Der verlorene Sohn

Höchst bewegendes Drama um die Leidensgeschichte des 19-jährigen Jared, der von seinem streng religiösen Vater gezwungen wird, an einer Konversionstherapie teilzunehmen, um von seiner Homosexualität „geheilt“ zu werden

Jared ist ein ganz normaler Teenager. Vielleicht ein wenig sensibler und allemal religiöser als andere. Sein Vater Marshall (Russell Crowe), ein Autohändler und Baptisten-Prediger, reagiert stolz als der Sohn ein Date mit einem hübschen Mädchen hat. Mutter Nancy (Nicole Kidman) bleibt stets ein bisschen besorgt, selbst den Arm soll das einzige Kind nicht aus dem Autofenster lehnen, weil das gefährlich sein könnte. Dann stürzt die heile Familienwelt in der Südstaaten-Provinz plötzlich in eine schwere Krise. Die Schulleitung wirft Jared vor, er habe am College einen Mitschüler verführt. Die Eltern reagieren schockiert. Der Teenager bestreitet den Vorfall. Für den Vater gibt es nur einen Ausweg: Mit Konversionstherapie soll der Sohn von seiner Homosexualität „geheilt“ werden. „Willst du dich aus tiefstem Herzen ändern?“ fragt der besorgte Prediger. Verwirrt über die eigenen Gefühle stimmt Jared dem Plan zu und reist mit der Mutter in das Umerziehungscamp.

Nichtlineare Erzählweisen liegen im Trend, gekonnt setzt auch dieses Drama auf die Dynamik mit Rückblenden. Mit dem jungen Ich-Erzähler als Verbündetem ist die Empathie-Brücke zum Publikum schnell gebaut. Die psychologisch plausible Entwicklung der Figuren, ob Opfer, Täter oder ohnmächtige Eltern sorgt für weitere Pluspunkte. Nach seinem gekonnten Regiedebüt mit „The Gift“ beweist Schauspieler Joel Edgerton abermals ein talentiertes Händchen beim Inszenieren von bewegenden Gefühlswelten, die ohne Kitsch und Klischees auskommen. Mit Crowe und Kidman versammelt der Australier zwei leinwandpräsente Stars seiner Heimat, die als religiöses Ehepaar erneut Oscar-Qualitäten bieten und mit minimalen Gesten für maximale Wirkung sorgen. Wobei der Ex-„Gladiator“ hier so rundlich daher kommt, dass man ihn zunächst fast nicht erkennt. Als Idealbesetzung erweist sich der 21-jährige Lucas Hedges, der im Vorjahr für „Manchester by the Sea“ eine Oscar-Nominierung bekam und zuletzt in „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ glänzte.

USA 2018
Regie: Joel Edgerton
Darsteller: Lucas Hedges, Joel Edgerton, Russell Crowe
115 Minuten
ab 12 Jahren

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Spielzeiten:

Mittwoch 20.02.19:21.00 Uhr (Queerfilmnacht-Preview)