Kleine Germanen



Es geht um Kinder, die in einem rechtsradikalen Umfeld aufwachsen. Dieser Film kommt zur richtigen Zeit, seine Wirkung beruht auf der Kombination von Fakten, unverbrämten Äußerungen und Originalinterviews mit einer wahren Geschichte. Ein aufrüttelnder, handwerklich sehr gelungener Film.

Die kleine Elsa wächst liebevoll behütet auf – der Opa ist ihre wichtigste Bezugsperson. Ihm vertraut sie, und wenn sie ihren kleinen Stahlhelm trägt und mit ihm Krieg spielen kann, ist sie selig. „Für Führer, Volk und Vaterland“, piepst sie und grüßt mit erhobenem rechtem Arm. Als Erwachsene heiratet sie einen Neonazi, mit dem sie in einem von der Außenwelt abgeschotteten Dorf voller Gleichgesinnter lebt. Nachdem ihr Mann wegen rechter Gewalttaten inhaftiert wurde, sieht sich Elsa allein gelassen mit ihren Kindern, von denen eines behindert ist. Sie baut sich unter den misstrauischen Blicken der Dorfgemeinschaft eine eigene Existenz auf, setzt sich zur Wehr, als sie ihren behinderten Sohn ins Heim geben soll und trennt sich schließlich von ihrem Mann...

Elsas Lebensgeschichte ist einer der beiden Erzählstränge des Films. Er zeigt in animierten Bildern, wie Elsa aufwächst – in einem Umfeld von Hass und Lügen. Parallel dazu stehen die realen Bilder der Gegenwart, die unterschiedliche Aspekte einer rechtsradikal ideologisierten Erziehung zeigen. Die Bedeutung dieses Films kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Während in weiten Teilen der Gesellschaft die Fähigkeit zum Diskurs im gleichen Maße abnimmt wie die offenkundige Neigung zu einem sehr schlichten Schwarz-Weiß-Denken zunimmt, mischt sich scheinbar der Wertkonservativismus des schwindenden kleinbürgerlichen Mittelstandes mit dem Hurra-Patriotismus und dem Kadavergehorsam vergangener militaristischer Zeiten. Die Spaltung der Gesellschaft schreitet fort, an allen Ecken und Enden wird eine kaum verbrämte Nazi-Ideologie salonfähig. Wohin ein solcher verquaster Nationalstolz führt, wenn er sich über ein ganzes Land oder über die gesamte Welt ausbreitet, sollte eigentlich jedem Menschen klar sein. Um Diskussionen in Gang zu setzen, um das Nachdenken über den Zustand der Republik und die Richtung einer künftigen Entwicklung zu steuern, bietet der Film jedenfalls eine Fülle von Denkansätzen und Gesprächsmöglichkeiten


Deutschland 2018
Dokumentarfilm
Regie: Mohammad Farokhmanesh & Frank Geiger
Drehbuch: Mohammad Farokhmanesh, Frank Geiger & Armin Hoffmann
85 Minuten
ab 12 Jahren

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