Ailos Reise


Zwei Jahre lang trotzte ein Filmteam den widrigen Wetterverhältnissen in Lappland, um die frühe Lebensphase eines jungen Rentiers zu dokumentieren. Als Erzählerin fungiert Anke Engelke, die die kinotauglichen Bilder mit Informationen über die Natur Lapplands unterfüttert.

„Das ist die Geschichte von Ailo, wie er geboren wurde, wie er lebte und wie er geliebt wurde,“ erklärt die passend gecastete Sprecherin Anke Engelke zu Beginn. Schon hier wirkt „Ailos Reise“ wie ein Märchen, was die Naturdoku einem jüngeren Publikum leichter zugänglich macht. Besonders in den ersten Szenen erinnert der verfrüht geborene Ailo, dessen Mutter sich für die Geburt in ein Waldstück zurückzieht und dadurch den Anschluss an die Herde verliert, an Disneys Tierbabyklassiker „Bambi“. Deutlich wird die märchenhafte Note auch anhand eines Polarfuchses, der immer mal wieder auftaucht und seine „große Liebe“ sucht – ein Unterfangen, das die Menschen umtreibt, das im instinktgesteuerten Tierreich jedoch weniger bedeutsam ist. Glücklicherweise überspannt der Dokumentarfilm die Vermenschlichung der Tiere nicht, sondern liefert der herzigen Erzählweise zum Trotz viele sachliche Informationen zur Lebensweise der Rentiere.

Die Langzeitbeobachtung beginnt und endet im Winter. Dazwischen zeigt der Film die lappländischen Fjorde, Flüsse und Berge genretypisch im Wechsel der Jahreszeiten. Die von Daniel Meyer geführte Kamera ist mal mittendrin im Geschehen, mal auf halbnaher Distanz, und fliegt zwischendurch über die weite Landschaft. Auffällig sind einige Overshoulder-Aufnahmen, bei denen die hinter den Tieren platzierte Kamera mit diesen das Terrain überblickt. Vielleicht wurde hier mit Geweihen aus Jagdstuben getrickst, vielleicht stark herangezoomt. So oder so passt die ungewöhnliche Perspektive gut zur immersiven Wirkung, die der Film erzielen will. Unterstützt wird das Gefühl des Dabeiseins durch den Score von Julien Jaouen. Bei den Landschaftsbildern schwillt die Musik majestätisch an, beim Auftritt von Kleintieren wie Lemmingen fällt sie verspielt aus, bei den Wölfen bedrohlich.
Bei aller Dramatisierung der durchweg hochwertigen Aufnahmen bildet der Film die Lebensweisen der Tiere adäquat ab. So entsteht eine unterhaltsam-informative Parabel über das Überleben, Heranwachsen und Sterben in der Wildnis





Frankreich 2018
Regie: Guillaume Maidatchevsky
Sprecherin: Anke Engelke
85 Minuten
ohne Altersbeschränkung

Bild

Spielzeiten:

Dienstag 19.02.19:17.00 Uhr
Mittwoch 20.02.19:17.00 Uhr
Donnerstag 21.02.19:17.00 Uhr
Samstag 23.02.19:17.00 Uhr
Dienstag 26.02.19:17.00 Uhr