Touch Me Not

Wollte man „Touch Me Not“ auf eine narrative Handlung reduzieren, würde sich das ungefähr so lesen: Eine Regisseurin (Pintilie selbst), will einen Film über Formen der Sexualität drehen, über Nähe und Intimität. Zu diesem Zweck führt sie Gespräche mit unterschiedlichsten Menschen. Laura (Laura Benson) etwa, versucht mittels diverser Methoden, ihre Unfähigkeit zu physischer Lust zu überwinden. Sie trifft verschiedene Therapeuten und Sexarbeiter und entdeckt dabei verborgene Lüste. Auch Tómas (Tómas Lemarquis) sucht nach einer Trennung neue Formen der Nähe und trifft bei einem Workshop auf Christian (Christian Bayerlein), der seit seiner Geburt schwer behindert und teils deformiert ist, jedoch einen besonders gelassensten Umgang mit sich, seinem Körper und seiner Sexualität hat...

Fließend sind dabei die Grenzen zwischen Fiktion und Dokumentation: Während etwa die Szenen mit Bayerlein – der lange Zeit als Inklusionsbeauftragter im Koblenzer Stadtrat arbeitete und seinen Posten verlor, weil er sich auf seiner privaten Website sehr explizit mit seinem Körper und seiner Sexualität auseinandersetzte – weitestgehend dokumentarisch sind, sind viele der Szenen mit dem vor allem aus „Noi Albinoi“ bekannten Schauspieler Tómas Lemarquis deutlicher inszeniert. Enorm viel Vertrauen müssen sämtliche Teilnehmer dieses Filmprojekts zueinander und besonders zur Regisseurin entwickelt haben, die den Film über Jahre drehte, ihn in Workshops zusammen mit den Akteuren entwickelte, sie mit ihrer Sexualität und ihren Begierden konfrontierte und die Ergebnisse zu einem mehr als ungewöhnlichen Film formte, der sich gewöhnlichen Konventionen entzieht. Schönheit liegt im Auge des Betrachters heißt es in einem dieser gern zitierten Sprüche, die meist nur so dahingesagt werden. „Touch Me Not“ nimmt ihn ernst und zwingt den Zuschauer, der sich auf dieses filmische Experiment einlässt, die eigenen Vorstellung von Schönheit und Scham zu hinterfragen.

Rumänien, Deutschland 2018
Regie: Adina Pintilie
Darsteller: Laura Benson, Tómas Lemarquis, Christian Bayerlein
129 Minuten
ab 16 Jahren

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