Das schönste Paar



Wie geht die Frau damit um, vergewaltigt worden zu sein, wie der Mann, hilflos gewesen zu sein? Diese Fragen beschäftigen Sven Taddicken in seinem Beziehungsdrama, das mit Wucht und Emotionalität überzeugt.

Die Lehrer Malte (Maximilian Brückner) und Liv (Luise Heyer) befinden sich im Urlaub auf einer Insel im Mittelmeer. Alles ist schön und perfekt, das Paar fühlt sich frei und glücklich, hat Sex an einem scheinbar abgelegenen Strand. Doch sie werden beobachtet, von Sascha (Leonard Kunz) und seinen Freunden. Am Abend dringen die Jugendlichen in das Appartement des Paares ein. Zunächst versucht Malte noch, die Situation mit Worten zu klären, bietet den Jungs Geld und andere Wertsachen an, doch damit geben diese sich nicht zufrieden. Während seine Kumpels Malte festhalten, vergewaltigt Sascha Liv. Zwei Jahre später. Liv hat ihre Therapie gerade beendet, den Überfall scheinbar verarbeitet, das Paar ist immer noch zusammen und scheinbar wieder in der Normalität angekommen. Bis Malte eines Tages Sascha in einem Imbiss sieht...

Schon in seinem letzten Film „Gleißendes Glück“ hatte Sven Taddicken eine extreme Konstellation benutzt, um von der Fragilität von Beziehungen zu erzählen, und auch jetzt bedient er sich eines extremen Konstrukts. Denn nicht nur um gewöhnliche Beziehungsprobleme soll es gehen, sondern um eine der wohl schlimmstmöglichen Vorstellungen: Der Vergewaltigung des Partners hilflos zusehen zu müssen. So ist der Drang nach Rache, den Malte beim Anblick Saschas empfindet, sofort nachzuvollziehen. Wie Taddicken nun die Situation zuspitzt, von Schuldgefühlen und Selbstzweifeln, von Rachegefühlen und dem Wunsch nach Vergeltung erzählt, ist eindrucksvoll. Zumal er das ursprüngliche Opfer-Paar zunehmend auch zu Tätern werden lässt, die auf fragwürdige Weise nach dem streben, was in ihren Augen Gerechtigkeit ist, die Schuld mit Schuld vergelten wollen und zunehmend selbst Unrecht verüben. Von allen vier Darstellern ist das hervorragend gespielt, besonders von Maximilian Brückner und Luise Heyer, die Stärken und Schwächen ihrer Figuren zeigen, den zunehmend verzweifelten Versuch, ihre einst so perfekte Beziehung am Leben zu erhalten, ist eindrucksvoll.

Deutschland 2018
Regie & Buch: Sven Taddicken
Darsteller: Maximilian Brückner, Luise Heyer, Florian Bartholomäi, Jasna Fritzi Bauer, Inga Birkenfeld, Oskar Bökelmann
97 Minuten
ab 16 Jahren

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