabschiedet, als es ihm lieb war. Seit einem Schwächeanfall in der Bahn geht er regelmäßig zu einem Psychotherapeuten, von dem er sich erhofft, seinem niedergeschlagenen Gemütszustand auf den Grund zu gehen. Ganz ähnlich ergeht es nur ein Haus weiter der ebenfalls dreißigjährigen Mélanie (Ana Girardot). Sie trauert einer unglücklichen Beziehung hinterher, leidet unter Schlaflosigkeit und fühlt sich generell von ihrem Umfeld missverstanden. Zwei Menschen in Paris, beide mit sich und ihrem Leben unzufrieden und obwohl sie sich stets näher sind als gedacht, finden sie einfach nicht zueinander...

Wenn sich im Kino zwei Menschen ineinander verlieben, dann tun sie das in der Regel ganz am Anfang des Films. Doch was geschieht eigentlich in der Phase davor? Genau diesem Abschnitt widmet sich nun Cédric Klapisch und zeigt gerade mithilfe solcher Szenen, in denen sich seine Hauptfiguren immer wieder beinahe begegnen, dass Rémy und Mélanie einfach noch überhaupt nicht dafür bereit sind, sich auf jemand Neues in ihrem Leben einzulassen. Der Film besteht lange Zeit aus zwei für sich stehenden Porträts. Sowohl sie als auch er müssen erst einmal bis in die Gegenwart geschleppte Probleme der Vergangenheit bewältigen, um sich für die Zukunft freizumachen. Der Film steuert zwar nicht auf einen spektakulären Twist zu. Trotzdem ist es spannend zu entdecken, wie sich bei Rémy und Mélanie nach und nach ebenjene Dinge herauskristallisieren, die ihnen der Abschluss mit Vergangenem so schwer macht. „Einsam zweisam“ erzählt die Geschichte vor der Lovestory und ist ganz nebenbei auch noch ein Porträt über eine in Überfluss und Hektik lebende Generation aus Beziehungsneurotikern, die sich am Ende doch eigentlich nur nach einem Happy End sehnen.

Frankreich/Belgien 2019
Regie: Cédric Klapisch
Darsteller: François Civil, Ana Girardot, Camille Cottin, François Berléand, Simon Abkarian, Eye Haidara, Pierre Niney
101 Minuten
ab 6 Jahren

Bild

Spielzeiten:


Internet-Links

Trailer EINSAM ZWEISAM