The Man Who Killed Don Quixote



Nach mehreren Jahrzehnten Genese hat es Terry Gilliam endlich geschafft sein Herzensprojekt zu realisieren - überbordend, oft hysterisch, bisweilen konfus, oft phantasievoll – eben durch und durch Gilliam.

Toby ist ein Werbefilmregisseur, der einst von Größerem träumte. Beim Dreh in der kargen spanischen Natur stößt er zufällig auf eine DVD eines Studentenfilms, einer Don Quixote-Version, die er vor Jahren in einem nicht weit entfernten Dorf drehte. Kurzentschlossen macht er sich auf die Spurensuche: Sein ehemaliger Don, eigentlich ein Schuster, hält sich inzwischen für den leibhaftigen Mann aus La Mancha, doch vor allem geht es Toby um eine holde Maid (Joana Ribeiro), deren Leben sich durch den Dreh ebenso veränderte wie das Schicksal des ganzen Dorfes. Hinzu kommen ein eifersüchtiger Produzent (Stellan Skarsgård), seine nymphomane Geliebte (Olga Kurylenko) und ein russischer Oligarch (Jordi Mollá),

Vielversprechende Bezüge zur Arbeit eines Regisseurs im allgemeinen und zu Gilliams Persona im besonderen hat die Quixote-Figur, auch die Frage, welche Folgen eine Filmproduktion für das Schicksal der Menschen in einem kleinen Dorf haben kann, das plötzlich für ein paar Wochen mit einer völlig anderen Welt konfrontiert wird, bietet viel Erzählpotential. Mit „Lost in La Mancha“ gibt es sogar schon eine Dokumentation über einen der zahlreichen Versuche von Terry Gilliam, einen Film über eine der berühmtesten Figuren der Literaturgeschichte zu drehen: Miguel de Cervantes Ritter von der traurigen Gestalt Don Quijote, auf englisch meist Quixote geschrieben. Damals sollte Jean Rochefort den Ritter spielen, in einer anderen Version John Hurt (diesen beiden, inzwischen verstorbenen Schauspielern ist der Film gewidmet), nun ist es Jonathan Pryce, der gegen Windmühlen kämpft. Eine Metapher war das schon im Roman, eine Metapher, die sich leicht auch auf das Leben eines Filmregisseur übertragen lässt, der oft allein gegen alle um sein Werk zu kämpfen scheint, seine Vision auf die Leinwand bringen will, gegen Investoren kämpft, denen es nicht um Kunst geht, sondern um Kommerz. Mag sein, dass sich Terry Gilliam wie ein Quixote fühlt, der nun endlich genug Geld zusammen hatte, um in Portugal und Spanien einen Film zu drehen, den er schon lange, vielleicht zu lange im Kopf hatte.



Spanien, Portugal, GB 2018
Regie: Terry Gilliam
Buch: Terry Gilliam & Tony Gisoni
Darsteller: Adam Driver, Jonathan Pryce, Stellan Skarsgård, Olga Kurylenko, Joana Ribeiro, Sergi López, Rossy de Palma, Hovik Keuchkerian, Jordi Mollá
133 Minuten

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